Das Kapitel 13 knüpft inhaltlich nahtlos an das vorhergehende an. Es enthält die Geschichte von der Reinigung und Erneuerung Israels, und zwar vom Anfang bis zum Ende. Diese Reinigung erfolgt, wie wir sehen werden, nach der Trauer um den, den sie durchbohrt hatten.
Gemälde: Der rote Christus
Ich habe euch heute ein Bild mitgebracht. Während ich beim Lobpreis hinten saß, lief Sarah an mir vorbei und sagte im Vorübergehen: „Let’s talk about art.“ Das fand ich lustig, denn ich hatte tatsächlich ganz spontan heute Morgen ein Bild ausgewählt, das zur Predigt passt – auch wenn ich schon gestern darüber nachgedacht hatte. Wir werden heute aber nicht über Kunst im klassischen Sinne sprechen, sondern über einen anderen, kostbaren Schatz. Dennoch kann uns das Bild vielleicht helfen, bestimmte Inhalte zu veranschaulichen.
Das Bild, das ich mitgebracht habe, stammt von einem deutschen Künstler namens Lovis Corinth. Es handelt sich um ein kraftvolles Ölgemälde auf Holz mit dem Titel „Der rote Christus“. Wer möchte, kann sich das Original in der Pinakothek in München anschauen.
Die zentrale Figur auf dem Bild ist Christus, dargestellt mit intensiven Emotionen. Es handelt sich um ein expressionistisches Werk – ganz anders als die klassischen Kreuzigungsdarstellungen, die viele von uns vielleicht kennen. Der Körper Jesu am Kreuz wirkt leicht verzerrt. Seine Haut ist überwiegend blass, fast weiß, und zugleich vollständig von einem leuchtenden Rot überzogen. Dieses Rot symbolisiert für mich den Blutfluss – das Opfer. Der Gepeinigte, wie er auf dem Bild dargestellt ist, ist in seinem Gesicht kaum noch als Mensch erkennbar. Er wurde geschlachtet wie ein Tier. Corinth bringt hier für mich die reine Qual des Martyriums zum Ausdruck.
Das Rot ist allgegenwärtig, fast gewaltsam aufgetragen. Mit dicken Farbflecken, vermutlich mit Palettenmesser und Pinsel. Für mich wirkt das gesamte Bild wie eine tiefe Wunde. So viel erstmal zur Kunst.
Die Quelle für Reinigung
An jenem Tag wird für das Haus David und für die Einwohner von Jerusalem ein Quell eröffnet sein gegen Sünde und Unreinheit. (Sa. 13,1)
Diese geöffnete Quelle steht im Zentrum meiner Auslegung. Es geht um eine tiefe geistliche Wirklichkeit: Gott selbst öffnet einen Zugang zur Vergebung und Reinigung.
Die Quelle gegen Sünde ist der durchbohrte Leib Christi
Diese Quelle ist für mich eindeutig das, was am Kreuz geschah. Der durchbohrte Leib Christi – sein durchbohrter Leib – ist diese Quelle. Ich sehe darin nicht nur eine bildhafte Sprache, sondern eine konkrete geistliche Wahrheit. Der Leib Christi, wie er dort am Kreuz gemartert wurde, ist das sichtbare Zeichen dafür, dass hier etwas Bleibendes geschehen ist: eine Quelle wurde geöffnet, gegen Sünde und Unreinheit. Diese Quelle ist nicht zufällig da – sie ist göttlich gewollt und heilsgeschichtlich entscheidend.
Wir wissen aus dem vorherigen Kapitel und auch aus dem Zusammenhang des Neuen Testaments: Dieser Leib Christi ist ein unendlicher Vorrat an Gottes Gnade, an Vergebung und an reinigender Kraft. Diese Quelle ist ein bleibendes Angebot Gottes. Sie versiegt nicht. In der Bibel finden wir das Bild der Quelle immer wieder im Zusammenhang mit Vergebung. Das ist kein neues Motiv. Die Schrift nutzt diese Symbolik, um Gottes unerschöpfliche Vergebung anschaulich zu machen.
