Fasten als aktuelles Thema

Vergangene Woche endete am 30. März der Fastenmonat Ramadan, in dem Muslime weltweit fasten. Auch viele Christen – besonders in der katholischen Kirche – bereiten sich durch vierzigtägiges Fasten auf Ostern vor, beginnend mit Aschermittwoch. Und selbst in unserer säkularen Gesellschaft ist die Idee des Verzichts auf Essen präsent – meist im Kontext von Diät oder Gesundheit.

Dabei gibt es zahlreiche absurde Ideen: Ich habe in einer fünfminütigen Google-Suche nach besonders kuriosen Diäten geschaut. Eine davon war die „Vision Diet“ – dabei trägt man eine spezielle, blau getönte Brille beim Essen. Diese verändert die Farbwahrnehmung so, dass bestimmte Lebensmittel wie Fleisch, Früchte oder Pommes weniger appetitlich aussehen. Dadurch soll der Appetit reduziert werden. Ob das funktioniert? Keine Ahnung – wer will, kann es ja selbst ausprobieren.

Eine andere Idee: die „Clip-the-Nose-Diät“. Dabei klemmt man sich eine Wäscheklammer auf die Nase, um den Geruchssinn auszuschalten. Weil Geruch und Geschmack eng zusammenhängen, soll man dadurch weniger essen. Auch das – gerne mal ausprobieren, aber bitte nicht beim ersten Date.

Abgrenzung zum biblischen Fasten

Doch Spaß beiseite. Was ich damit deutlich machen will: Es gibt viele Formen des Fastens – manche spirituell, manche körperlich, manche einfach absurd. Aber in der Bibel begegnet uns Fasten als eine geistliche Disziplin. Und diese ist grundlegend verschieden von dem, was uns in der Welt begegnet.

In der Welt steht beim Fasten oft der Mensch im Mittelpunkt: der Wunsch, gesünder zu leben, besser auszusehen oder sich selbst zu optimieren. In der Bibel aber geht es beim Fasten nicht um uns – sondern um Gott. Nicht wir sollen im Zentrum stehen, sondern Gott. Fasten dient dazu, sich auf Gott auszurichten, ihn zu suchen.

Jesu Lehre über das Fasten

Auch Jesus hat über das Fasten gelehrt. Er macht deutlich, dass Fasten nicht heuchlerisch oder zur Show betrieben werden soll. Er sagt:

Wenn ihr aber fastet, sollt ihr nicht finster dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Angesicht, damit es von den Leuten bemerkt wird, dass sie fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen. Du aber, wenn du fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, damit es nicht von den Leuten bemerkt wird, dass du fastest, sondern von deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir öffentlich vergelten. (Matthäus 6,16–18)

Jesus macht damit klar: Wahres Fasten hat nichts mit äußerem Eindruck zu tun, sondern mit einer persönlichen Beziehung zum Vater. Es ist eine stille, innere Handlung der Hingabe. Es geht darum, vor Gott zu treten – im Verborgenen. Und der Vater, der ins Verborgene sieht, wird vergelten.

Fasten ist also eine Möglichkeit, sich neu auf Gott auszurichten – aber nur dann, wenn unser Herz dabei wirklich Gott sucht, nicht uns selbst.

Frage des Volkes: Soll das Fasten fortgeführt werden?

Letzte Woche ging es in Sacharja 7 auch um das Fasten. Das Volk der Juden war gerade aus dem Exil zurück gekommen, aus Babylon, und sie fragten, ob sie weiterhin die Fastenzeiten einhalten sollen, die sie während der Zeit im Exil eingeführt hatten.

Hintergrund der vier Fastenzeiten während des Exils

Warum haben sie überhaupt im Exil gefastet? Sie waren 70 Jahre in der Gefangenschaft, und in dieser Zeit hatten sie vier feste Fastenzeiten pro Jahr etabliert. Diese Fastenzeiten dienten dazu, sich an die Zerstörung Jerusalems zu erinnern. Ich möchte kurz diese vier Zeiten nennen und erläutern, was jeweils der historische Hintergrund war.

