Wir begegnen Naeman
Heute geht es um Naeman, den Aussätzigen. Schauen wir direkt in unseren Bibeltext:
Naeman, der Heerführer des Königs von Aram, war ein hoch angesehener Mann vor seinem Herrn und geschätzt; denn durch ihn gab der HERR den Aramäern Sieg. Aber dieser gewaltige, tapfere Mann war aussätzig. 2 Und die Aramäer waren in Streifscharen ausgezogen und hatten ein kleines Mädchen aus dem Land Israel entführt, das nun im Dienst von Naemans Frau war. 3 Und sie sprach zu ihrer Herrin: Ach, dass mein Herr bei dem Propheten wäre, der in Samaria wohnt; der würde ihn von seinem Aussatz befreien! 4 Da ging Naeman hinein zu seinem Herrn und sagte es ihm und sprach: So und so hat das Mädchen aus dem Land Israel geredet!
(2. Könige 5,1-4)
Hier begegnen wir Naeman, dem Oberbefehlshaber der Aramäer – eines Volkes im Gebiet des heutigen Syrien, das mit Israel verfeindet war. Er wird als ein großer und angesehener Mann beschrieben, als ein tapferer Krieger. Das sind ausgesprochen ehrenvolle Worte. Und diese Beschreibung ist bemerkenswert, denn ganz ähnliche Worte verwendet die Bibel zum Beispiel auch für König David (1. Samuel 16,18).
Damit zeigt uns der Text einen starken Gegensatz: Naeman hatte eigentlich alles, was man sich wünschen konnte – und doch war er aussätzig. Es handelte sich um eine schwere Hautkrankheit, die tödlich enden konnte und deren Auswirkungen deutlich sichtbar waren. Früher oder später würde diese Krankheit vermutlich auch Naemans Stellung als Heerführer Arams ein Ende setzen.
Das unbekannte israelitische Mädchen
Dann begegnen wir in Vers 2 einer weiteren Person:
Und die Aramäer waren in Streifscharen ausgezogen und hatten ein kleines Mädchen aus dem Land Israel entführt, das nun im Dienst von Naemans Frau war. (2. Könige 5,2)
Es ist ein junges israelitisches Mädchen, dessen Namen wir nicht erfahren. Das Verhältnis zwischen Israel und den Aramäern war schwierig und von Konflikten geprägt. Immer wieder fielen aramäische Truppen in Israel ein und verschleppten Menschen als Sklaven. Dieses Mädchen gehörte zu den Verschleppten und kam schließlich in Naemans Haushalt.
Eines Tages erzählt sie ihrer Herrin von einem Propheten in Israel, der Naeman von seiner Krankheit heilen könnte:
Und sie sprach zu ihrer Herrin: Ach, dass mein Herr bei dem Propheten wäre, der in Samaria wohnt; der würde ihn von seinem Aussatz befreien! (2. Könige 5,3)
Wir sind erst wenige Verse weit, und ich finde es immer wieder erstaunlich, wie die Bibel gewaltige, lebensverändernde Ereignisse manchmal in nur einem Satz zusammenfasst.
Wenn wir versuchen, die Geschichte mit den Augen dieses Mädchens zu sehen, wird uns erst bewusst, was hier eigentlich geschehen ist. Dieses Mädchen wurde aus ihrer Heimat gerissen. Sie verlor ihr Zuhause und ihr bisheriges Leben und fand sich plötzlich in einer völlig fremden Situation wieder.
Im weiteren Verlauf werden wir drei grundlegende Wahrheiten entdecken, die uns helfen, Gottes Wege besser zu verstehen und zu erkennen, wie tiefgreifend Gott unser Leben verändern kann.
Schauen wir uns die erste Wahrheit an:
Gottes Pläne entfalten sich oft auf unerwartete Weise und zu unerwarteten Zeiten.
