Wo ist dein Herz?
Liebe Gemeinde, heute starten wir etwas Neues – eine neue Serie, und zwar durch das Buch Nehemia. Für die Einleitung habe ich drei Ziele:
- Wir verstehen die Hintergründe und die Funktion des Buches Nehemia in der Geschichte Gottes mit seinem Volk
- Wir verstehen, warum und wie wir den Inhalt dieses Buches auf uns heute hier in Heidelberg im Jahr 2026 anwenden können und sollen.
- Unsere Herzen beginnen zu brennen – so wie einst das Herz Nehemias brannte –, um die Botschaft Nehemias tief in unsere Herzen aufzunehmen und sie nach dem Willen Gottes in die Tat umzusetzen.
Gott schreibt Geschichte
Wir als Christen glauben, dass die Geschichte der Menschheit kein Produkt der Zufälligkeit menschlicher Entscheidungen oder gesellschaftlich-politischer Entwicklungen ist. Als Christen glauben wir, dass es einen Gott gibt, der den Verlauf der Geschichte bestimmt. Gott spricht durch seinen Propheten Jesaja folgendes zu uns:
Gedenkt an das Frühere von der Urzeit her, dass Ich Gott bin und keiner sonst; ein Gott, dem keiner zu vergleichen ist. Ich verkündige von Anfang an das Ende, und von der Vorzeit her, was noch nicht geschehen ist. Ich sage: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, werde ich vollbringen. (Jesaja 46, 9-10)
Glaubst du das? Wenn du heute nicht davon überzeugt bist, hoffe ich, dass das Betrachten der Geschichte Gottes mit seinem Volk dich verändert.
Es ist kein Zufall, dass du im Jahr 2026 hier irgendwo rund um Heidelberg lebst. Es ist keine Zufälligkeit, dass du heute Morgen hier sitzt. Nein, es ist Bestandteil des guten Ratschlusses Gottes, den er so ausführt, wie er möchte.
Deshalb sollten wir uns keine Sorgen machen, auch wenn wir in die Zeit schauen und uns Sorgen machen könnten. Wir haben einen großen Gott, der alles nach dem Ratschluss seines Willens tut. Lasst uns ihm auch in diesen Zeiten mehr vertrauen.
Gott schreibt Geschichte. Er schreibt eine Heilsgeschichte der Gnade für alle, die an den Sohn glauben. Aber er schreibt auch eine Geschichte des Gerichts über alle, die sich dem Sohn Gottes nicht glaubend unterwerfen.
Darf ich dich fragen, auf welcher Seite der Geschichte Gottes du stehst? Weißt du, was es bedeutet, Gnade in Anspruch zu nehmen? Weißt du, was es bedeutet, Schuld vergeben zu bekommen? Weißt du, was es bedeutet, das Recht zu haben, ein Kind Gottes zu sein?
Wenn aber nicht, dann wisse und lass dich nicht täuschen: Dann steht der Zorn Gottes über dir. Deswegen komm heute zu Jesus! Lass dich versöhnen mit Gott! Komm mit bußfertigem Herzen, bekenne deine Schuld und glaube an Jesus Christus, der die Schuld wegnehmen kann.
Ziel 1: Gottes Handeln in der Geschichte verstehen
Ich möchte dich jetzt mitnehmen in einen kurzen Überblick über die Geschichte der Menschheit, wie Gott sie geschrieben hat. Wir beginnen mit der Schöpfung:
Adam – Paradies – Sünde
Gott hat den Menschen gemacht und ihn in eine perfekte Umgebung gesetzt, das Paradies. Aber trotzdem haben die ersten Menschen, Adam und Eva, gesündigt und sich von Gott abgekehrt. Durch die Sünde kam der Tod in die Welt und drang zu allen Menschen hindurch.
