In den nächsten sechs Sonntagen wollen wir uns Heldengeschichten aus dem Alten Testament anschauen. Viele von uns kennen diese Geschichten seit ihrer Kindheit. Sie fesseln schon Kinder, aber sie enthalten zugleich eine zeitlose und tiefe Botschaft Gottes für uns alle. Genau diese Botschaften Gottes in den Heldengeschichten wollen wir in den kommenden Sonntagen gemeinsam entdecken.

Eine einprägsame Illustration

Im Jahr 2009 durfte ich für drei Monate in Portland, Oregon, sein. Es war die Zeit der NBA-Playoffs, und ich bekam sogar noch eine Karte für den Rose Garden, eine sehr große Halle. Mein Sitzplatz war relativ weit oben in den Rängen, sodass es sehr schwer war, die Details auf dem Spielfeld zu erkennen. Es war ein entscheidendes Spiel für die Portland Trail Blazers. Bei einer Niederlage wären sie ausgeschieden. Zu Gast waren die Houston Rockets.

Was sich mir bis heute eingeprägt hat, war folgende Szene: Ich war etwas früher da und konnte beobachten, wie sich die Spieler einspielten und aufwärmten. Ich wusste, dass die meisten von ihnen über zwei Meter groß waren, auch wenn sich das von meinem Platz aus nur schwer einschätzen ließ. Doch dann betrat plötzlich ein Spieler der Houston Rockets das Spielfeld. Auf einmal sahen alle anderen Spieler aus wie kleine Schuljungs. Es war Yao Ming, damals der größte aktive NBA-Spieler. Er war über 2,30 Meter groß. Dieses Bild hat sich mir tief eingeprägt.

Ein Kampf, der Hoffnung macht

Heute beginnen wir mit einer der bekanntesten Heldengeschichten: dem Kampf Davids gegen Goliath. Es ist die Geschichte eines überraschenden Sieges eines vermeintlichen Außenseiters über einen übermächtigen Riesen.

Lieben wir nicht alle solche David-gegen-Goliath-Geschichten? Geschichten, die uns in schwierigen oder scheinbar aussichtslosen Situationen Mut und Hoffnung zusprechen, als könnten auch wir jederzeit siegen, wenn wir nur mutig genug sind und Glauben haben. Ob das aber tatsächlich die Botschaft Gottes durch diese Geschichte ist, wollen wir uns nun gemeinsam anschauen.

Die Geschichte führt uns mitten hinein in ein Tal, das Terebinthental, das in manchen Übersetzungen auch Tal Ela genannt wird. Dort lesen wir, dass sich das kampferprobte Heer der Philister in diesem Tal versammelt hat, um erneut gegen die noch junge Monarchie Israel unter ihrem König Saul zu kämpfen.

Die beiden feindlichen Heere stellen sich auf den gegenüberliegenden Hügeln in Schlachtordnung auf. Das Tal Ela liegt zwischen ihnen. Dann tritt plötzlich ein Kämpfer aus den Reihen der Philister hervor. Dazu lesen wir nun die Verse 4 bis 7.

Da trat aus dem Lager der Philister ein Vorkämpfer hervor mit Namen Goliath, aus Gat; der war sechs Ellen und eine Spanne groß. 5 Er hatte einen ehernen Helm auf seinem Kopf und trug einen Schuppenpanzer, und das Gewicht seines Panzers betrug 5 000 Schekel Erz. 6 Und er hatte eherne Schienen an seinen Beinen und einen ehernen Wurfspieß auf dem Rücken, 7 und der Schaft seines Speeres war wie ein Weberbaum, und die Spitze seines Speeres wog 600 Schekel Eisen; und der Schildträger ging vor ihm her. (1. Samuel 17,4-7)

Eine furchterregende Erscheinung

Goliath ist eine beeindruckende Erscheinung: groß seine Gestalt, furchterregend seine Rüstung und, wie wir noch sehen werden, lästernd seine Rede.

Wahrscheinlich kannst du dir die genannten Maße und Gewichte nur schwer vorstellen. Wir können davon ausgehen, dass dieser Mann etwa drei Meter groß war. Gegen ihn hätte selbst Yao Ming wie ein Schuljunge gewirkt. Wenn du dich im Basketball auskennst: Das entspricht ungefähr der Höhe des Basketballrings.