Erste Wahrheit: Gottes Pläne entfalten sich unerwartet
In Vers 1 lesen wir über Naeman:
durch ihn gab der HERR den Aramäern Sieg (2. Könige 5,1)
Damit ist Naeman gemeint. Gott hatte den Aramäern durch Naeman immer wieder Siege geschenkt. Das bedeutet: Naeman war längst Teil von Gottes Plan, ohne es überhaupt zu wissen.
Auf ganz andere Weise gebrauchte Gott auch dieses junge Mädchen. Selbst in der Tragödie ihrer Gefangenschaft war Gott am Werk und gebrauchte ihre Situation, um etwas Größeres zu bewirken. Er hatte sie nicht verlassen. Er war bei ihr.
Das erinnert an Josef. Seine eigenen Brüder verkauften ihn in die Sklaverei. Doch Josef wurde darüber nicht bitter. Später konnte er zu seinen Brüdern sagen:
„Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen … um viele Menschen am Leben zu erhalten.“ (1. Mose 50,20)
Und nun schaut euch dieses bemerkenswerte Mädchen an. Statt Gott Vorwürfe zu machen, blieb sie ihm treu. Statt bitter zu werden, entschied sie sich dafür, anderen mit Güte zu begegnen.
Sie wusste von dem Propheten in Israel und hatte Mitgefühl mit Naeman. Sie wollte, dass er geheilt wurde.
Vielleicht erscheint uns das zunächst unbedeutend. Doch genau darin liegt etwas Entscheidendes: Gott gebrauchte dieses junge Mädchen, um seinen Plan auszuführen.
Vielleicht sitzt du aber auch hier und fragst dich: „Wie soll Gott ausgerechnet mich gebrauchen? Mich kennt doch niemand.“
Auch dieses Mädchen aus 2. Könige kannte niemand. Wir erfahren nicht einmal ihren Namen. Und trotzdem hätte sich die Geschichte ohne sie ganz anders entwickelt.
Sie ist die stille Heldin dieser Geschichte.
Auch dich kann Gott auf unerwartete Weise und zu unerwarteten Zeiten gebrauchen. Gott kann durch deine Freundlichkeit, durch ein Gebet oder durch etwas wirken, das dir selbst vielleicht völlig unbedeutend erscheint.
Naeman reagiert
Naeman hört, was das Mädchen gesagt hat – und er nimmt ihre Worte ernst. Er geht zu seinem König und erzählt ihm davon.
Machen wir uns einmal klar, worum Naeman hier eigentlich bittet. Im Grunde sagt er zu seinem König: „Ich möchte in dieses feindliche Land reisen, weil es dort einen Propheten gibt, der mich vielleicht heilen kann.“
Wie dieses Gespräch genau ablief, wissen wir nicht. Ich hätte es gerne einmal mitgehört. Aber am Ende sagt der König:
Da sprach der König von Aram: Geh, ziehe hin, und ich will dem König von Israel einen Brief schicken! (2. Könige 5,5a)
Der König, der den Propheten vergessen hatte
Lesen wir weiter:
Da ging er hin und nahm zehn Talente Silber und 6 000 Goldstücke und zehn Festgewänder mit sich. 6 Und er brachte dem König von Israel den Brief; darin stand: »Und nun, wenn dieser Brief zu dir kommt, so siehe: Ich habe meinen Knecht Naeman zu dir gesandt, damit du ihn von seinem Aussatz befreist!« 7 Und es geschah, als der König von Israel den Brief gelesen hatte, zerriss er seine Kleider und sprach: Bin ich denn Gott, sodass ich töten und lebendig machen könnte, dass dieser von mir verlangt, ich solle einen Mann von seinem Aussatz befreien? Da erkennt ihr doch und seht, dass er einen Anlass zum Streit mit mir sucht! (2. Könige 5,5b-7)
Als der König von Israel diesen Brief liest, ist er alles andere als begeistert. Für ihn ist die Sache klar: Das muss eine Provokation sein. Er kommt überhaupt nicht auf den Gedanken, dass Gott diesen Mann tatsächlich heilen könnte.
