In Galater 5,22–23 lesen wir:

„Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“

Was bedeutet Freude als Frucht des Geistes?

Heute wollen wir über Freude sprechen, eine Frucht des Heiligen Geistes.

Gerade im Lobpreis kann man Freude spüren. Wir denken über Jesus nach, wir preisen ihn, und daraus entsteht eine ganz unmittelbare Freude. Das ist gut. Aber die Freude, von der wir heute sprechen wollen, ist mehr als dieses Gefühl aus einem schönen Moment heraus.

Im normalen Sprachgebrauch verstehen wir Freude oft so: Es gibt einen positiven Anlass, und darauf folgt eine emotionale Reaktion. Wir lächeln, wir lachen, vielleicht stoßen wir sogar einen Freudenschrei aus. Etwas Schönes geschieht – und wir freuen uns.

Ich möchte dazu zwei Geschichten erzählen.

Vor einigen Jahren war ich im Urlaub in Spanien. Ich bin eine totale Wasserratte und muss immer ins Wasser. Gleichzeitig bin ich Brillenträger und wegen meiner starken Fehlsichtigkeit sind meine Brillen ziemlich teuer. Eines Tages ging ich mit meiner Brille ins Meer. Eine Welle kam – und plötzlich war die Brille weg.

Nach ein paar Minuten Panik kam jemand auf die Idee zu beten. Kurz darauf sagte jemand im Wasser: „Ich bin auf etwas Komisches getreten.“ Tatsächlich: Es war meine Brille.

Die Brille war wieder da – und natürlich war da Freude. Ein äußerer Anlass, eine emotionale Reaktion: Danke, Jesus!

Die zweite Geschichte geschah auf einer Gemeindefreizeit. Uwe, ein Gemeindemitglied, probierte zum ersten Mal Stand-up-Paddling aus. Er fiel ins Wasser und verlor ebenfalls seine Brille. Wir beteten wieder. Aber diesmal kam die Brille nicht zurück. Später sprach ich mit Uwe. Und trotz der verlorenen Brille war da bei ihm Freude. Er vertraute darauf, dass sein Leben in Gottes Hand lag.

Zwei Geschichten. Zweimal eine verlorene Brille. Aber zwei völlig unterschiedliche Ergebnisse – und trotzdem konnte in beiden Situationen Freude da sein.

Genau das führt uns zu der besonderen Freude, von der die Bibel spricht:

„Freut euch allezeit!“ (1. Thessalonicher 5,16)

„Freut euch im Herrn allezeit; abermals sage ich: Freut euch!“ (Philipper 4,4)

Wenn Freude nur eine Reaktion auf angenehme Umstände wäre, wären solche Worte kaum zu verstehen. Die Bibel kennt schließlich Leid, Sorgen und Bedrängnis sehr gut. Paulus beschreibt sich in 2. Korinther 6,10 sogar als „betrübt, aber allezeit fröhlich“.

Das bedeutet nicht, dass schwierige Umstände einen Christen nicht berühren oder dass Trauer keinen Platz hätte. Aber Freude als Frucht des Geistes hat einen tieferen Grund als unsere wechselnden Lebensumstände. Deshalb können Betrübnis und Freude sogar nebeneinander bestehen.

Zwei Verse nach der Aufzählung der Frucht des Geistes heißt es in Galater:

“Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.” (Galater 5,25)

Wir haben Leben von Gott bekommen. Und nun sollen wir auch in diesem Leben gehen. Was kann das im Blick auf die Freude bedeuten? Ich möchte vier Dinge nennen:

  1. Sprich über Jesus – hauptsächlich zu dir selbst
  2. Schau auf Jesus
  3. Komm zu Jesus
  4. Liebe wie Jesus

Wie kann man sich im Herrn allezeit freuen?

1. Sprich über Jesus – hauptsächlich zu dir selbst

Wir haben einen Grund zur Freude. Es ist nicht so, dass christliche Freude grundlos wäre.

Gott selbst ist der Grund unserer Freude.

Unsere Umstände verändern sich. Gott aber verändert sich nicht. Deshalb hängt der tiefste Grund unserer Freude nicht daran, ob gerade alles so läuft, wie wir es uns wünschen. Und genau daran können wir uns selbst erinnern.

