Zwei große Abschnitte
Das Buch Sacharja wird von vielen Bibelkommentatoren in zwei Hauptabschnitte gegliedert – der zweite beginnt hier mit Kapitel 9. Es ist faszinierend zu sehen, wie Sacharja, als ein Prophet Gottes, in seinen Botschaften immer wieder auf Jesus Christus hinweist. Besonders in den ersten acht Kapiteln haben wir von den Nachtvisionen gelesen, die Gott ihm schenkte – und ich war sehr beeindruckt davon, wie viel darin über den Messias, über Jesus, zu finden ist.
Ab Kapitel 9 geht es mit Prophetien weiter, jedoch in einem anderen Stil. Es sind keine Visionen mehr, sondern direkte prophetische Aussagen. Charles Feinberg, ein Bibelkommentator, beschreibt die verbleibenden Kapitel als einen
„unvergleichlichen Schatz an prophetischen Wahrheiten“.
Und genau einen solchen Schatz dürfen wir hier in Kapitel 9 entdecken.
Heute ist Palmsonntag – der Sonntag vor Ostern. An diesem Tag erinnern wir uns daran, dass Jesus auf einem Eselsjungen in Triumph in Jerusalem einzog, begleitet vom Jubel der Menschenmenge, die rief: „Hosianna dem Sohn Davids!“ Diese bekannte Szene aus den Evangelien finden wir in Sacharja 9 prophetisch angekündigt – über 500 Jahre bevor sie sich erfüllt hat.
Mit dieser wunderbaren Prophetie möchten wir gemeinsam in die Karwoche starten. Auf Englisch nennt man diese Woche auch die „Holy Week“, eine schöne Bezeichnung. In dieser Woche gedenken wir daran, dass Jesus den Auftrag erfüllt hat, den Gott ihm gegeben hatte: Er verließ die Herrlichkeit des Himmels, nahm die Gestalt eines Menschen an und starb schließlich am Kreuz für unsere Sünden, damit wir nicht verloren gehen müssen. Aber Jesus blieb nicht im Grab – er ist am dritten Tag auferstanden und hat den Tod besiegt. Daran wollen wir uns besonders diese Woche erinnern, denn die Auferstehung ist das Fundament unseres Glaubens. Auf ihr ruht das gesamte Evangelium. Deshalb gilt Ostern als das höchste Fest des christlichen Glaubens. Lasst uns diese Zeit dazu verwenden, über das nachzudenken, was Jesus für uns getan hat.
Gottes Gericht über heidnische Nationen
Nun wollen wir gemeinsam in Sacharja Kapitel 9 eintauchen.
Dies ist die Last, das Wort des HERRN über das Land Hadrach, und auf Damaskus wird es ruhen; denn der HERR hat ein Auge auf die Menschen, auch auf alle Stämme Israels, und auch auf Hamat, das daran grenzt, Tyrus und Zidon; denn sie sind sehr weise (Sa. 9,1+2)
Vielleicht erscheint dir dieser erste Teil auf den ersten Blick etwas trocken, vielleicht fragst du dich sogar, was dir diese Verse sagen sollen. Aber ich möchte dir heute zeigen, dass gerade hier ein erstaunlich großer Schatz verborgen liegt.
Sacharja beginnt diesen Abschnitt mit den Worten: „Dies ist die Last, das Wort des HERRN.“ Allein an dieser Formulierung erkennen wir, dass hier ein neuer Teil des Buches beginnt. Genau diese Einleitung finden wir später auch noch einmal in Kapitel 12, Vers 1. Diese „Last“ bedeutet eine schwere, aber zugleich wichtige Botschaft Gottes. Für Sacharja als Propheten war es sein Auftrag, diese Botschaft weiterzugeben.
In den ersten beiden Versen kündigt Sacharja das Gericht über die Nachbarvölker Israels an. Dabei geht es um die heidnischen Nationen, die rings um Israel lagen. Gott kündigt hier an, dass er Gericht üben wird – aber zugleich spricht er auch von einem besonderen Schutz für sein Volk.
In der Bibel ist es häufig so, dass Gott bei Gerichten heidnische Armeen als Instrumente seines Gerichts verwendet. Diese Prophetie hier in Sacharja 9 hat sich noch vor der Zeit Jesu erfüllt. Die heidnische Macht, von der hier die Rede ist, war das aufkommende griechische Weltreich, das gegen das damals herrschende Perserreich kämpfte.
