Zu deinem größten Feind?
Liebe Geschwister, ich möchte heute mit einer herausfordernden Frage beginnen.
Stell dir einmal vor, Gott würde heute Morgen zu dir sagen: „Ich möchte dich zu deinem größten Feind schicken, und dem sollst du von meiner Gnade erzählen.“
Was wäre dein erster Gedanke? „Herr, natürlich“?
Oder vielleicht eher: „Könnten wir darüber noch einmal reden?“
Denn vielleicht gibt es Menschen, bei denen wir innerlich sagen: „Ganz ehrlich, Herr – dem gönne ich das eigentlich nicht. Bei dem musst du gar nicht anfangen.“
Vielleicht ist es jemand, der dich tief verletzt hat. Vielleicht jemand, dessen Denken dir völlig fremd ist. Vielleicht ein Mensch, dessen Lebensweise dich provoziert oder dessen Verhalten dich wütend macht.
Und genau dann sagt Gott: „Geh zu ihm. Ruf ihn zur Umkehr. Ich will ihm Barmherzigkeit schenken.“
Genau in diese Spannung führt uns das Buch Jona.
Gott schickt seinen Propheten nach Ninive, in eine Stadt, deren Bosheit vor ihn gekommen ist. Jona soll Gottes Gericht ankündigen
Gottes Auftrag und Jonas Flucht
Ich beginne mit den ersten vier Versen des ersten Kapitels:
Und das Wort des HERRN erging an Jona, den Sohn Amittais, folgendermaßen: 2 Mache dich auf, geh nach Ninive, in die große Stadt, und verkündige gegen sie; denn ihre Bosheit ist vor mein Angesicht heraufgekommen! 3 Da machte sich Jona auf, um von dem Angesicht des HERRN weg nach Tarsis zu fliehen; und er ging nach Japho hinab und fand dort ein Schiff, das nach Tarsis fuhr. Da bezahlte er sein Fahrgeld und stieg ein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weg von dem Angesicht des HERRN. 4 Aber der HERR schleuderte einen starken Wind auf das Meer, sodass ein großer Sturm auf dem Meer entstand und das Schiff zu zerbrechen drohte. (Jona 1,1-4)
Gottes Auftrag ist eindeutig: Jona soll nach Ninive gehen und gegen die Bosheit der Stadt predigen. Aber Jona macht genau das Gegenteil. Er widersetzt sich Gottes Auftrag und flieht nach Tarsis – in die entgegengesetzte Richtung.
Auf der Seefahrt gerät das Schiff in einen schweren Sturm. Die Seeleute erkennen, dass Jona die Ursache dafür ist, weil er vor Gott flieht. Auf Jonas eigenen Wunsch werfen sie ihn über Bord ins Meer, woraufhin sich der Sturm vollständig legt. Doch Gott lässt Jona nicht sterben:
Und der HERR entsandte einen großen Fisch, der Jona verschlingen sollte; und Jona war im Bauch des Fisches drei Tage und drei Nächte lang. Und Jona betete aus dem Bauch des Fisches zu dem HERRN, seinem Gott (Jona 2,1-2)
Jona betet zu Gott, und Gott rettet ihn. Der Fisch spuckt Jona schließlich wieder an Land. Und dann geschieht etwas Bemerkenswertes: Gott verwirft seinen ungehorsamen Propheten nicht. Er beauftragt ihn erneut. Wieder sagt Gott:
Mache dich auf, geh nach Ninive, in die große Stadt, und verkündige ihnen die Botschaft, die ich dir sagen werde! (Jona 3,2)
Diesmal geht Jona. Er verkündigt Gottes Gericht, und etwas geschieht, womit man kaum rechnen würde: Die Menschen von Ninive glauben Gott. Sie demütigen sich und kehren von ihrem bösen Weg um. Und als Gott ihre Umkehr sieht, verschont er die Stadt.
Eigentlich könnte die Geschichte hier mit einem großen Happy End aufhören. Der Prophet hat gepredigt. Eine ganze Stadt ist umgekehrt. Menschen wurden vor dem Gericht bewahrt.