Doch schon zu diesem frühen Zeitpunkt ließ Gott etwas von seinem großartigen Heilsplan erkennen. Er versprach einen Retter, einen Nachkommen Evas, der einmal das Böse und den Teufel zertreten und Menschen erretten würde. Die Menschen wurden aus dem Paradies vertrieben.
Noah – Gnade – Gericht
Die Menschen vermehrten sich und füllten die Erde, aber sie füllten sie mit Bösem, Rebellion und Gottlosigkeit.
1.Mose 6,6: da reute es den HERRN, dass er den Menschen gemacht hatte auf der Erde
Daher brachte Gott die Sintflut zum Gericht. Aber weil Gott zu seinem Versprechen steht, musste jemand überleben. Und so fand Noah Gnade in den Augen Gottes. Durch die Arche wurden acht Menschen durch das Gericht Gottes hindurch gerettet. Es gab eine Art Neustart.
Abraham – Verheißungen – Glauben
Dann erwählte Gott Abraham und gab ihm großartige Verheißungen: ein Land und eine Nachkommenschaft. Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet (1.Mose 15,6)
Jakob – Fremdlingschaft – Söhne
Sein Enkel Jakob war ein Fremdling ohne Landbesitz, aber er hatte zwölf Söhne. Mit diesen zwölf Söhnen musste er nach Ägypten fliehen. Dort wurde aus ihnen ein großes und zahlreiches Volk. Aus diesem Volk, aus dem Stamm Juda, sollte einmal der verheißene Retter kommen.
Israel – Ägypten – Sklaverei
Doch Israel geriet in Knechtschaft und wurde in Ägypten unterdrückt. Hatte Gott sein Versprechen vergessen? Nein!
Mose – Befreiung – Wüste
Gott berief Mose als Führer und führte das Volk mit mächtiger Hand aus Ägypten heraus. Es war die Befreiung aus der Sklaverei. Das Volk wanderte durch die Wüste, wo Gott es erprobte. Das Volk versagte, wie wir Menschen das aus eigener Kraft immer tun. Aber Gott war treu.
Josua – Sieg – Land
Gott berief Josua als Nachfolger Moses. Mit Josua zog das Volk in das verheißene Land ein, nahm es ein und errang Siege. So befand sich das Volk im Land, wie es verheißen war.
Richter – Eigenwille – Chaos
Aber der verheißene Retter war noch nicht gekommen. Deshalb sehen wir einen sofortigen Niedergang, die Zeit der Richter. Diese Zeit war gekennzeichnet durch Eigenwillen
Richter 17,6: jeder tat, was recht war in seinen Augen
Keiner fragte nach Gott. Wo war dieser Retter? Wo war dieser Führer, den Gott verheißen hatte?
König David – Jerusalem – Siege
Dann berief Gott David, einen Mann nach seinem Herzen. Er war ein Anführer. Er besiegte die Feinde im Land und um das Land herum. Er eroberte Jerusalem und machte die Stadt zur Königsstadt. Er verschaffte dem Volk Ruhe vor seinen Feinden. War er der Retter? Nein. Er starb.
Salomo – Tempel – Stabilität
Sein Sohn Salomo übernahm. Er baute Gott den Tempel, und Gott selbst zog mit seiner Herrlichkeit in diesen Tempel ein. Der heilige Gott wohnte in der Mitte seines Volkes.
Kann es besser sein? Kaum vorstellbar. Stabilität, unendlicher Reichtum und die Gegenwart Gottes unter einem großen König Salomo. Aber Salomo versündigte sich gegen Gott. Er begann anderen Göttern zu dienen und bewies damit, dass auch er nicht der Retter sein konnte.
Rehabeam – Teilung – Niedergang
Unter seinem Sohn Rehabeam wurde das Reich geteilt: zehn Stämme im Nordreich Israel und zwei Stämme im Südreich Juda.
