Steht auf, lobt den HERRN!

Immer wenn wir uns als Gemeinde zum Gottesdienst versammeln, kommen wir zusammen, um Gott anzubeten und uns neu vor Augen zu führen, wer er ist und wie gut er ist. Genau darum geht es auch in Nehemia 9. Gleich zu Beginn unseres heutigen Predigttextes fordern die Leviten das Volk auf, aufzustehen und Gott dafür zu loben, wer er ist:

Und die Leviten Jeschua, Kadmiel, Bani, Hasabneja, Serebja, Hodija, Sebanja und Petachja sprachen: Steht auf, lobt den HERRN, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und man lobe den Namen deiner Herrlichkeit, der über alle Danksagung und alles Lob erhaben ist! 6 Du bist der HERR, du allein! Du hast den Himmel gemacht, aller Himmel Himmel samt ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was auf ihr ist, die Meere und alles, was in ihnen ist. Du erhältst alles am Leben, und das Heer des Himmels betet dich an. (Nehemia 9,5+6)

Heute wollen wir uns dieses beeindruckende Gebet der Leviten anschauen – ein Gebet über Gottes Treue.

Unsere Predigtreihe trägt den Titel „Gott erneuert“, weil wir im Buch Nehemia sehen, dass Gott selbst die Erneuerung seines Volkes schenkt. Er hat Jerusalem erneuert, indem die Mauern wieder aufgebaut wurden. Vor allem aber hat er den Bund mit seinem Volk erneuert und die Menschen von innen heraus verändert, nachdem sie aus dem Exil zurückgekehrt waren. Nehemia 9 ist ein zentrales Kapitel. Das Volk kommt in Einheit vor Gott zusammen und hört stundenlang zu wie Gottes Wort verlesen wird. So rückt Gottes Wort wieder den Mittelpunkt. Als Reaktion darauf bekennen die Menschen ihre Sünden, tun Buße und wenden sich neu ihrem Gott zu.

Jetzt stehen die Leviten auf und sprechen dieses starke Gebet, das wir uns heute anschauen wollen. Es ist alles andere als kurz: Tatsächlich handelt es sich um das längste Gebet der Bibel, das wir in der Bibel finden.

In diesem Gebet geht es darum, Gottes Treue zu erkennen. Weil das Gebet so umfangreich ist, betrachten wir es in drei Abschnitten:

1. Gottes Treue erkennen (6-15)

Du, HERR, bist der Gott, der Abram erwählt und aus Ur in Chaldäa herausgeführt und mit dem Namen Abraham benannt hat. 8 Und du hast sein Herz treu vor dir befunden und den Bund mit ihm geschlossen, das Land der Kanaaniter, der Hetiter, Amoriter, Pheresiter, Jebusiter und Girgasiter seinem Samen zu geben; und du hast dein Wort gehalten, denn du bist gerecht. 9 Du hast das Elend unserer Väter in Ägypten angesehen und ihr Schreien am Schilfmeer erhört; 10 und du hast Zeichen und Wunder getan am Pharao und allen seinen Knechten und an allem Volk seines Landes; denn du wusstest wohl, dass sie Übermut mit ihnen getrieben hatten, und du hast dir einen Namen gemacht, wie es am heutigen Tag offenbar ist. 11 Du hast das Meer vor ihnen zerteilt, und sie gingen mitten durchs Meer auf dem Trockenen, aber ihre Verfolger hast du in die Tiefe geschleudert wie einen Stein in mächtige Wasser. 12 Du hast sie geleitet bei Tag mit einer Wolkensäule und bei Nacht mit einer Feuersäule, um ihnen den Weg zu erleuchten, auf dem sie ziehen sollten. 13 Du bist auf den Berg Sinai herabgefahren und hast mit ihnen vom Himmel her geredet und ihnen richtige Ordnungen und wahrhaftige Gesetze gegeben, gute Satzungen und Gebote. 14 Deinen heiligen Sabbat hast du ihnen verkündet und ihnen Gebote, Satzungen und ein Gesetz geboten durch deinen Knecht Mose. 15 Brot vom Himmel hast du ihnen gegeben, als sie hungerten, und Wasser aus dem Felsen hast du für sie hervorgebracht, als sie dürsteten; und du hast ihnen befohlen, hineinzugehen und das Land einzunehmen, über das du deine Hand zum Schwur erhoben hattest, es ihnen zu geben. (Nehemia 9,6–15)

