Abschluss und Anfang

Zusammenfassung:

Paulus schließt den Epheserbrief mit Segenswünschen ab:
Friede: Christus selbst ist unser Friede und der Mittler zwischen Gott und Mensch.
Liebe: Jeder Christ trägt die unvergängliche Liebe Gottes zu Christus im Herzen.
Glaube: Glaube wirkt wie ein „geistliches Sinnesorgan“, durch das wir Gottes Wirklichkeit erkennen.
Gnade: Alle Briefe des Paulus beginnen und enden mit dem Zuspruch der Gnade – sie ist Grundlage unseres Glaubens.
Lasst uns den Epheserbrief in unserem Alltag lebendig halten. Wir wollen in den nächsten Wochen: lesen und nachdenken, staunen und beten, tun und wandeln.

Mit der Aufforderung, die ganze Waffenrüstung Gottes im Kampf zu tragen und betend für eine siegreiche Verbreitung des Evangeliums einzutreten, kommt Paulus nun zum Ende seines Briefes. Bis hierher hat er alles diktiert, was der Heilige Geist ihm für die Gläubigen eingegeben hatte. Nun nimmt er den Stift in die eigene Hand, um die letzten Sätze selbst zu schreiben:

Damit aber auch ihr wisst, wie es mir geht und was ich tue, wird euch Tychikus alles mitteilen, der geliebte Bruder und treue Diener im Herrn, den ich eben darum zu euch gesandt habe, dass ihr erfahrt, wie es um uns steht, und dass er eure Herzen tröste. Friede werde den Brüdern zuteil und Liebe samt Glauben von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. 24 Die Gnade sei mit allen, die unseren Herrn Jesus Christus lieb haben mit unvergänglicher Liebe! Amen. (Epheser 6, 21-24)

Ich stelle mir vor, wie Paulus anschließend den Brief sorgfältig zusammenrollt, ihn mit einer Schnur umbindet und versiegelt, so wie es damals üblich war.

Der Dienst des Tychikus

Tychikus war vermutlich der Schreiber dieses Briefes, und er hat ihn als Bote nach Ephesus gebracht. Er soll den Gläubigen berichten, was Paulus tut, wie es ihm und seinen Mitarbeitern ergeht, und ihre Herzen trösten. Welch ein kostbarer Brief er in seinen Händen hält! Wie gut, dass er angekommen ist, sodass wir ihn heute lesen und in unvorstellbar großer Weise davon profitieren können. Durch seinen Dienst hatte Tychikus einen Anteil daran.

den ich eben darum zu euch gesandt habe, dass ihr erfahrt, wie es um uns steht, und dass er eure Herzen tröste. (Epheser 6,22)

Tychikus sollte den Gläubigen berichten, wie es Paulus geht. Damals dauerte es sehr lange, solche Informationen weiterzugeben. Die Christen in Ephesus wussten von Paulus Gefangenschaft und liebten ihn, weil er einige Jahre bei ihnen war, um ihnen das Evangelium in seiner ganzen Tiefe zu erklären. Ihr Herz war deshalb beunruhigt über das Schicksal des Paulus und voller Anteilnahme.

Deshalb war es Paulus Anliegen, jemanden zu senden, der zuverlässig ist und ihre Herzen trösten kann. Was für ein schöner Dienst. Und was für ein schönes Zeugnis über Tychikus den Paulus den „geliebten Bruder und treuen Diener im Herrn“ nennt. Wie gut ist es, wenn wir solche Geschwister auch heute in der Gemeinde haben. Lasst uns dafür dankbar sein.

Das Wort „Diener“ in Vers 21 kommt vom griechischen „Diakonos“, woraus unser Wort „Diakon“ stammt. Tychikus war also ein solcher Diener. Auch wir in der Calvary Chapel Heidelberg suchen solche, die geliebt sind und treu dienen, um der Gemeinde Gutes zu tun. Wenn du jemanden kennst, der diese Eigenschaften hat, dann sprich uns an.

Der abschließende Wunsch

Wir kommen zu den abschließenden Versen:

Friede werde den Brüdern zuteil und Liebe samt Glauben von Gott … Die Gnade sei mit allen … (Epheser 6,23+24)

Paulus richtet sich an die Brüder – eine herzliche, familiäre Anrede, die alle Gläubigen einschließt, auch die Schwestern. Er äußert einen Wunsch, der vier große Themen umfasst: Friede, Liebe, Glaube und Gnade. Diese Begriffe haben uns im Epheserbrief begleitet und tragen große Bedeutung. Deshalb nehmen wir uns jetzt noch einmal Zeit, uns anzuschauen, was Paulus mit ihnen verbindet, und welche Größe der Evangeliumswahrheit darin sichtbar wird.