Eine Zeit dramatischen Niedergangs begann. König auf König im Nordreich tat, was böse war in den Augen Gottes. Im Jahr 722 vor Christus setzte Gott dem Ganzen durch die assyrische Armee ein Ende. Das Nordreich wurde geschlagen, vernichtet und zerstreut.
Die Hoffnung lag nun auf Juda, dem Südreich. Aber auch dort finden wir Niedergang. Schließlich setzte Gott auch dort ein Ende, als 586 vor Christus Nebukadnezar mit dem babylonischen Heer Jerusalem einnahm und den Tempel Gottes zerstörte.
Hat Gott über die Zeit seine Verheißung vergessen? Hat er das Interesse an seinem Volk verloren? Nein! Gott ist gnädig.
Serubbabel – Rückkehr – Tempel
Nach siebzig Jahren Gefangenschaft, so wie es verheißen war, erweckte Gott Serubbabel und brachte eine erste Welle von Rückkehrern zurück in das verheißene Land, nach Judäa und Jerusalem. Mit einigen Schwierigkeiten stellten sie 516 vor Christus den Tempel Gottes wieder her.
Esra – Gesetz – Absonderung
Dann wurde Esra geschickt. Er brachte die Tora, das Gesetz, wieder zurück ins Land und lehrte Recht und Ordnung unter den Juden.
Die Zeit Nehemias
Und damit sind wir jetzt in der Zeit Nehemias. Wir befinden uns im Jahr 446 vor Christus. Das ist die Zeit, von der wir im Buch Nehemia lesen:
Dies ist die Geschichte Nehemias, des Sohnes Hachaljas: Es geschah im Monat Kislew, im zwanzigsten Jahr, dass ich in Susan in der Königsburg war. 2 Da kam Hanani, einer meiner Brüder, mit etlichen Männern aus Juda, und ich erkundigte mich bei ihm über die Juden, die Entkommenen, die nach der Gefangenschaft übrig geblieben waren, und über Jerusalem. 3 Und sie sprachen zu mir: Die Übriggebliebenen, die nach der Gefangenschaft übrig geblieben sind, befinden sich dort in der Provinz in großem Unglück und in Schmach; und die Mauern Jerusalems sind niedergerissen und ihre Tore mit Feuer verbrannt! 4 Und es geschah, als ich diese Worte hörte, da setzte ich mich hin und weinte und trug Leid etliche Tage lang; und ich fastete und betete vor dem Gott des Himmels (Nehemia 1,1-4)
Nehemia bedeutet: „Der Herr tröstet.“ Das ist kein zufälliger Name. Dieser Name ist eine Botschaft des guten Gottes, der Geschichte schreibt und seine Verheißungen wahr macht.
Nehemia war Jude, aber er wurde in Babylon geboren, wahrscheinlich in der zweiten oder dritten Generation der Weggeführten. Dort hört er einen Bericht über den Zustand Jerusalems und der dort lebenden Juden:
Die Übriggebliebenen, die nach der Gefangenschaft übrig geblieben sind, befinden sich dort in der Provinz in großem Unglück und in Schmach; und die Mauern Jerusalems sind niedergerissen und ihre Tore mit Feuer verbrannt! (Nehemia 1,3)
Ein kleiner, schwacher und scheinbar unbedeutender Überrest lebt dort in dieser von Persien beherrschten Provinz in Unglück und Schmach.
Jerusalem in Trümmern
Der Tempel in Jerusalem als Ort der Anbetung, als Ort der Opfer des Gesetzes und der heiligen Gegenwart Gottes steht zwar wieder, aber die Gegenwart Gottes ist nicht in diesen zweiten Tempel eingezogen.
Jerusalem, die Stadt des großen Königs, die Stadt Davids, die Stadt des Gotteswortes, die Stadt des Tempels und der verheißenen Gegenwart Gottes, liegt im Unglück und in Trümmern. Die Mauern sind niedergerissen und die Tore mit Feuer verbrannt.