Verbindung zu Johannes 7: lebendiges Wasser
Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. (Johannes 7,38)
Das lebendige Wasser – das ist er selbst. Es ist nicht nur ein Bild. Es ist eine Realität, die aus seiner Person hervorgeht. Die Vergebung geht also vom Kreuz aus. Das Kreuz ist der Ursprung dieser Quelle. Die Ströme der Barmherzigkeit, von denen wir auch zuvor gesungen haben, sie fließen genau von diesem Punkt aus in die Welt hinein.
Ich finde es bewegend, wenn ich daran denke, dass sein durchbohrter Leib das Tor ist, durch das diese Gnade und diese Vergebung in unsere Welt hineingekommen ist. Es hat Gott etwas gekostet. Es war nicht billig. Er musste seinen eigenen Sohn so anschauen – zerschlagen, durchbohrt, entstellt. Für mich steckt darin eine Tiefe, die mich demütigt. Und nur diese Gnade, diese Quelle kann die Welt verändern. Nur sie kann den verheißenen Frieden letztendlich bringen. Kein politischer Plan, keine menschliche Anstrengung – nur diese Quelle.
Für mich schließt diese Quelle beides ein: Rechtfertigung und Heiligung. Beides fließt aus dem Blut Christi. Dabei geht es nicht um ein zeremonielles Opfer, nicht um äußeren Ritus. Es ist real. Es ist geistlich wirksam. In 1. Korinther und auch in Hebräer 9 wird das deutlich beschrieben:
auch nicht mit dem Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erlangt. (Hebräer 9,12)
Das ist grundlegend. Ein für alle Mal. Eine ewige Erlösung – das ist keine Wiederholungstat, sondern ein einmaliges, wirksames Opfer.
Diese Quelle ist nicht wie ein Waschbecken, das man erst auffüllen muss. Sie fließt – ununterbrochen. In der Stiftshütte gab es ein Wasserbecken zwischen dem Altar und dem Heiligen. Aber ab dem Moment, als Jesus ans Kreuz ging, braucht es das nicht mehr. Der Zugang ist frei. Die Quelle ist offen. Für alle, die glauben.
Was dieser Quelle folgt, ist die praktische Reinigung. Es geht nicht nur um eine rechtliche Stellung vor Gott, sondern um eine tägliche Reinigung – durch das Wort, durch den Geist, durch das Wirken Christi in unserem Leben. Diese Reinigung hört nicht auf. Sie ist andauernd und wird bis ins Tausendjährige Reich hinein stattfinden. Es ist ein fortwährender Prozess.
Zwei Aspekte der Reinigung (Blut und Wasser)
Zuerst kam das Blut Christi, dann das Wasser. Erst die Erlösung, dann die praktische Reinigung. Und diese geschieht durch das Wort Gottes, durch die Annahme seiner Wahrheit, durch die Kraft des Heiligen Geistes. Es ist eine Reinigung durch das Wasser des Wortes – wie es in Epheser 5 heißt: „Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort.“
Ich sehe einen Unterschied zwischen der Reinigung durch das Blut und der Reinigung durch das Wasser. Aber beides kam aus der Seite Jesu – Blut und Wasser (Johannes 19,37). Das Blut ist die Grundlage gegenüber Gott. Es ermöglicht die Vergebung der Sünde. Das Wasser hingegen ist uns Menschen zugewandt. Es betrifft unseren Lebenswandel, unsere tägliche Heiligung.
Das Wasser, das aus der Seite Jesu floss, steht für das Wort Gottes und den Heiligen Geist. Beides wird in der Bibel mit Wasser verglichen. In Johannes 15 und Epheser 5 wird das deutlich. In Epheser 5,26 heißt es: „Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort.“ Sein Wort dient nicht nur zur Belehrung, sondern auch dazu, uns zu überführen – es bringt uns zur Erkenntnis der Sünde und führt zum Bekenntnis. Diese Überführung ist ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg zur Reinigung.
Mir ist wichtig zu betonen: Dieses Blut wurde ein für alle Mal vergossen. Es wird nie wieder fließen. Es war ein einmaliges Opfer mit Ewigkeitswert. Es braucht kein weiteres Opfer mehr. Die Sühne ist vollständig vollzogen – „Die Sühnung wurde vollständig ausgeführt.“ Das ist eine Gewissheit, auf die wir uns verlassen dürfen.
