Persönliche Erinnerungen

In unserer Serie durch das Buch Nehemia sind wir heute im fünften Kapitel. Für mich ist das Buch Nehemia etwas Besonderes, weil ich damit ein persönliches Erlebnis verbinde, das zwar schon etwa 25 Jahre zurückliegt, an das ich mich aber noch erinnere, als wäre es gestern gewesen. Vielleicht kennst du das auch: Es gibt Bibelverse, die man mit etwas ganz Besonderem verbindet.

Während meiner Studienzeit in Siegen besuchte ich die Calvary Chapel Siegen. Die Gemeinde traf sich damals noch in einem alten Teppichlager, hatte aber durch Gottes Leitung ein großes Grundstück am Stadtrand bekommen, auf dem renoviert und gebaut wurde. In dieser Zeit wurde Vers für Vers durch das Buch Nehemia gelehrt. Als wir in der Predigtreihe bei Nehemia 6 angekommen waren, wurde der Vers betrachtet, in dem berichtet wird, dass die Mauer in 52 Tagen fertiggestellt wurde. Nach der Predigt kam jemand nach vorne und stellte fest, dass in genau 52 Tagen auch unser Bauprojekt soweit ist, dass der erste Gottesdienst im neuen Gebäude stattfinden kann. Das war erstaunlich. Man könnte sagen, es sei Zufall gewesen. Ich glaube das aber nicht. Ich glaube, Gott hat es so gelenkt – nicht als großes Wunder, sondern als kleine Ermutigung, als freundlichen Hinweis: „Ich sehe euch. Ich bin bei euch. Geht weiter.“

Manchmal schenkt Gott solche Hinweise auf unserem Weg. Nicht jeder bemerkt sie, aber sie können unseren Glauben stärken. Deshalb habe ich mich gefragt, ob Gott uns als Gemeinde vielleicht ebenfalls solche Verse oder Hinweise zeigt. Darum möchte ich euch ermutigen: Haltet die Augen offen. Wenn euch Dinge auffallen, durch die Gott durch sein Wort zu uns spricht, dann behaltet sie nicht für euch, sondern teilt sie mit uns. Solche Hinweise können eine große Ermutigung sein.

Nehemia als Vorbild für geistliche Leiter

Eine weitere Sache, die mich am Buch Nehemia begeistert, ist die Person Nehemia selbst. Er ist ein großes Vorbild als geistlicher Leiter. Wir können in verschiedenen Situationen beobachten, wie er handelt.

Einige von euch sind selbst geistliche Leiter. Und mein Gebet ist, dass Gott noch mehr Menschen unter euch beruft, diesen Ruf anzunehmen und geistliche Leiter zu werden. Gerade in unserer heutigen Zeit brauchen wir gute Leiter und Führungskräfte mehr denn je. Viele Gemeinden haben große Schwierigkeiten, Pastoren und geistliche Leiter zu finden.

Im Buch Nehemia sehen wir einige Herausforderungen, die Nehemia meistern muss. Gerade daran kann man gute Leiterschaft erkennen. Gute Leiter zeigen sich nicht unbedingt dann, wenn alles gut läuft, sondern besonders in Schwierigkeiten und Krisen.

Angriffe von außen und die Kraft der Einheit

In den vergangenen Kapiteln haben wir bereits verschiedene Angriffe auf das Werk Gottes gesehen. Zunächst kamen diese Angriffe von außen. In Kapitel 4 verspottete Sanballat das Bauprojekt und machte es lächerlich. Spott gehört zu den schmerzhaftesten Angriffen auf Menschen, die Gott dienen wollen. Aber die Angriffe werden noch schwerwiegender und gefährlicher. Es kam sogar zu tätlichen Bedrohungen:

Und die Lastträger, die aufluden, verrichteten mit der einen Hand die Arbeit, während sie mit der anderen die Waffe hielten. (Nehemia 4,11)

Hier kann man eine bestimmte Dynamik erkennen: Angriffe von außen und ein gemeinsames Feindbild schweißen Menschen zusammen. Ein Leiter kann das nutzen, um die Einheit zu stärken.

Die Gefahr von innen

In Kapitel 5 begegnet uns nun die nächste Herausforderung für das Projekt. Diese Bedrohung hat jedoch eine ganz andere Qualität, denn die Probleme kommen von innen heraus. Es geht um Geldprobleme im weitesten Sinne.