In diesem Gebet der Leviten geht es nicht um das Volk, sondern um Gott. Das wird schon sprachlich deutlich. Immer wieder begegnet uns das Wort „du“. Ich habe es einmal gezählt: In diesem Gebet kommt es 44-mal vor. Immer wieder heißt es:

  • Du hast den Himmel gemacht (Vers 6)
  • Du erhältst alles am Leben (Vers 6)
  • Du hast Abraham erwählt (Vers 7)
  • Du hast den Bund geschlossen (Vers 8)
  • Du hast dein Wort gehalten (Vers 8)
  • Du hast das Elend deines Volkes gesehen (Vers 9)
  • Du hast Zeichen und Wunder getan (Vers 10)
  • Du hast das Meer geteilt (Vers 11)
  • Du hast dein Volk geführt (Vers 12)
  • Du hast dein Gesetz gegeben (Vers 13)

Die Leviten blicken auf die gesamte Geschichte ihres Volkes zurück und erkennen: Du warst es, der gehandelt hat. Die ganze Geschichte Israels beweist deine Gnade, deine Barmherzigkeit und dein gutes Handeln.

Gott schreibt Geschichte

Dieses Gebet fasst die gesamte Geschichte Gottes mit seinem Volk zusammen:

  • von der Schöpfung (Vers 6)
  • über die Erwählung Abrahams und den Bund mit ihm (Verse 7+8)
  • die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten (Verse 9+11)
  • die Führung und Versorgung in der Wüste (Vers 12)
  • die Offenbarung des Gesetzes am Sinai (Verse 13+14)
  • bis hin zur Einnahme des verheißenen Landes (Vers 15)

Sie erkennen: Gott ist ein Gott, der Geschichte schreibt. Und gerade in dieser Geschichte offenbart er, wer er ist. Gottes Charakter und sein Wesen werden sichtbar, wenn wir zurückschauen und erkennen, wie er gehandelt hat.

Wir sehen einen Gott, der aktiv handelt. Er erschafft, erwählt, erhält und führt sein Volk. Er versorgt, begegnet seinem Volk und offenbart sich ihm. Er steht treu zu seinem Wort und erfüllt seine Verheißungen. Er schließt einen Bund mit seinem Volk und bleibt diesem Bund über Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg treu.

Wenn die Leviten auf diese Geschichte zurückblicken, kommen sie zu einem eindeutigen Schluss:

Gott, du bist gut. Du bist barmherzig und treu. Du hältst, was du versprichst.

Im zweiten Abschnitt, ab Vers 16, kommt ein weiteres wichtiges Element hinzu, an dem die Leviten Gottes Treue erkennen.

2. Gottes Treue & unsere Untreue (Verse 16-31)

Bisher haben die Leviten darauf geschaut, wie Gott gehandelt hat. Jetzt richten sie den Blick auf die Reaktion des Volkes. Sie erkennen: Gerade im Kontrast zu ihrer eigenen Untreue wird Gottes Treue umso deutlicher sichtbar. Sie beten zuerst: „Aber sie …“, und direkt danach: „Aber du …“

Aber sie und unsere Väter wurden übermütig und halsstarrig, sodass sie deinen Geboten nicht folgten; 17 und sie weigerten sich zu hören, und gedachten nicht an deine Wunder, die du an ihnen getan hattest, sondern wurden halsstarrig und gaben sich selbst ein Oberhaupt, um in ihrer Widerspenstigkeit in die Knechtschaft zurückzukehren. Aber du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und von großer Güte, und du hast sie nicht verlassen. (Nehemia 9,16+17)

Was sagen sie hier? Sie erkennen: Trotz unserer Untreue bist du treu. Wenn sie auf ihre Geschichte zurückblicken, stellen sie fest: Gott, du hast dich tatsächlich genauso offenbart, wie du es von dir selbst gesagt hast. Deine Treue ist größer als unsere Untreue.

Gottes eigenes Zeugnis über sein Wesen

Diese Worte in Vers 17b erinnern an einen der wichtigsten Momente im Alten Testament: Gott offenbart Mose am Sinai seinen eigenen Namen und damit sein Wesen.

Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Der HERR, der HERR, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue; 7 der Tausenden Gnade bewahrt und Schuld, Übertretung und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft lässt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern bis in das dritte und vierte Glied! (2. Mose 34, 6-7)

Wenn die Leviten ihre Geschichte betrachten, erkennen sie genau das: Gott ist der gerechte Gott. Er kehrt die Sünde nicht einfach unter den Teppich. Weil er heilig ist, richtet er die Sünde gerecht. Gleichzeitig ist er der starke, barmherzige und gnädige Gott, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue.