Ich habe einmal versucht, mir das vorzustellen, und meine eigene Reichhöhe gemessen. Wenn ich meine Hand ganz ausstrecke, komme ich auf etwas mehr als 2,30 Meter. Damit könnte ich einem solchen Mann gerade einmal am Bauch kratzen. Dieser Mann war riesig.

Auf seinem Kopf trug er einen Helm aus Kupfer oder Eisen. Dazu hatte er einen Brustpanzer, einen Schuppenpanzer, der insgesamt ungefähr 60 Kilogramm wog. Versuch einmal, 60 Kilogramm zu tragen – geschweige denn, damit zu kämpfen. Sein Speer hatte eine Spitze, die allein sieben Kilogramm wog.

Hatte jemals einer der Israeliten einen derart angsteinflößenden Kämpfer gesehen, geschweige denn im Kampf gegen einen solchen bestanden? Wir lesen weiter:

Und er stellte sich hin und rief den Schlachtreihen Israels zu und sprach zu ihnen: Weshalb seid ihr ausgezogen, um euch für den Kampf zu rüsten? Bin ich nicht ein Philister, und ihr seid Sauls Knechte? Erwählt euch einen Mann, der zu mir herabkommen soll! 9 Wenn er mit mir kämpfen kann und mich erschlägt, so wollen wir eure Knechte sein; wenn ich aber im Kampf mit ihm siege und ihn erschlage, so sollt ihr unsere Knechte sein und uns dienen! 10 Und weiter sprach der Philister: Ich habe am heutigen Tag die Schlachtreihen Israels verhöhnt; gebt mir einen Mann, und lasst uns miteinander kämpfen!  (1. Samuel 17,8-10)

Goliath diktiert hier die Regeln für den Kampf. Wir könnten vermuten, dass die Israeliten ursprünglich beabsichtigten, in ihrer Schlachtordnung gegen die Philister zu kämpfen. Aber Goliath hatte eine andere Idee: Er wollte einen Zweikampf, der den gesamten Kampf entscheiden sollte.

Grundsätzlich war das ein durchaus humanistischer Gedanke, denn in diesem Kampf würde nur einer sterben. Der Unterlegene beziehungsweise das unterlegene Volk würde anschließend jedoch zum Knecht der siegreichen Macht werden. Wir können uns sicher sein, dass Goliath wusste, welchen Schrecken er angesichts seiner Gestalt verbreitete:

Gebt mir einen Mann, und lasst uns miteinander kämpfen! (1. Samuel 17,10)

Israel sollte einen Mann auswählen, der bereit war, stellvertretend für alle gegen ihn anzutreten.

Ein Mann zwischen den beiden

Goliath erhält hier eine besondere Bezeichnung:

Da trat aus dem Lager der Philister ein Vorkämpfer hervor mit Namen Goliath  (1. Samuel 17,4)

Er wird „Vorkämpfer“ genannt. So übersetzt es die Schlachterbibel. Im Englischen steht dafür „Champion“, was ebenfalls eine interessante Übersetzung ist.

Die eigentliche Bedeutung des Begriffs ist jedoch noch tiefer. Wenn wir ihn wörtlich oder zumindest relativ wörtlich übersetzen, würde dort stehen: „ein Mann zwischen den beiden“. Die Elberfelder Bibel übersetzt mit „Zwischenkämpfer“.

Es geht tatsächlich darum, dass einer anstelle des gesamten Heeres kämpft. Einer geht stellvertretend für alle anderen in den Kampf. Die Israeliten sollten deshalb einen Repräsentanten auswählen, einen Mann, der für sie alle kämpfen würde.

Achtzigmal dieselbe Herausforderung

Nun lesen wir etwas Interessantes:

Der Philister aber kam morgens und abends her und stellte sich 40 Tage lang hin.  (1. Samuel 17,16)

Diese Rede Goliaths, bei der er hervortritt und die Israeliten herausfordert, geschieht nicht nur einmal, zweimal oder dreimal. Nein, sie wiederholt sich vierzig Tage lang, einmal am Morgen und einmal am Abend. Das macht insgesamt achtzigmal.