Auffällig ist, dass der König offenbar meint, er selbst solle Naeman heilen. An Elisa scheint er überhaupt nicht zu denken. Und dafür gibt es einen Grund.
Der König wollte mit dem Propheten nichts zu tun haben. Denn der Prophet hatte die Aufgabe, den König immer wieder an Gottes Wege zu erinnern. Weil der König aber nicht nach Gottes Willen lebte, musste der Prophet ihm ständig widersprechen und ihn zurechtweisen.
Die Haltung des Königs war im Grunde: „Mit diesem Mann will ich nichts zu tun haben.“
Und genau an dieser Stelle tritt der Prophet Elisa in die Geschichte. Er hört, was geschehen ist, und lässt dem König ausrichten, dass er Naeman zu ihm schicken soll.
Und es geschah, als Elisa, der Mann Gottes, hörte, dass der König von Israel seine Kleider zerrissen habe, da sandte er zum König und ließ ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Er soll zu mir kommen, dann wird er erkennen, dass es einen Propheten in Israel gibt! (2. Könige 5,8)
Fast klingt es so, als würde Elisa dem König sagen: „Schick ihn zu mir. Dann wirst du sehen, dass Gott in Israel wirkt.“ Und es scheint fast so, als hätte dieses junge israelitische Mädchen mehr von Gottes Wegen verstanden als der König selbst.
Naemans Erwartungen
Schauen wir uns an, was als Nächstes passiert. Jetzt wird es interessant.
So kam Naeman mit seinen Pferden und mit seinen Wagen und hielt vor der Tür des Hauses Elisas. 10 Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin und wasche dich sieben Mal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wiederhergestellt, und du wirst rein werden! 11 Da wurde Naeman zornig, ging weg und sprach: Siehe, ich dachte, er wird sicher zu mir herauskommen und hinzutreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen, und mit seiner Hand über die Stelle fahren und so den Aussätzigen befreien! 12 Sind nicht die Flüsse Abana und Parpar in Damaskus besser als alle Wasser in Israel? Kann ich mich nicht darin waschen und rein werden? Und er wandte sich ab und ging zornig davon. (2 Könige 5,9-12)
Stellt euch einmal vor, ihr wärt Naeman. Für ihn steht hier alles auf dem Spiel. Er macht sich mit seinen Dienern auf den Weg in ein feindliches Land. Zuerst geht er zum König – und der kann ihm nicht helfen.
Also denkt er sich: „Gut, dann gehe ich eben zum Propheten.“ Mit großen Erwartungen kommt er bei dessen Haus an. Und dann kommt Elisa nicht einmal selbst heraus, um ihn zu empfangen? Für Naeman muss das wie eine ungeheure Respektlosigkeit gewirkt haben. Schließlich war er es gewohnt, persönlich und mit allen Ehren empfangen zu werden.
Aber wenn er schon den ganzen Weg gekommen ist, kann er sich wenigstens anhören, was der Prophet ihm ausrichten lässt. Also kommt der Diener zu Naeman und sagt sinngemäß: „Naeman, der Prophet lässt dir sagen, was du tun sollst.“
„Geh hin und wasche dich“ (2 Könige 5,10)
Naeman ist außer sich und geht wütend davon. Und ich glaube, wir können seine Reaktion ein Stück weit nachvollziehen. Naeman war es gewohnt, mit Respekt und Ehre behandelt zu werden. Ein bedeutender Mann erwartet schließlich auch eine entsprechend eindrucksvolle Heilung – zumindest scheint Naeman so gedacht zu haben. Aber sich in einem schlammigen Fluss zu waschen? Das klingt doch lächerlich.
Naeman hatte eine ganz bestimmte Vorstellung davon, wie Gott handeln sollte. Doch Gott handelte anders. Naemans Stolz war verletzt – und dieses Gefühl kennen wir wahrscheinlich alle.