Das hört sich vielleicht zunächst etwas merkwürdig an: mit sich selbst über Gott reden. Vielleicht klingt es sogar nach einem psychologischen Trick. Aber in Psalm 42 sehen wir etwas Ähnliches. Der Psalmist spricht seine eigene Seele an:

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meine Rettung und mein Gott ist! (Psalm 42,12)

Der Psalmist hört nicht nur auf seine bedrückte Seele. Er spricht zu ihr. Er erinnert sich selbst daran, wer Gott ist und worauf er hoffen darf. Auch wir haben so viele gute Dinge über Gott und über Jesus, an die wir uns erinnern können, gerade wenn unsere Umstände schwierig sind.

Wir können uns daran erinnern, wie groß und mächtig Gott ist: Er hat das ganze Universum geschaffen und kommt uns doch nahe. Er besitzt alle Macht und alle Gerechtigkeit und begegnet uns doch sanftmütig. Er ist heilig und begegnet uns trotzdem mit Gnade.

Vielleicht ist das auch ein Grund, warum Lobpreis unser Herz aufrichten kann. Wir füllen unser Herz mit Wahrheit. Wir erinnern unsere Seele daran, wer Gott wirklich ist. Wenn die Umstände anfangen, uns zu sagen, wie wir unsere ganze Wirklichkeit verstehen sollen, dürfen wir unserer Seele die Wahrheit über Gott sagen.

Sprich über Jesus – hauptsächlich zu dir selbst.

2. Schau auf Jesus

Der zweite Punkt lautet: Schau auf Jesus.

Wer ist Jesus? Und wer bist du in Jesus?

In Jesaja lesen wir:

Ich freue mich sehr in dem HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir Kleider des Heils angezogen, mit dem Mantel der Gerechtigkeit mich bekleidet (Jesaja 61,10)

Dieses Bild gefällt mir. Da ist Freude wie bei einer Hochzeit. Und für uns Christen verbindet sich diese Freude mit dem, was Jesus am Kreuz getan hat. Jesus hat unsere Schuld getragen. Er ist an unserer Stelle gestorben. Wenn wir ihm vertrauen, haben wir Anteil an dem, was er für uns getan hat. Wir werden vor Gott gerecht gesprochen. Das haben wir nicht verdient. Es ist wie ein Geschenk, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hat.

Hier liegt ein tiefer Anlass zur Freude. Das Kreuz liegt historisch fast zweitausend Jahre zurück. Für jemanden, der schon lange Christ ist, ist die Botschaft davon auch keine neue Überraschung mehr. Und trotzdem verliert sie ihre Bedeutung nicht. Wir können uns heute noch darüber freuen, dass Jesus unsere Schuld getragen hat und dass wir durch ihn vor Gott gerecht sein dürfen.

Wenn wir auf Jesus schauen, sehen wir aber nicht nur zurück auf das Kreuz. Wir schauen auch nach vorn. Unsere Geschichte endet nicht mit den Umständen, in denen wir heute leben. Vor uns liegt eine ewige Zukunft bei Gott. Wir werden einmal vor seinem Thron stehen und ihn anbeten. Darauf dürfen wir uns freuen.

Das verändert unsere Perspektive auf die Gegenwart. Man kennt die alte Frage: Ist das Glas halb voll oder halb leer? Viel hängt von der Perspektive ab. Und für den Christen ist die entscheidende Perspektive nicht einfach Optimismus. Es geht nicht darum, sich einzureden, alles sei halb so schlimm.

Es geht darum, auf Jesus zu schauen.

Unsere gegenwärtigen Fehler, Enttäuschungen und Schwierigkeiten sind nicht das Ende unserer Geschichte. Jesus hat uns gerettet, und er führt uns auf ein Ziel zu.

Deshalb: Schau auf Jesus. Erinnere dich daran, was er für dich getan hat. Erinnere dich daran, wer du durch ihn sein darfst. Und erinnere dich an die Zukunft, die Gott dir gibt.

3. Komm zu Jesus

Der dritte Punkt ist: Komm zu Jesus.