Achtzigmal hören die Israeliten den Spott Goliaths und seine Herausforderung, einen Mann aus ihrer Mitte gegen ihn in den Kampf zu schicken.

Kannst du dir vorstellen, wie die Stimmung im Lager der Israeliten gewesen sein muss? Immer dringlicher stellte sich die Frage: Wer kann unser Held sein? Wer kann für uns gegen diesen Goliath kämpfen? Wer ist unser bester Mann? Wen sollen wir auswählen, damit er für uns kämpft?

Im Basketball ist das relativ einfach: Der größte Spieler der eigenen Mannschaft spielt gegen den größten Spieler der gegnerischen Mannschaft. Doch wie war das bei Israel? Wer war ihr bester Mann?

Saul wäre der naheliegende Kämpfer gewesen

Wir wissen tatsächlich, wer der größte Mann unter den Israeliten war:

Der hatte einen Sohn namens Saul, stattlich und schön, sodass keiner schöner war unter den Söhnen Israels; um Haupteslänge überragte er alles Volk. (1. Samuel 9,2)

Saul war einen Kopf größer als das Volk. Je nachdem, wie groß der damalige Durchschnitt war, können wir bei ihm von einer Größe von knapp zwei Metern ausgehen.

Wäre Saul damit nicht der beste Mann gewesen? War es nicht seine Aufgabe, als König für Israel in den Kampf zu ziehen? Ja, es wäre seine Aufgabe gewesen. War er nicht König und Heerführer? Wenn überhaupt jemand gegen diesen Goliath bestehen konnte, dann doch wohl der Größte unter ihnen: Saul. Doch in Vers 11 lesen wir:

Als Saul und ganz Israel diese Worte des Philisters hörten, entsetzten sie sich und fürchteten sich sehr. (1. Samuel 17,11)

Dabei müssen wir bedenken, dass sie Goliaths Worte vierzig Tage lang hörten, einmal morgens und einmal abends. Was war mit Saul los? Hatte er keinen Mut? War er nicht der König? War es nicht seine Aufgabe, voranzugehen und mutig zu sein?

Ein König ohne Geist, Mut und Kraft

Die Antwort finden wir in den vorherigen Kapiteln. Saul hatte es gewagt, gegen Gott zu sündigen:

Da sprach Saul zu Samuel: Ich habe gesündigt, dass ich den Befehl des HERRN und deine Worte übertreten habe; denn ich fürchtete das Volk … (1. Samuel 15,24)

Er hatte sich von Gottes Geboten und Wegen abgewandt und war seine eigenen Wege gegangen. Infolgedessen hatte Gott ihn als König verworfen:

Samuel sprach zu Saul: […] denn du hast das Wort des HERRN verworfen, und der HERR hat dich verworfen (1. Samuel 15,26)

In Kapitel 16 lesen wir, dass daraufhin der Geist des Herrn von Saul wich:

Aber der Geist des HERRN wich von Saul … (1. Samuel 16,14)

Auf dem Papier hatte Israel also einen König. Doch dieser König war ohne Geist und deshalb auch ohne Mut und ohne Kraft. Wer konnte nun ihr Stellvertreter und Held sein? Das war die große Frage, die sich im Lager Israels immer dringlicher stellte.

„David aber“

Dann schau dir die ersten beiden Worte von Vers 12 an. Ich liebe diese Worte:

David aber war der Sohn jenes Ephratiters aus Bethlehem-Juda, der Isai hieß und acht Söhne hatte (1. Samuel 17,12)

Der Schreiber – und hinter ihm der Heilige Geist, der diese Worte inspiriert hat – unterbricht an dieser Stelle die Spannung. Wir stehen alle da und fragen uns: Wer wird jetzt kämpfen?

Doch nun wird uns zunächst erzählt, was mit David war, welchen Vater und welche Brüder er hatte und dass er sich um Schafe kümmerte. Zunächst könnten wir denken: Das interessiert uns doch gerade gar nicht.

