Die geistliche Erneuerung beginnt mit dem Wort Gottes
Vielleicht geht es dir genauso wie mir: Wenn wir Lieder singen, die unseren Blick auf die Zukunft richten, auf den Tag, an dem wir einmal vor dem Thron Gottes und des Lammes stehen dürfen, dann erhebt mich das. Es tut meinem Herzen gut – und genau das sollte es auch. Es ist etwas Wunderschönes, sich vorzustellen, dass wir einmal mit allen Heiligen aus allen Zeiten vereint vor Gottes Thron stehen werden.
Das passt auch sehr gut zu unserer Predigtreihe durch das Buch Nehemia. Mit Kapitel 8 sind wir an einen Moment gekommen, in dem sich das Volk Gottes versammelt, um vor seinen Gott zu treten. Letzten Sonntag haben wir gesehen, wie zentral und wie wichtig das Wort Gottes, das Gesetz Gottes, in diesem Augenblick war.
Ich möchte deshalb uns alle fragen: Hat die Botschaft Gottes vom letzten Sonntag etwas in deinem Herzen berührt? Hat sie dich wachgerüttelt und dir neu gezeigt, wie wesentlich, wie wichtig, aber auch wie gut das Wort Gottes ist?
Doch allein berührt zu sein reicht nicht. Auch das haben wir gesehen. Der unmittelbare Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes ist das, was der Gott des Wortes von uns sehen möchte. Oh ihr Lieben, da gibt es viel zu lernen. Jedenfalls muss ich sagen, wenn ich mein eigenes Leben betrachte, dass ich darin noch viel zu lernen habe. Dieser unmittelbare Gehorsam des Glaubens ist so wichtig. Er ehrt Gott und er segnet zugleich auch uns.
Wo wir im Buch Nehemia stehen
Heute haben wir Nehemia 9 vor uns. Das ist ein relativ langes Kapitel, und mir wurde bei der Vorbereitung schnell klar, dass wir nicht das ganze Kapitel in einer Predigt behandeln können. Es steckt zu viel darin.
Schauen wir noch einmal darauf, wo wir im Buch Nehemia stehen. In den ersten sieben Kapiteln haben wir gesehen, wie Gott Nehemia bewegt und ihm eine Leidenschaft geschenkt hat. Er führte ihn aus der Ferne nach Juda, nach Jerusalem. Unter seiner Leitung begann der Wiederaufbau der Stadtmauer. Trotz vieler Widerstände wurde die Mauer fertiggestellt und die Tore wurden eingesetzt. So wurde Jerusalem nach Gottes Plan wieder zu einer funktionierenden Stadt.
Wir wissen um die besondere Bedeutung dieser Stadt. Sie ist keine gewöhnliche Stadt, sondern die Stadt Gottes, eine heilige Stadt. Dort, im und am Tempel, wollte Gott von seinem Volk angebetet werden.
Daran erkennen wir, dass Mauern und Tore zwar Schutz bieten, aber kein Selbstzweck sind. Sie schaffen den geschützten Rahmen für Anbetung, garantieren sie jedoch nicht. Für wahre Anbetung braucht es mehr als die Erneuerung der heiligen Stadt. Es braucht die Erneuerung und geistliche Erweckung eines geeinten Gottesvolkes. Es braucht geheiligte und geeinte Herzen, um Gott in Geist und Wahrheit anzubeten.
Die Kapitel 8, 9 und 10 bilden deshalb einen entscheidenden Abschnitt in Gottes Geschichte mit seinem Volk. Sie gehören zusammen und beschreiben, was zur geistlichen Erneuerung und Erweckung des heiligen Gottesvolkes geschieht.
In Kapitel 8 wird die Erneuerung des Gehorsams unter das Wort Gottes beschrieben. Es war wunderschön, das miteinander zu betrachten. In Kapitel 9 finden wir die Erneuerung der Herzen durch Buße und Umkehr zu Gott. Das ist eine der Auswirkungen des Wortes Gottes, die bereits in Kapitel 8 sichtbar wurde. Kapitel 10 schließt diese Einheit der geistlichen Erneuerung ab. Dort schließt das Volk einen Bund mit Gott – genauer gesagt: Es erneuert den Sinai-Bund mit seinem Gott.
