Heute kommen wir zu einem längeren Abschnitt: Nehemia 3,33  bis 4,17. In diesem Abschnitt geht es darum, wie Nehemia mit dem Widerstand umgeht, der sich gegen das Bauprojekt erhebt, mit dem Nehemia und das Volk in Jerusalem begonnen hat.

Wir lesen: Nehemia 3,33 bis 4,17

Der Text lässt sich in drei Hauptteile gliedern:

  1. Widerstand in Form von Spott (Nehemia 3,33 – 38)
    2. Widerstand in Form von Drohungen von Gewalt (Nehemia 4,1-4,8)
    3. Gottes Werk hat Bestand (Nehemia 4,9-17)

Wir wollen diese drei Abschnitte betrachten und dabei jeweils fragen: Wie reagiert Nehemia auf den Widerstand? Und was können wir daraus für unser eigenes Leben und besonders für unser geistliches Leben lernen?

1. Widerstand in Form von Spott

Beginnen wir mit dem ersten Abschnitt:

Und es geschah, als Sanballat hörte, dass wir die Mauer bauten, da wurde er zornig und ärgerte sich sehr und spottete über die Juden. (Nehemia 3,33)

Wir lesen von Sanballat, der bereits in Kapitel 2 zusammen mit Tobija erwähnt wurde:

Als aber Sanballat, der Horoniter, und Tobija, der ammonitische Knecht, dies hörten, missfiel es ihnen sehr, dass ein Mensch gekommen war, um das Wohl der Kinder Israels zu suchen. (Nehemia 2,10)

Sanballat trägt einen syrischen Namen, der von “Sin-uballit“ stammt. „Sin“ bezeichnete damals einen Mondgott, und „uballit“ bedeutet „der (mich) zum Leben brachte“. Sein Name bedeutet also: „Der Mondgott, der mich zum Leben brachte.“

Außerdem wird er als Horoniter bezeichnet, weil er aus der Stadt Beth-Horon stammte, was damals vermutlich 13 Kilometer nordwestlich von Jerusalem lag. Er war Statthalter von Samaria, einer Stadt, die ebenfalls nördlich von Jerusalem lag. Wahrscheinlich war er der einflussreichste Gegner der Wiederaufrichtung der nachexilischen Gemeinde in Jerusalem.

Vermutlich störte ihn der Wiederaufbau Jerusalems, weil er als Statthalter von Samaria gehofft hatte, Jerusalem in seinen Machtbereich einzugliedern.

Tobija wiederum war Statthalter von Ammon, östlich von Jerusalem auf der anderen Seite des Jordans. Viele gehen davon aus, dass sowohl Tobija als auch Sanballat wussten, dass mit dem Wiederaufbau Jerusalems wichtige Handelsrouten wieder durch die Stadt führen würden – Handelswege nach Ägypten, Persien, Arabien und Kleinasien. Das hätte wirtschaftliche Nachteile für Samaria und Ammon mit sich gebracht. Auch darin lag ein Grund für ihren Widerstand.

Eigeninteresse als Ursache für Widerstand

Das erinnert mich an eine Erfahrung aus der Zeit, als wir lange in Asien dienten. Dort gab es ein schwer zugängliches Bergtal, wo wir öfters waren. Man konnte es nur über eine schmale Straße erreichen, die so steil war, dass man oft nur im ersten Gang fahren konnte. Sämtliche Lastwagen mussten diese eine Strecke nehmen. Deshalb plante die Regierung, unten am Fluss eine breitere Straße zu bauen. Reisende hätten dadurch ein bis zwei Stunden Zeit gespart. Es war eine hervorragende Idee: Die Menschen wären schneller ans Ziel gekommen, und Waren hätten günstiger transportiert werden können.

Doch dann wurde den Bewohnern der Stadt bewusst, dass der gesamte Verkehr künftig an ihrer Stadt vorbeiführen würde. Für sie hätte das bedeutet: weniger Handel, weniger Kundschaft, geschlossene Gasthäuser und ein wirtschaftlicher Verlust.

Dieses Beispiel zeigt etwas sehr Menschliches: Reines Eigeninteresse kann Widerstand hervorrufen – selbst gegen Ideen, die viele anderen nützen würden.

