Die Geburtsstunde der Gemeinde beginnt im Gebet

Heute ist Pfingstsonntag. An diesem Tag feiern wir als Christen weltweit die Geburtsstunde der Gemeinde. In der Apostelgeschichte wird berichtet, wie der Heilige Geist – so wie Jesus es nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt versprochen hatte – über die ersten Nachfolger Jesu kam. Er befähigte sie und machte sie freimütig, die rettende Botschaft des Evangeliums zu verkünden und Zeugen Jesu zu sein – von Jerusalem bis ans Ende der Erde.

Ein Detail aus diesem Bericht erinnert mich besonders an das Buch Nehemia und passt wunderbar zu dem, was wir uns heute im zweiten Teil unserer Predigtserie anschauen wollen. In der Zeit bevor der Heilige Geist ausgegossen wurde wird ber die Jünger berichtet:

Diese alle blieben beständig und einmütig im Gebet und Flehen, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern. (Apostelgeschichte 1,14)

Die Geburtsstunde der Gemeinde begann also mit beständigem und einmütigem Gebet. Darum geht es auch in unserem heutigen Abschnitt aus dem Buch Nehemia: Das Gebet Nehemias zu Gott.

Leiterschaft beginnt im Gebet

In den ersten Versen wurde berichtet, dass die Mauern zerstört und die Tore niedergebrannt waren. Was ist Nehemias Reaktion, als er hört, dass die Mauern und Tore zerstört sind? Er setzt sich hin, weint, trägt Leid und fastet und betet vor dem Gott des Himmels:

„Und es geschah, als ich diese Worte hörte, da setzte ich mich hin und weinte und trug Leid etliche Tage lang; und ich fastete und betete vor dem Gott des Himmels.“  (Nehemia 1,4)

Am Buch Nehemia fasziniert mich besonders, wie er als Leiter handelt, nachdem Gott ihm einen Auftrag aufs Herz gelegt hat. Hier lernen wir die erste Lektion über Leiterschaft aus diesem kostbaren Buch: Leiterschaft beginnt im Gebet.

Warum betet er? Weil er versteht, dass Gott souverän über allen Dingen steht und dass ihm alles möglich ist. Gleichzeitig erkennt er realistisch die Größe des Problems und auch seine eigene Begrenztheit.

Nehemia zeigt, dass echte Leiterschaft nicht aus Selbständigkeit, Selbstzufriedenheit, Selbstbewusstsein oder Selbstbezogenheit besteht, wie die Welt es oft versteht. Echte Leiterschaft bedeutet, sich hundertprozentig abhängig zu machen von dem Gott, dem alles möglich ist.

Wer Nehemia war

Es hilft, sich vor Augen zu führen, wer Nehemia überhaupt war:

„Ich war nämlich der Mundschenk des Königs.“ (Nehemia 1,11)

Ein Mundschenk war ein hoher Hofbeamter, verantwortlich für die Getränke des Königs. Das war eine einflussreiche Vertrauensstellung und keine ungefährliche Aufgabe. Er musste die Getränke probieren, um sicherzustellen, dass sie nicht vergiftet waren. Wenn er umgefallen wäre, hätte der König nichts davon getrunken.

Er war verantwortlich für die Sicherheit und den Geschmack der Getränke und oft auch für die Verwaltung des königlichen Weinkellers. Außerdem waren Mundschenke bei öffentlichen und privaten Sitzungen nahe am König und dadurch oft Vertraute und Berater des Königs.

Für diese Aufgabe wurde nicht jeder genommen. Man musste sich dafür qualifizieren. Vielleicht könnte man diese Aufgabe heute mit einem hohen Chief Butler am britischen Königshof vergleichen oder mit einem Personal Assistant eines großen CEOs.

Nehemia hatte eine hohe und wichtige Stellung. Viele hätten sich wahrscheinlich entschieden, es sich in so einer Position bequem zu machen oder irgendwann in den Ruhestand zu gehen. Doch Nehemia war bereit, seine Stellung für das Anliegen einzusetzen, das Gott ihm aufs Herz gelegt hatte – und sie dafür sogar aufzugeben.

All das beginnt bei Nehemia nicht mit überhastetem Aktivismus. Er beginnt nicht sofort damit, Pläne zu schmieden, Informationen zu sammeln oder Berater zusammenzuholen. Das Werk Nehemias beginnt im Gebet.

Und was ist Gebet? Das sehen wir in seinem Gebet.