Die Kapitel 8, 9 und 10 zeigen also unterschiedliche Schritte der Erneuerung des Gottesvolkes, damit es geheiligt wird und zu einem anbetenden Volk Gottes werden kann.
Die Wirkung des Wortes Gottes
Höre Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein! 5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. 6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, 7 und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst (5. Mose 6,4-7)
Hier fordert Gott sein Volk – und damit auch uns – auf, sein Wort ernst zu nehmen und auf sein Wort zu hören. Janos hat uns letztes Mal darauf hingewiesen, dass „Hören“ im Hebräischen ganz besonders auch „Gehorchen“ bedeutet.
Darf ich dir an dieser Stelle eine Frage stellen?
Trifft uns ein solches Bibelwort? Werden wir dadurch überführt, dass wir uns so oft nicht unter die Autorität des Wortes Gottes stellen? Dass wir dieses Wort nicht an unsere Hand binden und zwischen unsere Augen setzen? Dass wir es nicht überall, wo wir unterwegs sind, zentral bei uns und in unserem Herzen tragen?
Ihr Lieben, genau diese Wirkung hatte das Wort Gottes damals bei den Juden. Sie hörten es und begannen zu trauern.
Ist es vielleicht auch für uns nötig, eine Erneuerung unserer Herzen in Buße und Umkehr zu Gott zu erleben?
Wie ein Mann versammelt
Bevor wir nun in Kapitel 9 einsteigen, möchte ich noch etwas aufgreifen, das mein Herz wirklich ergriffen hat.
Wir finden es in Nehemia 8,1. Ich lese diesen Vers als eine Überschrift, als eine Zustandsbeschreibung des Volkes, die für die Kapitel 8, 9 und 10 gilt.
Und als der siebte Monat nahte und die Kinder Israels in ihren Städten waren
und jetzt kommen zwei Aspekte, die ich betrachten möchte:
da versammelte sich das ganze Volk wie ein Mann (Nehemia 8,1)
Der Ausdruck “versammelte” beschreibt sowohl die innere Haltung als auch die äußere Form, in der sich Israel damals versammelte.
Was bedeutet das? Dass Menschen zusammenkommen und sich versammeln, kennen wir auch heute. Das sehen wir hier ebenfalls. Aber offenbar genügte es dem Heiligen Geist nicht, einfach zu schreiben, dass sie sich versammelten.
Er fügte etwas Entscheidendes hinzu: Sie kamen wie ein Mann zusammen.
Ein selbstmotiviertes Zusammenkommen
Im Hebräischen gibt es verschiedene Wörter, die wir mit „versammeln“ übersetzen. Zwei davon begegnen uns im Buch Nehemia.
Das erste Wort lautet asaph. Es beschreibt ein selbstmotiviertes Versammeln. Niemand muss die Menschen dazu bringen oder sie überreden. Sie versammeln sich aus eigenem Antrieb.
Genau das haben wir bereits im letzten Kapitel gesehen. Das Volk kam mit dem Wunsch, das Gesetz Gottes zu hören. Esra musste ihnen nicht hinterherlaufen, damit sie endlich das Gesetz hören würden. Sie kamen von sich aus zusammen.
Das zweite Wort, qabaz, finden wir ebenfalls im Buch Nehemia, nämlich in Kapitel 13. Es beschreibt den Vorgang, bei dem Menschen eingesammelt oder zusammengerufen werden. Hier braucht es eine äußere Kraft, um Menschen zu versammeln.
In Nehemia 8, Vers 1, steht jedoch asaph. Daran erkennen wir deutlich, dass der Geist Gottes damals an den Herzen der Menschen wirkte. Es war ihr Herzenswunsch, aus dem Gesetz ihres Gottes zu hören. Deshalb versammelten sie sich freiwillig und ohne Zwang am Platz vor dem Wassertor.
Warum bist du heute hier?
Wie ist das bei uns heute? Was hat dich angetrieben, heute hier zu sein?
Bei den Jüngeren sind es vielleicht die Eltern. Bei manchen Älteren ist es vielleicht Gewohnheit oder sogar ein schlechtes Gewissen. Für andere ist es die herzliche Gemeinschaft – und das ist nichts Verkehrtes.