Prophetie über Eroberung durch Alexander den Großen
Ganz konkret geht es hier um die Eroberungszüge Alexanders des Großen. Die Prophetie beschreibt den Verlauf seines Feldzugs etwa 150 bis 200 Jahre bevor er stattfand. Allein das zeigt, wie genau und zuverlässig Gottes Wort ist – wie er die Zukunft kennt und sie durch seine Propheten offenbart.
Wenn du die historischen Berichte danebenlegst, wirst du feststellen: Die Städte, die hier erwähnt werden, und die Reihenfolge, in der sie genannt werden, passen auf die Marschroute Alexanders des Großen.
Sacharja beginnt hier in Vers 1 mit: „der HERR hat ein Auge auf die Menschen“ – also nicht nur auf Israel, sondern auf alle Völker. Damaskus, Hadrach und die angrenzenden Regionen werden genannt, denn auch dort sieht Gott das Treiben der Menschen und ihr Herz.
In Vers 2 weitet sich der Blick auf benachbarte Städte wie Hamat und die bekannten Handelsstädte Tyrus und Zidon. Besonders bei Tyrus und Zidon hebt Sacharja hervor, dass sie als sehr weise galten – ein Hinweis auf ihren Stolz, auf ihre vermeintliche Sicherheit durch Reichtum und kluge Strategien. Doch trotz dieser äußeren Stärke wird deutlich: Nichts bleibt verborgen vor dem Herrn, und niemand ist außerhalb seines Gerichtes sicher.
Tyros als Beispiel für menschlichen Stolz und göttliches Gericht
Wenn wir nun weiter in den Text hineingehen, sehen wir in Vers 3 die Stadt Tyrus mit interessanten Details:
denn Tyrus hat sich eine Festung erbaut und Silber angehäuft wie Staub und Gold wie Straßendreck. (Sa. 9,3)
Tyrus war in der damaligen Welt eine sehr einflussreiche Handelsmetropole. Vielleicht kannst du dir vorstellen: Diese Stadt lag als Inselstadt vor der Küste des heutigen Libanon und war bekannt für ihre enorme Festungssicherheit und ihren wirtschaftlichen Reichtum. In der Prophetie wird betont, dass sie sich selbst eine starke Festung gebaut hatte und Reichtümer in unglaublichem Ausmaß anhäufte.
Diese Prophetie in Sacharja stimmt erstaunlich mit dem überein, was auch die weltliche Geschichtsschreibung über Tyrus überliefert. Tyrus war nicht nur eine Festung, sondern verfügte auch über eine eigene Kriegsflotte – etwas, das sie in dieser Kombination besonders stark machte und das sie von vielen anderen Städten unterschied. Historisch betrachtet war es oft versucht worden, Tyrus einzunehmen: Die Assyrer belagerten sie fünf Jahre lang erfolglos, Nebukadnezar belagerte sie sogar dreizehn Jahre – ebenfalls ohne Erfolg. Das alles zeigt, wie stolz und selbstsicher diese Stadt gewesen sein muss.
Doch in Vers 4 kündigt Gott das Gericht an:
Siehe, der Herr wird es erobern und wird seine Streitmacht auf dem Meer schlagen, und es selbst soll mit Feuer verzehrt werden. (Sa. 9,4)
Diese Worte erfüllten sich auf beeindruckende Weise in der Geschichte: Alexander der Große kam im Jahr 332 v. Chr. in diese Region. Während andere Mächte zuvor gescheitert waren, benötigte Alexander „nur“ etwa sieben Monate, um Tyrus einzunehmen. Und er tat dies auf spektakuläre Weise: Er ließ einen Damm bauen, um seine Armee über das Meer auf die Insel zu führen – ein militärisch äußerst bemerkenswertes Vorgehen, das jedoch hart erkämpft wurde. Am Ende wurde Tyrus weitgehend zerstört, viele Einwohner wurden getötet und die Überlebenden in die Sklaverei verkauft. Damit wurde diese Prophetie Sacharjas bis ins Detail erfüllt.