Doch Gott interessierte es. Gott hatte einen Plan mit diesem David, den er auf eine merkwürdige Weise mitten in die Spannung der Geschichte hineinführt.

Der gesalbte Hirte

David war der jüngste von acht Brüdern. Aber Gott hatte ihn bereits im vorherigen Kapitel zum König seines Volkes erwählt:

Und der HERR sprach: Auf, salbe ihn, denn dieser ist’s! 13 Da nahm Samuel das Ölhorn und salbte ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des HERRN kam über David, von diesem Tag an (1. Samuel 16,12b-13)

Samuel hatte ihn im Verborgenen zum König gesalbt. Infolgedessen war der Geist des Herrn über ihn gekommen. Das galt unabhängig von seinem jungen Alter und unabhängig von der Tatsache, dass er der Jüngste war, was zugleich bedeutete, dass er als der unbedeutendste seiner Brüder galt.

Und die drei ältesten Söhne Isais waren mit Saul in den Krieg gezogen; (1. Samuel 17,13)

Davids drei älteste Brüder waren bei Saul im Lager der israelitischen Soldaten. Sie hatten alles miterlebt, was wir bisher betrachtet haben. Aber der zum König gesalbte und vom Geist erfüllte David blieb zu Hause und hütete Schafe. Scheinbar war er weit entfernt von der Verzweiflung der Israeliten und von allem, was im Tal Ela geschah.

David kommt ins Lager

Dann hatte sein Vater Isai eine Idee:

Isai aber sprach zu seinem Sohn David: Nimm doch für deine Brüder dieses Epha geröstetes Korn und diese zehn Brote und bringe sie schnell zu deinen Brüdern ins Lager. 18 Und diese zehn Stück Käse bringe dem Obersten über ihre Tausendschaft; und sieh nach deinen Brüdern, ob es ihnen gut geht, und bring ein Zeichen von ihnen mit! (1. Samuel 17,17-18)

Isai schickte David mit Brot, Körnern und Käse in das Lager. David wurde zum Lieferdienst – gewissermaßen zu „Lieferando“. Er sollte sich nach dem Wohlergehen seiner Brüder erkundigen und hören, was dort vor sich ging.

David erkennt die geistliche Dimension

So machte David sich auf den Weg und kam in das Tal. In den Schlachtreihen der Israeliten fand er seine Brüder und sprach mit ihnen. Dann begegnet David zum ersten Mal Goliath:

Während er noch mit ihnen redete, siehe, da kam der Vorkämpfer mit Namen Goliath, der Philister aus Gat, aus den Schlachtreihen der Philister herauf und redete wie zuvor, sodass David es hörte. 24 Aber alle Männer von Israel flohen vor dem Mann, sobald sie ihn sahen, und fürchteten sich sehr. 25 Und die Männer von Israel sprachen: Habt ihr diesen Mann gesehen, der da heraufkommt? Denn er ist aufgetreten, um Israel zu verhöhnen! Darum, wer ihn schlägt, den will der König sehr reich belohnen und ihm seine Tochter geben, und er will sein Vaterhaus in Israel frei machen. 

Wir sehen hier einen bezeichnenden Unterschied zwischen den Soldaten und David. Die Soldaten fliehen ängstlich und mutlos, sobald Goliath hervortritt und seinen Spott quer durch das Tal ruft. Das geht nun schon vierzig Tage lang. Diese Zahl ist nicht zufällig. In der Bibel steht die Zahl vierzig immer wieder für eine Zeit der Erprobung. Wie haben sich Israel und Saul in diesen vierzig Tagen der Erprobung geschlagen? Es findet sich niemand, der für das Volk kämpfen will. Saul und die Soldaten sehen nur auf Goliath und sind vor Angst erstarrt.