Die erste Fastenzeit war im Januar, dem zehnten Monat im jüdischen Kalender. Sie erinnerten sich dabei an den Beginn der Belagerung Jerusalems durch die Truppen Nebukadnezars im Jahr 588 v. Chr. – das war der Moment, als das Unheil seinen Lauf nahm. Diese Ereignisse sind in 2. Könige 25 nachzulesen.

Die zweite Fastenzeit fand im Juli statt, ihrem vierten Monat. Zwei Jahre nach Beginn der Belagerung, also am 9. Juli 586 v. Chr., wurde die erste Bresche in die Stadtmauer geschlagen. Das war ein entscheidender militärischer Durchbruch, der das endgültige Ende der Stadt einleitete.

Die dritte Fastenzeit wurde im August begangen, dem fünften Monat. In diesem Monat, ebenfalls im Jahr 586 v. Chr., wurde der Tempel zerstört. Die Zerstörung des Tempels war das Herzstück dieser ganzen Katastrophe. Auch die Stadtmauer fiel zu diesem Zeitpunkt.

Die vierte Fastenzeit schließlich war im Oktober, dem siebten Monat. In diesem Monat wurde Gedalja, der von Nebukadnezar eingesetzte Statthalter über die verbliebene Bevölkerung, ermordet. Auch das geschah im Jahr 586 v. Chr. Dieses Ereignis bedeutete das endgültige politische Aus für Juda unter eigener Führung.

Nun war die Situation im Jahr 518 v. Chr. aber eine ganz andere: Das Volk war zurückgekehrt, der Tempel war zum Teil wieder aufgebaut – vermutlich etwa zur Hälfte. Es war etwa zwei Jahre her, dass Sacharja die Nachtgesichte empfangen hatte, die in den ersten Kapiteln seines Buches überliefert sind. Und so stellt sich das Volk, konkret eine Abordnung aus Bethel, diese Frage: Sollen wir diese vier Fastenzeiten überhaupt noch einhalten? Wir sind ja nicht mehr im Exil.

Und wir haben gesehen, dass Gott in Sacharja 7 auf diese Frage keine einfache Ja-oder-Nein-Antwort gibt. Stattdessen stellt er eine Gegenfrage: „Habt ihr denn für mich gefastet?“ Das trifft den Kern. Gott hinterfragt die Motivation des Fastens. Er fragt, ob dieses Fasten wirklich Ihm gegolten hat – oder ob es letztlich bloß eine äußere, traditionelle Form war, ohne geistlichen Inhalt.

Damit macht Gott deutlich, dass er kein Interesse hat an einer rein äußerlichen Religiosität. Es geht ihm nicht darum, dass der äußere Gottesdienst aufrechterhalten wird, um des Scheins willen. Tote Formalitäten, bloße Tradition – das alles reicht Gott nicht. Im Gegenteil: In anderen Stellen des Alten Testaments, etwa in Jesaja oder Amos, finden wir sehr scharfe Worte Gottes, wo er sagt, dass er einen solchen Gottesdienst sogar hasst – wenn er nicht aus echter Liebe zu ihm geschieht und wenn diese Liebe nicht auch den Menschen um uns herum zugutekommt.

Die Botschaft ist klar: Gott wünscht sich nicht einfach nur Frömmigkeit nach außen hin, sondern ein aufrichtiges Herz. Der Auftrag an das Volk Israel durch Sacharja ist, dass sie wegkommen von bloßer äußerlicher Religiosität und stattdessen einen echten, innerlichen Glauben entwickeln, ein echtes Suchen nach Gott. Und dieses Suchen zeigt sich auch im sozialen Handeln. Das Volk soll sich rechtschaffen um seine Brüder kümmern – um Witwen, Waisen, Fremde und Arme.