Anschließend wendet sich der Blick in Vers 5 anderen Städten der Philister zu:
Askalon wird es sehen und schaudern, und Gaza wird sehr erzittern, auch Ekron, weil seine Hoffnung zuschanden geworden ist; und der König wird aus Gaza vertilgt, und Askalon wird unbewohnt bleiben. (Sa. 9,5)
Als Alexander seine Eroberung fortsetzte, verbreitete sich Furcht und Schrecken unter den Städten. Viele gaben sofort auf, ohne überhaupt Widerstand zu leisten. Nur Gaza weigerte sich zu kapitulieren. Gaza, eine wichtige Hafenstadt, leistete erbitterten Widerstand. Doch letztlich wurde auch diese Stadt von Alexander erobert, der König wurde getötet – genau wie es Sacharja vorausgesagt hatte:
Der König wird aus Gaza vertilgt. (Sa. 9,5)
In Vers 6 heißt es weiter:
Und in Asdod wird ein Bastard wohnen, und ich will den Stolz der Philister brechen; (Sa. 9,6)
Vielleicht stolperst du hier über das Wort „Bastard“. Es klingt in unserer heutigen Sprache etwas anstößig, aber im hebräischen Urtext bedeutet es einfach Mischling oder Gemischtes. Es geht hier völlig wertfrei um die Tatsache, dass die Bevölkerung nach der Eroberung durchmischt wurde – viele Einheimische wurden vertrieben oder umgesiedelt, und andere Gruppen kamen hinzu. Auch das entspricht dem, was wir aus historischen Quellen über diese Zeit wissen.
und ich will sein Blut aus seinem Mund wegschaffen und seine Gräuel zwischen seinen Zähnen, sodass auch er unserem Gott übrig bleiben und sein soll wie ein Geschlecht in Juda, und Ekron wie die Jebusiter. (Sa. 9,7)
Dieser Vers macht deutlich: Gott wird nicht nur richten, sondern auch reinigen. Selbst unter den Heiden wird es Überlebende geben, die sich Gott zuwenden und zu seinem Volk gehören werden. Einige von ihnen werden wie „ein Geschlecht in Juda“ sein, wie Ekron den Jebusitern gleichgestellt wird – eine Anspielung darauf, dass auch die Jebusiter einst in Jerusalem lebten und später ins Volk Israel integriert wurden.
Jerusalem wird verschont, obwohl Alexander alle Städte erobert
Und ich will mich um mein Haus her lagern zum Schutz vor dem Kriegsvolk und vor denen, die hin und her ziehen, dass künftig kein Bedränger mehr über sie kommen wird; denn jetzt habe ich es mit eigenen Augen angesehen. (Sa. 9,8)
Hier macht Gott eine ganz besondere Verheißung: Er selbst verspricht, sein Haus – damit ist der Tempel in Jerusalem gemeint – zu schützen. Und auch diese Prophetie erfüllte sich in einer erstaunlichen Weise.
Flavius Josephus berichtet von einem göttlichen Traum
Während Alexander der Große auf seinem Eroberungszug durch die Region eine Stadt nach der anderen einnahm oder zerstörte, verschonte er Jerusalem. Und das war kein Zufall. Der jüdische Historiker Flavios Josephus berichtet, wie diese Prophetie erfüllt wurde.
Als die Nachricht vom herannahenden Heer Alexanders die Stadt Jerusalem erreichte, leitete der Hohepriester das Volk zu Gebet und Opfergaben an. Sie suchten Gottes Schutz. Und dann hatte der Hohepriester den Eindruck, dass er Alexander entgegen gehen soll– unbewaffnet, begleitet von einer Delegation von Priestern in weißen Gewändern.
Das war ein riesiger Glaubensschritt. Stell dir vor: unbewaffnet diesem grausamen Feldherren entgegenzutreten! Doch als sie Alexander gegenüberstanden, geschah das Unglaubliche: Alexander stieg vom Pferd, verneigte sich und betete den Gott Israels an. Warum? Gott hatte Alexander vor Jahren einen Traum geschenkt, in dem er diese Männer in weißen Gewändern gesehen hatte. Alexander erinnerte sich an diesen Traum und die Warnung Gottes darin.