Es sind Zeiten kleiner Dinge, wie wir es auch bei dem Propheten Sacharja lesen: Aber es sind trotzdem Zeiten eines unverändert großen Gottes.
Denn wer ist’s, der den Tag geringer Anfänge verachtet? (Sacharja 4,10)
Gottes Handeln durch Nehemia
Wir werden sehen, wie Gott Nehemia benutzt, um die Mauern wieder aufzubauen und die Tore einzusetzen, damit das zivile und religiöse Leben des Volkes wieder geordnet und aufgebaut wird.
Mit dem Buch Nehemia schließt sich der geschichtliche Vorhang des Alten Testaments. Danach schweigt Gott für zermürbende 400 Jahre.
Darum müssen wir uns die Frage stellen: Warum beruft Gott Nehemia und warum nutzt er ihn, um die Mauern aufzubauen und die Tore einzusetzen, wenn danach für 400 Jahre nicht viel passiert, jedenfalls nicht viel Gutes?
Wenn wir bis hierhin etwas gelernt haben, dann das: Gott tut alles nach dem Ratschluss seines Willens, so wie es ihm gefällt.
Deshalb beruft er Nehemia. Denn aus diesem Volk, aus dem Stamm Juda und aus der Wurzel Davids sollte einmal der Messias hervorkommen. Und weil dieser Messias zur festbestimmten Zeit als König in Jerusalem einziehen sollte, benutzte Gott Nehemia zum Aufbau und zur Befestigung dieses Volkes und dieser Stadt des großen Königs.
Darum hat der große Gott in dieser Zeit der kleinen Dinge durch Nehemia sein schwaches Volk erhalten und die Stadt des großen Königs befestigt. Können wir in diesem Überblick nicht die gute Hand Gottes sehen, die die Geschichte der Menschheit nach seinem Wohlgefallen schreibt?
Ihr Lieben, was haben wir für einen großen und großartigen Gott.
Ziel 2: Nehemia auf uns als Gemeinde heute anwenden
Warum und wie können wir 2400 Jahre alte und 3000 Kilometer entfernte Ereignisse heute auf uns anwenden? Warum machen wir das? Warum nehmen wir uns die Zeit und die Mühe, ein so altes Buch aus längst vergangenen Tagen zu verstehen und sogar anzuwenden?
Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam… (Hebräer 4,12)
Selbst wenn dieses Wort mehrere tausend Jahre alt ist, ist es lebendig, weil es von Gott kommt, der Leben in sich hat.
Verstehen wir das wirklich gut? Dieses Buch ist kein gewöhnliches Buch. Es gehört nicht in die Reihe anderer Bücher. Es ist ein besonderes, von Gott kommendes und lebendiges Buch. Wir lesen in Psalm 119, dass dieses Wort Gottes sogar in der Lage ist, zu beleben und Leben zu geben:
Meine Seele klebt am Staub; belebe mich nach deinem Wort! (Psalm 119,25)
Und es ist nicht nur lebendig, sondern auch wirksam. Es tut, was der große Gott damit beabsichtigt. Es wird nicht leer zurückkehren:
genau so soll auch mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht: Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es gesandt habe! (Jesaja 55,11)
Ist das Wort Gottes in deinem Leben wirksam? Tut es etwas mit dir, wenn du es liest?
Die Wirkung des Wortes Gottes
Im zweiten Timotheusbrief lesen wir einen zentralen Vers über das Wort Gottes:
Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit (2.Timotheus 3,16)
Es ist nützlich zur Belehrung. Wende ich es so auf mich an? Gehe ich zu diesem Buch mit einem demütigen Herzen und mit Gebet, um Lehre, Wissen und Weisheit zu bekommen?
Es ist auch nützlich zur Überführung und Zurechtweisung. Das gehört zusammen. Dieses Buch deckt auf, wo wir nicht richtig liegen und wo wir Dinge zulassen, die nicht gut in den Augen Gottes sind.