Sacharja 8,1–17 – Zehn göttliche Worte

In Sacharja 8 wird zehnmal folgende Formulierung verwendet: „So spricht der HERR der Heerscharen“. Es ist ein bewusstes Stilmittel, das deutlich macht, dass es sich hier um zehn konkrete Aussagen Gottes handelt. Diese Wiederholung dient dazu, die göttliche Autorität der folgenden Worte hervorzuheben. Es ist wie eine Auflistung von göttlichen Zusagen – zehn Worte Gottes an sein Volk.

1. Wort: Gott ist eifrig in seiner Liebe für Zion

So spricht der HERR der Heerscharen: Ich eifere für Zion mit großem Eifer, und mit großem Grimm eifere ich für es. (Sa. 8,2)

Das zeigt: Gott ist ein eifernder Gott. Im Alten Testament kommt dieser Begriff des göttlichen Eifers 43-mal vor. Er drückt Gottes Leidenschaft und sein brennendes Verlangen nach seinem Volk aus. Gott ist kein passiver Gott, der die Dinge einfach geschehen lässt. Nein, er ist voller Eifer und Energie in seiner Liebe für Israel. Auch der erwähnte Grimm richtet sich gegen die Feinde seines Volkes. Das ist Ausdruck seines beschützenden und liebenden Eifers.

2. Wort: Gott wird wieder in Jerusalem wohnen – die Stadt der Wahrheit

Ich will wieder nach Zion zurückkehren, und ich werde Wohnung nehmen mitten in Jerusalem, und Jerusalem soll »die Stadt der Wahrheit« heißen und der Berg des HERRN der Heerscharen »der heilige Berg«. (Sa. 8,3)

Dieses Versprechen, dass Gott zurückkehren und mitten unter ihnen wohnen wird, finden wir oft bei Sacharja. Es ist ein gewaltiges Versprechen – gerade für ein Volk, das sich in einer schwierigen Situation befand. Wir erinnern uns, wie wir das schon bei Haggai gesehen haben: Die Verheißung der Gegenwart Gottes mitten in einem schwachen, wiederaufbauenden Volk. Genau das ist eine Ermutigung und ein Zuspruch in einer entmutigenden Lage.

3. Wort: Bild des Friedens – alte Menschen und Kinder auf den Straßen

Das dritte Wort, in den Versen 4 und 5, ist ein Bild des Friedens und der Sicherheit:

Es sollen noch alte Männer und alte Frauen in den Straßen Jerusalems sitzen, jeder mit einem Stab in seiner Hand wegen ihres hohen Alters. 5 Und die Straßen der Stadt sollen erfüllt werden mit Knaben und Mädchen, die auf ihren Straßen spielen. (Sa. 8,4+5)

Dieses Bild war für die Menschen damals schwer vorstellbar. Die Stadt war im Wiederaufbau, die Mauern nicht fertig, Sicherheit war kaum gegeben. Aber Gott verspricht genau das: Frieden und Sicherheit – besonders für die Alten und die Kinder. Und genau das ist entscheidend: Die Verletzlichen werden genannt. Es geht um die, die sich nicht selbst schützen können. Gott verheißt ihnen Schutz.

4. Wort: Auch wenn es unmöglich scheint – für Gott ist nichts unmöglich

Wenn das wunderbar sein wird in den Augen des Überrestes dieses Volkes in jenen Tagen, sollte es auch in meinen Augen wunderbar sein? (Sa. 8,6)

Die Verheißung Gottes schien dem kleinen, aus dem Exil zurückgekehrten Überrest zu gut, um wahr zu sein. Es war für sie schlichtweg unrealistisch. Doch Gott antwortet: Auch wenn es euch unmöglich erscheint – für mich ist nichts unmöglich. Wir Menschen stoßen oft an unsere Grenzen, aber Gott ist allmächtig. Für ihn ist nichts zu schwer.