David aber sieht etwas anderes:

26 Da redete David zu den Männern, die bei ihm standen, und sprach: Was wird dem Mann zuteilwerden, der diesen Philister schlägt und die Schande von Israel abwendet? Denn wer ist dieser Philister, dieser Unbeschnittene, dass er die Schlachtreihen des lebendigen Gottes verhöhnt? (1. Samuel 17,23-26)

David erkennt die geistliche Dimension dieser Herausforderung. Er sieht, dass es hier um Gott und seine Ehre geht. Deshalb beschreibt er die Situation richtig. Er spricht nicht von Goliaths Größe, seinen beeindruckenden Maßen oder seinen Waffen. Stattdessen sagt er, dass dieser gottlose Philister Israel und den lebendigen Gott verhöhnt und verspottet. David hat es auf dem Herzen, dass diese Schande abgewendet wird.

Davids Worte gelangen zu Saul

Dieser ungewöhnliche Mut Davids bleibt nicht verborgen. Doch seine Brüder verachten ihn dafür:

Aber Eliab, sein ältester Bruder, hörte ihn mit den Männern reden. Da entbrannte Eliabs Zorn gegen David, und er sprach: Warum bist du herabgekommen? Und bei wem hast du dort in der Wüste die wenigen Schafe gelassen? (1. Samuel 17,28)

Vielleicht ist das etwas, was große Brüder gelegentlich tun. Aber Davids Worte unterscheiden sich deutlich von der Reaktion der Soldaten. Sie gelangen schließlich bis zu Saul, und dieser lässt David zu sich holen.

Und als man die Worte hörte, die David sagte, meldete man es dem Saul; und er ließ ihn holen. Und David sprach zu Saul: Niemand soll seinetwegen den Mut sinken lassen; dein Knecht wird hingehen und mit diesem Philister kämpfen! 33 Saul aber sprach zu David: Du kannst nicht hingehen, um gegen diesen Philister zu kämpfen, denn du bist noch ein Knabe; dieser aber ist ein Kriegsmann von Jugend auf! 34 David aber sprach zu Saul: Dein Knecht hütete die Schafe seines Vaters; wenn nun ein Löwe oder ein Bär kam und ein Schaf von der Herde hinwegtrug, 35 dann lief ich ihm nach und schlug ihn und entriss es seinem Rachen. Und wenn er sich gegen mich erhob, ergriff ich ihn bei seinem Bart und schlug ihn und tötete ihn. 36 Sowohl den Löwen als auch den Bären hat dein Knecht erschlagen, und dieser Philister, dieser Unbeschnittene, soll wie einer von jenen sein; denn er hat die Schlachtreihen des lebendigen Gottes verhöhnt!. (1. Samuel 17,31-36)

Der Mut und die Bereitschaft Davids strahlen vor dem Hintergrund von Sauls Mutlosigkeit besonders hell hervor.

Saul rechnet nicht mit Gottes Macht

Wenn wir Saul zuhören, ist das sehr deprimierend: Du kannst nicht hingehen. Du bist ein Teenager. Dieser Mann ist seit seiner Jugend ein Kämpfer. Dein Vorhaben ist unmöglich.

Saul hat damit recht: Aus eigener Kraft kann David Goliath nicht besiegen. Doch Saul begeht einen entscheidenden Fehler. Er rechnet mit der Stärke Goliaths und mit der Schwäche Davids, aber nicht mit der Macht Gottes, dem David vertraut. David hingegen tut genau das:

Der HERR, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat, Er wird mich auch von diesem Philister erretten! (1. Samuel 17,37)

Hier finden wir bei David großen Glauben und wunderbares Gottvertrauen. Vierzig Tage lang hatte sich niemand gefunden, der es wagte, Goliath entgegenzutreten. Nun schickt Saul den jungen David trotz seiner Zweifel als Zwischenkämpfer und Stellvertreter Israels in das Tal Ela.

Eine unpassende Rüstung

Noch einmal begegnen uns Sauls menschliche Gedanken. Er will David nicht ungeschützt in den Kampf ziehen lassen und legt ihm deshalb seine eigene Rüstung an.

Und Saul legte David seine Rüstung an und setzte einen ehernen Helm auf seinen Kopf und legte ihm einen Schuppenpanzer um (1. Samuel 17,38)

Stell dir das vor: Saul war mehr als einen Kopf größer als David. Nun legt er ihm seinen Brustpanzer an und setzt ihm einen Helm auf, mit dem David nichts mehr sehen kann. Nichts passt.