Weitere Gründe für Widerstand

Wenn wir darüber nachdenken, woher Widerstand kommt, sehen wir auch im Buch Nehemia verschiedene Ursachen. Häufig entsteht Widerstand durch den Erfolg eines anderen Menschen und den Neid, der damit verbunden ist. Ich denke, das war vermutlich auch einer der Hauptgründ bei Sanballat und Tobija. Sie sahen den Erfolg Nehemias, der das Volk wieder zum Bauen motivierte, und das gefiel ihnen nicht.

Ein weiterer Grund können unterschiedliche Ziele oder unterschiedliche Agenden sein. Manchmal hat jemand Angst, ausgeschlossen zu werden. Manchmal werden Vermutungen über die Motive anderer angestellt, die vielleicht gar nicht stimmen. Aus solchen Annahmen heraus entsteht dann Widerstand.

Oft entsteht Widerstand auch vielleicht nur deshalb, weil Menschen Traditionen lieben und Veränderungen schwer annehmen können.

Widerstand im geistlichen Leben

In unserem geistlichen Leben gibt es noch einen besonders wichtigen Grund für Widerstand: den Widersacher selbst, Satan. Er versucht mit allem, was er kann, unserem geistlichen Leben entgegenzuwirken und uns von Gottes Weg abzubringen.

Das erinnert an Epheser 6, wo wir die Waffenrüstung Gottes betrachtet haben. Dort heißt es:

denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen. (Epheser 6,12)

Spott als erste Form des Widerstands

Wenn wir auf den Text in Nehemia schauen, stellt sich die Frage: Worin bestand der Widerstand gegen Nehemia und das Bauprojekt?

Und es geschah, als Sanballat hörte, dass wir die Mauer bauten, da wurde er zornig und ärgerte sich sehr und spottete über die Juden. Und er sprach vor seinen Brüdern und den Kriegsleuten von Samaria: Was machen die ohnmächtigen Juden? Soll man sie gewähren lassen? Werden sie ein Opfer darbringen? Werden sie es eines Tages vollenden? Werden sie die Steine aus den Schutthaufen wieder beleben, da sie doch verbrannt sind? Und Tobija, der Ammoniter, war bei ihm und sprach: Sie mögen bauen, was sie wollen; wenn ein Fuchs hinaufginge, würde er ihre steinernen Mauern zerreißen! (Nehemia 3,33-35)

Was machen Sanballat und Tobija hier? Sie spotten. Das ist der erste Widerstand, der sich gegen Nehemia erhebt. Sich über etwas lustig zu machen, ist meist der Versuch, sich über die Idee eines anderen zu erheben, die eigene Überlegenheit herauszustellen und dadurch den anderen zu demoralisieren, zu entmutigen und Zweifel zu säen.

Sanballat stellt ironische Fragen und sagt: „Was machen diese ohnmächtigen Juden?“ Er will Zweifel hervorrufen: Sie haben doch keine Macht. Sie werden es ohnehin nicht schaffen, eine Mauer zu bauen. Er fragt auch: „Soll man sie Opfer bringen lassen?“ Wahrscheinlich bezieht sich das auf die Dankopfer, die nach der Vollendung der Mauer dargebracht würden. Seine Frage lautet sinngemäß: Soll man sie erfolgreich werden lassen, damit sie am Ende ihre Dankopfer bringen können?

Interessant ist, dass in solchen ironischen, sarkastischen und spöttischen Fragen oft ein Funken Wahrheit steckt. Sanballat fragt, ob sie das Projekt an einem Tag vollenden werden und ob sie die Steine aus den Schutthaufen wiederbeleben können. Tatsächlich konnten die Bauleute die Mauer nicht an einem Tag fertigstellen. Vielleicht dauerte der Bau länger als ursprünglich gedacht. Außerdem standen ihnen nicht die besten Baumaterialien zur Verfügung.

Gerade deshalb sind solche entmutigenden Angriffe oft wirksam: Weil Teilwahrheiten darin enthalten sind. Diese Halbwahrheiten säen Zweifel. Doch sie lassen einen entscheidenden Teil der Wahrheit weg. Sie zeigen nicht das ganze Bild.