Die Reinigung jedoch, die aus dieser Quelle hervorgeht, bleibt bestehen. Die Reinigung auf dem Weg erfolgt jetzt durch diese geöffnete Quelle für uns. Für das Volk Gottes. Für alle, die an Christus glauben. Diese Quelle ist das, was Gott uns zur Verfügung stellt – sein Wort, sein lebendiger Geist und der auferstandene Christus selbst. Sie wirken gemeinsam in der fortwährenden Reinigung und Heiligung.
Das Ziel: Die vollständige Reinigung Israels
Und es wird ein Ziel geben: Diese Reinigung wird am Ende in Israel einmal vollständig sein. Es wird eine Zeit kommen, in der kein Götzenbild mehr da ist, keine Unreinheit mehr gefunden wird. Diese Vision beschreibt Sacharja weiter. Der reinigende Wasserstrom, der jetzt schon wirkt, wird sich im Friedensreich ganz durchsetzen. Er wird das ganze Volk Gottes durchdringen und verwandeln. Dies wird in Sacharja Kapitel 14 näher beschrieben. Die ganze Linie von der geöffneten Quelle bis zur vollständigen Reinigung Israels wird dort sichtbar.
Zusammenfassend möchte ich sagen: Dieser Brunnen ist die durchbohrte Seite Christi. Ein Brunnen, der für das Volk, für die Kinder Gottes, für uns geöffnet wurde. Ströme lebendigen Wassers fließen – sie sind zugänglich. Sie sind da. Diese vergießende Barmherzigkeit Gottes, von der wir auch im Lied zuvor gesungen haben, ist eine ständig strömende, fließende Quelle. Sie versiegt nicht. Sie bleibt offen – heute, morgen und bis zur Wiederkunft Christi.
Konsequenzen falscher Propheten
Wenn jemand falsche Prophetie betreibt, wird die Reaktion darauf im Text sehr drastisch beschrieben:
Und es wird geschehen, wenn einer immer noch weissagen wird, dann werden sein Vater und seine Mutter, seine eigenen Eltern, zu ihm sagen: »Du sollst nicht am Leben bleiben; denn du hast Lügen geredet im Namen des HERRN!« Und sein Vater und seine Mutter, seine eigenen Eltern, werden ihn durchbohren, weil er geweissagt hat. (Sa. 13,3)
Wenn Christus wiederkommt und Israel vollständig erlöst, wird er nicht nur das Volk reinigen, sondern auch die falschen religiösen Systeme richten. Die falschen Propheten werden überführt, erkennen ihre Torheit und kehren zu ihrer ursprünglichen, nicht-prophetischen Tätigkeit zurück:
Und er wird sagen: »Ich bin kein Prophet, ich bin ein Mann, der sein Land bebaut; denn ein Mensch hat mich [als Sklave] gekauft seit meiner Jugend!« (Sa. 13,5)
Gottes Erlösung bringt eine so radikale Veränderung hervor, dass sie selbst normale menschliche Gefühle übersteigt. Die Liebe zu Gott und seiner Wahrheit wird so stark sein, dass sie sogar die Bindung zwischen Eltern und Kind übertrifft. In 5. Mose 13 und 5. Mose 18, heißt es, dass man selbst den nächsten Angehörigen nicht folgen darf, wenn sie zum Götzendienst verleiten:
Wenn dich dein Bruder, der Sohn deiner Mutter oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Ehefrau oder dein Freund, der dir [so lieb] wie deine Seele ist, heimlich anstiftet und sagt: »Lasst uns hingehen und anderen Göttern dienen!« […] – so sollst du nicht einwilligen und nicht auf ihn hören (5. Mose 13, 7-9)
Die Konsequenz in diesen alttestamentlichen Texten ist hart – es geht bis zum Tod. Die Liebe zu Gott und seine Ehre sollen alles andere übersteigen. Wie sehr wir Eltern unsere Kinder auch lieben mögen, die Liebe zu Gott und seine Ehre soll darüber hinaus gehen. Christus muss allen Beziehungen übergeordnet werden. Das macht Matthäus 10,37 deutlich:
Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. (Matthäus 10,37)
Lasst uns auf das zentrale Bild der Quelle zurück kommen. Wen hat Gott mehr geliebt? Seinen eigenen Sohn oder dich? – Die Antwort lautet: Er hat alles gegeben für dich. Das ist eine ernste, eine schwere Aussage – aber es ist die Wahrheit. Gott an erster Stelle, und alles andere wird uns gegeben.