Da sprach David zu Saul: Ich kann darin nicht gehen; denn ich bin es nicht gewohnt! Und David legte es von sich ab. (1. Samuel 17,39b)

Menschliche Hilfe ist in Gottes Kampf immer fehl am Platz.

Und er nahm seinen Stab in die Hand und erwählte sich fünf glatte Steine aus dem Bach und legte sie in die Hirtentasche, die er hatte, und zwar in die Schleudersteintasche, und er nahm seine Schleuder zur Hand und näherte sich dem Philister. (1. Samuel 17,40)

Stell dir die anderen Soldaten vor, als sie das sehen. Wer ist dieser Mann, der es wagt, dem furchterregenden Goliath entgegenzutreten? Sie versuchen, genauer hinzusehen, und erkennen einen Teenager, einen kleinen Hirtenjungen ohne Rüstung und ohne Schwert.

Der soll für sie kämpfen? Gott bewahre, sie sind verloren! Am Ausgang dieses Kampfes hängt das Schicksal des gesamten israelitischen Heeres!

Goliaths Verachtung

Versuche dir auch Goliaths Seite vorzustellen. Nach vierzig Tagen hatte er wohl nicht mehr damit gerechnet, dass sich aus diesem Heer der Angsthasen noch jemand hervorwagen würde. Als er dann einen Hirtenjungen auf sich zukommen sieht, kann er das nur für einen schlechten Scherz halten.

Als nun der Philister den David sah und anschaute, da verachtete er ihn; denn er war ein Knabe, rötlich und von schöner Gestalt. 43 Und der Philister sprach zu David: Bin ich denn ein Hund, dass du mit Stöcken zu mir kommst? Und der Philister fluchte David bei seinen Göttern. 44 Und der Philister sprach zu David: Komm her zu mir, ich will dein Fleisch den Vögeln des Himmels und den Tieren des Feldes geben! (1. Samuel 17,42-44)

Stell dir vor, wie das geklungen haben muss. Mit seiner tiefen, mächtigen Stimme ruft der große Goliath, von Zorn bewegt, all das quer durch das Tal zu David hinüber. Doch David bleibt davon unbeeindruckt.

„Ich komme im Namen des Herrn“

Stell dir nun vor, wie David mit seiner Teenagerstimme zurückruft:

David aber sprach zu dem Philister: Du kommst zu mir mit Schwert und mit Speer und mit Wurfspieß; ich aber komme zu dir im Namen des HERRN der Heerscharen, des Gottes der Schlachtreihen Israels, die du verhöhnt hast! 46 An diesem heutigen Tag wird dich der HERR in meine Hand ausliefern, und ich werde dich erschlagen und deinen Kopf von dir nehmen, und ich werde die Leichname des Heeres der Philister an diesem Tag den Vögeln unter dem Himmel und den wilden Tieren der Erde geben, damit die ganze Erde erkenne, dass Israel einen Gott hat! 47 Und diese ganze Gemeinde soll erkennen, dass der HERR nicht durch Schwert oder Spieß errettet; denn der Kampf ist die Sache des HERRN, und Er wird euch in unsere Hand geben! (1. Samuel 17,45-47)

Was für ein Mut in diesem jungen Mann! Wie ungewöhnlich sind diese Aussagen! Schwert und Speer sind beeindruckende Waffen. Goliath war ein beeindruckender Krieger. Er war die Verkörperung des Bösen und die Verkörperung des Feindes Israels.

Was hat David ihm entgegenzusetzen? Seine Geschicklichkeit mit der Schleuder? Seine schnellen Füße? Nein, nichts von alledem.

David ist realistisch. Er weiß, dass dieser Kampf nicht sein Kampf ist. Es ist der Kampf des Herrn. In diesem gesalbten und vom Geist erfüllten Hirtenjungen sehen wir großen Glauben.