Es erhob sich aber ein großes Geschrei des Volkes und ihrer Frauen gegen ihre Brüder, die Juden. 2 Und etliche sprachen: Wir, unsere Söhne und unsere Töchter sind viele; und wir müssen uns Getreide beschaffen, damit wir zu essen haben und leben können! 3 Andere sprachen: Wir mussten unsere Äcker, unsere Weinberge und unsere Häuser verpfänden, damit wir Getreide bekommen in der Hungersnot! 4 Etliche aber sprachen: Wir haben uns Geld leihen müssen auf unsere Äcker und unsere Weinberge, damit wir dem König die Steuern zahlen können. 5 Nun sind ja unsere Brüder vom gleichen Fleisch [und Blut] wie wir, und unsere Kinder sind wie ihre Kinder. Und siehe, wir müssen unsere Söhne und unsere Töchter in die Leibeigenschaft bringen, und von unseren Töchtern sind schon etliche zu leibeigenen Mägden geworden, und es steht nicht in unserer Macht, es zu verhindern, da ja unsere Äcker und Weinberge bereits anderen gehören! 6 Als ich aber ihr Geschrei und diese Worte hörte, wurde ich sehr zornig.. (Nehemia 5,1-6)

Nachdem wir die ersten Verse gelesen haben, wird deutlich, dass sich ein großes Geschrei des Volkes und ihrer Frauen gegen ihre Brüder erhebt.

Wenn man das gesamte Kapitel liest, fällt auf, dass der Bau an der Mauer nicht mehr erwähnt wird. Stattdessen dreht sich alles um dieses Problem. Die Einheit des Volkes ist gestört. Es könnte daher sein, dass der Mauerbau dadurch zum Stillstand gekommen ist.

Wenn das so war, dann hätte dieser innere Konflikt genau das bewirkt, was die Feinde in Kapitel 4 mit ihren Angriffen von außen nicht erreichen konnten.

Die Einheit bewahren

Daraus können wir etwas Wichtiges lernen: Wenn Streit unter Gottes Volk aufkommt, wenn Vorwürfe wachsen und die Einheit verloren geht, dann dreht sich irgendwann alles nur noch um diesen Konflikt. Und wozu uns Gott eigentlich berufen hat, tritt in den Hintergrund.

Deshalb ist es von grundlegender Bedeutung, auf die Einheit zu achten. Dazu möchte ich an die Worte aus dem Epheserbrief erinnern:

So ermahne ich euch nun, ich, der Gebundene im Herrn, dass ihr der Berufung würdig wandelt, zu der ihr berufen worden seid, indem ihr mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander in Liebe ertragt und eifrig bemüht seid, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens (Epheser 4,1-3)

Die Einheit zu bewahren bedeutet, einander in Liebe zu ertragen, auch wenn es schwerfällt. Gleichzeitig sollen wir nicht passiv bleiben. Paulus sagt ausdrücklich, dass wir eifrig bemüht sein sollen, die Einheit des Geistes zu bewahren.

Lasst es nicht zu, dass sich Gruppen bilden, die einander misstrauen oder nicht mehr miteinander reden. Lasst nicht zu, dass Vorwürfe im Hintergrund wachsen. Wenn es Probleme gibt, dann sprecht sie an, sucht Klärung und vor allem Versöhnung. Sucht gemeinsam nach einer Lösung.

Die Ursachen der Geldprobleme

Bei einem Bauprojekt sind finanzielle Schwierigkeiten oft der Klassiker. Doch hier in Nehemia 5 lag die Ursache der Geldprobleme nicht in den Baukosten.

In Kapitel 2 haben wir gelesen, dass König Artaxerxes Nehemia den Bau der Mauer unterstützte. Er stellte Holz zur Verfügung, erteilte die notwendigen Genehmigungen und sorgte für Schutz auf der Reise.

In Nehemia 5 lesen wir von mehreren Ursachen dieser Not. Wie so oft haben Geldprobleme nicht nur eine einzige Ursache. Der Bibeltext nennt vier Faktoren:

  1. Die Versorgung der Familie wird immer aufwendiger (Vers 2+3)

Die Versorgung der eigenen Familie hat Vorrang und beansprucht all ihre Kräfte.

  1. Es gab eine Hungersnot (Ende Vers 3)

Die Hungersnot verschärfte die Situation zusätzlich und dürfte auch zu steigenden Preisen geführt haben.