5. Wort: Rettung und Rückführung aus Ost und West

Siehe, ich rette mein Volk aus dem Land des Aufgangs und aus dem Land des Untergangs der Sonne;  und ich will sie herbeibringen, dass sie mitten in Jerusalem wohnen sollen; und sie werden mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein in Wahrheit und Gerechtigkeit. (Sa. 8,7-8)

Hier verspricht Gott Rettung. Und das ist wesentlich: Gott ist ein rettender Gott. Wir brauchen Rettung, und er ist der Einzige, der retten kann – und er liebt es, genau das zu tun. Er verspricht, sein Volk zu sammeln – von Osten und Westen – und es in Jerusalem wohnen zu lassen. Und dann folgt eine bedeutende Aussage in Bundessprache: „Sie werden mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“ Das ist dieselbe Sprache, die wir aus Gottes Bund mit Noah, Abraham, Mose und David kennen.

Auch wenn sein Volk den Bund immer wieder gebrochen hat – Gott bleibt treu. Er gibt nicht auf. Immer wieder geht er seinem Volk nach, auch jetzt, nach 70 Jahren Exil. Sein Herz ist es, das Volk wiederherzustellen – und den Bund zwischen ihm und seinem Volk zu erneuern.

Jeremia 31,31–34 als Parallele zum neuen Bund

Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben. Und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. (Jeremia 31, 31-34)

Das ist derselbe Gedanke wie bei Sacharja. Dieser neue Bund reicht von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft. Gott selbst hat diesen Bund nicht nur versprochen, sondern auch erfüllt. Er hat ihn selbst gewirkt – durch Jesus Christus.

Jesus ist gekommen, hat diesen Bund aufgerichtet, indem er für uns ans Kreuz gegangen ist und auferstanden ist. Dadurch wurde der neue Bund Realität – ein Bund, bei dem das Gesetz in unser Innerstes gelegt wird, in unsere Herzen. Ein Bund, in dem wir Gott kennen, und unsere Schuld vergeben ist. Und genau diesen neuen Bund feiern wir im Abendmahl – das Blut Jesu als Zeichen des Bundes.

Wie sollten wir auf solche gewaltigen Verheißungen Gottes reagieren? Das ist nicht nur eine theologische, sondern eine sehr praktische Frage: Was heißt das ganz konkret für ihr Leben? Wie sollen sie mit diesen Zusagen Gottes umgehen?

6. Wort: Stärkt eure Hände – Ermutigung zum Weiterbauen

Ab Vers 9 beginnt das nächste Wort Gottes:

So spricht der HERR der Heerscharen: Stärkt eure Hände (Sa. 8,9)

Gott sagt seinem Volk: Stärkt eure Hände! Fürchtet euch nicht! Packt an! Es geht darum, dass sie den Tempel weiterbauen. Sie sollen ermutigt und gestärkt werden, konkret zu handeln. In dieser Aufforderung liegt kein Druck, sondern eine liebevolle Motivation, weil Gott bereits Gutes zugesagt hat. Wir sehen hier eine Parallele zu Haggai, wo ebenfalls von einer Saat des Friedens die Rede ist – genau wie in Vers 12:

sondern es soll eine Saat des Friedens geben: Der Weinstock soll seine Frucht bringen und das Land seinen Ertrag abwerfen und der Himmel seinen Tau spenden (Sa. 8,12)

Das ist eine gewaltige Zusage. Gott will ihnen dieses Land wieder zum Erbe geben. In Vers 13 folgt der Hinweis, dass sie – wie sie zuvor ein Fluch unter den Nationen waren – nun ein Segen sein sollen.

7. Wort: Gott will seinem Volk nun Gutes tun

Darum: Fürchtet euch nicht!