Alexander betet den Gott Israels an, Jerusalem wird verschont
Anstatt Jerusalem zu zerstören, zog Alexander in Frieden in die Stadt ein. Er brachte sogar ein Opfer im Tempel dar. Der Hohepriester zeigte ihm zudem das Buch Daniel, wo das griechische Weltreich und ein mächtiger König – also Alexander selbst – prophezeit worden waren (Daniel 8).
Was hier passiert ist, bestätigt auf wunderbare Weise, was Sacharja prophezeit hatte: Gott selbst schützte sein Haus. Er lagerte sich darum, bewahrte es vor Zerstörung. Die exakte Erfüllung von Gottes souveräner Verheißung.
Was können wir aus diesem Abschnitt mitnehmen?
Gott richtet die Stolzen und Mächtigen. So wie Tyrus, das sich unbesiegbar fühlte, aber dennoch fallen musste, zeigt Gott: Kein menschlicher Reichtum, keine Weisheit und keine Festung ist ihm überlegen.
Gott beschützt sein Volk und sein Haus. Er greift ein, wenn es darauf ankommt. In Jerusalem sehen wir, wie Gott selbst sich schützend um sein Heiligtum legt und sein Volk bewahrt – auf wunderbare Weise.
Gott lenkt die Geschichte. Selbst Könige und Weltreiche dienen letztlich seinem großen Plan. Wenn wir Alexander den Großen betrachten, erkennen wir: Vor unserem allmächtigen Gott wird selbst der größte Herrscher dieser Welt klein und unbedeutend.
Prophetie über den Einzug Jesu in Jerusalem
Es geht weiter mit einem wahren Schatz in Sacharja:
Frohlocke sehr, du Tochter Zion; jauchze, du Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir; ein Gerechter und ein Retter ist er, demütig und reitend auf einem Esel, und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin. (Sa. 9,9)
Bestimmt kennst du diese Worte, denn sie wurden Jahrhunderte später bei einem ganz besonderen Ereignis erfüllt: dem Einzug Jesu in Jerusalem an Palmsonntag. Jesus ritt damals auf einem Eselsfohlen in die Stadt ein – genau wie es Sacharja hier vorausgesagt hatte. Und die Volksmenge jubelte ihm zu und feierte ihn als König.
Das Beeindruckende ist, dass diese Szene in allen vier Evangelien erwähnt wird. Es war ein so bedeutendes Ereignis, dass kein Evangelist es ausgelassen hat.
Vergleich zweier Könige – Jesus und Alexander
Was auffällt, wenn wir diesen Abschnitt im Buch Sacharja betrachten, ist, dass diese Prophetie an einer sehr interessanten Stelle im Text steht. Zuvor ging es um mächtige Könige, politische Herrscher und die Zerstörung von Städten durch Eroberungszüge. Gerade noch haben wir über Alexander den Großen nachgedacht – einen König, der mit Gewalt und Macht auftrat. Und jetzt wird hier ein völlig anderer König angekündigt: einer, der nicht kommt, um zu unterwerfen, sondern um zu retten.
Ich habe einige Unterschiede zwischen Alexander dem Großen und Jesus Christus herausgearbeitet:
-
Wenn Alexander kam, hatten die Menschen Angst.
Wenn Jesus kommt, bringt er Freude. -
Alexander war ein rücksichtsloser Eroberer.
Jesus ist ein gerechter König und ein Retter. -
Alexander zog hoch zu Ross in die Städte ein, auf stolzen Kriegspferden.
Jesus hingegen kam demütig auf einem kleinen Esel – auf Augenhöhe mit den Menschen.
Jesus zeigt durch sein Auftreten: Er ist der König, der dient, nicht der König, der sich bedienen lässt. Er ist nahbar, voller Demut, nicht abgehoben oder stolz.
Matthäus 21 zitiert diese Prophetie nicht komplett
Eine interessante Beobachtung ist, dass Matthäus, als er diese Prophetie in seinem Evangelium zitiert, nicht den ganzen Vers wiedergibt. Er lässt die Worte „ein Gerechter und ein Retter ist er“ weg und auch „frohlocke sehr, du Tochter Zion“. Und wenn wir uns fragen, warum das so ist, dann liegt die Antwort darin, dass Jesus an Palmsonntag diese Prophetie aus Sacharja nur teilweise erfüllt hat.