Aber bist du heute Morgen auch mit der Erwartung hier, dass Gott spricht? Erwartest du, dass unser Gott ein persönliches Wort für dich hat? Dass er dich vielleicht korrigieren möchte – zu seiner Ehre und zu deinem Guten? Oder dass er dich ganz persönlich trösten und ermutigen möchte?
Erwartest du sein Reden?
Wie ein Mann
Dann kommen wir zu diesem zweiten Begriff: „wie ein Mann“.
Ich finde das so faszinierend, und ich bedauere es, dass manche Übersetzungen diese Betonung etwas untergehen lassen. Im Hebräischen ist sie tatsächlich vorhanden. Dort steht kə·’îš ’e·ḥāḏ (Kei-ish-e-hat). In diesem Ausdruck steckt eine besondere Betonung: wie ein Mann, wie ein Organismus.
Es entsteht eine Einheit, die selbstmotiviert ist. Sie wird von Herzen getragen, von einem Herzenswunsch nach Gott und seinem Wort. Damals waren es Tausende Menschen. Und doch macht die Beschreibung deutlich: Ja, es waren Tausende einzelne Menschen, aber viel mehr noch waren sie ein Volk, ein Mann.
Der Fischschwarm
Ich habe euch ein Bild von einem Fischschwarm mitgebracht. Solche Schwärme sind ein faszinierendes Phänomen, das Gott in seine Schöpfung hineingelegt hat. Man spricht dabei häufig von Schwarminstinkt oder Schwarmintelligenz.
Was fällt uns auf, wenn wir einen Fischschwarm betrachten? Zunächst nehmen wir nicht die einzelnen Fische wahr, sondern den Schwarm als Ganzes. Die einzelnen Tiere treten optisch in den Hintergrund; unser Blick erfasst vor allem die gemeinsame Bewegung und die Einheit der Gruppe.
Warum verhalten sich Fische so? Gott hat ihnen dieses Verhalten mitgegeben. Es dient ihrem Schutz. Für viele Fressfeinde ist es deutlich schwieriger, einen einzelnen Fisch aus einem dichten Schwarm herauszugreifen. Der Schwarm bietet den einzelnen Tieren Sicherheit, weil der Angreifer zunächst die geschlossene Gruppe wahrnimmt.
Ich finde das eine sehr passende Illustration. Da sind einzelne Fische mit unterschiedlichem Geschlecht, unterschiedlichem Alter und unterschiedlicher Färbung. Dennoch bilden sie in bestimmten Situationen instinktiv eine organische Einheit. Gerade in dieser Verbundenheit liegt ihre Stärke. Der Schwarm ist mehr als die bloße Summe seiner einzelnen Fische.
Einheit zur Ehre Gottes
Kehren wir zu dem Bild des Volkes zurück. Das Volk versammelte sich selbstmotiviert, wie wir gesehen haben, wie ein Mann. Dieser Begriff scheint besonders in der Zeit der Wiederherstellung verwendet zu werden. Deshalb möchte ich drei weitere Stellen aus dem Buch Esra betrachten, um zu sehen, zu welchem Zweck sich diese Einheit jeweils bildet.
Als aber der siebte Monat nahte und die Kinder Israels nun in ihren Städten waren, da versammelte sich das Volk wie ein Mann in Jerusalem. (Esra 3,1)
Wir befinden uns hier Jahrzehnte vor der Zeit Nehemias. Das Volk ist gerade zurückgekehrt und versammelt sich wie ein Mann, um mit der Anbetung Gottes zu beginnen. In den folgenden Versen lesen wir, dass sie den Altar wieder aufbauen und mit den Opfern für ihren Gott beginnen. Hier sehen wir also eine Einheit zur und in der Anbetung.
Die zweite Stelle steht ebenfalls in Esra 3:
Und Jeschua samt seinen Söhnen und Brüdern und Kadmiel samt seinen Söhnen, die Söhne Jehudas, traten an wie ein Mann, um Aufsicht zu führen über die, welche das Werk am Haus Gottes taten… (Esra 3,9)
Hier wird Einheit in der Leitung beschrieben. Diese Einheit hatte große Bedeutung für die Erneuerung, Wiederherstellung und Erweckung des Volkes Gottes zur Zeit Esras und später Nehemias.