Das ganze Bild ist, dass Gott mit ihnen war und dass es sein Werk war, an dem sie arbeiteten. 

Er war es, der sie dazu berufen hatte. Er war es, der mit ihnen diese Mauer bauen und ihnen helfen wollte, die Stadt wieder aufzubauen. Er war es auch, der bereits das Unmögliche möglich gemacht hatte, indem der König von Persien Nehemia ziehen ließ.

Die vergessene Wahrheit

Tobija spottet weiter und sagt, dass ein Fuchs genügen würde, um die Mauer zum Einsturz zu bringen. Mit dieser höhnischen Übertreibung verfolgt er dasselbe Ziel: Er will sagen, dass sie ihr Ziel ohnehin nicht erreichen werden. Und selbst wenn die Mauer fertig würde, würde sie keinen Schutz bieten. Ihre Mühe lohne sich nicht. Sie sollten es einfach lassen.

Doch Tobija versteht etwas Entscheidendes nicht. Er spricht von „ihrer steinernen Mauer“ und vergisst dabei, dass es nicht nur ihre Mauer war. Er versteht nicht, dass es in erster Linie Gottes Werk war, an dem sie arbeiteten.

Kritiker, die nur entmutigen, übersehen oft, dass Gott am Werk sein könnte in dem, was sie kritisieren. Gott ist derjenige, der in unserer Gemeinde wirkt. Er ist derjenige, der Menschen aus allen Nationen vor seinem Thron versammelt, damit sie ihn anbeten. Es ist sein Werk, seine Gemeinde gereinigt und geheiligt als seine Braut darzustellen.

Entmutigung und Glaube

Sanballat und Tobija sprechen Worte des Spotts und der Entmutigung. Solche Waffen sind wirksam, weil sie Unsicherheiten hervorheben, die im Volk Israel vorhanden waren. Es sind Unsicherheiten, die oft verborgen sind, aber dennoch in uns Menschen vorhanden sind.

Entmutigung ist das Gegenteil von Glauben. Während der Glaube auf Gottes Kraft, seine Treue und seine Verheißungen schaut, blickt Entmutigung nur auf das Schlimmste, das passieren könnte. Sie vergisst, dass Gott treu ist und tun wird, was er versprochen hat.

Kennen wir solche Angriffe von Entmutigung und Spott in unserem Leben? Wie gehen wir damit um?

Nehemias Reaktion

Nehemia reagiert bemerkenswert. Er schießt nicht mit giftigen Worten zurück. Er zahlt nicht mit denselben Mitteln heim und verlässt sich nicht auf seine eigenen Argumente.

Stattdessen betet er:

Höre, unser Gott, wie verachtet wir sind, und lass ihre Schmähungen auf ihren Kopf zurückfallen und gib sie der Plünderung preis in einem Land der Gefangenschaft! 37 Und decke ihre Schuld nicht zu und lass ihre Sünde vor dir nicht ausgetilgt werden; denn sie haben dich vor den Bauleuten herausgefordert! (Nehemia 3,36-37)

Seine Reaktion ist Gebet. Er bringt ein ehrliches Gebet vor Gott. Gott ist die erste Anlaufstelle für Nehemia, wenn sich Widerstand erhebt.

Gerade wenn wir Widerstand erleben, möchte Gott, dass wir uns auf ihn verlassen und zu ihm kommen. Gebet ist das Mittel, durch das wir unsere Abhängigkeit von Gott in solchen Zeiten ausdrücken.

Nehemia bittet Gott, ihn zu hören und sich der Situation anzunehmen. Er bittet Gott auch sehr eindringlich, sich um seine Widersacher zu kümmern. Er macht sich von Gott abhängig, weil er weiß, dass Gott derjenige ist, der diesen Kampf führen wird.

Dieses Gebet wirkt hart. Ähnliche Gebete finden wir auch in den Psalmen, etwa in Psalm 58 und Psalm 69. Wichtig ist dabei, dass Nehemia seinen Zorn zu Gott bringt. Er sagt damit: Du bist der gerechte Richter, der in dieser Situation gerecht handeln wird. Er handelt nicht selbst, sondern übergibt die Sache Gott und sagt: Handle du.