Ja, er kam demütig auf einem Esel. Aber er brachte damals noch nicht das erwartete Friedensreich. Die Volksmenge jubelte ihm zwar zunächst zu – rief „Hosianna, dem Sohn Davids“ –, aber nur wenige Tage später schrien sie: „Kreuzige ihn!“ Sie hatten den König abgelehnt, den Gott ihnen gesandt hatte.
Jesus wird es bei seinem zweiten Kommen in Herrlichkeit sein tausendjähriges Friedensreich errichten. Dann wird er als gerechter Retter erscheinen und die noch offenen Teile dieser Prophetie erfüllen.
Deutlicher Unterschied zwischen erstem (demütig) und zweitem Kommen (mächtig)
Schauen wir uns nun die Verse 10 bis 12 genauer an. Hier spricht Gott durch Sacharja prophetisch davon, was Jesus bei seinem zweiten Kommen tun wird:
Und ich werde die Streitwagen aus Ephraim ausrotten und die Pferde aus Jerusalem; und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden; und Er wird den Völkern Frieden gebieten; und seine Herrschaft wird reichen von einem Meer zum anderen und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Sa. 9,10)
Hier wird deutlich: Jesus wird eines Tages den Krieg beenden. Er wird die Streitwagen und Kriegsbögen vernichten – Symbole militärischer Macht. Krieg und Gewalt werden ein Ende haben, und echter Friede wird herrschen. Dieser Friede wird nicht nur Israel betreffen, sondern alle Nationen der Erde. Seine Herrschaft wird sich ausdehnen „von einem Meer bis zum anderen“, ja, bis an die Enden der Erde.
Vielleicht fragst du dich: Warum erleben wir diesen Frieden heute noch nicht? Die Antwort ist: Diese Prophetie bezieht sich auf das zweite Kommen Jesu. Als Jesus beim ersten Mal kam, demütig auf einem Esel, hat er das Friedensreich noch nicht aufgerichtet.
Einer der Gründe, warum die meisten Juden Jesus ablehnen
Dass diese Prophetie beim ersten Kommen nicht erfüllt wurde, ist einer der Gründe, warum viele Juden Jesus bis heute als Messias ablehnen. Der jüdische Gelehrte Rabbi F. de Sola Mendes schreibt: „Wir lehnen Jesus von Nazareth als unseren Messias ab – wegen dem, was er gesagt hat.“ Und dann zitiert er Jesus aus dem Matthäusevangelium:
Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert! (Matthäus 10,34)
Auf den ersten Blick klingt die Aussage Jesu wie ein Widerspruch zu der Prophetie in Sacharja. Aber wenn du genau darüber nachdenkst, erkennst du: Jesus spricht hier nicht von einem Krieg, sondern davon, dass die Nachfolge einen Preis hat. Wer zu ihm kommt, wird Ablehnung, vielleicht sogar Verfolgung erleben – selbst innerhalb der eigenen Familie. Hier geht es um die Trennung von Menschen, die das Bekenntnis zu Jesus mit sich bringen kann.
Damals wie heute erleben Christen, dass sie wegen ihres Glaubens an Jesus ausgestoßen, verfolgt und sogar getötet werden. Doch er verheißt:
-
Wer Treu zu Jesus steht, wird eines Tages reich belohnt werden.
Rabbi Mendes hat insofern recht, als er erwartet, dass der Messias alle Prophetien erfüllen muss. Was er jedoch nicht erkennt, ist, dass Jesus zweimal auf diese Erde kommen wird. Beim ersten Kommen kam er, um zu leiden und uns zu retten. Beim zweiten Kommen aber wird er diese Verheißungen vollständig erfüllen: Jesus wird den Frieden bringen – nicht nur für Israel, sondern für alle Völker. Er wird das tausendjährige Friedensreich aufrichten, und seine Herrschaft wird, wie es in Vers 10 heißt, „von einem Meer bis zum anderen reichen, bis an die Enden der Erde.“
Und was dich betrifft, so habe ich um des Blutes deines Bundes willen deine Gefangenen entlassen aus der Grube, in der kein Wasser ist. (Sa. 9,11)
Hier erinnert Gott an den Bund, den er mit seinem Volk geschlossen hat. Wegen des Blutes des Bundes – und in der späteren Erfüllung auch wegen des Blutes Jesu Christi – wird er die Gefangenen befreien. Das Bild von der Grube ohne Wasser beschreibt Hoffnungslosigkeit und Gefangenschaft. Und Gott sagt hier: Ich hole euch da heraus, ich lasse euch nicht im Elend zurück. Und dann Vers 12:
Kehrt wieder zur Festung zurück, ihr, die ihr auf Hoffnung gefangen liegt! Schon heute verkündige ich, dass ich dir zweifachen Ersatz geben will (Sa. 9,12)
Was für eine Einladung: Kehrt zurück zur Festung, zurück in die sichere Zuflucht bei Gott! Und Gott verheißt: Es wird nicht nur eine einfache Wiederherstellung geben, sondern doppelten Ersatz. Eine doppelte Segnung für all das, was verloren wurde.