Die letzte Stelle finden wir in Esra 6:
Denn die Priester und die Leviten hatten sich gereinigt wie ein Mann, sodass sie alle rein waren … (Esra 6,20)
Vielleicht ist das die ungewöhnlichste Stelle. Hier entsteht eine Einheit, um sich zu reinigen und Gott heilig zu sein.
Wozu Gott Einheit schenkt
Was sehen wir also, wenn wir diese drei Stellen zusammen mit Nehemia 8, 1 betrachten?
da versammelte sich das ganze Volk wie ein Mann (Nehemia 8,1)
Wir sehen eine Einheit wie ein Mann zur Anbetung, in der Leitung und in Reinigung und Heiligung. In Nehemia 8 kommt die Einheit unter der Autorität des Wortes Gottes hinzu. In Kapitel 9 sehen wir eine Einheit in Buße und Umkehr. In Kapitel 10 schließlich eine Einheit in der Erneuerung des Bundes mit Gott.
Ich glaube, wir erkennen daran eine wichtige Belehrung. Für geistliche Erneuerung und Erweckung im Volk Gottes – damals wie heute – braucht es Einheit. Einheit des Geistes. Einheit für Anbetung, für Leitung, für Reinigung und Heiligung. Eins zu sein unter dem Wort und der Autorität des Wortes Gottes und eins zu sein im Bund mit Gott.
Einheit ist nicht Uniformität
Manchmal machen wir einen Fehler, wenn wir über Einheit nachdenken. Wir verwechseln Einheit mit Uniformität.
Was ist Uniformität? Dass jeder exakt gleich sein muss. Das könnte bei den Fischen im Schwarm auf den ersten Blick so wirken. Je genauer man jedoch hinschaut, desto mehr erkennt man, dass auch dort Unterschiede bestehen.
Deshalb ist es wichtig, diesen Unterschied zu beachten. Einheit ist eben nicht Uniformität. Einheit bedeutet nicht, dass alles und jeder gleich gemacht werden muss. Vielmehr wirkt das Wort Gottes durch den Geist Gottes in einem Volk, das sehr unterschiedlich sein kann und dennoch zusammenkommt, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen – getragen von der gemeinsamen Überzeugung durch Gottes Wort und seinen Geist.
Auch das Volk damals war nicht uniform. Diese Einheit bestand nicht aufgrund des Geschlechts. Wir lesen ausdrücklich von Männern, Frauen und Kindern. Sie bestand auch nicht aufgrund des Alters, des Berufs, des Bildungsgrades, der Herkunft oder ähnlicher Merkmale.
Ihre Einheit bestand darin, dass sie alle durch das Wort und den Geist überführt wurden und den Wunsch hatten, Gott zu dienen, ihm nahezukommen und Vergebung von ihm zu empfangen.
Wenn du dich einmal hier im Raum umschaust, dann sind wir alles andere als uniform – auch im Vergleich zu vielen anderen Gemeinden. Was das Alter betrifft, den Beruf oder die geistliche Reife, sind wir eine wunderschöne Mischung.
Manchmal haben wir den Impuls zu glauben, dass Einheit zwangsläufig zu Uniformität führen müsse. Aber genau das sehen wir nicht im Wort Gottes. Ja, wir brauchen Übereinstimmung in den Lehren des Evangeliums und in den Lehren über Jesus Christus. Doch es gibt viele Bereiche, in denen wir aufgerufen sind, einander zu ertragen. Und gerade das ermutigt mich so sehr: Es kann eine geistgewirkte, echte Einheit geben, mit dem gemeinsamen Ziel, Gott zu ehren, ihn anzubeten und an seinem Reich zu bauen.
Gerade in einem Umfeld wie hier in der Calvary Chapel Heidelberg ist das eine anspruchsvolle Aufgabe. Wenn man einmal aufzeichnen würde, aus welchen unterschiedlichen gemeindlichen Hintergründen wir kommen, würde man sich fragen: Wie kann das sein?
Das ist tatsächlich eine gute Frage.Wie kann das sein? Weil es einen Gott gibt. Weil es einen Geist gibt. Weil es einen Sohn Gottes gibt. Es gibt ein Wort. Eine Taufe. Einen Glauben. Und weil er es möglich macht.
