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Was bedeutet echte Buße, und wie führt sie zur geistlichen Erneuerung? In Nehemia 9,1–6 sehen wir, wie Gottes Wort die Herzen des Volkes Israel verändert. Die Menschen erkennen ihre Schuld, demütigen sich vor Gott, fasten und bekennen ihre Sünden. Doch ihre Buße bleibt nicht bei Trauer und Sündenerkenntnis stehen: Sie führt zur Anbetung Gottes.
Diese Predigt erklärt, warum wahre Buße aus dem Hören auf Gottes Wort entsteht, weshalb die Erneuerung Israels nicht dauerhaft war und wie Jesus Christus durch den neuen Bund Vergebung und die Hoffnung auf eine bleibende Erneuerung schenkt.
Buße als Frucht des Wortes Gottes
In Nehemia 8 haben wir gesehen, wie das Volk Israel zusammenkam, um Gottes Wort zu hören. Die Menschen hörten nicht nur zu. Gottes Wort berührte ihre Herzen und zeigte ihnen, wo sie vor Gott schuldig geworden waren.
In Nehemia 9 sehen wir nun, welche Wirkung das Wort Gottes weiterhin an ihnen hatte. Das Volk versammelt sich erneut. Doch diesmal kommen die Menschen fastend, in Sacktuch gekleidet und mit Erde auf ihren Häuptern. Sie bekennen ihre Sünden und demütigen sich vor Gott.
Und dabei geschieht etwas Bemerkenswertes: Ihre Buße führt sie zur Anbetung Gottes. Wir betrachten die ersten sechs Verse:
Aber am vierundzwanzigsten Tag dieses Monats kamen die Kinder Israels zusammen unter Fasten, in Sacktuch gekleidet und mit Erde auf ihren Häuptern. 2 Und der Same Israels sonderte sich von allen Kindern der Fremden ab, und sie traten hin und bekannten ihre Sünden und die Missetaten ihrer Väter. 3 Und sie standen auf an ihrem Platz, und man las im Buch des Gesetzes des HERRN, ihres Gottes, während eines Viertels des Tages: Und sie bekannten ihre Sünden und warfen sich nieder vor dem HERRN, ihrem Gott, während eines anderen Viertels des Tages. 4 Und Jeschua, Banai, Kadmiel, Sebanja, Buni, Serebja, Bani und Kenani traten auf das Podest der Leviten und schrien laut zu dem HERRN, ihrem Gott. 5 Und die Leviten Jeschua, Kadmiel, Bani, Hasabneja, Serebja, Hodija, Sebanja und Petachja sprachen: Steht auf, lobt den HERRN, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und man lobe den Namen deiner Herrlichkeit, der über alle Danksagung und alles Lob erhaben ist! 6 Du bist der HERR, du allein! Du hast den Himmel gemacht, aller Himmel Himmel samt ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was auf ihr ist, die Meere und alles, was in ihnen ist. Du erhältst alles am Leben, und das Heer des Himmels betet dich an (Nehemia 9,1-6)
Was für wunderbare Verse!
Was erkennen wir hier? Das Wort Gottes hat durch den Geist Gottes die Herzen dieser Menschen getroffen. Und das bleibt nicht ohne Folgen. Ihre innere Zerbrochenheit wird nach außen sichtbar: Sie fasten, tragen Sacktuch und streuen Erde auf ihre Häupter.
Wir kennen diese äußeren Zeichen heute nicht mehr. Unser Herr sagt uns in Matthäus 6:
Du aber, wenn du fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, damit es nicht von den Leuten bemerkt wird, dass du fastest, sondern von deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir öffentlich vergelten. (Matthäus 6,17+18)
Wenn wir fasten, sollen wir damit nicht die Aufmerksamkeit der Menschen suchen. Es geht darum, uns vor Gott zu demütigen, nicht darum, von anderen gesehen zu werden. Damals jedoch war dieses Verhalten kulturell üblich und ein echter Ausdruck ihrer inneren Zerbrochenheit.
Zerbrochenheit vor Gott
Woher kam diese Zerbrochenheit?