Gottes Treue bleibt trotz wiederholten Versagens

In den folgenden Versen begegnet uns immer wieder derselbe Kreislauf: die Untreue des Volkes und die Treue Gottes:

Selbst als sie sich ein gegossenes Kalb machten und sprachen: Das ist dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat!, und große Lästerungen verübten, 19 hast du sie nach deiner großen Barmherzigkeit doch nicht verlassen in der Wüste; die Wolkensäule wich nicht von ihnen am Tag, um sie auf dem Weg zu führen, noch die Feuersäule in der Nacht, um ihnen den Weg zu erleuchten, den sie ziehen sollten. 20 Und du gabst ihnen deinen guten Geist, um sie zu unterweisen; und dein Manna nahmst du nicht von ihrem Mund, und als sie Durst litten, gabst du ihnen Wasser. 21 Du versorgtest sie 40 Jahre lang in der Wüste, dass ihnen nichts mangelte; ihre Kleider zerfielen nicht, und ihre Füße schwollen nicht an. 22 Du gabst ihnen Königreiche und Völker und teiltest ihnen das ganze Gebiet aus, dass sie das Land Sihons einnahmen, das Land des Königs von Hesbon und das Land Ogs, des Königs von Baschan. 23 Du machtest ihre Kinder zahlreich wie die Sterne am Himmel und brachtest sie in das Land, von dem du ihren Vätern verheißen hattest, dass sie hineinziehen und es einnehmen würden; 24 und die Kinder zogen hinein und nahmen das Land ein. Und du demütigtest vor ihnen die Einwohner des Landes, die Kanaaniter, und gabst sie in ihre Hand, ebenso ihre Könige und die Völker im Land, dass sie mit ihnen nach Belieben handelten. 25 Und sie eroberten feste Städte und ein fettes Land und nahmen Häuser in Besitz, mit allerlei Gut gefüllt, ausgehauene Brunnen, Weinberge, Ölbäume und Obstbäume in Menge; und sie aßen und wurden satt und fett und ließen sich’s wohl sein in deiner großen Güte. (Nehemia 9,18-25)

Wieder begegnet uns derselbe Kreislauf.

Das Volk machte sich ein goldenes Kalb und fiel in Götzendienst. Trotzdem verließ Gott sie nicht. Nach seiner großen Barmherzigkeit führte er sie weiter. Vierzig Jahre lang versorgte er sie in der Wüste mit Manna, Wasser und Kleidung. Schließlich gab er ihnen sogar das verheißene Land. Sie durften Städte, Häuser und Weinberge in Besitz nehmen.

Selbst als sein Volk untreu war, blieb Gott seinem Bund und seinen Verheißungen treu.

Aber nicht nur einmal hat Gott diese Treue bewiesen und seine Gnade. Dieser tragische Kreislauf wiederholt sich immer wieder: Gottes Treue, menschliche Untreue, die Folgen der Sünde, der Schrei nach Rettung und Gottes erneute Wiederherstellung. Genau das erkennen die Leviten, wenn sie ihre Geschichte betrachten.

Ein Kreislauf, der sich immer wieder wiederholt

Die Leviten erkennen, dass Gottes Treue kein einmaliges Handeln war. Dieser Kreislauf setzte sich immer wieder fort:

26 Aber sie wurden widerspenstig und lehnten sich auf gegen dich und warfen dein Gesetz hinter ihren Rücken und erschlugen deine Propheten, die gegen sie Zeugnis ablegten, um sie zu dir zurückzuführen, und verübten große Lästerungen. 27 Darum gabst du sie in die Hand ihrer Feinde, die sie bedrängten. Doch zur Zeit ihrer Drangsal schrien sie zu dir, und du erhörtest sie vom Himmel her und gabst ihnen nach deiner großen Barmherzigkeit Retter, die sie aus der Hand ihrer Feinde erretteten.

Wieder erkennen sie denselben Ablauf. Gott hatte ihnen alles gegeben, was sie brauchten. Sie lebten in einem guten Land und erfuhren seinen Segen. Vielleicht ging es ihnen sogar zu gut. Doch erneut wandten sie sich von Gott ab.

Die Konsequenzen blieben nicht aus. Feinde bedrängten sie. In ihrer Not schrien sie zu Gott. Und Gott erhörte sie. Er schenkte ihnen Richter und Retter, die sie immer wieder aus der Hand ihrer Feinde befreiten.