Das Gebet Jesu um Einheit
Ich möchte noch zwei Bibelstellen mit euch anschauen, die mich in diesem Gedanken tief überführt haben und das Gewicht dieser Aufgabe noch einmal verdeutlichen.
Schlag bitte Johannes 17 auf. Dort finden wir das wunderbare Gebet unseres Herrn Jesus zu seinem Vater, kurz bevor er ans Kreuz ging. Achte genau darauf, was unserem Herrn in diesem Augenblick am Herzen lag:
Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden (Johannes 17,20)
Das sind wir alle, die wir an den Herrn glauben.
auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. 22 Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind, 23 ich in ihnen und du in mir, damit sie zu vollendeter Einheit gelangen, und damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst. (Johannes 17,21-23)
Diese Worte sind zu groß für eine einzige Predigt. Aber ich hoffe, wir haben einen Geschmack von ihrer Größe bekommen.
Was ist unserem Herrn wichtig? Die Einheit der Gläubigen. Wie oft begegnet uns hier der Gedanke, dass sie eins sein sollen – eins, wie der Vater und der Sohn eins sind, ja sogar zur vollendeten Einheit gelangen:
… damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. (Johannes 17,21)
Es gibt eine Vorlage für diese Einheit, und das ist die Einheit des Vaters mit dem Sohn. Wahrnehmbare Einheit unter den Kindern Gottes weist auf den Vater und den Sohn hin.
Am Ende von Vers 23 heißt es:
… damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst. (Johannes 17,23)
Unser Ausleben dieser Einheit, so wie wir sie beschrieben haben, ist ein Zeugnis für Gott, den Vater, in seiner Einheit mit Gott, dem Sohn.
Gottes eigenes Wesen als Vorbild
Ich möchte jetzt nochmal einen Vers aus 5. Mose 6 betrachten:
Höre Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein! (5. Mose 6,4)
Der Herr ist einer. Er ist einig. Er ist in Einheit. Das offenbart dieser Vers über Gott selbst.
Wir sprechen deshalb zu Recht von dem dreieinen Gott: Vater, Sohn und Geist. Nicht uniform, sondern drei unterscheidbare Personen – und doch in vollkommener Einheit.
Das ist unsere Hausaufgabe. Wenn wir den Gedanken aus Johannes 17 hinzunehmen, wo Gott sagt: Weil ich als Vater, Sohn und – wir dürfen den Heiligen Geist hinzunehmen – in vollkommener Einheit bin, sollt auch ihr, meine Kinder, in Einheit leben.
Nehemia 9: Buße als Frucht des Wortes Gottes
Wir lesen jetzt die ersten sechs Verse aus Nehemia 9. Anschließend möchte ich den Gedanken der Einheit mit dem verbinden, was wir in diesem Kapitel vorfinden.
Aber am vierundzwanzigsten Tag dieses Monats kamen die Kinder Israels zusammen unter Fasten, in Sacktuch gekleidet und mit Erde auf ihren Häuptern. 2 Und der Same Israels sonderte sich von allen Kindern der Fremden ab, und sie traten hin und bekannten ihre Sünden und die Missetaten ihrer Väter. 3 Und sie standen auf an ihrem Platz, und man las im Buch des Gesetzes des HERRN, ihres Gottes, während eines Viertels des Tages: Und sie bekannten [ihre Sünden] und warfen sich nieder vor dem HERRN, ihrem Gott, während eines anderen Viertels des Tages. 4 Und Jeschua, Banai, Kadmiel, Sebanja, Buni, Serebja, Bani und Kenani traten auf das Podest der Leviten und schrien laut zu dem HERRN, ihrem Gott. 5 Und die Leviten Jeschua, Kadmiel, Bani, Hasabneja, Serebja, Hodija, Sebanja und Petachja sprachen: Steht auf, lobt den HERRN, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und man lobe den Namen deiner Herrlichkeit, der über alle Danksagung und alles Lob erhaben ist! 6 Du bist der HERR, du allein! Du hast den Himmel gemacht, aller Himmel Himmel samt ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was auf ihr ist, die Meere und alles, was in ihnen ist. Du erhältst alles am Leben, und das Heer des Himmels betet dich an
Was für wunderbare Verse!