Seht ihr, wie schön dieses Buch ist? Es lässt uns nicht einfach dort stehen, sondern weist uns zurecht und sagt: „Lass das, aber tu das, denn das führt zum Leben.“
Warum gerade Nehemia?
Diese Begründungen aus Hebräer 4 und 2. Timotheus 3 sind allgemeine Begründungen, die wir auf jedes einzelne Bibelbuch anwenden können. Trotzdem können wir noch fragen: Warum gerade Nehemia und warum gerade jetzt?
Es gibt noch mehr. Es gibt wunderschöne Parallelen zwischen der Geschichte Gottes mit seinem Volk zur Zeit Nehemias und der Geschichte Gottes mit uns als Calvary Chapel in Heidelberg im Jahr 2026.
Die Hoffnung auf den kommenden Messias
Die Erwartungen und Hoffnungen des Volkes waren auf das Erscheinen des verheißenen Messias, des kommenden Königs aus dem Haus Davids, ausgerichtet. Denn dieser würde den Thron besteigen und die Feinde besiegen. Mit ihm würde die Herrlichkeit Gottes wieder in den Tempel einziehen. Er würde einen neuen Bund zwischen dem Volk und ihrem Gott schließen und in seiner herrschenden Autorität dafür sorgen, dass das Volk Gottes den Geboten Gottes folgt.
Lass uns dazu zwei Stellen anschauen:
Die Verheißung aus Jeremia
Die Erwartung und die einzige Hoffnung der Menschen zur Zeit Nehemias war der verheißene König aus der Nachkommenschaft Davids:
Und es soll geschehen an jenem Tag, spricht der HERR der Heerscharen, dass ich sein Joch von deinem Hals wegnehmen und zerbrechen werde und deine Fesseln zerreiße, sodass Fremde ihn nicht mehr knechten sollen; sondern sie werden dem HERRN, ihrem Gott, dienen und ihrem König David, den ich ihnen erwecken will. Darum fürchte dich nicht, du, mein Knecht Jakob, spricht der HERR, und erschrick nicht, Israel! Denn siehe, ich will dich aus einem fernen Land erretten und deine Nachkommen aus dem Land ihrer Gefangenschaft, und Jakob wird zurückkehren, ruhig und sicher sein, und niemand wird ihn aufschrecken! (Jeremia 30,8)
Die Verheißung aus Sacharja
Wir lesen eine zweite Stelle aus Sacharja 9. Sacharja war ein Prophet, der kurz vor der Zeit Nehemias prophezeit hat:
Frohlocke sehr, du Tochter Zion; jauchze, du Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir; ein Gerechter und ein Retter ist er, demütig und reitend auf einem Esel, und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin. Und ich werde die Streitwagen aus Ephraim ausrotten und die Pferde aus Jerusalem; und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden; und Er wird den Völkern Frieden gebieten; und seine Herrschaft wird reichen von einem Meer zum anderen und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Sacharja 9,9-10)
Was für eine Erwartung und was für eine Hoffnung trug dieses Volk selbst in Tagen kleiner Dinge und großer Not in sich. Das war ihre Hoffnung. Das war aber auch ihre Motivation, Jerusalem aufzubauen und zu befestigen, nämlich vorbereitet zu sein für das erste Kommen des Messias.
Alles, was wir im Buch Nehemia beschrieben finden, steht unter dieser Messias-Erwartung. Alles, was getan, aufgebaut, geordnet und geheiligt wurde — auch wenn es klein, unvollkommen und schwach war — wurde in der Erwartung des kommenden Messias getan.
Unsere Hoffnung heute
Wie ist das jetzt mit uns, der Gemeinde des Herrn im Jahr 2026? Empfinden wir unsere Tage und Zeiten nicht auch als Zeiten kleiner Dinge?