„Friede den Brüdern“ – das greift den Anfang des Briefes wieder auf. Dieser Friede kommt von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, was es bedeutet, dass Gott nicht nur Gott, sondern Vater ist, und dass Jesus nicht nur Mensch, sondern der Herr und der verherrlichte Christus ist, unser Haupt im Himmel.

Es war damals auch außerhalb der Christenheit üblich, einen Brief mit guten Wünschen abzuschließen. Doch was Paulus hier schreibt, geht weit über ein einfaches „mit freundlichen Grüßen“ hinaus – seine Worte sind Ausdruck eines tiefen Herzensanliegens. In Epheser 2 schreibt er dazu:

Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe gebracht worden durch das Blut des Christus. Denn Er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und die Scheidewand des Zaunes abgebrochen hat, indem er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinwegtat, um die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und Frieden zu stiften, und um die beiden in einem Leib mit Gott zu versöhnen durch das Kreuz, nachdem er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte. Und er kam und verkündigte Frieden euch, den Fernen, und den Nahen; denn durch ihn haben wir beide den Zutritt zu dem Vater in einem Geist. (Epheser 2,13-18)

Christus selbst ist unser Friede. Er ist der Mittler zwischen Gott und Mensch. Durch das Blut seines Kreuzes hat er Frieden gemacht und diesen Frieden verkündigt – in eine gottfeindliche Welt hinein, mit der Botschaft: Lass dich mit Gott versöhnen!

Friede mit Gott

Weil wir als wiedergeborene Christen in den Genuss dieses Friedens gekommen sind, haben wir im vierten Kapitel die Aufforderung gelesen, die Einheit durch das Band des Friedens zu bewahren:

… und eifrig bemüht seid, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens (Epheser 4,3)

Erinnerst du dich auch an die Waffenrüstung? Dort ist von den Schuhen der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens die Rede. Unser sicherer Stand gründet darin, dass wir dieses Evangelium des Friedens kennen – die Botschaft von Christus und seinem Kreuz – und fest darin stehen.

Darum frage ich dich: Kennst du diesen Frieden mit Gott?

Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. (Römer 5,1)

Bist du mit deiner Schuld zu Gott gekommen? Hast du Buße getan und glaubst an Jesus Christus und sein Blut? Stehst du vor Gott nicht mehr in deiner eigenen Gerechtigkeit, sondern in der Gerechtigkeit Christi? Nur dann hast du wirklich Frieden mit Gott. Wenn du diesen Frieden nicht kennst, dann komm zu uns und lass uns darüber sprechen.

Kennst du auch den Frieden Gottes? In Philipper 4 lesen wir:

Sorgt euch um nichts; sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus! (Philipper 4,6+7)

Oh liebes Kind Gottes, kennst du diesen Frieden? Er ist dir auch in Schwierigkeiten zugänglich und steht in direkter Verbindung mit dem Gebet. Darum bete! Lege Gott alles hin, was dich belastet, und erlebe, wie sein Friede deine Situation verändert.

Friede als göttliche Ordnung

Es gibt auch den Frieden miteinander. Christus hat aus Juden und Heiden, die einander feindlich waren, eine Einheit gemacht – nicht nur ein Nebeneinander, sondern einen neuen Menschen, eine organisch untrennbare Einheit.

Erleben wir beides? Frieden mit Gott und Frieden im Miteinander? Dass wir, weil wir diesen vertikalen Frieden mit Gott, auch den Frieden von Gott kennen und genießen, auch den horizontalen Frieden bewahren mit allem, was es kostet.Das alles wünscht Paulus den Gläubigen.

Ich möchte ein kleines Experiment mit euch machen. Ich beginne einen Bibelvers und du sagst wie er weiter geht:

 Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, …  (1. Korinther 14,33)

Es liegt im Deutschen nahe zu sagen: „… sondern ein Gott der Ordnung.“ Doch genau das steht dort nicht. Es heißt:

…, sondern des Friedens. (1. Korinther 14,33)

Das wirft eine interessante Frage auf: Was hat Frieden mit Ordnung zu tun? Oder anders gefragt: Warum ist Frieden das Gegenteil von Unordnung? Es gibt eine einfache Antwort: Frieden bedeutet, dass alles in der von Gott gegebenen Ordnung ist. Wo diese Ordnung besteht, entsteht wahrer Frieden.