Gott fordert uns heraus, uns vollständig von falscher Anbetung und irreführender Lehre zu trennen. Alles, was uns ablenkt, ihm zu dienen, soll entfernt werden. Die Verse aus Sacharja sind eine klare Erinnerung daran, dass unser Glaube klar und rein sein sollte – ohne jegliche Beimischung von Götzendienst oder falscher Lehre.
Diese Reinheit ist auch heute für uns eine besondere Herausforderung. Deshalb richtet eure Herzen und Gedanken auf Gott allein! Denn er ist der einzige wahre Gott. Gott gibt nicht nur einen Brunnen der Reinigung – er verspricht auch, die Quelle der Unreinheit selbst zu beseitigen. Sei es Götzendienst, falsche Prophezeiung – er wird es richten.
In Vers 5 wurde beschrieben, dass falsche Propheten enthüllt werden und ihnen die Macht entzogen wird. In Vers 6 wird die Aufmerksamkeit auf den einzig wahren Propheten gelenkt.
Und er wird zu ihm sagen: »Was sind das für Wunden in deinen Händen?« — Und er wird antworten: »Die hat man mir geschlagen im Haus meiner Lieben!« (Sa. 13,6)
In der Schlachter-Übersetzung steht „Händen“, andere Übersetzungen sprechen von der „Brust“ oder von „zwischen den Händen“. Einige Kommentare verstehen diesen Vers als Hinweis auf Jesus, andere beziehen ihn weiterhin auf die falschen Propheten.
Weil mich der Geist anders geleitet hat, bin ich nicht näher auf dieses Thema eingegangen. Doch diese Verse haben einen wichtigen Punkt gesetzt: Gott wird alle falschen religiösen Strukturen aufdecken. Er wird reinigen – und er wird richten.
Damit verbunden bleibt die zentrale Botschaft dieses Abschnitts:
Gott stellt eine Quelle bereit – gegen Sünde und Unreinheit. Diese Quelle ist nicht statisch oder fern, sondern sie ist aktiv und wirksam. Wer zu ihr kommt, wird gereinigt. Zugleich wird alles entfernt, was diese Reinheit zerstört: Götzen, falsche Propheten, unheilige Einflüsse.
Der Text fordert eine kompromisslose Trennung von allem, was Gott nicht ehrt. Er ruft zur vollen Hingabe auf. Die Liebe zu Gott soll alle anderen Bindungen übersteigen – selbst die stärksten familiären Beziehungen. Nur wer Gott an die erste Stelle setzt, ist seiner würdig.
Diese Reinigung geschieht nicht aus eigener Kraft, sondern ist Folge seiner Erlösung. Darauf dürfen wir bauen – mit einem klaren, reinen Glauben, der aus der Quelle des Lebens schöpft.
Schwert gegen den Hirten
Die Verse 7–9 sind eine kurze, aber tiefgreifende Passage, die zugleich auf das erste wie auch auf das zweite Kommen Christi verweist.
Schwert, erwache gegen meinen Hirten, gegen den Mann, der mein Gefährte ist!, spricht der HERR der Heerscharen. Schlage den Hirten, und die Schafe werden sich zerstreuen; und ich will meine Hand den Geringen zuwenden! (Sa. 13,7)
Diese Worte richten sich nicht an den Sohn selbst oder an die Menschen, sondern an das „Schwert“ – das Schwert der göttlichen Gerechtigkeit. Gott, der Vater, befiehlt diesem Schwert, sich gegen seinen eigenen Sohn zu erheben. Es ist ein Moment größter Tiefe: Anders als bei Abraham, dessen Hand zurückgehalten wurde, als er seinen Sohn opfern sollte (vgl. 1. Mose 22), wurde das Schwert Gottes nicht aufgehalten. Als Jesus ans Kreuz ging, übergab der Vater ihn diesem Gericht. Dieses Schwert, das zuvor geschlummert hatte, wurde erweckt – zur Heiligung für uns.