Anbetung und Lobpreis

Nehemia beginnt mit den Worten:

Ach, HERR, du Gott des Himmels, du großer und furchtgebietender Gott, der den Bund und die Gnade denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote halten! (Nehemia 1,5)

Nehemia beginnt sein Gebet mit dem Lobpreis der Größe Gottes. Er erinnert sich daran, zu welchem großen Gott er betet.

Er sagt: „Du Gott des Himmels.“ Nicht ein Gott, den Menschen sich ausdenken oder aus Stein und Holz herstellen wie Götzenstatuen. Nein, du bist der Gott des Himmels, der hoch über allem steht.

Er sagt: „Du großer und furchtgebietender Gott.“ Gott ist nicht klein oder niedlich, wie wir ihn uns vielleicht manchmal unterbewusst vorstellen – wie ein alter Santa Claus mit langem Bart, dessen Aufgabe es ist, unsere Wunschlisten zu erfüllen. Nehemia versteht, mit wem er es zu tun hat: mit dem großen, heiligen, allmächtigen und furchtgebietenden Gott des Universums.

Es ist so wichtig, beim Gebet zu verstehen, mit wem wir reden. Wir haben das Vorrecht, mit dem zu sprechen, der das ganze Universum geschaffen hat.

Gottes Bundestreue

Nehemia sagt weiter: „Du bist der Gott, der den Bund bewahrt.“

Es geht um den Bund, den Gott selbst aufgerichtet hat und zu dem er treu steht. Warum? Weil er ein treuer Gott ist.

Wir Menschen versagen oft darin, treu zu sein. Wir enttäuschen uns gegenseitig, halten unsere Versprechen nicht ein und verletzen einander. Aber Nehemia versteht: Gott ist nicht wie wir Menschen. Er hält seinen Bund und steht treu dazu.

Dann heißt es weiter: „der den Bund und die Gnade denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote halten.“

In diesem Wort „Gnade“ steckt das hebräische Wort „Hesed“, das im Alten Testament oft vorkommt. Es beschreibt Gottes treue Bundesliebe – seine Gnade, seine Barmherzigkeit, seine Liebe, Freundschaft und Güte gegenüber seinem Volk.

Mit der Schrift beten

Woher weiß Nehemia all das, was er hier betet? Weil Gott sich durch sein Wort offenbart hat. Es ist faszinierend, wie durchtränkt dieses ganze Gebet von Gottes Wort ist und wie Nehemia Zitate aus der Tora benutzt, um zu beten.

Schon Vers 5 ist angelehnt an einen Abschnitt aus dem fünften Buch Mose:

Denn ein heiliges Volk bist du für den HERRN, deinen Gott; dich hat der HERR, dein Gott, aus allen Völkern erwählt, die auf Erden sind, damit du ein Volk des Eigentums für ihn seist. 7 Nicht deshalb, weil ihr zahlreicher wärt als alle Völker, hat der HERR sein Herz euch zugewandt und euch erwählt — denn ihr seid das geringste unter allen Völkern —, 8 sondern weil der HERR euch liebte und weil er den Eid halten wollte, den er euren Vätern geschworen hatte, darum hat der HERR euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Haus der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. 9 So erkenne nun, dass der HERR, dein Gott, der wahre Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Gnade denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote bewahren. (5.Mose 7,6-9)

Ein paar Verse weiter heißt es dann:

Lass dir nicht grauen vor ihnen, denn der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein großer und furchtgebietender Gott. (5.Mose 7,21)

Siehst du, was Nehemia tut? Er betet die Schrift. Er nutzt Gottes offenbartes Wort, um zu beten.

Genau das können wir auch über Gebet lernen: mit der Schrift in der Hand zu beten und uns im Gebet auf Gottes festes Wort zu stellen. Wir erinnern uns daran, wie Gott sich offenbart hat, wer er ist und was sein Wille für uns ist. Dann sagen wir: „Dein Wille geschehe – genau das, was du in deinem Wort gesagt hast.“

Nimm dir Zeiten des Gebets mit offener Bibel in der Hand und lass dich von Gottes Wort leiten.