Jona müsste sich freuen. Aber genau das tut er nicht. Im Gegenteil:
Das aber missfiel Jona sehr, und er wurde zornig. (Jona 4,1)
Und damit kommen wir zum eigentlichen Problem Jonas. Sein größtes Problem war nicht nur, dass seine Füße in die falsche Richtung liefen. Sein Herz hatte ein Problem mit der Gnade Gottes.
Jona läuft vor Gott davon
Jona läuft vor Gott davon – und vielleicht sind wir ihm ähnlicher, als wir zunächst denken.
Gottes Auftrag ist klar:
Mache dich auf, geh nach Ninive, in die große Stadt, und verkündige gegen sie (Jona 1,2)
Ninive war nicht irgendeine unbedeutende Stadt. Es war die Hauptstadt des assyrischen Großreiches, eines der brutalsten und gewalttätigsten Feinde Israels.
Gott sagt also zu Jona: „Geh zu deinen Feinden.“
Und was macht der gute Mann? Jona macht sich auf und geht in die andere Richtung. Er flieht auf einem Schiff in Richtung Tarsis, weit weg vom Herrn. Das ist fast schon ein bisschen komisch: Gott sagt ihm, er soll nach Osten gehen, und Jona geht nach Westen.
Jona versucht, sich Gottes Auftrag zu entziehen und möglichst weit in die entgegengesetzte Richtung zu kommen.
Jona flieht hier aber nicht einfach vor einer unangenehmen Aufgabe. Er flieht vor Gott selbst. Später, am Ende des vierten Kapitels, erklärt er selbst, warum:
Ach, HERR, ist’s nicht das, was ich mir sagte, als ich noch in meinem Land war, dem ich auch durch die Flucht nach Tarsis zuvorkommen wollte? Denn ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langmütig und von großer Gnade…“ (Jona 4,2)
Jona kennt Gottes Charakter
Das ist erstaunlich. Jona kennt Gottes Charakter sehr wohl. Und genau deshalb läuft er weg.
Er weiß ganz genau: Wenn ich nach Ninive gehe und Gottes Gericht verkündige, dann könnten diese Menschen umkehren. Und wenn sie umkehren, könnte Gott ihnen vergeben. Und genau das will Jona nicht.
Jona möchte Gottes Gnade für sich selbst – aber nicht für Ninive.
Damit stellt sich eine wichtige Frage auch für uns: Gibt es einen Menschen, dem wir selbst Gottes Gnade nicht gönnen?
Vielleicht würden wir das niemals laut aussprechen. Aber manchmal steckt diese Haltung tief in unserem Herzen. Da ist vielleicht jemand, der uns verletzt hat. Und dann meldet sich etwas in uns und sagt: „Der soll erst einmal bekommen, was er verdient.“
Das Problem mit einer solchen Aussage und einer solchen Haltung ist: Wir vergessen dabei, wie das Evangelium eigentlich funktioniert und was das Kreuz eigentlich bedeutet.
Was wäre eigentlich mit uns, wenn Gott uns nur das geben würde, was wir verdienen?
Keiner von uns steht vor Gott und kann sagen: „Ich habe mir deine Gnade verdient.“ Denn wenn wir sie verdient hätten, wäre es keine Gnade mehr.
Sünde betrifft nicht nur mich
Jona steigt also in das Schiff nach Tarsis. Vielleicht meint er, er könne seinem Auftrag einfach entkommen:
Aber der HERR schleuderte einen starken Wind auf das Meer, sodass ein großer Sturm auf dem Meer entstand und das Schiff zu zerbrechen drohte. (Jona 1,4)
Jona läuft vor Gott davon – aber Gott lässt ihn nicht einfach laufen. Und plötzlich betrifft Jonas Ungehorsam nicht mehr nur Jona. Das ganze Schiff gerät in Gefahr. Die Seeleute bekommen Todesangst.
Und wo ist Gottes Prophet währenddessen? Er liegt unten im Schiff – und schläft. Was für ein ungewöhnliches Bild: Oben kämpfen heidnische Seeleute um ihr Leben und rufen zu ihren Göttern. Unten schläft der Mann, der den lebendigen Gott kennt. Schließlich geht der Kapitän zu Jona und sagt:
Was ist mit dir, dass du so schläfst? Steh auf, rufe deinen Gott an! (Jona 1,6)
Ironischer geht es kaum. Ein heidnischer Kapitän muss den Propheten Gottes auffordern, dass er zu seinem Gott rufen soll. Derjenige, der eigentlich anderen Gottes Wort bringen sollte, muss von einem Heiden wachgerüttelt werden.