Gleichwie ich mir vornahm, Unheil über euch zu bringen, als eure Väter mich erzürnten, spricht der HERR der Heerscharen, und es mich nicht reute,  so habe ich mir jetzt in diesen Tagen vorgenommen, Jerusalem und dem Haus Juda Gutes zu tun. Fürchtet euch nicht! (Sa. 8,14-15)

Das Exil ist vorbei. Und jetzt nimmt sich Gott vor, seinem Volk Gutes zu tun. Diese Gnade Gottes ist keine bloße Zusage, sondern sie hat Auswirkungen auf den Lebensstil: Sie sollen aufrichtig leben vor Gott. Das ist der Kern. In den Versen 16 und 17 wird das ganz konkret:

Redet die Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten, übt treulich Recht und fällt einen Rechtsspruch des Friedens in euren Toren;  und keiner sinne Böses in seinem Herzen gegen seinen Bruder; liebt auch nicht falschen Eid! Denn dies alles hasse ich, spricht der HERR. (Sa. 8,16-17)

Das heißt: ein Lebensstil, der durch Gerechtigkeit geprägt ist. Und das ist nicht neu. Schon in Kapitel 7, Vers 9 hat Gott gesagt: Kümmert euch um die Witwen, Waisen, Fremdlinge, Armen unter euch. Es geht um gerechte Urteile und Entscheidungen. Nicht um Äußerlichkeiten.

Das ist der entscheidende Punkt: Dieses ganze Wort Gottes ist eine Antwort auf die Frage nach dem Fasten. Gott zeigt, dass es nicht um äußeres Fasten geht – nicht um religiösen Schein, sondern um eine innere Ausrichtung auf ihn. Aufgrund seiner Verheißungen sollen sie gerecht leben, im Miteinander, füreinander.

Die Aufforderung lautet also:

Stärkt eure Hände, fürchtet euch nicht.

Es gibt so vieles, was uns Angst machen will. So vieles, was uns entmutigt. Doch Gott spricht in diese Angst hinein: Fürchte dich nicht. Und das ist keine Aufforderung zur Prahlerei, nicht zu lautem religiösem Tun, sondern zu stillem Gehorsam, zu Liebe zu Gott und zum Nächsten. Und das betrifft auch uns – wir stehen oft in der Gefahr, Dinge zu tun, damit andere sie sehen. Doch Gott ruft dazu auf, im Kleinen treu zu sein. Auch wenn es niemand sieht.

Wir sollen nicht unsere Energie verschwenden an große, weltweite Probleme, bei denen wir ohnehin nichts bewirken können. Vielmehr geht es darum, präsent zu sein – genau dort, wo Gott uns hingestellt hat: am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, in der Familie. Da sollen wir treu sein, da anpacken und da einen Unterschied machen.

Stärkt eure Hände, fürchtet euch nicht!

8. Wort: Fastenzeiten werden zu Festzeiten

So spricht der HERR der Heerscharen: Das Fasten im vierten und das Fasten im fünften und das Fasten im siebten und das Fasten im zehnten Monat wird dem Haus Juda zur Freude und Wonne werden und zu fröhlichen Festtagen. (Sa. 8,19)

Das ist eine erstaunliche Antwort. Die traurigen Fastenzeiten werden verwandelt in fröhliche Festzeiten. Warum? Weil Gott verspricht, dass er seinen Bund wiederherstellt. Er wird sein Volk retten, sie sammeln und in ihrer Mitte leben.

Die Reaktion auf dieses Heilshandeln Gottes soll sein, wie es am Ende von Vers 19 heißt:

Liebt die Wahrheit und den Frieden.

Das ist die Konsequenz: Die Zusage Gottes soll zur Lebenshaltung werden – zu Wahrheit und Frieden im Alltag.

9. Wort: Die Völker werden kommen, um den Herrn zu suchen

In den letzten Versen von Kapitel 8 wird deutlich, wie weitreichend Gottes Handeln ist – es bleibt nicht beim Volk Juda stehen:

So spricht der HERR der Heerscharen: Es werden noch Völker und die Bewohner vieler Städte kommen; 21 und die Bewohner einer Stadt werden zu denen einer anderen kommen und sagen: »Lasst uns hingehen, um den HERRN anzuflehen und den HERRN der Heerscharen zu suchen! Auch ich will gehen!« (Sa. 8,20-21)