Das können auch wir tun. Wir können die Dinge im Gebet an Gott abgeben und sagen: Handle du, Gott. Kämpfe du.

Zurück an die Arbeit

Was ist das Ergebnis von Nehemias Gebet?

Wir aber bauten weiter an der Mauer; und die ganze Mauer schloss sich bis zur halben Höhe. Und das Volk gewann Mut zur Arbeit. (Nehemia 3,38)

Ganz einfach: zurück an die Arbeit. Sie lassen sich nicht ablenken, entmutigen oder von ihrem Auftrag abbringen. Sie machen einfach weiter. Die Mauer erreicht die halbe Höhe, sie sind also zur Hälfte fertig.

Besonders schön ist die Aussage: „Das Volk gewann Mut zur Arbeit.“ Dieser gemeinsame Mut zur Arbeit ist ein Geschenk Gottes. Genau das braucht es, um Gottes Werk anzupacken und durchzuführen.

Und genau diesen Mut zur Arbeit versucht der Feind zu rauben. Er versucht, uns passiv zu machen, uns um uns selbst kreisen zu lassen, uns abzulenken und zu entmutigen.

Doch Nehemia betet, und das Volk geht zurück an die Arbeit. Sie gewinnen diesen Mut zur Arbeit wieder.

2. Widerstand in Form von Drohungen und Gewalt

Lasst uns den zweiten Teil betrachten: den Widerstand, der sich erhebt und intensiviert. Er zeigt sich nun in Form von Drohung und Gewalt. Wir lesen die nächsten 5 Verse:

Und es geschah, als Sanballat und Tobija und die Araber, die Ammoniter und die Asdoditer hörten, dass die Wiederherstellung der Mauer von Jerusalem fortschritt und dass die Lücken sich zu schließen begannen, da wurden sie sehr zornig, 2 und sie verschworen sich alle miteinander, dass sie kommen und gegen Jerusalem kämpfen und Verwirrung anrichten wollten. 3 Wir aber beteten zu unserem Gott und stellten Wachen gegen sie auf, Tag und Nacht, [zum Schutz] vor ihnen. 4 Und Juda sprach: Die Kraft der Lastträger wankt, und es gibt so viel Schutt; wir können nicht mehr an der Mauer bauen! 5 Unsere Widersacher aber sprachen: Die sollen es nicht wissen noch sehen, bis wir mitten unter sie kommen und sie erschlagen und dem Werk ein Ende machen! (Nehemia 4,1-5)

Interessant ist dabei, dass nun zusätzlich die Araber und die Asdoditer erwähnt werden. Betrachtet man die geografische Lage, dann befand sich Sanballat mit Samarien im Norden, Tobija im Osten bei den Ammonitern, die Araber vermutlich im Süden und die Asdoditer im Westen Jerusalems. Die Feinde kamen also aus allen Richtungen.

Nehemia wusste jedoch, dass die Gefahr wahrscheinlich nicht in einem offenen militärischen Angriff bestehen würde. Der König von Persien stand hinter ihm, deshalb hätten sich die Gegner kaum getraut, öffentlich gegen Jerusalem zu marschieren. Viel wahrscheinlicher waren heimliche Überfälle: nächtliche Angriffe, bei denen einzelne Bauleute getötet werden sollten, um anschließend jede Verantwortung von sich zu weisen.

Müdigkeit am Halbpunkt

Dieser zunehmende Widerstand tritt genau zu dem Zeitpunkt auf, an dem die Bauleute müde werden:

Und Juda sprach: Die Kraft der Lastträger wankt, und es gibt so viel Schutt; wir können nicht mehr an der Mauer bauen! (Nehemia 4,4)

Müdigkeit breitet sich aus. Die Lastträger werden schwach und sagen: „Wir können nicht mehr.“ Sie haben den Halbpunkt der Mauer erreicht. Bereits viel Zeit, Kraft und Energie sind investiert worden.

Das erinnert mich an den Sport. In einem Fußballspiel geben die Spieler in den ersten 45 Minuten alles, was sie haben. Doch entscheidend ist, ob die Ausdauer bis zum Ende reicht. Diejenigen, die ihre Kraft bis zum Schluss bewahren, sind oft diejenigen, die das Spiel für sich entscheiden.