Und hier sehen wir etwas, das weit über Jona hinausgeht:
Sünde bleibt selten nur bei uns selbst.
Jona dachte vielleicht: Wenn ich wegrenne, ist es mein eigenes Problem. Es betrifft ja nur mich. Aber das stimmt leider nicht. Seine Rebellion gegenüber Gott bringt auch andere in Gefahr.
Das ist eine sehr wichtige Lektion auch für uns. Es ist eine Lektion über Ungehorsam, über Sünde und darüber, dass Sünde ganz oft nicht nur Privatsache ist. Unsere Entscheidungen im Alltag und im Leben haben weite Auswirkungen. Wenn ein Vater sich von Gott entfernt, betrifft das nicht nur ihn. Wenn wir Bitterkeit festhalten, bekommen andere sie zu spüren. Wenn wir lügen, wenn wir unversöhnlich werden oder unserer Verantwortung nicht nachkommen, entstehen Folgen, die über unser eigenes Leben hinausreichen.
Kinder, ihr habt bestimmt schon einmal einen Stein ins Wasser geworfen. In dem Moment, in dem der Stein die Wasseroberfläche trifft, entstehen Kreise. Erst kleine, dann immer größere. Sie breiten sich weiter aus. So ist es oft auch mit unserer Sünde.
Darum ist die Frage nicht nur: Was macht meine Sünde mit mir?
Sondern auch: Welche Kreise zieht sie im Leben der Menschen um mich herum?
Einer wird ins Meer geworfen
Schließlich finden die Seeleute heraus, warum dieser Sturm über sie gekommen ist. Jona selbst bekennt, dass er vor dem Herrn auf der Flucht ist. Und dann sagt er zu ihnen:
Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird das Meer euch in Ruhe lassen! (Jona 1,12)
Jona weiß: Dieser Sturm hängt mit seinem Ungehorsam zusammen. Er ist der Schuldige. Aber etwas an der Reaktion der Seeleute ist bemerkenswert. Sie werfen Jona nicht sofort über Bord. Im Gegenteil: Sie versuchen zunächst mit aller Kraft, zurück ans Land zu rudern. Sie wollen sein Leben verschonen. Doch der Sturm wird immer heftiger. Sie rufen sogar zum Herrn:
Ach, HERR! lass uns doch nicht um der Seele dieses Mannes willen untergehen (Jona 1,14)
Und dann werfen sie Jona ins Meer. Und im selben Augenblick legt sich der Sturm. Das tobende Meer wird still. Interessant ist auch, was danach geschieht:
Da bekamen die Männer große Ehrfurcht vor dem HERRN und brachten dem HERRN ein Schlachtopfer dar und legten Gelübde ab. (Jona 1,16)
Der Prophet läuft vor Gott davon – und ausgerechnet diese heidnischen Seeleute beginnen, den Herrn zu fürchten. Selbst durch Jonas Versagen hindurch führt Gott seinen Plan aus.
Wer trägt das Gericht?
Diese Szene führt uns zu einer wichtigen Wahrheit: Sünde und Ungehorsam bringen Gericht.
Dabei ist wichtig: Gott ist auch Liebe. Aber Gottes Liebe bedeutet nicht, dass ihm das Böse gleichgültig wäre. Gott ist auch heilig und gerecht. Deshalb kann er Sünde nicht einfach für bedeutungslos erklären. Schuld ist wirklich Schuld, und Gericht ist eine Realität.
Deshalb brauchen wir Rettung vom Gericht. Die Frage an uns lautet: Wer trägt dieses Gericht?
Bei Jona wird ein Mensch ins Meer geworfen, damit die anderen – in diesem Fall die Seeleute – gerettet werden. Und deutlich weiter rechts in der Bibel, im Neuen Testament, begegnen wir schließlich unserem vollkommenen Retter. Von ihm lesen wir, dass es …
besser ist, dass ein Mensch für das Volk stirbt, als dass das ganze Volk zugrunde geht! (Johannes 11,50)
Dabei müssen wir aber einen entscheidenden Unterschied sehen: Jona geht als Schuldiger ins Gericht. Jesus geht als Unschuldiger ins Gericht.
Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. (Jesaja 53,5)
Das ist das Zentrum des Evangeliums: Der Schuldlose nimmt den Platz von Schuldigen ein. Jesus trägt das Gericht, das wir verdient haben,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat. (Johannes 3,16)
Jona musste wegen seiner eigenen Schuld gerettet werden. Jesus ist ohne Schuld – und er ist selbst der Retter.
Gott rettet aus Gnade
Jona sinkt hinab ins Meer. Menschlich gesehen ist seine Geschichte damit zu Ende. Aber dann lesen wir:
Und der HERR entsandte einen großen Fisch, der Jona verschlingen sollte (Jona 2,1)
Der Fisch ist dabei nicht in erster Linie Jonas Strafe. Der Fisch ist seine Rettung. In Kapitel 2 lesen wir wie Jona im Bauch des Fisches betet:
Aus meiner Drangsal rief ich zu dem HERRN, und er erhörte mich; aus dem Schoß des Totenreiches schrie ich, und du hörtest meine Stimme! (Jona 2,3)
Jona war dem Tod nahe, und Gott rettet ihn auf wundersame Weise.
Warum? Weil Gott ihm gnädig ist.
Gott rettet Jona nicht, weil Jona gut ist. Gott rettet Jona, weil Gott gut ist.
Jahrhunderte später greift Jesus selbst die Geschichte von Jona auf:
Denn gleichwie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Riesenfisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein. (Matthäus 12,40)
Jesus selbst verbindet also Jonas Geschichte mit seinem eigenen Tod und seiner Auferstehung.Jona geht hinab ins Meer, ins Totenreich. Jesus geht hinab in den Tod. Jona ist im Bauch des Fisches, Jesus liegt im Grab.
Und dann kommt der große Wendepunkt des Evangeliums: Der Tod behält nicht das letzte Wort. Jesus Christus ist auferstanden. Das Grab ist leer. Und deshalb gibt es für schuldige Menschen wirkliche Hoffnung. Nicht weil unsere Schuld bedeutungslos wäre, sondern weil Christus sie getragen hat.
Jona bekommt eine zweite Chance
Gott rettet Jona aus dem Meer. Aber damit ist Gottes Gnade mit Jona noch nicht zu Ende. Denn im dritten Kapitel lesen wir etwas Bemerkenswertes:
Und das Wort des HERRN erging zum zweiten Mal an Jona folgendermaßen: 2 Mache dich auf, geh nach Ninive, in die große Stadt, und verkündige ihnen die Botschaft, die ich dir sagen werde! 3 Da machte sich Jona auf und ging nach Ninive, nach dem Wort des HERRN. (Jona 3,1-3)
Wie fängt Gott hier an? Sagt er: „Du ungehorsamer Knecht“? Oder: „Falsche Richtung“? Gott hätte allen Grund gehabt, Jona zur Rechenschaft zu ziehen.
Aber Gott verwirft seinen Propheten nicht. Er rettet ihn – und dann beauftragt er ihn erneut.
Kurze Predigt, maximale Wirkung
Jona beginnt, eine Tagesreise weit in die Stadt hineinzuziehen, und ruft:
Noch 40 Tage, und Ninive wird zerstört! (Jona 3,4)
Das ist eine sehr kurze Verkündigung, eine minimale Predigt. Keine PowerPoint, keine zehnteilige Predigtserie, keine Band. Er stellt sich einfach hin und sagt: „40 Tage, dann kommt Gottes Gericht.”
Und dann geschieht etwas, womit man kaum rechnen würde. Die Menschen lachen Jona nicht aus. Sie jagen ihn nicht aus der Stadt. Sie ignorieren ihn nicht. Sondern wir lesen:
Und die Leute von Ninive glaubten Gott; und sie riefen ein Fasten aus und legten Sacktuch an, vom Größten bis zum Kleinsten unter ihnen. (Jona 3,5)
Kurze Predigt, maximaler Output. Ninive, die ganze Stadt inklusive König und allem, was dazugehört, kehrt um 180 Grad um.
Wem gönnst du Gottes Gnade?