Gott verheißt, dass nicht nur Israel selbst, sondern auch andere Völker sich auf den Weg machen werden. Sie wollen den Herrn suchen, ihn anflehen. Die Anziehungskraft, die von dem Volk Gottes ausgeht, ist eine Folge der Gegenwart Gottes in ihrer Mitte. Gott macht sein Volk zu einem Licht für die Nationen. Und das mündet in Vers 23 in einem ganz starken Bild:

10. Wort: „Gott ist mit euch“ – die Nationen klammern sich an das Volk Gottes

In jenen Tagen wird es geschehen, dass zehn Männer aus allen Sprachen der Heidenvölker einen Juden beim Rockzipfel festhalten und zu ihm sagen werden: »Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist!«  (Sa. 8,23)

Diese Worte zeigen: Wenn Gott unter seinem Volk wohnt und sie in Wahrheit und Gerechtigkeit leben, dann strahlt das aus. Es ist eine Wirkung, die nicht durch Werbung oder Überzeugung entsteht, sondern durch das, was Gott tut – und was dadurch im Leben der Gläubigen sichtbar wird. Es ist nicht menschliche Anstrengung, sondern göttliche Präsenz, die andere anzieht.

Das ist die Antwort Gottes auf die Frage nach dem Fasten: Nicht rituelle Pflichterfüllung, sondern die Einladung, in seiner Verheißung zu leben. Die Fastenzeiten, die einst Ausdruck von Trauer und Buße waren, sollen verwandelt werden in Festzeiten. Warum? Weil Gott selbst in ihrer Mitte wohnt und weil sein Volk den Charakter Gottes in ihrem Lebensstil widerspiegelt – durch Gerechtigkeit, Wahrheit, Frieden und Fürsorge.

Gott verspricht, dass seine Gnade praktisch wird. Und er sagt: „Fürchtet euch nicht.“ Das gilt für die damaligen Hörer – und das bleibt auch heute eine entscheidende Zusage. Die Reaktion darauf ist klar: Hände stärken, sich nicht entmutigen lassen, treu sein im Kleinen, gerecht leben und präsent sein in der eigenen Umgebung.

Die Wahrheit leben, den Frieden suchen, den Nächsten lieben – das ist Gottes Ziel mit seinem Volk, und darin liegt auch die Antwort auf die Frage nach dem echten, gottwohlgefälligen Leben.

Praktische Anwendungen

1. Herzenshaltung statt äußerlicher Religiosität

Was Gott sucht, ist nicht religiöse Fassade oder rituelles Getue. Er will unser Herz. Die Verse, die wir gelesen haben, machen deutlich, dass es Gott nicht um ein äußeres Fasten geht – nicht um eine Frömmigkeit, die sich in sichtbaren religiösen Handlungen erschöpft. Seine Antwort auf die Frage des Fastens ist eindeutig: „Nicht der äußere Schein zählt, sondern die Ausrichtung des Herzens.“

Ich erkenne darin einen klaren Ruf zur inneren Umkehr. Nicht wie ich aussehe, nicht ob andere meine Frömmigkeit bemerken, sondern ob ich in Stille und Gehorsam mit Liebe für Gott und meine Mitmenschen lebe – das zählt. Es ist ein leises, echtes Leben, das nicht auf Anerkennung aus ist. Es geht um Treue im Kleinen, selbst wenn niemand zusieht.

Ich werde daran erinnert, dass wir heute oft unter dem Druck stehen, gesehen zu werden – in sozialen Medien, im Beruf, sogar im Gemeindeleben. Aber Gott ruft mich zu einem Leben, das vor seinem Auge Bestand hat. Es ist mein Herz, das er will. Darum will ich lernen, treu zu sein in dem, was niemand bemerkt – präsent sein, wo Gott mich hingestellt hat: in meiner Nachbarschaft, an meinem Arbeitsplatz, in meiner Familie. Nicht mit Lautstärke, sondern mit stiller, beständiger Treue.