Ausdauer ist auch in unserem geistlichen Leben entscheidend. Für das Werk, zu dem Gott uns berufen hat, brauchen wir Ausdauer. Wenn du etwas aus einem Fußballspiel mitnehmen kannst, dann dies: Ausdauer ist entscheidend für das Werk Gottes.

Die Arbeiter bei Nehemia werden müde. Gleichzeitig stellen sie fest, dass noch viel mehr Schutt vorhanden ist, als sie gedacht hatten. Oft erleben wir das genauso, wenn wir ein Projekt beginnen. Plötzlich merken wir, dass sich weitere Baustellen auftun. Die Bauzeit verlängert sich, die Kosten steigen. Deshalb sagen sie schließlich: „Wir können nicht mehr an der Mauer arbeiten.“ Sie wollen aufgeben.

Damit ist für Nehemia ein kritischer Punkt erreicht.

Angst und Panik

Die Lage verschärft sich weiter, als Juden kommen, die in der Nähe der Feinde wohnen, und berichten:

Als aber die Juden, die in ihrer Nähe wohnten, kamen und es uns wohl zehnmal sagten: Von allen Orten her, wohin ihr euch auch wenden mögt, ziehen sie gegen uns! (Nehemia 4,6)

Panik macht sich breit. Immer wieder wiederholen sie dieselbe Warnung. Wenn jemand etwas zehnmal hintereinander sagt, merkt man, dass Angst im Raum ist.

Gebet und klare Schritte

Wie reagiert Nehemia?

Wir aber beteten zu unserem Gott und stellten Wachen gegen sie auf (Nehemia 4,3)

Nehemia betet. Er betet nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen. Er nimmt Menschen mit ins Gebet. Statt in Panik zu geraten, bewahrt er Ruhe und handelt besonnen. Er unternimmt konkrete Schritte und stellt Wachen auf. Jeder erhält seinen Platz:

da stellte ich das Volk nach ihren Geschlechtern an die tieferen Stellen hinter den Mauern, an die offenen Plätze, und stellte sie auf mit ihren Schwertern, Speeren und Bogen (Nehemia 4,7)

Nehemia organisiert das Volk nach Familien. Diese Struktur war ihnen vertraut. Gleichzeitig stärkte sie die Motivation, weil jeder für seine eigenen Angehörigen kämpfte. Die Wachen wurden mit Schwertern, Speeren und Bogen ausgerüstet.

Die Kraft der Ermutigung

Nehemia erkennt, dass das eigentliche Problem nicht nur die äußere Bedrohung ist. Das Volk leidet unter Müdigkeit, Angst und Entmutigung. Was die Menschen jetzt brauchen, ist Ermutigung.

Und ich besah es und machte mich auf und sprach zu den Vornehmsten und zu den Vorstehern und zu dem übrigen Volk: Fürchtet euch nicht vor ihnen! Gedenkt an den großen, furchtgebietenden Herrn … (Nehemia 4,8)

Nehemia sagt: Habt keine Angst vor ihren Drohungen. Lasst euch davon nicht verrückt machen. Denkt vielmehr an unseren großen Gott.

Er hilft den Menschen, ihre Perspektive zurückzugewinnen. Weg vom Tunnelblick der Angst und hin zu dem großen Bild dessen, was Gott mit ihnen baut. Nicht irgendein Gott ist mit ihnen, sondern der Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat – der große und furchtgebietende Gott.

Hier zeigt sich Ermutigung als ein zentraler Bestandteil von Nehemias Leiterschaft. Er spricht Worte, die den Menschen helfen, nicht nur ihre Not zu sehen, sondern ihren Blick auf Gott gerichtet zu halten.

Auch bei dem Werk, das Gott unter uns tun möchte, ist Ermutigung entscheidend. Gott baut seine Gemeinde. Er hat uns den Auftrag gegeben, Jünger zu machen – hier vor Ort und bis an die Enden der Erde. Dafür brauchen wir einander. Wir brauchen Worte der Ermutigung, die unseren Blick von uns selbst weg und auf Gott richten.

Wenn der Widersacher versucht, uns zu entmutigen, dürfen wir uns gegenseitig daran erinnern: Wir haben einen großen Gott. Lasst uns auf ihn schauen.