  1. Hohe Steuern vom König (Vers 4)

Hinzu kamen die Steuern des Königs. Dadurch wurde die Belastung noch größer.

  1. Die Schulden führten zur Abhängigkeit. (Vers 5)

All diese Faktoren führten schließlich dazu, dass Schulden und Zinslast so groß wurden, dass sie die Menschen an den Rand des Ruins brachten. Sie mussten ihre Kinder zu Leibeigenen anderer machen. Daran zeigt sich das Ausmaß der Ungerechtigkeit.

Sinngemäß sagten die Betroffenen: Unsere Kinder sind doch genauso wertvoll wie alle anderen Kinder. Warum müssen wir unsere Söhne und Töchter in die Knechtschaft und in die Sklaverei geben?

Das war der Tiefpunkt dieser Krise. Aus den Geldproblemen waren Familienprobleme geworden. Aus den Schulden waren Abhängigkeiten entstanden. Gleichzeitig griff diese Situation die Würde und Freiheit der Menschen an.

Das sind die Ursachen der Geldprobleme, die in Nehemia 5 beschrieben werden.

Es ist wichtig, sich um Geld zu kümmern

In diesem Kapitel geht es darum, wie Nehemia auf diese Probleme reagiert. Sein Eingreifen führt dazu, dass die Geldnot gelindert wird und der Bau weitergehen kann.

Daraus können wir eine wichtige Lektion lernen: Der Umgang mit Geld ist keine Nebensache. Unser Umgang mit Geld hat geistliche Bedeutung. Es kann Gottes Werk entweder fördern oder behindern.

Nehemia als Vorbild für Leiter

Als Leiter hatte Nehemia eine klare Vision und Aufgabe: Die Mauer sollte fertig gebaut werden. In der Art, wie er handelt, ist er ein großes Vorbild für uns als Leiter und geistliche Leiter. Das wird sehr detailliert beschrieben.

Als ich aber ihr Geschrei und diese Worte hörte, wurde ich sehr zornig. (Nehemia 5,6)

Kennst du solche Situationen? Du hast ein Ziel, und dieses Ziel steht hoffentlich im Willen Gottes. Dann gibt es Menschen, vielleicht sogar Mitarbeiter, die diskutieren und streiten, und es geht nicht voran. Solche Situationen kenne ich auch aus der Projektarbeit, und sie ärgern mich ebenfalls kolossal.

Zorn und Besonnenheit

Dann schreibt Nehemia etwas sehr wichtiges:

Dann überlegte ich bei mir selbst. (Nehemia 5,7)

Nehemia handelt hier nicht im Affekt, obwohl er zornig ist. Kennst du Projektleiter, die zornig oder cholerisch werden? Es ist wichtig, zuerst zu überlegen, bevor man handelt.

Nehemia lässt seinem Zorn nicht freien Lauf, sondern denkt nach. Zwar steht es hier nicht ausdrücklich, aber wir wissen, dass er ein Mann des Gebets ist. Er hat die Situation sicherlich auch vor Gott gebracht.

Gerade für geistliche Leiter ist das von großer Bedeutung. Bevor wir konfrontieren, zurechtweisen oder korrigieren, müssen wir nachdenken und beten.

Im nächsten Abschnitt werden wir sehen, wie Nehemia diejenigen konfrontiert, die in dieser Situation unverantwortlich gehandelt haben.

Nehemia begegnet Ungerechtigkeit

Wir lesen Nehemia 5, 7-11:

Dann überlegte ich bei mir selbst, und ich wies die Vornehmsten und Vorsteher zurecht und sprach zu ihnen: Wollt ihr Wucher treiben an euren Brüdern? Und ich brachte eine große Versammlung gegen sie zusammen 8 und sprach zu ihnen: Wir haben unsere Brüder, die Juden, die an die Heiden verkauft waren, soweit es uns möglich war, losgekauft; ihr aber wollt sogar eure eigenen Brüder verkaufen? Sollen sie sich etwa an uns verkaufen? Da schwiegen sie und fanden keine Antwort. 9 Und ich sprach: Was ihr da tut, ist nicht gut! Solltet ihr nicht in der Furcht unseres Gottes wandeln wegen der Lästerung der Heiden, unserer Feinde? 10 Ich und meine Brüder und meine Diener haben ihnen auch Geld und Korn geliehen. Wir wollen ihnen doch diese Schuld erlassen! 11 Gebt ihnen heute noch ihre Äcker, ihre Weinberge, ihre Ölbäume und ihre Häuser zurück, dazu den Hundertsten vom Geld, vom Korn, vom Most und vom Öl, den ihr ihnen auferlegt habt!