Doch selbst danach hörte der Kreislauf nicht auf.

Aber sobald sie Ruhe hatten, taten sie wiederum Böses vor dir. Da hast du sie der Hand ihrer Feinde überlassen; die herrschten über sie. Wenn sie dann wieder zu dir schrien, erhörtest du sie vom Himmel her und hast sie oftmals errettet nach deiner großen Barmherzigkeit. (Nehemia 9,28)

Immer wieder derselbe Kreislauf: Gottes Treue, ihre Untreue, die Konsequenzen und schließlich der Schrei nach Hilfe. Ein letztes Mal beschreiben die Leviten diesen Kreislauf:

Und du ließest ihnen bezeugen, dass sie zu deinem Gesetz zurückkehren sollten; aber sie waren übermütig und folgten deinen Geboten nicht, sondern sündigten gegen deine Bestimmungen, durch die der Mensch leben wird, wenn er sie tut; und sie entzogen dir widerspenstig ihre Schulter und waren halsstarrig und folgten nicht. 30 Du aber hattest viele Jahre lang Geduld mit ihnen und hast gegen sie Zeugnis ablegen lassen durch deinen Geist, durch deine Propheten; aber sie wollten nicht hören. Darum hast du sie in die Hand der Völker der Länder gegeben. (Nehemia 9,29-30)

Nachdem die Leviten in diesem Gebet auf die gesamte Geschichte ihres Volkes zurückgeblickt haben, ziehen sie ein klares Fazit: Viermal haben sie denselben Kreislauf durchlaufen und erkannt:

Immer wieder wurden wir untreu, aber du bist treu geblieben.

Von der Schöpfung bis zu diesem Moment, an dem sie aus dem Exil zurückgekehrt sind, hat Gott seine Treue bewiesen. Gerade im Kontrast zu ihrer eigenen Untreue wird seine Treue umso deutlicher sichtbar. Anstatt sein Volk zu verlassen und zu sagen: „Es reicht“, bleibt Gott seinem Bund treu.

Darum fassen sie alles noch einmal in Vers 31 zusammen:

Aber nach deiner großen Barmherzigkeit hast du sie nicht völlig vertilgt und sie nicht verlassen. Denn du bist ein gnädiger und barmherziger Gott! (Nehemia 9,31)

Was für ein Fazit, wenn sie auf ihre Geschichte zurückschauen.

Doch genau an diesem Punkt bleibt das Gebet nicht stehen. Weil sie Gottes Treue erkannt haben, bitten sie ihn jetzt um neue Hilfe und erwarten erneut seine Erneuerung.

3. Gebet um Erneuerung (Verse 32-37)

Sie beten:

Nun, unser Gott, du großer Gott, mächtig und furchtgebietend, der du den Bund und die Gnade bewahrst, achte nicht gering all das Elend, das uns getroffen hat, unsere Könige, unsere Fürsten, unsere Priester, unsere Propheten, unsere Väter und dein ganzes Volk, seit der Zeit der Könige von Assyrien bis zum heutigen Tag! 33 Du bist gerecht in allem, was über uns gekommen ist; denn du hast Treue bewiesen; wir aber sind gottlos gewesen. 34 Und unsere Könige, unsere Fürsten, unsere Priester und unsere Väter haben nicht nach deinem Gesetz gehandelt und haben nicht geachtet auf deine Gebote und auf deine Zeugnisse, die du ihnen hast bezeugen lassen. 35 Sie haben dir nicht gedient in ihrem Königreich, trotz deiner großen Wohltat, die du ihnen erwiesen hast, und trotz des weiten, fetten Landes, das du ihnen gegeben hast, und sie haben sich von ihren bösen Taten nicht abgekehrt. 36 Siehe, wir sind heute Knechte; ja, in dem Land, das du unseren Vätern gegeben hast, damit sie seine Früchte und Güter genießen sollten, siehe, in dem sind wir nun Knechte; 37 und sein Ertrag mehrt sich für die Könige, die du über uns gesetzt hast um unserer Sünden willen, und sie herrschen über unsere Leiber und über unser Vieh nach ihrem Wohlgefallen, und wir sind in großer Bedrängnis! (Nehemia 9,32-37)

Hier beten sie zu Gott:

achte nicht gering all das Elend, das uns getroffen hat (Nehemia 9,32)