2. Lebensstil der Gerechtigkeit und Wahrheit

Ein Leben, das Gott gefällt, zeigt sich im konkreten Miteinander. Es bleibt nicht bei schönen Worten oder religiösem Engagement – es wird praktisch. Gott ruft dazu auf, „die Wahrheit zu reden“ (Sacharja 8,16) und ein Leben zu führen, das „Gerechtigkeit lebt“. Das betrifft nicht nur das, was ich sage, sondern auch, wie ich urteile, wie ich mit anderen umgehe, wie ich Entscheidungen treffe.

Ich sehe, dass Gerechtigkeit im Alltag beginnt – im Umgang mit dem Schwachen, dem Fremden, der Witwe, dem Waisen (vgl. Sacharja 7,9). Gott fordert gerechte Urteile, friedfertiges Verhalten, ein Herz, das nichts Böses gegen den Nächsten plant. „Hasst die Lüge, liebt die Wahrheit“ – das ist eine klare Anweisung.

Gottes Verheißungen – seine Zusagen der Gnade – sind der Antrieb dafür, diesen Lebensstil zu wählen. Weil er treu ist, darf ich mutig und gerecht leben. Und in einer Zeit, die von Angst und Unsicherheit geprägt ist, spricht Gott: „Stärkt eure Hände und fürchtet euch nicht.“

Das ist kein Aufruf zur Kraft aus eigener Anstrengung, sondern zur Erneuerung aus Gottes Zuspruch. Ich will also bewusst entscheiden, Gerechtigkeit zu leben, ehrlich zu sein, Wahrheit zu reden und präsent zu bleiben – nicht getrieben von Angst, sondern gestärkt durch Gottes Wort.

3. Jesus als Erfüllung des neuen Bundes

Es gibt einen entscheidenden Wendepunkt in Gottes Handeln mit der Welt: Jesus Christus, der versprochene König und Priester aus der Linie Davids. Er ist die Erfüllung des neuen Bundes, den Gott verheißen hat. Er ist der Weg, durch den heute – noch vor der endgültigen Wiederherstellung Israels – Menschen aus allen Nationen zu Gott finden können.

Gott hat verheißen, dass einst Menschen aus allen Völkern ihn suchen werden. Durch Jesus dürfen wir, die wir nicht jüdischer Herkunft sind, Anteil an diesem Bund haben. Nicht, weil wir uns selbst qualifizieren, sondern weil Jesus durch sein vollendetes Werk am Kreuz den Weg freigemacht hat. Ich darf mich an seinen „Rockzipfel“ klammern – ein Bild, das ausdrückt: Ich halte mich an dem fest, was er getan hat, nicht an meiner eigenen Gerechtigkeit.

Das ist heute entscheidend. Nicht unsere Herkunft, nicht unsere religiösen Leistungen zählen – sondern ob wir uns im Glauben an Jesus hängen. Er ist es, der uns mit dem Vater versöhnt hat. Durch ihn gehören wir zu Gottes Volk, zu seinen Segensverheißungen. Es ist Gnade, dass wir dazugehören dürfen – allein durch das, was Jesus für uns getan hat.

Darum ermutige ich dich: Halte dich mit ganzer Kraft an Jesus. Schau auf das Kreuz. Staune über seine Liebe. Lass dich hineinnehmen in diesen neuen Bund, den Gott durch seinen Sohn geschlossen hat. Und wenn wir heute das Abendmahl feiern, dann erinnern wir uns genau daran: an das, was Jesus stellvertretend für uns vollbracht hat – aus Liebe, für dich und mich.

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About the Author: Jonas Häberle

1988 in Schwäbisch Hall geboren, bin ich in der dortigen EFG-Baptistengemeinde aufgewachsen und habe bereits als Jugendlicher die rettende und befreiende Gnade des Evangeliums erfahren. Seit 2012 bin ich mit Elsa verheiratet, gemeinsam haben wir drei Kinder. Nach meinem Bauingenieurstudium war ich neun Jahre in der christlichen Entwicklungshilfe und Gemeindegründung in Südasien tätig. Seit 2024 arbeite ich hauptamtlich in der Gemeinde und diene seit 2025 als Ältester.