Stellt euch vor, ihr würdet genau das tun, was der Diener gesagt hat – und nichts geschieht. Wie lächerlich müsste man sich dabei vorkommen! Und genau deshalb beginnt Naeman sogar, die Anweisung infrage zu stellen.
Er verlässt sich auf seinen eigenen Verstand. Im Grunde sagt er: „Dieser Fluss ist dreckig. Bei uns zu Hause gibt es viel bessere, sauberere Flüsse. Warum kann ich mich nicht einfach dort waschen?“
Ein einfacher Schritt des Gehorsams
Lesen wir die nächsten beiden Verse:
Da traten seine Knechte zu ihm, redeten mit ihm und sprachen: Mein Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes befohlen hätte, würdest du es nicht tun? Wie viel mehr denn, da er zu dir gesagt hat: Wasche dich, so wirst du rein! 14 Da stieg er hinab und tauchte sich sieben Mal im Jordan unter, nach dem Wort des Mannes Gottes; und sein Fleisch wurde wieder wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er wurde rein. (2. Könige 5,13-14)
Bemerkenswert ist, dass es wieder die Diener sind, die mit Naeman reden. Behutsam helfen sie ihm, seinen Stolz zu überwinden. Sie machen ihm deutlich, dass er sich selbst im Weg steht. Im Grunde sagen sie: „Du wärst bereit gewesen, etwas Großes und Spektakuläres zu tun. Warum tust du dann nicht diese einfache Sache – selbst wenn sie dir unsinnig erscheint?“
Also geht Naeman hinunter zum Fluss. Siebenmal taucht er im Jordan unter. Und er wird geheilt.
Doch schauen wir uns dieses Wunder genauer an. In der Bibel weisen Wunder immer über das unmittelbare Geschehen hinaus.
Die Bedeutung des Wunders
Bei Naeman ging es um mehr als nur darum, dass seine Krankheit verschwand. Seine körperliche Heilung führte zu etwas viel Größerem: Er erkannte den wahren Gott. Woher wissen wir das? In den folgenden Versen hören wir Naemans eigenes Bekenntnis:
Und er kehrte wieder zu dem Mann Gottes zurück, er und sein ganzes Gefolge. Und er ging hinein, trat vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass es keinen Gott auf der ganzen Erde gibt, außer in Israel! Und nun nimm doch ein Geschenk an von deinem Knecht! 16 Er aber sprach: So wahr der HERR lebt, vor dessen Angesicht ich stehe, ich nehme nichts! Da nötigte er ihn, es zu nehmen, aber er weigerte sich. (2. Könige 5,15-16)
Durch dieses Wunder erkennt Naeman den Gott Israels als den wahren Gott. Aus Dankbarkeit möchte er Elisa ein Geschenk machen. Doch Elisa lehnt ab. Gottes Wunder kann man nicht kaufen. Seine Gnade ist ein Geschenk. Naeman wurde weder wegen seiner Stellung als Oberbefehlshaber geheilt noch weil er sich die Heilung durch irgendeine Leistung verdient hätte.
Jesus spricht über Naeman
Das Faszinierende ist: Naemans Geschichte wird in nur einem Kapitel erzählt. Danach hören wir nichts mehr von ihm – bis Jesus viele Jahrhunderte später von ihm spricht:
„Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des Propheten Elisa; aber keiner von ihnen wurde gereinigt als nur Naeman, der Syrer.“ (Lukas 4,27)
Dass Jesus Naeman erwähnt, hilft uns auch dabei, die tiefere Bedeutung dieses Wunders zu verstehen.
In Lukas 4 befindet sich Jesus in Nazareth, dem Ort, in dem er aufgewachsen ist. Er geht in die Synagoge, liest aus der Schrift vor und beginnt zu lehren. Zunächst reagieren die Menschen positiv auf seine Worte. Doch dann sagt Jesus etwas, das ihre Stimmung völlig kippen lässt.