Wieder befinden sie sich in diesem Kreislauf. Sie spüren die Folgen ihrer Untreue und schreien erneut zu Gott um Hilfe. Obwohl sie aus dem Exil zurückgekehrt sind, sind sie noch immer Knechte. Das Land trägt Früchte, aber sie selbst profitieren kaum davon. Andere herrschen über sie. Darum bitten sie:

„Hilf uns. Schenk uns Erneuerung. Erweise uns noch einmal deine Treue. Hilf uns, den Bund mit dir zu erneuern.“

Ehrliche Buße ohne Ausreden

Vers 33 bringt ihre Haltung auf den Punkt:

Du bist gerecht in allem, was über uns gekommen ist; denn du hast Treue bewiesen; wir aber sind gottlos gewesen. (Nehemia 9,33)

Hier erkennen sie ihr Versagen ehrlich an. Sie sagen nicht: „Die Umstände waren schwierig.“ Sie suchen keine Ausreden und reden nichts klein. Stattdessen bekennen sie:

Du bist gerecht. Wir waren ungerecht.

Das ist der erste und essentielle Schritt echter Buße: das eigene Versagen vor einem vollkommen heiligen Gott anzuerkennen.

Wenn wir ehrlich mit unserer Sünde vor Gott kommen und in Demut bekennen, dass er gerecht und heilig ist und wir schuldig sind, dann zeigt Gott seine Treue und seine Gnade. Er vergibt, erneuert und stellt wieder her.

Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. (1. Johannes 1,9)

Vielleicht bist du heute genau an diesem Punkt. Dann lass dich von diesem Vers ermutigen. Komm ehrlich vor Gott. Bekenne ihm deine Sünde. Rede nichts klein und suche keine Ausreden. Denn Gott ist treu und gerecht. Er vergibt und reinigt.

Die Grundlage für einen erneuerten Bund

Genau deshalb mündet dieses Gebet schließlich in Kapitel 10 in die Erneuerung des Bundes.

Aufgrund alles dessen treffen wir eine feste Abmachung und schreiben sie nieder und lassen sie durch unsere Fürsten, Leviten und Priester versiegeln! (Nehemia 10,1)

Darauf lief alles hinaus. Das Volk war als eine Einheit zusammengekommen. Es hatte Gottes Wort gehört, seine Sünden bekannt, gebetet und sich bewusst gemacht, wer Gott ist und wie treu er über die gesamte Geschichte hinweg gehandelt hat.

Warum trauen Sie sich einmal mehr, diesen Bund zu erneuern? Sie haben im Gebet ausgedrückt:

denn du hast Treue bewiesen (Nehemia 9,33)

Du bist es, der uns erwählt hat. Du hast diesen Bund mit uns geschlossen. Und obwohl wir untreu geworden sind, bist du treu geblieben.

Was bedeutet das für uns heute?

Vielleicht fragst du dich: Was hat die Geschichte einer kleinen Gruppe von Rückkehrern aus dem Exil vor über 2.400 Jahren mit meinem Leben zu tun?

Das ist eine gute und wichtige Frage. Denn genau diese Frage sollten wir uns jedes Mal stellen, wenn wir Gottes Wort lesen.

Wenn wir weiterlesen, merken wir schnell: Dieser tragische Kreislauf endet in Nehemia nicht. Auch nach der Rückkehr aus dem Exil geht er weiter. Schon wenige Kapitel später, in Nehemia 13, wird deutlich, dass selbst dieser erneuerte Bund nicht von Dauer ist. Deshalb weist uns das Buch Nehemia auf eine viel größere Frage hin:

Wie kann echte Erneuerung überhaupt geschehen?

Was wird Gott tun, um seine Treue und seine Gnade endgültig unter Beweis zu stellen? Wann wird endlich der verheißene Retter kommen? Wann wird derjenige da sein, der größer ist als alle Richter und Retter Israels, die das Volk immer wieder vorübergehend befreiten?

Vierhundert Jahre lang blieb es still. Zwischen dem Ende des Alten Testaments und dem Kommen Jesu sprach kein Prophet mehr. Dann erfüllte Gott seine Verheißung.

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen. (Galater 4,4+5)

Gott sandte seinen eigenen Sohn, Jesus Christus, in diese gefallene und zerbrochene Welt. In ihm offenbarte Gott seine Herrlichkeit. In ihm bewies er seine Treue und seine große Barmherzigkeit auf endgültige Weise.