Ich glaube, das ist eine zentrale Botschaft dieses Abschnitts aus Nehemia.

Ermutigung ganz praktisch leben

Lasst uns das ganz praktisch umsetzen. Vielleicht durch eine WhatsApp, eine SMS oder eine Sprachnachricht an einen Bruder oder eine Schwester, von der du weißt, dass ein Wort der Ermutigung guttun würde.

Vielleicht einfach durch die Frage: „Wie geht es dir? Gibt es etwas, wofür ich beten kann?“

Manchmal beginnt Ermutigung mit einem einfachen wertschätzenden Wort. Ein Dankeschön an diejenigen, die dienen und mitarbeiten.

Vielleicht durch einen Spaziergang oder ein Telefonat mit einem Bruder oder einer Schwester, bei dem du zuhörst und fragst: „Wie geht es dir gerade? Wie kann ich dich ermutigen? Wie kann ich dir Gottes Wahrheiten aus seinem Wort zusprechen, damit dein Blick wieder neu auf unseren großen Gott gerichtet wird?“

Füreinander kämpfen

Am Ende des Verses heißt es:

und kämpft für eure Brüder, eure Söhne und eure Töchter, eure Frauen und eure Häuser! (Nehemia 4,8)

Auch das ist sehr praktisch. Lasst uns füreinander im Gebet einstehen und Gebetskämpfer füreinander werden. Aus Liebe und Verbundenheit als Familie Gottes wollen wir füreinander beten, so wie Nehemia die Familien dazu aufgerufen hat, füreinander zu kämpfen.

3. Gottes Werk hat Bestand

Nun kommen wir zum letzten Teil:

Und es geschah, als unsere Feinde hörten, dass es uns bekannt geworden war und dass Gott ihren Rat zunichtegemacht hatte, da kehrten wir alle wieder zur Mauer zurück, jeder an seine Arbeit. (Nehemia 4,9)

Die Feinde hörten, dass ihre geheimen Taktiken bekannt geworden waren. Gott hatte ihren Rat zunichte gemacht. Die Gefahr war vorerst gebannt, der kritische Punkt überwunden. Gottes Werk hatte Bestand.

Dabei finde ich bemerkenswert, dass Nehemia ganz bewusst sagt, dass Gott ihren Rat zunichte gemacht hat. Er gibt Gott die Ehre und nicht sich selbst. Er sieht nicht seine eigene Weisheit, seine Strategien oder seine Führungsqualitäten als entscheidend an, sondern erkennt: Gott war es, der geholfen hat. Gott allein hat eingegriffen.

Nehemia blickt zurück und erkennt Gottes gute, souveräne Hand in dieser kritischen Situation. Und dann kehren alle wieder an die Arbeit zurück. Sie packen erneut an und bauen weiter an der Mauer. Sie haben ein klares Ziel und einen klaren Auftrag und machen weiter. Nehemia weiß außerdem: Je schneller die Mauer wächst, je mehr Steine gesetzt werden und je weiter der Bau voranschreitet, desto größer wird auch der Schutz vor Angriffen.

Wachsamkeit und Vertrauen

In den folgenden Versen sehen wir zwei Reaktionen Nehemias: Wachsamkeit und Vertrauen. Nehemia beauftragt die Hälfte seiner Diener, als Wachen bereitzustehen, während die anderen weiterbauen.

Und die Lastträger, die aufluden, verrichteten mit der einen Hand die Arbeit, während sie mit der anderen die Waffe hielten. 12 Und von den Bauleuten hatte jeder sein Schwert an die Seite gegürtet und baute so; der Schopharhornbläser aber stand neben mir. 13 Und ich sprach zu den Vornehmsten und zu den Vorstehern und zum übrigen Volk: Das Werk ist groß und weit, und wir sind auf der Mauer zerstreut und weit voneinander entfernt: 14 An dem Ort, von dem ihr nun den Schall des Schopharhornes hören werdet, dort sammelt euch zu uns. Unser Gott wird für uns kämpfen! (Nehemia 4,11-14)

Das ist Wachsamkeit. Die Lastträger arbeiten mit einer Hand und halten mit der anderen eine Waffe zur Verteidigung. Die Bauleute tragen jeweils ein Schwert an ihrer Seite.