ACTS-Gebet

Gerade wenn du noch neu im Glauben bist und dich fragst, was Gebet überhaupt ist oder wie du beten kannst, können dir diese vier Schwerpunkte helfen, die wir auch hier bei Nehemia sehen. Im Englischen gibt es dafür das Akronym „ACTS“:

  • A (Adoration) – Anbetung (Vers 5)
  • C (Confessionssion) – Bekenntnis von Sünde  (Verse 6-7)
  • T (Thanks) Dank (Verse 8-10)
  • S (Supplication) Fürbitte (Vers 11)

Genau diese Reihenfolge sehen wir auch im Gebet von Nehemia. Er beginnt in Vers 5 mit der Anbetung Gottes. In den Versen 6 bis 7 bekennt er stellvertretend die Sünde des Volkes. In den Versen 8 bis 10 erinnert er sich dankbar an Gottes Verheißungen. Und in Vers 11 bringt er seine Bitte und Fürbitte vor Gott.

Versuch das auch einmal in deiner persönlichen Gebetszeit und nimm dir diese Schwerpunkte bewusst vor.

V6-7: Bekennen & Buße

Ein ganz zentraler Teil von Nehemias Gebet ist dieses Bekennen seiner eigenen Sünde und der Sünde des Volkes:

Lass doch deine Ohren aufmerken und deine Augen offen sein, dass du auf das Gebet deines Knechtes hörst, das ich nun vor dir bete Tag und Nacht für die Kinder Israels, deine Knechte, und mit dem ich die Sünde der Kinder Israels bekenne, die wir an dir begangen haben! Auch ich und das Haus meines Vaters haben gesündigt! 7 Wir haben sehr verwerflich gegen dich gehandelt, dass wir die Gebote, die Satzungen und Rechtsbestimmungen nicht befolgt haben, die du deinem Knecht Mose geboten hast. (Nehemia 1,6-7)

Nehemia identifiziert sich mit der Schuld des ganzen Volkes und sagt: „Das ist unsere Sünde, Herr.“ Das ist so wichtig. Nehemia versteht, dass es nicht Gottes Versagen war, dass das Volk im Exil gelandet ist oder dass die Mauern Jerusalems zerstört waren. Nein, es war ihr eigenes Versagen, ihre eigene Sünde und die Konsequenz dessen, was Gott ihnen zuvor angekündigt hatte.

Nehemia bekennt diese Sünde und nennt sie beim Namen. Er redet sie nicht klein. Er versucht nicht, davon abzulenken oder die Schuld auf andere zu schieben.

Genau das tun wir so oft. Wir machen andere Menschen oder sogar Gott verantwortlich und suchen nach Ausreden. Vielleicht sagen wir: „Gott, du weißt, was ich gesagt habe oder wie ich gehandelt habe, aber ich hatte ja keine andere Wahl.“ Oder wir denken: „Eigentlich hatte ich doch recht.“

Nehemia hätte auch sagen können: „Das war die verdorbene Generation meiner Großeltern.“ Oder: „Gott, warum hast du uns ins Exil geführt?“ Oder: „Wegen der anderen sind die Mauern zerstört.“

Aber genau das tut er nicht. Er betet:

„…mit dem ich die Sünde der Kinder Israels bekenne, die wir an dir begangen haben! Auch ich und das Haus meines Vaters haben gesündigt! 7 Wir haben sehr verwerflich gegen dich gehandelt…“ (Nehemia 1,6-7)

Letzte Woche waren wir auf der Calvary-Chapel-Mitarbeiterkonferenz in Siegen. Dort haben wir uns auch das Gebet von Daniel in Daniel 9 angeschaut. Einige Jahrzehnte vor Nehemia betet Daniel ebenfalls stellvertretend für das Volk und bekennt die Sünde des Volkes im Exil – teilweise sogar mit denselben Worten wie Nehemia. Auch Daniel kommt zu dem großen und furchtgebietenden Gott und tut stellvertretend Buße.

David Guzik, der euch übrigens herzlich grüßen lässt, hat uns dabei an das Gleichnis erinnert, das Jesus in Lukas 18 über den Pharisäer und den Zöllner erzählt.

Über den Pharisäer heißt es:

Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich selbst so: O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner da. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme! (Lukas 18,11-12)

Und über den Zöllner:

Und der Zöllner stand von ferne, wagte nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug an seine Brust und sprach: O Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt in sein Haus hinab, im Gegensatz zu jenem. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. (Lukas 18,13-14)

Das ist ein aufrichtiges Gebet – ernsthaftes Bekennen und Buße tun über Sünde. Das hört Gott und das nimmt er ernst.