Sie spürten die Not und Bedrängnis, in der sie lebten. Durch das Lesen des Gesetzes erkannten sie, dass diese Situation die Folge ihrer eigenen Schuld und Sünde war. Sie verstanden, dass Gott selbst sie unter die Herrschaft fremder Könige gegeben hatte (siehe Nehemia 9, 36+37). Deshalb kamen sie in Sacktuch:
Aber am vierundzwanzigsten Tag dieses Monats kamen die Kinder Israels zusammen unter Fasten, in Sacktuch gekleidet und mit Erde auf ihren Häuptern. (Nehemia 9,1)
Dieses unbequeme Gewand war ein äußeres Zeichen ihrer Trauer und Demut. Vor Gott spielte ihre gesellschaftliche Stellung keine Rolle mehr. Auch die Erde auf ihrem Haupt war ein Zeichen ihrer Trauer und tiefen Demut. Sie erinnert uns zugleich daran, dass wir Menschen aus Erde genommen sind – sterblich, vergänglich und klein vor dem ewig existierenden Gott.
Auch ihr Fasten war ein Ausdruck von Demut und Abhängigkeit. Sie bekannten damit, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht.
Sie kamen mit dem Wunsch umzukehren. Mit niedergebeugten Herzen taten sie Buße und bekannten ihre Schuld und Sünde.
Und der Same Israels sonderte sich von allen Kindern der Fremden ab, und sie traten hin und bekannten ihre Sünden und die Missetaten ihrer Väter. (Nehemia 9,2)
Wir können uns vorstellen, dass Einzelne öffentlich vor Gott und vor dem Volk ihre Sünden bekannten. Auch das geschah nicht aus Zwang. Es kam aus einem Herzen, das durch das gehörte Wort Gottes überführt worden war.
Wahre Buße führt zur Anbetung
Schon in Vers 3 sehen wir, dass das Volk seine Sünden bekannte und sich zugleich vor dem HERRN niederwarf. Schuldbekenntnis und Anbetung gehörten hier zusammen.
Und sie bekannten ihre Sünden und warfen sich nieder vor dem HERRN, ihrem Gott (Nehemia 9,3)
Was mich an diesen Versen besonders fasziniert, finden wir in Vers 5.
Stell dir dieses ganze Volk vor: Fastend, in Sacktuch gekleidet, mit Erde auf dem Haupt, tief gebeugt vor Gott. Sie werfen sich vor ihm nieder. Dann treten acht Leviten auf das Podest, das wir bereits in Nehemia 8 kennengelernt haben, und rufen dem Volk zu:
Steht auf, lobt den HERRN, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! (Nehemia 9,5)
Wie passt das zusammen?
Wahre Buße und echtes Gebeugtsein unter das Wort Gottes durch den Geist Gottes erkennen an, wer Gott ist. Deshalb sind sie bereit, ihn zu loben und anzubeten – nicht trotz ihrer Buße, sondern gerade deshalb.
Durch das Lesen des Gesetzes hatten sie nicht nur ihre eigene Schuld und ihr Versagen erkannt. Sie hatten zugleich erkannt, wer Gott ist.
Und in Vers 6 sehen wir, wem diese Anbetung gilt:
… Du erhältst alles am Leben, und das Heer des Himmels betet dich an.(Nehemia 9,6)
Das Volk blickt nicht mehr nur auf seine eigene Schuld, sondern auf die Größe seines Gottes.
Gott erkennen
In den folgenden Versen von Nehemia 9 blickt das Volk auf die Geschichte Gottes mit Israel zurück.Von der Schöpfung bis in die Tage Nehemias, bevor vierhundert Jahre später die Zeit des Neuen Testaments beginnt.
Durch diese Geschichte lernte das Volk zweierlei: Es erkannte, wer es selbst war und worin seine Schuld bestand. Gleichzeitig lernte es immer tiefer, wer sein Gott ist.
Ich möchte dich ermutigen, dieses Kapitel selbst zu lesen. Schreib dir alle Eigenschaften und Beschreibungen Gottes heraus, die dir begegnen, und nutze sie als Grundlage, Gott anzubeten.
Du wirst dort lesen, dass Gott gnädig, langmütig und barmherzig ist. Gleichzeitig wirst du erkennen, dass er mächtig, furchtgebietend und gerecht ist.