Der Messias, unser König und Herr Jesus Christus, hat verheißen, ein zweites Mal zu kommen. So wie die Juden zur Zeit Nehemias das erste Kommen des Messias erwarteten, dürfen wir heute voller Vorfreude und Hoffnung das zweite Kommen unseres Herrn erwarten.
Sind wir nicht trotz all unserer Schwachheit Tempel Gottes und Behausung Gottes im Geist? Sind wir nicht himmlisches Jerusalem?
Lass uns das aus zwei Stellen anschauen.
Das himmlische Jerusalem
Wir lesen aus Hebräer Kapitel 12:
Sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln, 23 zu der Festversammlung und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten (Hebräer 12,22-23)
Gott hat große Hoffnung in die Gemeinde hineingelegt. Er ist aktiv dabei, die Gemeinde zu erbauen und zu reinigen, damit wir einmal in Perfektion vor ihm sein werden.
Die Herrlichkeit der Gemeinde
In Offenbarung 21 können wir lesen, wie das aussehen wird:
Und es kam zu mir einer der sieben Engel, welche die sieben Schalen hatten, die mit den sieben letzten Plagen gefüllt waren, und redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir die Frau, die Braut des Lammes, zeigen! (Offenbarung 21,9)
Hier geht es um die Gemeinde.
Und er brachte mich im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herabkam, 11 welche die Herrlichkeit Gottes hat. Und ihr Lichtglanz gleicht dem köstlichsten Edelstein, wie ein kristallheller Jaspis. (Offenbarung 21,10+11)
Sollte uns das nicht aufwecken? Sollte uns das nicht motivieren? Sollte uns das nicht den Wunsch ins Herz legen, uns bereit zu machen für das Kommen unseres Bräutigams?
Vorbereitung auf das Kommen des Herrn
Wie können wir das tun? Deshalb haben wir das Buch Nehemia ausgewählt: indem wir die Dinge ernst nehmen und auf uns anwenden, die das Volk damals unter der Leitung Nehemias getan hat, um Jerusalem aufzubauen und zu befestigen.
Sie erwarteten das erste Kommen des Messias. Dass er leiden und sterben musste, bedachten sie nicht so sehr. Aber wir wissen, dass es heilnotwendig war für jeden einzelnen von uns. Christus ist für uns am Kreuz gestorben, wurde begraben, ist auferstanden und zurück in den Himmel gegangen. Weil er es versprach, wissen wir, dass er wiederkommen wird. Dann wird die Erwartung des Messias, die Erwartung des großen Königs und die Aufrichtung des ewigen Gottesreiches tatsächlich Wirklichkeit werden.
Wenn wir das bedenken, merken wir: Wir sollten viel mehr motiviert sein als die Menschen damals.
Was wir aus Nehemia lernen sollen
Im Buch Nehemia finden wir vieles, das wir ganz praktisch auf uns als Gemeinde anwenden dürfen und sollen:
- Buße zu Gott und Flehen für die Gemeinde.
- Den Zustand untersuchen und beurteilen.
- Einheit bewahren und dem inneren Frieden nachjagen.
- Befestigen, sichern, aufbauen.
Wir sehen das hier mit der Mauer im Bühnenbild. Wir sehen aber auch, dass noch einiges da liegt, was noch nicht aufgebaut ist. Zerbruch deutet auf Buße hin. Doch im Zerbruch mit einem großen Gott liegt großes Potenzial.
Lasst uns das angehen und Gott, unserem Herrn, vertrauen, dass es gelingen wird.
- Wir werden lernen, standhaft gegen Widerstand von außen zu sein.
- Wir werden aufgefordert, die Autorität und Kenntnis des Wortes Gottes in unserer Mitte zu verteidigen.
- Wir werden sehen, wie wichtig es ist, Ordnung in der Gemeinde herzustellen und zu befestigen.
- Ebenso werden wir sehen, wie wichtig es ist, in der Reinigung und Absonderung von der Welt und dem Bösen Fortschritte zu machen.