Der Herr gibt Goliath in Davids Hand

In den Versen 48 bis 52 lesen wir, wie dieser Zweikampf ausgeht:

Und es geschah, als sich der Philister aufmachte und daherkam und sich David näherte, da eilte David und lief der Schlachtreihe entgegen, auf den Philister zu. 49 Und David streckte seine Hand in die Tasche und nahm einen Stein heraus; und er schleuderte und traf den Philister an seine Stirn, sodass der Stein in seine Stirn drang und er auf sein Angesicht zur Erde fiel. 50 So überwand David den Philister mit der Schleuder und mit dem Stein, und er erschlug den Philister und tötete ihn. Und weil David kein Schwert in seiner Hand hatte, 51 lief er und trat auf den Philister und nahm dessen Schwert und zog es aus der Scheide und tötete ihn und schlug ihm damit den Kopf ab. Als aber die Philister sahen, dass ihr Held tot war, flohen sie. 52 Und die Männer von Israel und Juda machten sich auf und erhoben ein Kriegsgeschrei und jagten den Philistern nach, bis man in die Ebene kommt, und bis zu den Toren Ekrons. Und die erschlagenen Philister lagen auf dem Weg von Schaaraim bis nach Gat und bis nach Ekron. (1. Samuel 17,48-52)

So gab der Herr den mächtigen Goliath in die Hand des Hirtenjungen David. Mit Schleuder und Stein tötete David den Riesen, den Helden der Philister.

Der Sieg des Stellvertreters

Was haben die Soldaten Israels wohl gedacht, als sie diese Szene beobachteten? Bis dahin hatten sie David mit bangen Blicken verfolgt. Nun aber stimmen sie einen Sieges- und Kampfschrei an. Sie jagen den fliehenden Philistern bis nach Ekron und Gard nach, den damaligen Hauptstädten der Philister, und richten eine große Niederlage unter ihnen an.

So rettete der Herr sein Volk durch jemanden, den er aus dem Volk heraus für sich erwählt und zum Retter, Stellvertreter und Zwischenkämpfer bestimmt hatte.

Ihr Lieben, ich hoffe, wir verstehen diesen Text und erkennen, dass die Geschichte von David und Goliath keine Geschichte über einen persönlichen Kampf gegen Riesen ist. Sie ist vielmehr der Bericht vom Sieg eines Stellvertreters für ein ängstliches Volk.

Die Botschaft Gottes lautet hier nicht, dass wir jederzeit gegen Riesen kämpfen und bestehen können, wenn wir nur mutig genug sind und Glauben haben. Die Botschaft ist, dass wir alle einen Stellvertreter brauchen, der für uns, das oftmals ängstliche und immer schwache Volk, eintritt und kämpft.

Ist er dein Stellvertreter?

Darf ich dich ganz persönlich fragen: Stehst du auf seiner Seite? Ist er dein Stellvertreter? Hat er den Feind für dich besiegt?

Wenn nicht, dann komm. Komm zu diesem Retter. Dieser Feind ist tatsächlich mächtig, groß und gefährlich, solange wir versuchen, allein mit ihm klarzukommen.

Komm zu dem Retter, komm zu dem Helden. Bekenne deine Schuld und deine Sünde und glaube an den, der für dich kämpfte, kämpft und bis zum Ende kämpfen wird.

Denn dieser Stellvertreter ist niemand anderes als unser Herr Jesus Christus.

Jesus Christus, der wahre Zwischenkämpfer

Jesus Christus ist der von Gott erwählte und gesalbte König und Messias. Er ist aus dem Samen Davids hervorgegangen. Auf ihm ruhte, wie wir lesen, der Geist des Herrn.

Er wurde vom himmlischen Vater in das Tal dieser Welt gesandt, um nach unserem Wohlergehen zu fragen. Obwohl er dort nur Ablehnung und Verachtung erfuhr, war er bereit, für uns zu kämpfen. Er war bereit, in unser Schicksal zu kommen und diesen Kampf zu kämpfen.

Die Ehre Gottes und unsere Rettung waren seine Mission. Er kämpfte nicht mit menschlicher Macht und menschlichen Waffen, sondern mit göttlicher Macht und göttlichen Waffen.

Er kam in Niedrigkeit als der Verachtete und war bereit, sein Leben für die Schafe zu geben. Er besiegte den furchteinflößenden, tobenden Feind, indem er selbst für uns ans Kreuz und in den Tod ging.