Hier sehen wir eine große Bewegung: Das Volk versammelt sich wie ein Mann, um Buße zu tun und eine Erneuerung seiner Herzen vor Gott zu erleben.
Warum diese Erneuerung nicht dauerhaft war
Nun müssen wir uns eine letzte Frage stellen: Hat diese Bewegung Erfolg gehabt?
Wenn wir später Nehemia 13 betrachten und auch das Buch des Propheten Maleachi lesen, erkennen wir, dass die Erneuerung nicht von Dauer war.
Das bedeutet nicht, dass die Buße des Volkes unecht oder bedeutungslos gewesen wäre. Gottes Wort hatte ihre Herzen getroffen. Sie hatten ihre Schuld erkannt und waren zu Gott umgekehrt.
Doch die spätere Geschichte zeigt, dass diese Erneuerung nicht ausreichte, um die Untreue des Volkes dauerhaft zu überwinden.
Das Muster wiederholte sich immer wieder: Sünde und Abfall von Gott, das Gericht Gottes, Buße und Umkehr – und anschließend erneut Sünde und neuer Abfall.
Warum? Wo liegt das Problem?
Ist das Gesetz zu hart? Ist Gott zu gnädig oder zu gerecht? Nein!
Wir Menschen sind das Problem. Im Alten Bund wird deutlich, dass das Blut von Böcken und Stieren Sünden nicht wirklich wegnehmen kann. Deshalb endet das Alte Testament in einer tiefen Spannung. Es lässt die Frage offen:
Wann wird die Sünde endlich weggetan? Und wann wird die Gerechtigkeit Gottes, die durch die Sünde seines Volkes immer wieder herausgefordert wurde, endgültig sichtbar und wiederhergestellt?
Der neue Bund in Christus
Alles schreit nach einem Retter. Alles schreit nach einem Erlöser, nach dem Messias.
Dann hören wir beim letzten Abendmahl die Worte unseres Herrn:
Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. (Lukas 22,20)
Ein neuer Bund. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass im neuen Bund das gute und gerechte Gesetz Gottes auf die Herzen der Menschen geschrieben wird. Gott selbst bewirkt durch seinen Geist, dass die Menschen seine Gebote halten. Wie groß ist das!
Heute dürfen wir in diesem neuen Bund mit Gott vereint sein. Wir sind nicht mehr hoffnungslos in diesem Kreislauf aus Sünde, Gericht, Wiederherstellung und erneuter Sünde gefangen.
Unser Herr hat durch ein einziges Opfer für alle Zeit die Grundlage dafür geschaffen, dass die Sünde endgültig überwunden wird. Wer mit Buße und Glauben zu Christus kommt, ist nicht mehr unter der Herrschaft der Sünde. Ihre Macht ist gebrochen.
Und wir haben die Hoffnung, dass eines Tages, wenn wir bei ihm sein werden, sogar die Gegenwart der Sünde vollständig verschwunden sein wird.
Dann werden wir wirklich vereint sein – als vollkommen geheiligtes Volk Gottes.
Unsere Hoffnung
Eines Tages werden wir vor unserem Herrn stehen. Vor dem, der so sehr für uns gelitten hat. Vor dem, der uns aus diesem endlosen Muster unserer eigenen Sünde losgekauft hat. Vor dem, der uns erneuert hat.
Dann werden wir ihm unsere ganze Herzensanbetung bringen – ohne Einschränkung, ohne Schwachheit unsererseits. Und das wird in Ewigkeit so sein.
Deshalb sind die Geschichten des Alten Testaments so wertvoll. Sie helfen uns, den Gott dieser Geschichte kennenzulernen. Zugleich erkennen wir aus der Perspektive des Neuen Testaments das entscheidende Kapitel, das Gott selbst geschrieben hat: den Messias, Jesus Christus, und sein Werk am Kreuz.
Daraus dürfen wir Hoffnung schöpfen und uns selbst durch den Geist Gottes in Buße und Anbetung immer wieder zu Gott hin erneuern lassen.
Lasst uns auf Christus vertrauen, unsere Schuld vor ihm bekennen und ihm für sein Wort und seine Gnade danken. Lasst uns unseren Gott anbeten.