Johannes schreibt:

Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Johannes 1,14)

Durch Jesus Christus zeigte Gott seine Herrlichkeit – “voller Gnade und Wahrheit.”

Noch mehr: In Jesus schloss Gott einen neuen Bund. Durch sein Blut, durch seinen stellvertretenden Tod am Kreuz, machte er diesen Bund für uns zugänglich.

Dieser Bund gilt nicht nur einem einzigen Volk. Menschen aus allen Völkern, Sprachen und Nationen sind eingeladen, sich mit dem heiligen und gerechten Gott versöhnen zu lassen, zu seinem Reich zu gehören und echte Erneuerung von innen heraus zu erleben.

Durch diesen neuen Bund schenkt Gott uns ein neues Herz. Er nimmt unser steinernes Herz weg und gibt uns ein fleischernes Herz. So erfüllt sich seine Verheißung aus Hesekiel:

Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen; ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben; ja, ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut. (Hesekiel 36,26-27)

Versöhnung mit Gott geschieht deshalb nicht durch unsere Werke oder durch das Halten des Gesetzes. Es geschieht allein aus Gnade, allein durch den Glauben und allein durch Jesus Christus.

Gottes Treue feiern

So wie das Volk damals bei Nehemia zusammenkam, auf seine Geschichte zurückblickte und Gottes Treue trotz der eigenen Untreue erkannte, so dürfen auch wir heute auf Jesus Christus zurückschauen.

Wenn wir die Geschichte Gottes betrachten, erkennen wir: Gott, du bist treu.

Trotz unserer Untreue hast du deine Liebe bewiesen. Deshalb wollen auch wir Gott loben, ihn bestaunen und seine Treue feiern.

Wir wollen den Gott feiern,

  • der sein Wort hält,
  • der reich an Barmherzigkeit, Gnade und Geduld ist,
  • der trotz unserer Untreue gehandelt hat,
  • der uns durch das kostbare Blut Jesu erkauft hat.

Wenn wir ehrlich mit unserer Schuld zu ihm kommen und sie bekennen, ist er treu und gerecht. Er vergibt, reinigt und erneuert uns von innen heraus. Er macht uns zu seinem Volk. Wie wunderbar!

Gottes Treue im eigenen Leben erkennen

Zum Schluss möchte ich das ganz praktisch machen – für diese Woche und vielleicht auch für die kommende Sommerzeit. Nimm dir bewusst Zeit im Gebet und schau zurück.

Unser Leben ist oft so voll. Alles geht so schnell. Wir kommen kaum dazu, innezuhalten, auf Pause zu drücken und einmal zurückzublicken.

Doch genau das tun die Leviten in Nehemia 9. Sie schauen zurück und erkennen: Gott war die ganze Zeit treu.

Dasselbe dürfen auch wir tun. Schau zurück auf dein Leben. Frage dich: Wie hat Gott mich geführt? Wo hat er mich versorgt? Wo hat er seine Treue bewiesen?

Vielleicht nimmst du dir in den kommenden Wochen einmal dein Notizbuch und schreibst alles auf, was Gott in deinem Leben getan hat. Sammle die Geschichten seiner Treue.

Wenn du das tust, dann nimm dir Zeit zu erkennen: Gottes Treue ist größer. Schau darauf, danke ihm dafür und erkenne neu, wie treu er ist.

Das gilt nicht nur für uns persönlich, sondern auch für uns als Gemeinde. Auch wir dürfen auf die Geschichte zurückblicken, die Gott mit uns geschrieben hat.

Wenn wir sehen, wie Gott seine Gemeinde über viele Jahre hinweg getragen hat – durch Höhen und Tiefen, durch Herausforderungen und Zeiten der Freude –, dann bleibt am Ende dieselbe Erkenntnis:

Gottes Treue feiern

Weil Gott Treu ist, wollen wir seine Treue immer wieder gemeinsam feiern. Wenn wir sonntags zusammenkommen, singen wir nicht einfach Lieder. Wir feiern den Gott, der sein Wort hält und treu ist.

An Gottes Treue festhalten

Vielleicht stehst du gerade in einer Situation, die schwer ist. Vielleicht weißt du nicht, wie es weitergehen soll oder wie sich manches entwickeln wird. Dann halte an Gottes Treue fest. Seine Treue ist größer. So wie Gott sein Volk durch die ganze Geschichte hindurch getragen hat, so ist er auch heute derselbe treue Gott. Darum wollen wir an seiner Treue festhalten und von ihm echte Erneuerung erwarten.