Genauso betet Nehemia. Und genauso sollen auch wir zu Gott kommen, unsere Sünde bekennen und Buße tun. Stell dich dabei nicht außerhalb oder über andere. Schließe dich mit ein, wenn es darum geht, vor Gott zu bekennen, was schiefläuft – auch dort, wo wir gemeinschaftlich versagen.

Nehemia bezeichnet sich in diesen Versen als Knecht. Auch darin zeigt sich die Demut, mit der er seine Sünde bekennt. Das ist der zweite Schwerpunkt: das Bekennen der Sünde.

V8-10: Dank und Erinnerung an Gottes Verheißungen

Der dritte Schwerpunkt in Nehemias Gebet ist Dank und Erinnerung.

Gedenke doch an das Wort, das du deinem Knecht Mose gegeben hast, indem du sprachst: »Wenn ihr treulos handelt, so will ich euch unter die Völker zerstreuen; 9 kehrt ihr aber zu mir um und befolgt meine Gebote und tut sie — selbst wenn einige von euch bis ans Ende der Himmel verstoßen wären, so würde ich sie doch von dort sammeln und sie an den Ort bringen, den ich erwählt habe, damit mein Name dort wohnen soll!« 10 Sie sind ja doch deine Knechte und dein Volk, das du erlöst hast durch deine große Kraft und durch deine mächtige Hand. (Nehemia 1,8-19)

Nehemia ist dankbar für Gottes Verheißungen und erinnert sich daran. Er sagt: „Gedenke doch an das Wort, das du deinem Knecht Mose gegeben hast.“ Damit sagt er: „Erinnere dich an das Wort, das du selbst gegeben hast.“

Dabei zitiert Nehemia nicht einfach einen einzelnen Bibelvers wörtlich, sondern verbindet verschiedene Aussagen aus der Schrift miteinander. Besonders erinnert er an die Stellen im fünften Buch Mose, in denen Mose dem Volk die Wahl zwischen Gehorsam und Ungehorsam vor Augen stellt:

Denn der HERR wird dich unter alle Völker zerstreuen von einem Ende der Erde bis zum anderen; und du wirst dort anderen Göttern dienen, die dir und deinen Vätern unbekannt waren, Göttern aus Holz und Stein. (5. Mose 28,64)

Das war die angekündigte Konsequenz des Ungehorsams. Doch zugleich erinnert Nehemia an Gottes Verheißung 5. Mose:

und wenn du umkehrst zu dem HERRN, deinem Gott, und seiner Stimme gehorchst in allem, was ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, von ganzem Herzen und von ganzer Seele, 3 so wird der HERR, dein Gott, dein Geschick wenden und sich über dich erbarmen und wird dich wieder sammeln aus allen Völkern, wohin dich der HERR, dein Gott, zerstreut hat. 4 Und wenn du auch bis an das Ende des Himmels verstoßen wärst, so wird dich doch der HERR, dein Gott, von dort sammeln und dich von dort holen. (5. Mose 30,2-4)

Außerdem greift Nehemia eine weitere Stelle auf, in der Mose stellvertretend für das Volk Buße tut und als Mittler vor Gott steht:

Sie sind ja dein Volk und dein Erbteil, das du herausgeführt hast mit deiner großen Kraft und mit deinem ausgestreckten Arm! (5. Mose 9,29)

Das sind die Worte Moses, als er vor Gott für das Volk eintritt, nachdem sie das goldene Kalb gemacht hatten. Mose erinnert Gott daran, dass er selbst sein Volk aus Ägypten herausgeführt und erlöst hat.

Genau so steht auch Nehemia vor Gott und sagt: „Du bist doch der Gott, der dein Volk schon einmal herausgeführt und erlöst hat. Danke, dass du dieser Gott bist und bis heute treu zu deinen Verheißungen stehst. Du hast es einmal getan und versprochen, es wieder zu tun.“

Auch das können wir über Gebet lernen: Es ist wichtig, Gott für seine Verheißungen zu danken und sich im Gebet an seine Zusagen zu erinnern.

V11: Die Bitte Nehemias

Der vierte Schwerpunkt von Nehemias Gebet ist die Bitte und Fürbitte im letzten Vers:

Ach Herr, lass doch dein Ohr aufmerksam sein auf das Gebet deines Knechtes und auf das Gebet deiner Knechte, die das Verlangen haben, deinen Namen zu fürchten, und lass es doch deinem Knecht heute gelingen, und gib ihm Barmherzigkeit vor diesem Mann! (Nehemia 1,11)

Nachdem Nehemia Gottes Größe angebetet, seine eigene Sünde und die des Volkes bekannt und sich an Gottes Verheißungen erinnert hat, bringt er nun eine ganz konkrete Bitte vor Gott.