Das ist der Wunsch des Paulus: dass wir unseren Platz erkennen, unsere Aufgabe wahrnehmen und in dieser göttlichen Ordnung leben – in Beziehung zu Gott und zueinander. Wenn wir dem Frieden nachjagen (Psalm 34,15), dann suchen wir nach dieser Ordnung. Denn genau dadurch entsteht der Friede, wie Gott ihn für uns möchte.

Die Liebe aus Gott

Das Zweite, was Paulus den Gläubigen wünscht ist: Liebe. Diese Liebe kommt von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Ich wünsche dir, dass du etwas erlebst von der großen Liebe, mit der Gott uns geliebt hat, wie wir es in Epheser 2 lesen:

Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat um seiner großen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren durch die Übertretungen, mit dem Christus lebendig gemacht (Epheser 2,4+5)

Mein Wunsch ist, dass du in dieser Gottesliebe verwurzelt bist wie ein Baum und fest gegründet wie ein Haus auf sicherem Fundament. Paulus beschreibt es in Epheser 3: Damit ihr …

dazu fähig seid, mit allen Heiligen zu begreifen, was die Breite, die Länge, die Tiefe und die Höhe sei, und die Liebe des Christus zu erkennen, die doch alle Erkenntnis übersteigt, damit ihr erfüllt werdet bis zur ganzen Fülle Gottes. (Epheser 3,18+19)

Kennst du diese Liebe? Regt sich dein Herz, wenn du davon liest, dass Gott dich ganz persönlich so sehr geliebt hat? Beginnt dein Herz zu singen, wenn du hörst, dass die Liebe des Christus alle Erkenntnis übersteigt – dass er die Gemeinde so sehr geliebt hat, dass er sich selbst für sie hingegeben hat?

Diese Liebe Gottes wird Gegenstand ewiger Anbetung im Himmel sein. Doch schon jetzt kannst du mehr davon erkennen. Du kannst in der Erkenntnis dieser Liebe wachsen. Wie geschieht das? Durch Glauben.

Zugang durch Glauben

Durch den Glauben hast du Zugang zum Frieden und zur Liebe Gottes. Der Glaube verbindet dich mit Gott, dem Vater, und mit dem Herrn Jesus Christus – mit der Quelle wahren Friedens und wahrer Liebe.

Dieser Glaube ist wie ein sechstes Sinnesorgan. Durch ihn erkennst du Dinge, die deinen physischen Sinnen verborgen bleiben.

So wie du sichtbare Dinge wahrnimmst, kannst du durch Glauben die feste Überzeugung haben, dass Gott dich liebt. Durch diesen Glauben erlebst du, dass Friede und Liebe von Gott zu dir fließen und dich befähigen, im Miteinander Frieden zu halten und Liebe zu üben.

Die Gnade am Ende

Wir kommen zum letzten Vers im Epheserbrief. Dort drückt Paulus seinen letzten Wunsch aus::

Die Gnade sei mit allen, die unseren Herrn Jesus Christus lieb haben mit unvergänglicher Liebe! Amen. (Epheser 5,24)

Alle 13 Briefe des Paulus beginnen mit „Gnade euch“ oder – wenn er an einzelne Personen schreibt – mit „Gnade dir“. Und alle Briefe enden ebenso mit „Gnade sei mit euch“ oder „Gnade sei mit dir“. Daran erkennst du, womit sein Herz erfüllt war: Er hatte eine tiefe Erkenntnis davon, wer er in den Augen Gottes war und was Gott aus ihm gemacht hat.

Ich frage dich: Weißt du noch, wer du warst, bevor Christus dir im Evangelium der Gnade begegnet ist? Bitte Gott, dir die Augen dafür zu öffnen, wie tot du in deinen Sünden warst – nicht um dich zu verurteilen, sondern damit du die Gnade umso mehr schätzt, die dich dennoch geliebt hat.

Vielleicht wirkt dieser Vers so, als wäre die Gnade an eine Bedingung geknüpft – als gelte sie nur besonderen Christen. Doch sieh, was Paulus in Epheser 2 schreibt:

Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.
(Epheser 2, 8+9)

Gnade wäre keine Gnade, wenn sie von deiner Leistung abhinge. Wenn von denen die Rede ist, die den Herrn Jesus Christus lieben, dann ist das ein Ausdruck für alle Gläubigen. Jeder wiedergeborene Gläubige trägt diese unvergängliche und unsterbliche Liebe von und zu Gott und dem HERRN Jesus Christus im Herzen.

Wie wunderbar ist es, dass diese Gnade unverdient zu dir gekommen ist und dass du jetzt in ihr vor Gott stehen darfst.