Wenn wir diesen Abschnitt mit den vier Ursachen der Not vergleichen, die wir zuvor betrachtet haben, fällt auf: Nicht alles konnte Nehemia lösen. Die Hungersnot konnte er nicht beenden, und auch die Steuern des persischen Königs konnte er nicht einfach abschaffen. Deshalb konzentrierte er sich auf den Bereich, auf den er Einfluss hatte.

Darin liegt auch eine wichtige Lektion für uns als Leiter. Probleme können so groß werden, dass wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Dann ist es entscheidend, zu fragen: Was liegt in meinem Einflussbereich? Gerade als geistliche Leiter sollten wir überlegen, wo Gott uns Verantwortung zum Handeln gegeben hat. Nehemia erkannte, dass er gegen die Ungerechtigkeit im Volk vorgehen musste.

Mut zur Konfrontation

In Vers 7 sehen wir, wie ich die Vornehmen und Vorsteher konfrontierte:

Wollt ihr Wucher treiben an euren Brüdern? (Nehemia 5,7)

Sie belasteten ihre Brüder finanziell übermäßig. Einige der Reichen und Vornehmen hatten die Notsituation ihrer Brüder ausgenutzt.

Das zu konfrontieren war keine einfache Aufgabe, denn es handelte sich um einflussreiche Menschen. Wer solche Personen kritisiert, muss mit Gegenwehr, Widerstand und Konflikten rechnen. Dennoch hatte ich den Mut, das Unrecht anzusprechen.

Als Leiter brauchst auch du Mut. Nehemia stellte die Verantwortlichen zur Rede und tat dies öffentlich. Auch die anschließende Korrektur geschah vor vielen Zeugen.

In der Furcht Gottes leben

Nehemias Hauptargument lesen wir in Vers 9:

Was ihr da tut, ist nicht gut! Solltet ihr nicht in der Furcht unseres Gottes wandeln (Nehemia 5,9)

Die entscheidende Frage lautet: Was gibt Gott die Ehre? Die Betroffenen verdienten durch ihr Verhalten Geld, aber sie taten das auf eine Weise, die Gott bestimmt nicht ehrt.

Es ist nichts Falsches daran, Geld zu verdienen. Arbeit, Besitz und wirtschaftlicher Erfolg sind Gaben Gottes. Aber wir sollen alles zur Ehre Gottes tun. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns fragen: Wie verdiene ich mein Geld? Ist es fair? Wird Gott dadurch geehrt?

Buße und Wiedergutmachung

In Vers 11 lesen wir:

Gebt ihnen heute noch ihre Äcker, ihre Weinberge, ihre Ölbäume und ihre Häuser zurück… (Nehemia 5,11)

Es ging nicht nur darum, mit dem falschen Verhalten aufzuhören, sondern auch um Wiedergutmachung. Das ist ein wichtiges geistliches Prinzip der Buße. Buße bedeutet nicht nur, das Falsche zu beenden, sondern auch, so weit wie möglich den Schaden wiedergutzumachen, den man angerichtet hat.

Diese Forderung an die Reichen war keineswegs gering. Sie sollten auf Geld verzichten, Besitz zurückgeben und Nachteile in Kauf nehmen.

Die Reaktion der Vornehmen

Die entscheidende Frage war nun, wie die Vornehmen und Vorsteher reagieren würden.

Da sprachen sie: Wir wollen es zurückgeben und nichts von ihnen fordern, sondern es so machen, wie du gesagt hast!  (Nehemia 5,12a)

Preist den Herrn. Das ist eine beeindruckende Reaktion. Sie rechtfertigten sich nicht und wichen nicht aus. Sie spielten ihr Verhalten nicht herunter und sagten nicht: „So schlimm war das doch gar nicht.“ Stattdessen erkannten sie ihr Unrecht an und waren bereit, es wiedergutzumachen.

Daran können wir uns ein großes Vorbild nehmen. Du kennst sicherlich das Gefühl, wenn du etwas falsch gemacht hast. Dann besteht oft die Tendenz, es zu verbergen oder zu hoffen, dass es von allein verschwindet. Wahre Größe zeigt sich jedoch darin, zu sagen: Ich habe falsch gehandelt. Ich möchte es ändern, ich möchte mich ändern, und ich möchte den Schaden wiedergutmachen.