Der König demütigt sich. Das Volk fastet. Menschen wenden sich von ihrem bösen Weg ab. Gottes Gericht wird abgewendet. Und Jona? Er freut sich nicht. Er ist wütend. Kapitel 4 beginnt mit den Worten:
Das aber missfiel Jona sehr, und er wurde zornig. (Jona 4,1)
Warum? Das ist vielleicht eine der überraschendsten Aussagen im ganzen Buch. Jona ist nicht sauer, weil Gott ungerecht ist. Jona ist tatsächlich sauer, weil Gott barmherzig ist.
Wir lesen das Buch und denken vielleicht: Was für ein schlechter Prophet. Aber bevor wir zu schnell über Jona urteilen, sollten wir uns selbst eine Frage stellen:
Wem gönne ich Gottes Gnade nicht?
Du verkündigst Gottes Gnade, aber wem gönnst du sie nicht? Du freust dich über deine eigene Vergebung, aber kannst du einem anderen auch vergeben? Du möchtest, dass Gott deine Sünde mit Gnade behandelt, aber die Sünde deines Gegenübers mit Gerechtigkeit.
Das Evangelium lässt keinen Raum für geistlichen Stolz. Am Fuß des Kreuzes stehen nicht auf der einen Seite die guten Menschen und auf der anderen die schlechten. Dort stehen Sünder. Menschen, die Gottes Gnade brauchen.
Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten. (Römer 3,23)
Jesus ist größer als Jona
Jetzt möchte ich einen großen Bogen schlagen: Jesus ist größer als Jona. Jesus sagt:
Und siehe, hier ist einer, der größer ist als Jona! (Matthäus 12,41)
Wenn wir die beiden miteinander vergleichen, wird das sehr deutlich.
Ich möchte dir etwas aus Römer 5,8 vorlesen:
Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Römer 5,8)
Warum ist Jesus größer als Jona? Jona ärgert sich über die Barmherzigkeit Gottes gegenüber seinen Feinden. Jesus hängt am Kreuz und betet:
Vater, vergib ihnen (Lukas 23,34)
Jona flieht vor seinem Auftrag. Jesus betet angesichts des Kreuzes:
Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe (Lukas 22,42)
Und die Botschaft Jesu lautet:
Tut Buße und glaubt an das Evangelium! (Markus 1,15)
Diese Botschaft galt nicht nur damals in Galiläa oder für die Stadt Ninive. Sie gilt in Heidelberg, sie gilt in unserer Gemeinde und sie gilt für dich persönlich:
Kehr um zu Gott. Vertraue nicht auf deine eigene Gerechtigkeit. Vertraue auf Jesus Christus.
Wo will Gott dich verändern?
Was können wir heute mitnehmen?
Ein erster Punkt ist: Frage nicht zuerst, was Gott für dich tun soll, sondern wo Gott dich persönlich verändern will.
Wir haben gesehen: In Kapitel 3 hat sich Jonas Weg verändert. Beim ersten Auftrag flieht er nach Tarsis. Beim zweiten Auftrag geht er nach Ninive. Äußerlich gehorcht Jona jetzt.
Aber Kapitel 4 zeigt uns: Sein Herz ist noch lange nicht dort, wo es sein sollte. Und das ist eine wichtige Lektion. Man kann äußerlich das Richtige tun und innerlich trotzdem mit Gott kämpfen. Man kann Gottes Wort kennen, einen Auftrag Gottes erfüllen und trotzdem ein Herz haben, das Gottes Gnade noch nicht verstanden hat.
Vielleicht ist das heute auch Gottes Wort an dich.
Vielleicht betest du schon lange: „Herr, verändere meinen Ehepartner.“ Aber Gottes Frage an dich lautet aber: „Wo muss ich dein Herz verändern?“
Vielleicht denkst du: „Herr, verändere meine Gemeinde.“ Und Gott zeigt dir: „Ich möchte deine Liebe zu dieser Gemeinde verändern.“
Vielleicht denkst du: „Herr, dieser Mensch muss sich ändern.“ Und Gott zeigt dir gleichzeitig Bitterkeit, Stolz oder Unversöhnlichkeit in deinem eigenen Herzen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass das Verhalten anderer Menschen immer richtig wäre. Ninives Bosheit war real. Gott selbst hatte sie verurteilt. Aber während Gott an Ninive handelt, handelt er auch an Jona.