Der Hirte, von dem Sacharja spricht, ist Jesus Christus. Er war von Gott bestimmt, sein Leben für die Schafe hinzugeben. Weil ein Opfer für die Sünde nötig war, musste das Schwert sich erheben. Ohne das Blut Jesu gibt es keine Vergebung:
ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung. (Hebräer 9,22)
Die unbeschreibliche Peinigung Jesu – bis die göttliche Gerechtigkeit vollständig zufriedengestellt war – war notwendig. Seine Wunden, nicht die Geißelung durch Menschen, sondern die Wunden des göttlichen Gerichts, brachten uns Heil:
Er hat unsere Sünden selbst an seinem Leib getragen auf dem Holz, damit wir, den Sünden gestorben, der Gerechtigkeit leben mögen; durch seine Wunden seid ihr heil geworden. (1. Petrus 2,24)
Das Schwert, das in Sacharja beschrieben wird, bringt nicht Zerstörung, sondern Versöhnung. Es war kein Triumph des Satans oder der Menschen, sondern Gottes geplanter Sieg Jesus wurde schon viele Jahrhunderte zuvor verheißen. Er war kein Opfer politischer Umstände, sondern erfüllte das heiligste Werk, das Gott jemals den Menschen angeboten hat.
Der Vers 7 beschreibt nicht nur den Tod Jesu, sondern auch die unmittelbare Folge: die Zerstreuung der Schafe – ein Hinweis auf die Flucht der Jünger in der Nacht seiner Verhaftung. Doch es geht über diese Nacht hinaus: Israel als Volk wurde zerstreut, nachdem es seinen Hirten verlassen hatte.
und die Schafe werden sich zerstreuen; und ich will meine Hand den Geringen zuwenden! (Sa. 13,7b)
Diese prophetischen Worte erstrecken sich bis in unsere Zeit. Paulus spricht davon:
Israel ist zum Teil Verstockung widerfahren, bis die Vollzahl der Heiden eingegangen ist. (Römer 11,25)
Trotz des Leids, das das Volk Israel durchleben musste und muss, hat Gott nie aufgehört, an seinem Bund festzuhalten. Einen Überrest hat er bewahrt. Dieser Überrest wird durch Leid und Feuer geläutert:
Und es soll geschehen, spricht der HERR, dass im ganzen Land zwei Drittel ausgerottet werden und umkommen, ein Drittel aber soll darin übrig bleiben. Aber dieses letzte Drittel will ich ins Feuer bringen und es läutern, wie man Silber läutert, und ich will es prüfen, wie man Gold prüft. (Sa. 13,8–9a)
Diese Läuterung ist nicht Vernichtung, sondern Reinigung. Wie Silber und Gold nur durch das Feuer von Unreinheiten befreit werden, so wird Gott sein Volk reinigen – damit es am Ende kostbar dasteht. Der Schmied, der daraus etwas Schönes formen kann, ist Gott selbst.
Auch Petrus greift dieses Bild auf:
… damit die Bewährung eures Glaubens (der viel kostbarer ist als das vergängliche Gold, das doch durchs Feuer erprobt wird) Lob, Ehre und Herrlichkeit zur Folge habe bei der Offenbarung Jesu Christi. (1. Petrus 1,7)
Die Verse 7 bis 9 spannen somit einen weiten Bogen: vom Kreuz bis hinein in das kommende Friedensreich. Zwischen diesen beiden Polen liegt eine Zeit des Leids, der Läuterung und der Hoffnung. Doch das Ziel ist klar: Der Überrest wird zurückkehren und sagen: „Der Herr ist mein Gott.“
Die Läuterung des Überrestes – Wiederherstellung durch das Kreuz
Inmitten des Feuers, mitten im Prozess der Reinigung, wird der Überrest Israels – der Teil des Volkes, den Gott bewahrt – Jesus Christus als seinen Messias erkennen. Dieser Überrest wird ihn anrufen als Herrn und Heiland, und er wird antworten. Das ist das Ziel dieser Reinigung: die Wiederherstellung der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk.