„Da wurden alle in der Synagoge von Zorn erfüllt, als sie dies hörten.“ (Lukas 4,28)
Jesus erklärt ihnen, dass sich die Prophezeiungen in ihm erfüllen – dass er der Messias ist. Gleichzeitig deckt er auf, was in ihren Herzen vorgeht. Sie erwarten von ihm, dass er auch bei ihnen Wunder tut.
Jesus vergleicht ihre Haltung mit dem widerspenstigen und ungläubigen Israel früherer Zeiten. Und er macht deutlich, dass Gottes Gnade nicht an die Grenzen Israels gebunden ist, sondern auch Menschen aus anderen Völkern erreicht.
Dafür nennt er zwei Beispiele. Das zweite ist Naeman, der Syrer. Die Menschen verstehen sehr genau, was Jesus ihnen damit sagen will. Und genau deshalb werden sie so wütend, dass sie versuchen, ihn von einem Abhang hinunterzustürzen.
Es geht nicht einfach um mehr Glauben
Nun könnte jemand Naemans Geschichte lesen und auf Jesu Worte antworten: „Ach so, wir brauchen also einfach nur mehr Glauben? Wenn damals jeder zu Elisa gegangen wäre und genug geglaubt hätte, wäre auch jeder geheilt worden?“
Aber darum geht es Jesus nicht.
Die Menschen in Nazareth wurden nicht wütend, weil Jesus ihnen sagte, sie müssten einfach mehr glauben. Sie wurden wütend, weil er sie mit dem ungläubigen Israel früherer Zeiten verglich und sie daran erinnerte, dass Gottes Gnade sogar Menschen außerhalb Israels erreicht hatte – Menschen wie Naeman.
Und genau darin liegt die tiefere Bedeutung von Naemans Heilung: Gottes Gnade ist nicht auf Israel beschränkt. Gott kann sogar das Herz eines Feindes Israels verändern und ihn zum Glauben an den wahren Gott führen.
Zweite Wahrheit: Gott schenkt den Demütigen Gnade
Damit kommen wir zur zweiten Wahrheit. Diese Wahrheit finden wir so auch direkt in der Bibel:
Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade. (Jakobus 4,6)
In ihrem Stolz glaubten die Menschen in der Synagoge, sie hätten sich durch ihre eigenen Werke Gottes Gunst verdient. Doch Gottes Gnade empfängt nicht, wer vor Menschen besonders beeindruckend erscheint, sondern wer sich vor Gott demütigt. Den Stolzen widersteht Gott.
Nun könnte jemand auf Naeman schauen und sagen: „Aber wurde er nicht geheilt, weil er gehorcht hat? Hat er sich seine Rettung nicht durch sein Handeln verdient?“
Nein. Naeman war kein Mann mit außergewöhnlich großem Glauben oder beeindruckendem Gehorsam. Am Anfang war er ein Heide, der nicht an den Gott Israels glaubte. Aber eines wusste er: Er konnte sich nicht selbst heilen. Und er vertraute den Worten des israelitischen Mädchens zumindest so weit, dass er sich auf die Suche nach dem Propheten Gottes machte.
Und selbst als Elisa ihm sagte, was er tun sollte, weigerte sich Naeman zunächst. Sein Glaube war schwach. Doch schließlich hörte er auf seine Diener, überwand seinen Stolz und tat, was Gott ihm gesagt hatte.
Genau das ist Glaube: nicht auf sich selbst, sondern auf Gottes Zusage zu vertrauen. Und dieser Glaube führt zum Gehorsam.
Genauso ist es auch mit unserer Errettung. Wir können uns nicht selbst retten. Wir brauchen Jesus Christus.
Naeman riskiert, sich lächerlich zu machen
Naeman musste bereit sein, sich lächerlich zu machen. Stellt euch nur einmal vor, wie er zum Fluss hinuntergeht und immer wieder untertaucht.
Einmal, zweimal, dreimal – „Was mache ich hier eigentlich?“
Viermal, fünfmal, sechsmal – „Sieht mich jemand? Lacht vielleicht schon jemand über mich?“
Dann kommt das siebte Mal. Er taucht unter – und Gott heilt ihn.