Was erkennen wir hier? Wir sehen, dass das Wort Gottes, das Gesetz Gottes, durch den Geist Gottes Eindruck und Wirkung an den Herzen dieser Menschen hat. Deshalb versammeln sie sich erneut – selbstmotiviert. Sie kommen fastend, in Sacktuch gekleidet und mit Erde auf ihren Häuptern.
Wir kennen diese äußeren Zeichen heute nicht mehr. Unser Herr sagt uns in Matthäus 6:
Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, damit du nicht von den Leuten als Fastender gesehen wirst, sondern von deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir öffentlich vergelten. (Matthäus 6,17+18)
Wir sollen beim Fasten nicht den Menschen als Fastende erscheinen sollen, sondern Gott. Damals jedoch war dieses Verhalten kulturell üblich und ein echter Ausdruck ihrer inneren Zerbrochenheit.
Zerbrochenheit vor Gott
Woher kam diese Zerbrochenheit?
Sie spürten die Not und Bedrängnis, in der sie lebten. Durch das Lesen des Gesetzes erkannten sie, dass diese Situation die Folge ihrer eigenen Schuld und Sünde war. Sie verstanden, dass Gott selbst sie unter die Herrschaft fremder Könige gegeben hatte (siehe Nehemia 9, 36+37). Deshalb kamen sie in Sacktuch:
Aber am vierundzwanzigsten Tag dieses Monats kamen die Kinder Israels zusammen unter Fasten, in Sacktuch gekleidet und mit Erde auf ihren Häuptern. (Nehemia 9,1)
Dieses unbequeme Gewand war ein Zeichen dafür, dass sie ihren gesellschaftlichen Status ablegten. Die Erde auf ihrem Haupt bekannte, dass sie Menschen waren – aus Erde genommen, sterblich, vergänglich und klein vor dem ewig existierenden Gott.
Auch ihr Fasten war ein Ausdruck von Demut und Abhängigkeit. Sie bekannten damit, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht.
Sie kamen mit dem Wunsch umzukehren. Mit niedergebeugten Herzen taten sie Buße und bekannten ihre Schuld und Sünde.
Und der Same Israels sonderte sich von allen Kindern der Fremden ab, und sie traten hin und bekannten ihre Sünden und die Missetaten ihrer Väter. (Nehemia 9,2)
Wir können uns vorstellen, dass Einzelne öffentlich vor Gott und vor dem Volk ihre Sünden bekannten. Auch das geschah nicht aus Zwang. Es kam aus einem Herzen, das durch das gehörte Wort Gottes überführt worden war.
Wahre Buße führt zur Anbetung
Was mich an diesen Versen besonders fasziniert, finden wir in Vers 5.
Stell dir dieses ganze Volk vor: Fastend, in Sacktuch gekleidet, mit Erde auf dem Haupt, tief gebeugt vor Gott. Sie werfen sich vor ihm nieder. Dann treten acht Leviten auf das Podest, das wir bereits in Nehemia 8 kennengelernt haben, und rufen dem Volk zu:
Steht auf, lobt den HERRN, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit!
(Nehemia 9,5)
Wie passt das zusammen?
Wahre Buße und echtes Gebeugtsein unter das Wort Gottes durch den Geist Gottes erkennen an, wer Gott ist. Deshalb sind sie bereit, ihn zu loben und anzubeten – nicht trotz ihrer Buße, sondern gerade deshalb.
Durch das Lesen des Gesetzes hatten sie nicht nur ihre eigene Schuld und ihr Versagen erkannt. Sie hatten zugleich erkannt, wer Gott ist.
Gott erkennen
Im nächsten Kapitel werden wir sehen, dass Nehemia 9 die gesamte Geschichte des Alten Testaments nachzeichnet – von der Schöpfung bis in die Tage Nehemias, bevor vierhundert Jahre später die Zeit des Neuen Testaments beginnt.
Durch diese Geschichte lernte das Volk zweierlei: Es erkannte, wer es selbst war und worin seine Schuld bestand. Gleichzeitig lernte es immer tiefer, wer sein Gott ist.
Ich möchte dich ermutigen, dieses Kapitel selbst zu lesen. Schreib dir alle Eigenschaften und Beschreibungen Gottes heraus, die dir begegnen, und nutze sie als Grundlage, Gott anzubeten.