Gottes Wirken beginnt manchmal genau dort, wo unser Ego endet.
Buße bedeutet Umkehr
Der zweite Punkt: Buße bedeutet mehr als zu sagen: „Es tut mir leid.“
Buße bedeutet Umkehr. Sie sagt: „Gott, mein Weg ist falsch. Ich kehre um zu dir.“
Das sehen wir bei Jona, und das gilt auch für uns. Vielleicht denkst du: „Dann muss ich zuerst einiges in meinem Leben in Ordnung bringen.“
Nein. Du musst nicht zuerst dein Leben aufräumen, bevor du zu Jesus kommen kannst. Du darfst mit deiner Schuld, deinem Stolz, deiner Angst und deiner Unversöhnlichkeit zu ihm kommen.
Christus nimmt Sünder an – aber er lässt uns nicht unverändert.
Seine Gnade vergibt, und sein Geist verändert.
Darum bedeutet Umkehr auch: Hör auf, vor Gott davonzulaufen.
Hör auf, von Gott wegzulaufen
Der dritte Punkt: Hör auf, von Gott wegzulaufen.
Das wissen sogar Kinder: Das ist dumm.
Du weißt längst, was Gott von dir möchte, aber du läufst und versteckst dich. Du weißt, dass du vergeben solltest. Du weißt, dass du deine Sünde bekennen solltest. Du weißt, dass du Jesus nachfolgen solltest.
Aber du sagst: „Später. Es gibt noch Möglichkeiten.“
Lass mich dich daran erinnern: Wir haben die Zeiten nicht in unserer Hand. Es gibt ein Zu-spät.
Jona zeigt uns: Man kann zwar von Gott davonlaufen, aber man kann nicht von Gott davonkommen.
Und das ist nicht nur eine Drohung. Es ist auch eine Hoffnung. Der Gott, vor dem du wegfliehen möchtest, ist derselbe Gott, der dich eigentlich retten möchte.
Lebe nicht aus Angst, sondern aus der Freude an Gottes Herrlichkeit. Jesus Christus hält das schönste Geschenk für dich bereit.
Wo ist dein Ninive?
Der vierte Punkt: Frag dich, wer oder wo dein Ninive ist.
Und wenn du es weißt, dann ist mein einfacher Rat: Geh nicht nach Tarsis. Geh den Weg, den Gott dir zeigt.
Du weißt, dass du Sünde bekennen, vergeben oder einen falschen Weg verlassen solltest – aber du sagst: „Später.“
Jona zeigt uns: Man kann vor Gott davonlaufen, aber man kann Gott nicht entkommen.
Und das ist nicht nur Warnung, sondern auch Hoffnung. Denn der Gott, vor dem Jona davonläuft, ist derselbe Gott, der ihm nachgeht und ihn rettet.
Was machst du mit Gottes Gnade?
Und damit bleibt eine letzte Frage: Was machst du mit Gottes Gnade?
Das große Wunder im Buch Jona ist nicht der Fisch. Das große Wunder ist: Gott rettet.
Er rettet einen rebellischen Propheten. Er verschont eine schuldige Stadt, die umkehrt. Und in Jesus Christus rettet er bis heute Sünder.
Paulus schreibt:
Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, sodass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist. (Römer 3,23–24)
Das ist das Evangelium: Wir sind schuldig. Gott ist heilig. Aber Jesus Christus hat die Schuld von Sündern getragen. Er ist gestorben und auferstanden.
Darum gilt: Kehre um und vertraue auf Christus.
Und wenn du zu Christus gehörst, dann lebe aus dieser Gnade. Vergib, weil dir vergeben wurde. Bete für Menschen, die dir schwerfallen. Erzähle von Christus. Und geh dorthin, wohin Gott dich stellt. Nicht aus eigener Kraft, sondern in der Kraft seines Geistes.
Jona zeigt uns einen Gott, der einem fliehenden Propheten nachgeht und einer schuldigen Stadt Barmherzigkeit schenkt.
Kehre zu ihm um, vertraue ihm – und lerne, anderen die Gnade zu gönnen, von der du selbst lebst.