Mit der schärfsten Waffe des Feindes, nämlich dem Tod, hat er dem Teufel den Kopf abgehauen. Seitdem ist der Tod besiegt. Unser Zwischenkämpfer und Stellvertreter hat …

durch den Tod den außer Wirksamkeit gesetzt, der die Macht des Todes hatte, nämlich den Teufel (Hebräer 2,14)

Das hat dein und mein Zwischenkämpfer, dein und mein Held, für dich und für mich getan.

Wenn der Feind uns droht

Fühlt es sich im Leben auf dieser Erde nicht manchmal so an, als stünden uns Riesen und der Feind in all seiner Macht und Scheußlichkeit mit vielen Drohungen gegenüber? Er ruft uns laut zu und bedroht uns. Er richtet Sünde, Nöte, Krankheit und Tod wie Waffen drohend gegen uns.

Was lernen wir aus dieser Geschichte, wenn du voller Furcht bist und nicht mehr weiterweißt?

Schau dich nach dem Zwischenkämpfer um. Schau dich nach dem Stellvertreter um. Schau dich nach dem guten Hirten um. Schau auf deinen Heiland, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens, und fasse Mut.

Der Tod ist ein besiegter Feind

In 1. Korinther 15,55 lesen wir:

Der Tod ist verschlungen in Sieg!

Wir können dem Tod zurufen:

Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg?  (1. Korinther 15,56)

Denn der Tod ist ein besiegter Feind. Du kannst mir hier mit all deiner Scheußlichkeit, deiner Größe und deiner lauten Stimme drohen. Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Er hat dich besiegt. Und weil er lebt, werde auch ich einmal bei ihm sein in alle Ewigkeit.

Die Macht der Sünde ist gebrochen

Wie ist es mit der Sünde? Was ist, wenn die Sünde wie ein Riese vor uns steht und uns mit Versuchungen verführen will? Was ist, wenn es sich aussichtslos und hoffnungslos anfühlt, immer wieder gegen dieselben Sünden zu kämpfen?

Vielleicht müssen wir einen anderen Blickwinkel einnehmen. Unser Stellvertreter und Held Jesus Christus hat durch das, was er am Kreuz getan hat, die Sünde besiegt. Wir stehen nicht mehr unter der Macht der Sünde, sondern sind in ihm, unserem Heiland, davon freigesetzt.

Der Same der Frau hat den Feind besiegt

Der Teufel und Goliath sind mächtige Gegner. Dieser Goliath ist, so wie er beschrieben wird, ein Nachkomme, ein Same der Schlange:

Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. (1. Mose 3,15)

Doch seit 1. Mose 3,15 wissen wir, dass ein Tag kommen sollte – und gekommen ist –, an dem der Same der Frau, der Nachkomme Davids, diesem Feind den Kopf zertreten hat.

Auch wenn wir auf dieser Seite der Ewigkeit noch vieles erleiden müssen und der Feind viel Furchterregendes auffährt, um uns einzuschüchtern, uns Angst zu machen und uns erstarren zu lassen, wissen wir doch um unseren Sieg in unserem Herrn Jesus Christus. Er sprach:

In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden! (Johannes 16,33)

Der Gott des Friedens wird Satan zertreten

Denk dich noch einmal in diese Gestalt Goliaths hinein: in diesen mächtigen Feind mit all seinen Drohungen und seinem Schrecken.

Der Gott des Friedens aber wird in Kurzem den Satan unter euren Füßen zermalmen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch! Amen. (Römer 16,20)

Ihr Lieben, es geht nicht darum, dass wir aus uns selbst Mut aufbringen oder Glauben in uns erzeugen. Es geht darum, dass wir unsere Hoffnung und unseren Glauben auf den setzen, den Gott zu unserer Rettung erwählt und gesandt hat.

Wenn wir uns den Sieg bewusst machen, den unser Herr über alles Böse, über den Teufel, die Sünde, den Tod und die Welt errungen hat, dann können wir, bekleidet mit der Waffenrüstung Gottes, wie die Israeliten dem besiegten Feind nachjagen. Wir können ihn zurückdrängen und sind in unserem Herrn Jesus siegreich.

Teile dies

About the Author: Martin Briel