Auch Nehemias Kommunikationsstrategie ist bemerkenswert. Er nutzt Schofarhörner. Die Mauer ist ungefähr zweieinhalb Kilometer lang, deshalb müssen sich die Arbeiter verteilen. Doch wenn ein Angriff erfolgt und das Signal ertönt, sollen alle zusammenkommen und der angegriffenen Stelle helfen.

Das Werk ist groß und weit

Nehemia sagt: Das Werk ist groß und weit. Das erinnert uns daran, dass Gottes Reich groß ist und dass es viel zu tun gibt. Jeder darf an dem Platz dienen, an den Gott ihn gestellt hat – dort, wo Gott ihn befähigt und begabt hat, ihm ein Anliegen aufs Herz gelegt und Verantwortung übertragen hat.

Wenn diese Dinge zusammenkommen, erkennt man seinen Platz. Deshalb stelle ich dir die Frage: Wo ist dein Platz?

Dass das Werk groß und weit ist, bedeutet auch, dass nicht alle dieselbe Aufgabe übernehmen müssen. Es ist nicht effektiv, wenn zehn Leute versuchen, denselben Stein zu heben. Dann steht man sich gegenseitig im Weg, alles wird komplizierter und frustrierender als nötig und ist am Ende nicht wirksam.

Es gibt viel zu tun. Deshalb sollten wir jeweils an dem Ort dienen, an den Gott uns gestellt hat, und das tun, wozu er uns beauftragt hat.

Mit Wachsamkeit bauen

Wachsamkeit ist wichtig. Wir haben das auch in Epheser 6 bei der Waffenrüstung Gottes gelesen. Während wir das Werk bauen, zu dem Gott uns berufen hat, sollen wir daran denken, diese Waffenrüstung anzulegen.

Unser Gott wird für uns kämpfen

Das Zweite, das Nehemia zeigt, ist Vertrauen.

„Unser Gott wird für uns kämpfen.“

Nehemia vertraut fest darauf, dass Gott für sein Volk kämpfen wird. Er weiß, dass Gott selbst sie zu diesem Werk berufen hat.

Wie sieht es bei uns aus? Wie sieht es bei dir aus?

Vertrauen wir Gott? Vertraust du Gott? Vertraust du darauf, dass er souverän ist, dass er alles sicher in seiner Hand hält, dass er erhaben und unerschütterlich über den Dingen dieser Welt steht und dass er derselbe ist gestern, heute und in Ewigkeit?

Der größere Anführer

Im Buch Nehemia erkennen wir einen Hinweis auf einen viel größeren, mutigeren und herrlicheren Anführer und Erneuerer von Gottes Volk.

Vertrauen wir Gott, dass er, wie er es in seinem Wort offenbart hat, Jesus Christus in diese Welt gesandt hat, um das große Werk unserer Erlösung zu tun. Um dabei auch Widerstand entgegenzutreten und ihn für uns zu erleiden?

Jesus hat Widerstand von allen Seiten erduldet und auf sich genommen. Vertrauen wir darauf, dass er für uns gekämpft hat – bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz?

Vertrauen wir darauf, dass er freiwillig seinen Platz mit unserem vertauscht hat? Dass er dort am Kreuz sagte:

Es ist vollbracht. (Johannes 19,30)

Das Werk unserer Erlösung wurde am Kreuz vollbracht. Jesus hat nicht nur gekämpft, sondern auch gesiegt. Dies hat er durch seine Auferstehung am dritten Tag bewiesen. Darum möchte ich dich ermutigen: Setze dein Vertrauen in Gott, in Jesus Christus.

Das gute Werk wird vollendet

Wenn wir ihm vertrauen und ihm unser ganzes Leben anvertraut haben, dann hat er durch Jesus Christus ein gutes Werk in uns begonnen. Und derjenige, der dieses gute Werk angefangen hat, wird es auch vollenden.

Er wird es vollenden, weil er größer ist als der, der versucht, diesem Werk zu widerstehen. Er wird dieses Werk in uns vollenden, und sein Werk wird Bestand haben.

weil ich davon überzeugt bin, dass der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi. (Philipper 1,6)