Die Größe des Evangeliums

Dieser Brief hat uns gezeigt, dass Gott in Christus alles nach dem Ratschluss seines Willens wirkt – alles zum ewigen Lob seiner Gnade. Am Ende der Epheserserie drückt folgender Vers meine Empfindung aus:

Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade.
(Johannes 1,16)

Darum fällt es mir schwer, diesen Brief abzuschließen. In den letzten zehn Monaten ist es uns nicht gelungen, die ganze Breite, Länge, Höhe und Tiefe der Reichtümer Gottes zu erfassen. Unser Verstand hat die Wahrheiten des Evangeliums nicht vollständig begriffen, unser Herz ist nicht so ungeteilt auf Gott ausgerichtet, wie es sein sollte, und unser Wille ist nicht so gehorsam, wie es angemessen wäre. Ich muss das zumindest von mir selbst sagen: Ich verstehe, bewahre und lebe bei weitem nicht alles, was wir gesehen haben.

Wäre es da nicht sinnvoll, noch einmal von vorne zu beginnen? Mehr Zeit in all die Reichtümer der Gnade Gottes im Evangelium zu investieren, wie sie in den ersten drei Kapiteln beschrieben werden? Und uns ebenso mehr Zeit für die praktische Anwendung des Evangeliums zu nehmen, die Paulus uns in den Kapiteln 4 bis 6 erklärt? Wäre es nicht besser, wenn wir diese Klasse wiederholen würden, damit der Lernstoff wirklich ankommt und wir ihn noch mehr verinnerlichen können?

Epheser lebendig halten

Unser Anliegen ist es, den Epheserbrief lebendig zu halten. Wir werden  keine zweite Epheser-Serie beginnen, sondern in den kommenden Monaten kurze Impulsandachten weitergeben. Sie greifen die Inhalte des Briefes auf und folgen seinem Muster:

Erstens: lesen und nachdenken.
Zweitens: staunen und beten.
Drittens: tun und wandeln.

So bleiben wir im Gespräch, damit diese Wahrheiten in unseren Herzen tiefer greifen und mehr praktische Wirkung entfalten.

Das Geheimnis der Gemeinde

Zum Schluss greife ich noch ein Thema auf, über das ich immer mehr staune: das Geheimnis der Gemeinde, wie Paulus es im Epheserbrief beschreibt.

Und wir wollen diesen Gedanken auch nach dem genannten Muster anschauen: Lehre – Staunen – Anwendung. Zuerst die Lehre verstehen, dann darüber staunen und schließlich erkennen, was das für dein Leben bedeutet. Diese drei Dinge gehören untrennbar zusammen. Wenn du im Tun und Wandel schwach bist, wirst du auch im Erkennen schwach bleiben. In Epheser 1 erzählt Paulus von der “überwältigende Größe seiner Kraftwirkung” …

Die hat er wirksam werden lassen in dem Christus, als er ihn aus den Toten auferweckte und ihn zu seiner Rechten setzte in den himmlischen Regionen, hoch über jedes Fürstentum und jede Gewalt, Macht und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in dieser Weltzeit, sondern auch in der zukünftigen; und er hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, (Epheser 1,20-22)

Und jetzt kommt der Vers, auf den ich kurz eingehen möchte:

 die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt (Epheser 1,23)

Paulus zeichnet hier ein Bild von Christus als dem Verherrlichten: erhöht über alle Dinge, über jedes Fürstentum, jede Gewalt, jede Kraft und Herrschaft – jetzt und in Ewigkeit. Alles ist ihm unterworfen. Christus ist der Erste, heute und für immer. Und dazu gehört, dass er als Haupt der Gemeinde gegeben ist.

Nun kommt das Faszinierende: Alles andere liegt ihm zu Füßen – aber wir nicht. Wir sind sein Leib. Wir stehen in einer lebendigen Verbindung mit ihm – einer Verbindung, die so tief ist, dass Paulus sagen kann: Die Gemeinde ist die Fülle des Christus.

Das bedeutet: In Gottes ewigem Ratschluss war vorgesehen, dass Christus in einer besonderen Weise mit der Gemeinde verbunden ist. Ja, Christus ist Gott, und als Gott fehlt ihm nichts. Aber es war sein Wille, diese Fülle gerade in dieser Verbindung sichtbar werden zu lassen.

Ich kann das nicht völlig begreifen – aber genau das steht hier: Die Gemeinde ist die Fülle des Christus, der alles in allem erfüllt.

Erkennst du, wie groß und wertvoll die Gemeinde in den Augen Gottes ist? Christus bindet seine Fülle an sie. Es ist die höchste Ehre der Gemeinde, dass der Sohn Gottes sich in gewisser Weise als unvollständig betrachtet, wenn er nicht mit uns vereint ist.