Wenn du dich gerade in einer Situation befindest, in der du dich wie ein Gefangener der Hoffnung fühlst – halte daran fest. Gott ist treu. Er sieht dein Leiden und hat dir seine Wiederherstellung und seinen reichen Segen versprochen.
Sieg Israels und Blick in die Zukunft
Lass uns nun die Verse 13 bis 17 anschauen. Hier spricht Sacharja prophetisch über einen kommenden Krieg:
Denn ich habe mir Juda gespannt, den Bogen mit Ephraim gefüllt, und ich will deine Söhne, o Zion, erwecken gegen deine Söhne, o Griechenland, und will dich machen wie das Schwert eines Helden! (Sa. 9,13)
In dieser Prophetie wird ein Krieg zwischen Israel und Griechenland vorhergesagt. Er beschreibt Juda als Bogen und Ephraim als Pfeil – ein starkes Bild für die Bereitschaft Gottes, sein Volk zum Kampf zu rüsten. Israel soll gegen die griechischen Mächte kämpfen, und Gott selbst wird dabei eingreifen.
Und genau das sehen wir später in der Geschichte: Nach dem Tod Alexanders des Großen kam ein neuer Herrscher an die Macht – Antiochus Epiphanes – einer, der den Gott Israels nicht fürchtete. Während Alexander Jerusalem verschont und den Gott Israels geehrt hatte, marschierte sein Nachfolger brutal in Israel ein. Zehntausende Juden wurden getötet, der Tempel geplündert und entweiht, indem Schweine auf dem Altar geopfert wurden. Viele weitere Gräueltaten folgten.
Makkabäer-Aufstand gegen die griechischen Besatzer
Aber mitten in diesem Schrecken erhob sich eine kleine Gruppe von Juden, die nicht bereit war, sich dieser Herrschaft zu beugen: die Makkabäer. Sie standen auf, kämpften gegen die griechische Übermacht und führten einen langen, schweren Kampf, der 25 Jahre dauerte. Und schließlich schenkte Gott ihnen den Sieg. Israel wurde befreit – zumindest für eine Zeit, bis später die Römer kamen.
Das alles können wir als eine teilweise Erfüllung der Prophetie hier in Sacharja sehen.
Praktische Anwendungen
Durch Sacharja 9 können wir mehrere geistliche Wahrheiten lernen:
-
Gottes Wort ist zuverlässig: Die genaue Erfüllung dieser Prophetien zeigt, dass Gottes Verheißungen sicher sind. Wir Christen dürfen darauf vertrauen, dass Gott auch heute seine Zusagen hält.
-
Gott ist souverän: Selbst mächtige Weltreiche wie das Perserreich oder das griechische Reich dienen letztlich seinem Plan. So ist es auch in unserem Leben – am Ende lenkt Gott alles, was geschieht.
-
Jesus ist der wahre König: Sein erstes Kommen in Demut mahnt zu Bescheidenheit und Hoffnung. Sein zweites Kommen wird die Vollendung der Gerechtigkeit bringen.
-
Glaube und Nachfolge hat Kosten: Jesus macht deutlich, dass der Weg mit ihm auch Ablehnung und Anfeindung mit sich bringen kann. Dennoch lohnt sich Treue zu ihm, denn sie führt zur ewigen Herrlichkeit.
-
Erwartung auf das Friedensreich: Christen leben in der Hoffnung auf das kommende Reich Jesu Christi, in dem alle Tränen abgewischt werden und wahrer Friede herrschen wird.