Das Wasser steht für diese Reinigung und für die belebende Wirkung des Wortes Gottes.
- Wir werden auch sehen, wie gut es ist, wenn wir die Freude am Herrn miteinander teilen und gemeinsam die Güte Gottes in unserer Mitte feiern.
- Ebenso werden wir sehen, wie gesegnet es ist, wenn wir eine gute Leidenschaft für die Gemeinde in unseren Herzen entwickeln und lebendig halten.
Es gibt viel zu tun. Aber wir können aus der Geschichte Gottes mit seinem Volk lernen, dass es Mut und Hoffnung gibt, wenn die gute Hand Gottes über uns ist.
Gemeinde bauen
Der Bau an unserer Gemeinde findet jetzt statt. Vor einiger Zeit haben wir angekündigt, dass wir Diakone einsetzen wollen. Das ist ein Schritt, um Struktur und Ordnung nach den Gedanken Gottes zu verbessern.
So wie Nehemia die Arbeit nicht im Geheimen und alleine tat, ist es uns wichtig, diesen Prozess gemeinsam zu gestalten. Deshalb lade ich euch ausdrücklich ein, euch daran zu beteiligen: zu beten, miteinander darüber zu sprechen und diesen Prozess als unseren gemeinsamen Prozess anzusehen, an der Gemeinde hier in Heidelberg zu bauen.
Ziel 3: Herzen für Gottes Anliegen entfachen lassen
Ich glaube, dass das, was vor uns liegt, nicht gelingen wird, wenn wir die Botschaft dieses letzten Punktes nicht lernen.
Und es geschah, als ich diese Worte hörte, da setzte ich mich hin und weinte und trug Leid etliche Tage lang; und ich fastete und betete vor dem Gott des Himmels (Nehemia 1,4)
Diese Reaktion Nehemias ist außergewöhnlich. Dieser Mann arbeitete als Mundschenk von Artaxerxes, dem damals mächtigsten König. Trotz der Tatsache, dass Nehemia in Babylon geboren wurde, trotz seiner Integration in die persische Gesellschaft und trotz der Entfernung von etwa 1300 Kilometern zwischen Susan und Jerusalem, war sein Herz nah beim Volk Gottes und bei der Stadt des großen Königs in Jerusalem.
Ihm lag die Ehre Gottes und das Wohlergehen des Volkes Gottes und der Stadt Gottes am Herzen. Er hatte eine Leidenschaft dafür. Deshalb traf ihn der Bericht seines Bruders Hanani mit voller Wucht. Er machte sich eins mit ihnen. Er weinte, trug Leid, fastete und betete tagelang zum Gott des Himmels.
Aus den Zeitangaben können wir ungefähr berechnen, wie lange das dauerte: zwischen drei und vier Monate, also mehr als hundert Tage. Das Erstaunliche daran ist: Der eigentliche Aufbau der Mauer dauerte nur 52 Tage. Nehemia hat mehr als doppelt so lange gebetet, Leid getragen, gefastet und zu Gott gefleht, als tatsächlich gebaut wurde.
Daran sehen wir, dass Gott seine Arbeit oft anders tut, als wir es erwarten. Das Gelingen hängt eng zusammen mit einem gedemütigten, betroffenen und brennenden Herzen für die Sache Gottes.
Was machen Missstände mit uns?
Was macht es mit uns, wenn wir Missstände innerhalb der Gemeinde sehen? Wenn wir Unordnung und fehlende Strukturen sehen? Wenn wir mit schwacher Leitung konfrontiert sind und sich Unfrieden einschleicht? Wenn geistliches Wachstum und Heiligung schwach sind? Wenn die Liebe zu Gott und zueinander klein ist?
Was machen wir dann? Empören wir uns? Wenden wir uns innerlich ab? Resignieren wir? Werden wir gleichgültig?