Du wirst dort lesen, dass Gott gnädig, langmütig und barmherzig ist. Gleichzeitig wirst du erkennen, dass er mächtig, furchtgebietend und gerecht ist.
Hier sehen wir eine große Bewegung: Das Volk versammelt sich wie ein Mann, um Buße zu tun und eine Erneuerung seiner Herzen vor Gott zu erleben.
Warum diese Erneuerung nicht dauerhaft war
Nun müssen wir uns eine letzte Frage stellen: Hat diese Bewegung Erfolg gehabt?
Wenn wir nach den Sommerferien Nehemia 13 betrachten und außerdem den Propheten Maleachi lesen, der in dieser Zeit wirkte, müssen wir diese Frage mit Nein beantworten.
Nein, diese Erneuerung hatte keinen bleibenden Erfolg.
Das Muster wiederholte sich immer wieder: Sünde und Abfall von Gott, das Gericht Gottes, Buße und Umkehr – und anschließend erneut Sünde und neuer Abfall.
Warum? Wo liegt das Problem?
Ist das Gesetz zu hart? Ist Gott zu gnädig oder zu gerecht? Nein.
Wir Menschen sind das Problem. Im Alten Bund wird deutlich, dass das Blut von Böcken und Stieren Sünden nicht wirklich wegnehmen kann. Deshalb endet das Alte Testament in einer tiefen Spannung. Es lässt die Frage offen:
Wann wird die Sünde endlich weggetan? Und wann wird die Gerechtigkeit Gottes, die durch die Sünde seines Volkes immer wieder herausgefordert wurde, endgültig sichtbar und wiederhergestellt?
Der neue Bund in Christus
Alles schreit nach einem Retter. Alles schreit nach einem Erlöser, nach dem Messias.
Dann hören wir beim letzten Abendmahl die Worte unseres Herrn:
Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.
(Lukas 22,20)
Ein neuer Bund. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass im neuen Bund das gute und gerechte Gesetz Gottes auf die Herzen der Menschen geschrieben wird. Gott selbst bewirkt durch seinen Geist, dass die Menschen seine Gebote halten.
Wie groß ist das!
Heute dürfen wir in diesem neuen Bund mit Gott vereint sein. Wir sind nicht mehr hoffnungslos in diesem Kreislauf aus Sünde, Gericht, Wiederherstellung und erneuter Sünde gefangen.
Unser Herr hat durch ein einziges Opfer für alle Zeit ein Ende mit der Sünde gemacht. Die Macht der Sünde ist für jeden gebrochen, der mit Buße und Glauben zu Christus kommt.
Und wir haben die Hoffnung, dass eines Tages, wenn wir bei ihm sein werden, sogar die Gegenwart der Sünde vollständig verschwunden sein wird.
Dann werden wir wirklich vereint sein – als vollkommen geheiligtes Volk Gottes.
Unsere Hoffnung
Erinnere dich noch einmal an das letzte Lied, das wir gesungen haben. Durch die Musik durften wir einen kleinen Vorgeschmack auf den Tag bekommen, an dem wir vor unserem Herrn stehen werden.
Vor dem, der so sehr für uns gelitten hat.Vor dem, der uns aus diesem endlosen Muster unserer eigenen Sünde losgekauft hat. Vor dem, der uns erneuert hat.
Dann werden wir ihm unsere ganze Herzensanbetung bringen – ohne Einschränkung, ohne Schwachheit unsererseits. Und das wird in Ewigkeit so sein.
Deshalb sind die Geschichten des Alten Testaments so wertvoll. Sie helfen uns, den Gott dieser Geschichte kennenzulernen. Zugleich erkennen wir aus der Perspektive des Neuen Testaments das entscheidende Kapitel, das Gott selbst geschrieben hat: den Messias, Jesus Christus, und sein Werk am Kreuz.
Daraus dürfen wir Hoffnung schöpfen und uns selbst durch den Geist Gottes in Buße und Anbetung immer wieder zu Gott hin erneuern.
Lasst uns aufstehen.
Lasst uns unseren Gott anbeten.
Lasst uns ihm für sein Wort und für sein Reden danken.