Verbindlichkeit und Verantwortung

Es ist eine Sache, solche Worte auszusprechen, und eine andere, sie tatsächlich umzusetzen:

Und ich rief die Priester herbei und nahm einen Eid von ihnen, dass sie es so machen wollten. (Nehemia 5,12b)

Das zeigt Weisheit in der Leitung. Gute Absichtsbekundungen reichen nicht immer aus. Es ist leicht, in einem bewegenden Moment etwas zu versprechen. Entscheidend ist, dieses Versprechen verbindlich zu machen.

Auch daraus können wir lernen. Nehemia sorgte dafür, dass die Vornehmen für das verantwortlich gehalten wurden, was sie versprochen hatten.

Daraus können wir lernen. Manchmal sind wir tief bewegt und nehmen uns fest vor: Ich mache es anders. Ich will mich ändern. Wenn wir das wirklich ernst meinen, sollten wir diesen Vorsatz nicht nur für uns behalten. Oft besteht Weisheit darin, einen anderen Menschen mit einzubeziehen, damit unser Vorsatz nicht schon nach kurzer Zeit wieder in Vergessenheit gerät.

Hilfe durch andere

Vielleicht gibt es etwas in deinem Leben, das der Geist Gottes verändern möchte, aber du merkst, dass dein Fleisch schwach ist. Vielleicht gibt es eine Sünde, die du überwinden möchtest. Vielleicht gibt es eine Entscheidung, die du schon oft getroffen hast, aber du schaffst es nicht, sie umzusetzen.

Dann kann es gut sein, jemanden mit einzubeziehen und von deinem Problem oder deinem Vorhaben zu erzählen. Such dir eine reife, vertrauenswürdige Person. Bekenne ehrlich, womit du kämpfst, und bitte diese Person, dich regelmäßig zu fragen, wie es läuft. Nicht, um dich zu kontrollieren oder zu beschämen, sondern um dir zu helfen, darin treu zu bleiben.

Die Ernsthaftigkeit der Verpflichtung

Zurück zum Bibeltext in Vers 13: Dort unterstreicht Nehemia die Ernsthaftigkeit der Verpflichtung, die die Verantwortlichen mit ihrem Eid eingegangen sind. Er sagt:

Auch schüttelte ich den Bausch meines Gewandes aus und sprach: So schüttle Gott jedermann von seinem Haus und von seinem Besitztum ab, der dies versprochen hat und nicht ausführt; ja, so werde er ausgeschüttelt und leer! Und die ganze Versammlung sprach: Amen! Und sie lobten den HERRN. Und das Volk handelte nach diesem Wort. (Nehemia 5,13)

Besonders diese letzten Sätze klingen befreiend: Wir haben einen Plan, und genau so wollen wir es machen. Amen.

Nehemia als Vorbild

Im letzten Abschnitt dieses Kapitels sehen wir erneut, was für ein wunderbares Vorbild Nehemia ist. Er ruft nicht nur andere dazu auf, sich zu verändern, sondern lebt selbst vor, was er von ihnen verlangt.

Auch habe ich von der Zeit an, da mir befohlen wurde, im Land Juda ihr Statthalter zu sein, nämlich vom zwanzigsten Jahr bis zum zweiunddreißigsten Jahr des Königs Artasasta, das sind zwölf Jahre, für mich und meine Brüder nicht den Unterhalt eines Statthalters beansprucht. 15 Denn die früheren Statthalter, die vor mir gewesen waren, hatten das Volk bedrückt und von ihnen Brot und Wein genommen, dazu 40 Schekel Silber; auch ihre Diener herrschten willkürlich über das Volk; ich aber machte es nicht so, um der Furcht Gottes willen. (Nehemia 5,14+15)

Hier sehen wir, dass Nehemia etwas anders macht als die Statthalter vor ihm. Er erhebt keine eigenen Steuern, obwohl es sein Recht gewesen wäre. Man könnte sagen, er verzichtet auf seinen Lohn. Die Steuern des Königs konnte er nicht abschaffen, darauf hatte er keinen Einfluss. Aber er konnte die Steuerlast der Menschen verringern, indem er sie nicht zusätzlich belastete.

Darin erkennen wir ein wichtiges Prinzip geistlicher Leiterschaft: Ein Leiter sollte sich fragen, was ihm zwar zusteht und was zugleich den Menschen dient, die Gott ihm anvertraut hat.