Es wird meinen Namen anrufen, und ich will ihm antworten; ich will sagen: »Das ist mein Volk!«, und es wird sagen: »Der HERR ist mein Gott!« (Sa. 13,9b)
Das Werk der Sühnung ist auf Golgatha geschehen. Dort wurde die Grundlage für diese Wiederherstellung gelegt. Weil die Versöhnung durch das Kreuz vollbracht ist, kann Gott nun seine Hand dem kleinen, übrig gebliebenen Rest zuwenden. Es ist das Ergebnis der Liebe des Vaters für sein Volk – und damit auch Ausdruck seiner Liebe für uns.
Quelle, Reinigung, Gericht
Die Hand, die Jesus Christus geschlagen hat – jene göttliche Hand, die dem Schwert befahl: „Wache auf!“ –, ist dieselbe, die ihn aus dem Tod erweckte. Es war dieselbe Stimme, dieselbe Autorität, die ihn nicht im Tod ließ, sondern ihn auferweckte, damit er ewiglich Hirte sein kann – für sein Volk, für dich und für mich.
Doch wer sich abwendet, wer dieses Heil in Christus nicht annimmt, dem muss ich Folgendes mit aller Klarheit sagen: Das Schwert Gottes wird noch einmal auferweckt. Nicht mehr gegen den Hirten. Nein, dieses Mal wird es ein ewiger Schlag gegen alle Gottlosen sein. Das Gericht wird kommen. Der Hirte selbst – Jesus Christus – wird dann die Schafe von den Böcken scheiden, wie er es verheißen hat:
Und er wird die Schafe von den Böcken scheiden. (Matthäus 25,32)
Doch heute ist noch Gnade. Der Brunnen in Jerusalem ist offen. Wer Jesus Christus als Erlöser, als Messias und Herrn erkennt und ihn annimmt, dem steht dieser Zugang zur Quelle des Lebens offen. Die Quelle ist Christus selbst.
An jenem Tag wird für das Haus David und für die Einwohner von Jerusalem ein Quell eröffnet sein gegen Sünde und Unreinheit. (Sa. 13,1)
Christus ist diese Quelle. Es wird Reinigung geben. Und es bedarf auch dieser Reinigung. Es wird eine Befreiung von Irrwegen, von Götzen, von allem, was uns von Gott trennt – für uns persönlich, aber auch für das Volk Israel.
Gott will keine halben Herzen. Keine 87 %, keine 98 % – er will alles. Eine vollständige Hingabe. Denn er ist ein heiliger Gott. Und es gibt ein Schwert des Gerichts. Ich sage das nicht, um Angst zu machen, sondern weil es Teil der Wahrheit ist – Teil der großen Wahrheit Gottes.
Es gibt eine Prüfung durch Feuer. Wer diese besteht, wird durchgehen – zu einer vollständigen Wiederherstellung der Beziehung zu Gott. Diese Wiederherstellung betrifft uns persönlich, aber auch Israel. Gott gibt eine sichere Zukunft.
Die abgetrennten Zweige – sie werden wieder eingepfropft. Die untreue Ehefrau – sie wird, wie es Hosea prophezeit hat, wieder empfangen, gewaschen und gereinigt, und Gott bringt sie zurück zu sich.
Und ich will dich mir verloben auf ewig, ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit und Recht, in Gnade und Erbarmen. (Hosea 2,21)
Die Liebe Christi zu uns – zu dir – ist unsere Rettung. Sie ist die Lösung. Diese Liebe ist es, die uns aus der Knechtschaft der Sünde befreit. Wir haben vorhin gemeinsam gesungen: „Wir sind frei, weil er auferstanden ist.“ Frei – um zu leben. Frei – um in Gemeinschaft mit ihm zu sein.
Mit folgender Schriftstelle komme ich zum Ende:
Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. (Jesaja 53,4–5)