Aus dem Tod zur Herrlichkeit

Wir gehen gedanklich nochmal zurück zu Kapitel 2 und schauen uns an, wie wir tot in Vergehungen und Sünden waren. Und doch hat die ewige Gnade Gottes uns dazu bestimmt, Teil dieser Gemeinde zu sein – Teil der Fülle des Christus, jetzt und in Ewigkeit.

O, wie sehr liebt Christus seine Gemeinde!

Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat um seiner großen Liebe willen, mit der er ns geliebt hat, 5 auch uns, die wir tot waren durch die Übertretungen, mit dem Christus lebendig gemacht — aus Gnade seid ihr errettet! — 6 und hat uns mitauferweckt und mitversetzt in die himmlischen Regionen in Christus Jesus, 7 damit er in den kommenden Weltzeiten den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade in Güte an uns erweise in Christus Jesus. (Epheser 2,4–7)

Verstehst du das? Paulus zeigt uns den Grund: Du bist aus dem Tod gerettet, mit Christus lebendig gemacht und mit ihm verbunden, damit Gott in alle Ewigkeit an der Gemeinde zeigen kann, wie groß seine Gnade ist.

Schon jetzt schaut Gott auf dich und zeigt der himmlischen Welt (Vers 7): Sieh, wie groß der Reichtum meiner Gnade ist – dass ich einen solchen errettet und mit Christus verbunden habe. Ein ähnlicher Gedanke steht in Epheser 3:

damit jetzt den Fürstentümern und Gewalten in den himmlischen Regionen durch die Gemeinde die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt gemacht werde (Epheser 3,10)

Im Himmel beweist Gott seine Weisheit, indem er auf die Gemeinde zeigt. Schon jetzt.

Unsere Reaktion: Anbetung und neue Sicht

Fordert das nicht eine Reaktion von dir? Dass du beginnst, die Gemeinde mit anderen Augen zu sehen? Ich möchte dich warnen: Denke nie gering von der Gemeinde Jesu Christi! Ja, sie ist nicht perfekt, und sie ist in vielem menschlich. Aber sie ist wertvoll in den Augen Gottes. Sie ist ein Werk im Werden. Siehst du, wie sehr unser Herr Jesus Christus die Gemeinde liebt? Und erkennst du den Eifer des Heiligen Geistes für diese Wohnung Gottes bei den Menschen? Darum sage ich dir: Es lohnt sich, für die Gemeinde zu kämpfen. Es lohnt sich, sie zu ehren. Und genau daraus folgt das, was wir in Kapitel 4 lesen – die konkrete Anwendung dieser Wahrheit:

So ermahne ich euch nun, ich, der Gebundene im Herrn, dass ihr der Berufung würdig wandelt, zu der ihr berufen worden seid, indem ihr mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander in Liebe ertragt und eifrig bemüht seid, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens (Epheser 4,1-3)

Ganz praktisch im Alltag

Sollten wir das nicht viel mehr leben? Weißt du, wie das ganz konkret aussieht? Genau das hat uns der Heilige Geist durch Paulus am Ende von Kapitel 4 gezeigt:

Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan samt aller Bosheit. 32 Seid aber gegeneinander freundlich und barmherzig und vergebt einander, gleichwie auch Gott euch vergeben hat in Christus. (Epheser 4,31-32)

Wenn du etwas von der Gnade verstehst, die dich errettet hat, und vom Wert der Gemeinde in Gottes Augen, dann wächst in dir der Wunsch, freundlich zu sein, barmherzig zu sein und zu vergeben – so wie Gott dir vergeben hat.

Alles, was der Heilige Geist hier fordert, ist direkt mit der Wahrheit des Evangeliums verbunden: Weil dir vergeben ist, sollst du vergeben. Weil Gott barmherzig mit dir war, sollst du barmherzig sein. Das folgt aus dieser Belehrung über die Gemeinde.

Ein gemeinsamer Vorsatz

Und damit stehen wir am Ende dieses Briefes.

Selbst nach all der Zeit, die wir uns für den Epheserbrief genommen haben, stehen wir immer noch staunend davor – wir haben seine ganze Tiefe längst nicht ergründet.

Ich wünsche mir, dass wir uns gemeinsam vornehmen, an den Wahrheiten des Evangeliums dranzubleiben – und ebenso an dem, was daraus für unser Leben folgt. Dass diese Wahrheiten unter uns lebendig bleiben.

Damit schon jetzt, in aller Schwachheit, und eines Tages in vollkommener Schönheit durch die Gemeinde der Lobpreis der Herrlichkeit der Gnade Gottes erklingt.