Sein Plan ist, den König Artaxerxes darum zu bitten, ihn nach Jerusalem ziehen zu lassen, damit er die Mauern wieder aufbauen kann. Deshalb betet er: „Lass es deinem Knecht heute gelingen und gib ihm Barmherzigkeit vor diesem Mann.“

Nehemia versteht, dass Gott die Herzen der Könige lenken kann:

Gleich Wasserbächen ist das Herz des Königs in der Hand des HERRN; er leitet es, wohin immer er will. (Sprüche 21,1)

Gott allein kann das tun. Deshalb betet Nehemia.

Beharrlichkeit im Gebet

Außerdem sehen wir eine große Beharrlichkeit in Nehemias Gebet. In Vers 6 heißt es, dass er Tag und Nacht betet.

Wenn wir zusätzlich die Zeitangaben am Anfang von Kapitel 1 und Kapitel 2 beachten, erkennen wir noch mehr. In Kapitel 1, Vers 1 heißt es, dass alles im Monat Kislev geschah – das entspricht ungefähr November oder Dezember. Dort bekommt Nehemia die Nachricht und beginnt zu beten.

In Kapitel 2, Vers 1 heißt es dann: „Und es geschah im Monat Nisan“ – also ungefähr März oder April. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten liegen etwa vier Monate.

Vier Monate lang betet Nehemia beharrlich und bringt diese Sache vor Gott, bevor er zum König geht.

Auch das können wir über Gebet lernen: Beharrlichkeit im Gebet. Wenn wir ernsthaft beten, wird unser Gebet beharrlich sein.

Praktische Anwendungen

Was können wir nun ganz praktisch aus diesem Gebet lernen – für uns persönlich und als Gemeinde?

1) Für Erneuerung beten

Lasst uns eine betende Gemeinde sein und verstehen, dass Erneuerung im Gebet beginnt. Lasst uns beharrlich dafür beten – für Erneuerung unter uns, in dir und in mir persönlich. Lasst uns ernsthaft für Evangeliumserneuerung hier in Heidelberg und von hier aus weltweit beten.

Und wenn Gott dein Herz für ein Anliegen entfacht, das ihm wichtig ist, dann stürze dich nicht sofort in Aktivismus. Komm zuerst damit zu Gott im Gebet. Nimm dir Zeit, es vor den Herrn zu bringen und auf ihn zu warten.

Bitte ihn in diesem Warten und Beten auch darum, dir Sünde in deinem Leben aufzuzeigen. Und dann nenne sie beim Namen. Rede nicht drum herum und lenke nicht davon ab, sondern bekenne sie ehrlich und aufrichtig vor Gott.

2) Dein persönliches Gebetsleben

Wie sieht es ganz konkret in deinem Gebetsleben aus? Kennst du diese Momente, in denen du dich überwältigt fühlst von all den Dingen um dich herum und das Gefühl hast, nicht mehr hinterherzukommen?

Dann nimm dir ganz bewusst Zeit und schaffe Gewohnheiten in deinem Leben, um all diese Dinge immer wieder vor den Herrn zu bringen und im Gebet bei ihm abzulegen. Breite sie vor ihm aus und sprich ihm dein Vertrauen aus: „Du bist es, Gott, der sich darum kümmern kann.“

Wie viel Zeit nimmst du dir am Tag ganz bewusst, um dein Handy und allen Lärm um dich herum auszuschalten und einfach zum Herrn zu kommen im Gebet?

Ich weiß persönlich, wie schwer das ist. Aber ich weiß auch, wie wichtig und wertvoll es ist. Jesus sagt:

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. (Johannes 15,5)

3) Freimütig vor Gottes Thron

Erinnere dich diese Woche daran, dass du in Christus gerechtfertigt vor Gott stehst und deshalb freimütig vor seinen Thron kommen kannst. Du darfst im Namen Jesu beten, weil Jesus für dich am Kreuz gestorben und auferstanden ist.

Darum darfst du zum Thron der Gnade kommen und mit deinen Gebeten freimütig vor den himmlischen Vater treten:

„So lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!“ (Hebräer 4,16)

Lasst uns das tun und uns diese Woche daran erinnern, dass wir durch Christus gerechtfertigt vor Gott stehen dürfen.

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About the Author: Jonas Häberle

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