Oder setzt es unser Herz in Brand, weil wir eine Leidenschaft für die Brautgemeinde unseres Herrn haben? Bringt es uns auf die Knie? Lässt es uns zu unserem Vater flehen und dadurch brauchbar werden in seiner Hand?
Bei Nehemia sehen wir eine wunderschöne biblische Entwicklung: von Leidenschaft zu Mitleiden zu Aufbauen.
Ich bin zu hundert Prozent davon überzeugt: Wenn uns Leidenschaft und ein brennendes Herz für die Gemeinde fehlen, werden wir nicht brauchbar sein können in der Hand Gottes.
Gleichzeitig weiß ich, dass hier Menschen sitzen, die vielleicht nicht sichtbar sind, die aber einen erheblichen Anteil daran haben, dass diese Gemeinde bis heute Bestand hat. Gott hat ihnen diese Leidenschaft für die Gemeinde gegeben. Und sie lassen es zu, mitzuleiden mit dem Zustand der Gemeinde an der einen oder anderen Stelle.
Der Wert der Gemeinde
Ich finde es so passend, dass wir vor der Nehemia-Serie die Epheser-Serie hatten, in der wir uns immer wieder den Wert der Gemeinde in den Augen Gottes anschauen durften.
Siehst du nicht, wie unendlich wertvoll die Gemeinde in den Augen unseres himmlischen Vaters ist, der alles tut nach dem Ratschluss seines Wohlgefallens für die Gemeinde?
… der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens (Epheser 1,11)
Siehst du nicht die Länge, Breite, Höhe und Tiefe der Liebe des Christus für die Gemeinde, die ihn dazu trieb, sich selbst für sie hinzugeben?
… damit ihr, in Liebe gewurzelt und gegründet, dazu fähig seid, mit allen Heiligen zu begreifen, was die Breite, die Länge, die Tiefe und die Höhe sei, und die Liebe des Christus zu erkennen … (Epheser 3,17-19)
Und erkennst du nicht, wie sehr der Heilige Geist für die Gemeinde, für ihre Heiligkeit und Schönheit eifert? Diese Gemeinde ist die Behausung Gottes bei den Menschen und im Geist.
… in dem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist. (Epheser 2,22)
Jesus Christus, unser Bräutigam, wird bald wiederkommen. Das sollte uns motivieren, anzupacken und uns danach auszustrecken, eine Leidenschaft für die Gemeinde zu haben – so wie Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist sie haben.
Nicht passiv zu werden, sondern uns vorzubereiten in der freudigen Erwartung, dass wir einmal mit der Herrlichkeit Gottes bekleidet unserem wunderbaren Herrn und Bräutigam zugeführt werden.
Wo ist dein Herz?
Deshalb noch einmal meine Frage, die titelgebend für diese Predigt wurde: Wo ist dein Herz?
Nehemia war viele Gründe und 1300 Kilometer entfernt vom Zustand Jerusalems und der Juden dort. Du sitzt heute Morgen hier, und ich stehe hier. Wie weit ist mein Herz, wie weit ist dein Herz von der Gemeinde, vom Zustand der Gemeinde und ihren Belangen entfernt?
Das soll dich nicht abschrecken. Es soll dich einladen. Es soll dich einladen, diese Leidenschaft und dieses Mitleiden zuzulassen, um dadurch brauchbar zu werden und mit anzupacken.
Lasst uns zum Herrn flehen, dass diese Predigtserie eine Serie wird, in der wir wunderbare Wahrheiten finden, herausgefordert werden und parallel zum Studieren und Predigen dieses Wortes Veränderungen angegangen werden, die ihn ehren.
Gott hält Ausschau nach Menschen mit einer tiefen Leidenschaft für seine Gemeinde. Nach Menschen, die es zulassen, Mitleid zu tragen und darin vorbereitet zu werden, anzupacken zur Ehre unseres Herrn und Bräutigams.