Das Prinzip des Dienens

Damit kommen wir zu der Frage, ob ein Diener Gottes von denen, denen er dient, finanziell unterstützt werden sollte oder ob er – wie Nehemia in diesem Fall – unentgeltlich dienen sollte. Pauschal kann man nicht sagen, dass nur das eine oder nur das andere richtig ist.

Im Neuen Testament finden wir in Paulus ein hervorragendes Vorbild. Manchmal hat Paulus finanzielle Unterstützung abgelehnt, mit dem klaren Ziel, dass dies dem Evangelium dient und keine Missverständnisse entstehen, wenn er Geld fordert. An anderen Stellen macht Paulus deutlich, dass ein Diener Gottes das Recht hat, von seinem Dienst zu leben, damit er sich ganz der Aufgabe widmen kann und sich nicht gleichzeitig um seinen Lebensunterhalt kümmern muss.

Ich freue mich sehr, dass es in unserer Gemeinde möglich ist, sogar mehrere Mitarbeiter anzustellen, damit sie sich dem Dienst widmen können. Das eröffnet viele Möglichkeiten, unter anderem mehr Zeit für persönliche Gespräche und für die pastorale Begleitung.

Weitere Verzichte Nehemias

In den Versen bis zum Ende des Kapitels lesen wir von weiteren Dingen, auf die Nehemia verzichtet hat:

Auch habe ich am Wiederaufbau der Mauer gearbeitet, ohne dass wir Grundbesitz erwarben; und alle meine Diener kamen dort zur Arbeit zusammen. 17 Dazu aßen die Juden, sowohl die Vorsteher, 150 Mann, als auch die, welche von den Heiden aus der Umgebung zu uns kamen, an meinem Tisch. 18 Und man bereitete mir täglich einen Ochsen zu, sechs auserlesene Schafe, Geflügel und alle zehn Tage eine Menge verschiedener Weinsorten; für all dies forderte ich nicht den Unterhalt des Statthalters; denn der Dienst lastete schwer auf diesem Volk. 19 Gedenke, mein Gott, mir zum Guten, an all das, was ich für dieses Volk getan habe! 

In diesem Abschnitt wird noch einmal deutlich, wie sehr Nehemia sich für die Armen und für die Leidenden eingesetzt hat.

Nehemia und Jesus

Zum Abschluss möchte ich Nehemia mit Jesus vergleichen. Man könnte über Nehemia sagen: “Nehemia kam nicht, damit ihm gedient wird (als Statthalter) – sondern um zu dienen.” Kommt dir diese Aussage bekannt vor?

Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele. (Markus 10,45)

In diesem Abschnitt lehrt Jesus seine Jünger, was wahre Größe und Leiterschaft bedeutet. Wer im Reich Gottes groß sein will, muss ein Diener sein.

Wir können einige Ähnlichkeiten zwischen Nehemia und Jesus erkennen:

Nehemia kümmerte sich um die Armen und Leidtragenden. Auch Jesus kümmerte sich um die Armen und Leidtragenden.

Nehemia konfrontierte mutig Ungerechtigkeit und forderte die Leiter heraus. Auch das tat Jesus.

Nehemia setzte sich dafür ein, dass Menschen aus wirtschaftlicher Knechtschaft befreit wurden. Auch Jesus befreit uns von der Sklaverei der Sünde.

Nehemia diente aufopferungsvoll.

Lass Jesus dir dienen

Noch ein Gedanke: Die Menschen ließen es zu, dass Nehemia ihnen diente.

Deshalb möchte ich dich am Ende dazu aufrufen: Lass es zu, dass Jesus dir dient.

Es gibt Menschen, die es ablehnen, dass Jesus ihnen dient. Aber lass es bei dir zu!

Vielleicht zeigt dir Jesus Bereiche in deinem Leben, die in Ordnung gebracht werden müssen. Vielleicht ist es dein Umgang mit Geld, der nicht Gottes Willen entspricht. Dann höre heute auf seine Stimme. Lass dich von ihm korrigieren. Lass dich von ihm verändern. Lass dich von ihm befreien.

Jesus ist nicht gekommen, um zu verurteilen, sondern um zu retten. Er ist gekommen, um zu dienen. Er hat sein Leben gegeben als Lösegeld für viele.

Das beginnt damit, dass wir seine Gnade annehmen.

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