Aber es war nicht das Wasser, das Naeman geheilt hat. Gott heilte ihn, indem er seine Zusage erfüllte. Vielleicht sollte Naeman gerade deshalb siebenmal untertauchen, damit ihm völlig klar wurde: „Es liegt nicht am Wasser.“
Ich kann mir vorstellen, dass danach so mancher ebenfalls in den Jordan gestiegen ist, um es selbst auszuprobieren. Aber bei ihnen geschah nichts.
Dritte Wahrheit: Wenn Gottes Weg töricht erscheint
Damit kommen wir zur dritten und letzten Wahrheit:
Wer auf sich selbst vertraut, dem erscheint Gottes Weg oft töricht.
Es sah unsinnig aus, als Noah eine Arche baute, obwohl weit und breit keine Flut zu sehen war. Es sah töricht aus, als David sich einem Riesen entgegenstellte, den er aus eigener Kraft niemals hätte besiegen können. Und es sah töricht aus, als Naeman in einen schlammigen Fluss stieg, dessen Wasser keinerlei Kraft hatte, ihn zu heilen.
Doch eines hatten sie gemeinsam: Sie vertrauten Gott und gehorchten ihm – selbst wenn ihr Gehorsam in den Augen anderer völlig unsinnig erschien.
Lesen wir dazu 1. Korinther 1,25–27:
Denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen. 26 Seht doch eure Berufung an, ihr Brüder! Da sind nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme; 27 sondern das Törichte der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen
Natürlich sagt Paulus damit nicht, dass Gott töricht ist. Er sagt: Was nach menschlichen Maßstäben töricht erscheint, ist weiser als alle menschliche Weisheit.
Letzte Woche haben wir bei David und Goliath gesehen, wie Gott das Schwache gebraucht, um das Starke und Mächtige zu beschämen. Heute sehen wir bei Naeman, wie Gott etwas gebraucht, das in menschlichen Augen töricht erscheint, um menschliche Weisheit zu beschämen.
Denkt einmal darüber nach:
Was in den Augen der Welt töricht erscheint, kann in Gottes Augen wahre Weisheit sein.
Die Torheit des Kreuzes
Und dann gibt es etwas, das in den Augen der Welt noch törichter erscheint: dass gefallene und sündige Menschen wie du und ich durch den Tod eines jüdischen Zimmermanns am Kreuz gerettet werden.
In den Augen der Welt sieht der Tod Jesu Christi wie eine Niederlage aus. Doch gerade durch das, was viele für töricht halten, hat Gott unsere Rettung vollbracht.
Gottes Wege sind unerwartet. Und Gott weiß genau, wie diese Botschaft auf Menschen wirkt. Auch das Wort Gottes verschweigt nicht, dass sie für viele Menschen töricht klingt. Und auch wir sollten uns dessen bewusst sein.
Die Bibel behauptet nicht, dass sich die Botschaft vom Kreuz allein mit menschlicher Vernunft erschließen lässt. Schauen wir uns zum Abschluss noch einen Vers an:
Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine Gotteskraft (1. Korinther 1,18)
Wenn deine Mitschüler oder Arbeitskollegen deinen Glauben für töricht halten, wenn Freunde oder Familienmitglieder darüber den Kopf schütteln oder wenn sogar in dir selbst Zweifel aufkommen – dann erinnere dich an diesen Vers. Bewahre ihn in deinem Herzen.
Wenn andere deinen Glauben für töricht halten, dann hab keine Angst davor, in ihren Augen töricht zu erscheinen. Mach es zu deinem Gebet: „Gott, wenn es sein muss, lass mich in den Augen dieser Welt ein Narr sein.“ Denn die Botschaft, die der Welt töricht erscheint, ist für uns Gottes rettende Kraft.
Wie Naeman bist auch du eingeladen, Gott zu vertrauen: Vertraue seinem Wort, komm zu Jesus Christus und empfange die Rettung, die nur er geben kann.