Das ist wichtig, denn diese Welt hat vieles für uns bereit: Sorgen, Mühe, Angst, Lasten und Trauer. Das gehört zum Leben in dieser Welt. Jesus sagt:

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! (Matthäus 11,28)

Wir müssen unsere Lasten nicht allein tragen. Wir dürfen mit ihnen zu Jesus kommen.

Ich liebe es, mit den Dingen zu Jesus zu gehen, die mich herunterziehen, die mich beschäftigen und mir vielleicht sogar den Schlaf rauben. Ich darf ihm sagen: „Jesus, ich gebe dir das. Du kümmerst dich darum.“

Das bedeutet nicht, dass jedes Problem sofort verschwindet oder dass wir danach automatisch nichts Belastendes mehr empfinden. Aber wir bringen unsere Last nicht irgendwohin. Wir bringen sie zu Jesus und vertrauen sie ihm an.

In Philipper 4 steht die Aufforderung zur Freude genau in diesem Zusammenhang:

Freut euch im Herrn allezeit; abermals sage ich: Freut euch! 5 Eure Sanftmut lasst alle Menschen erfahren! Der Herr ist nahe! 6 Sorgt euch um nichts; sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. 7 Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus! (Philipper 4,4-7)

Wir haben viele Dinge, die uns belasten können: Vielleicht brauchen wir dringend eine Wohnung. Vielleicht brauchen wir Arbeit. Vielleicht ist jemand krank. Vielleicht wissen wir nicht, wie eine schwierige Situation weitergehen soll.

Mit all dem dürfen wir zu Jesus kommen.

Wir müssen nicht erst alles mit unserer eigenen Logik erklären können. Wir dürfen sagen: „Jesus, du hast es. Ich gebe es dir.“ Wir wissen nicht immer, warum etwas geschieht oder wie Gott eine Situation führen wird. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass unsere Anliegen bei ihm aufgehoben sind.

Und es gibt noch etwas, das einem die Freude sehr schwer machen kann: nicht vergeben zu können. Ich habe Menschen erlebt, die über Jahre bitter geworden sind, weil sie an Verletzungen festgehalten haben. Wenn das bei dir ein Thema ist, dann geh auch damit zu Jesus.

Und es gibt die andere Seite: die eigene Schuld. Vielleicht trägst du selbst Schuld mit dir herum und hast sie noch nie zu Jesus gebracht. Dann darfst du wissen: Jesus ist für dich ans Kreuz gegangen. Du darfst ihm vertrauen und mit ihm ein neues Leben beginnen.

Darin liegt eine Freude, deren Grund weiter reicht als unsere gegenwärtigen Umstände. Unsere Hoffnung reicht bis in die Ewigkeit.

Komm zu Jesus – mit allem.

4. Liebe wie Jesus

Der vierte Punkt lautet: Liebe wie Jesus.

Jesus spricht:

Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, gleichwie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe geblieben bin. (Johannes 15,10)

Und unmittelbar danach sagt er:

Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude völlig werde. (Johannes 15,11)

Jesus verbindet hier Liebe, Gehorsam und Freude miteinander.

Freude bedeutet also nicht nur, dass ich mich innerlich besser fühle. Ein Leben mit Jesus richtet mich auch auf andere Menschen aus.

Wenn wir aus Gottes Liebe leben und lernen, so zu lieben, wie Jesus liebt, gehört auch das zu einem Leben, in dem seine Freude Raum gewinnt.

Gedenk der Worte des Herrn Jesus, der selbst gesagt hat: Geben ist glückseliger als Nehmen! (Apostelgeschichte 20,35)

Ich erlebe selbst immer wieder Freude, wenn ich anderen dienen kann – besonders dort, wo ich merke: Das geschieht nicht nur aus meiner eigenen Kraft. Manchmal kann Dienen sich anfühlen wie Fahrradfahren einen steilen Berg hinauf. Man kommt ins Schwitzen, die Beine werden schwer, und man fragt sich: Wann ist es endlich vorbei?

Ich erinnere mich an einen Sonntag, an dem ich mit einer meiner Töchter nach dem Gottesdienst einen Milchshake getrunken hatte. Danach fuhren wir mit dem Fahrrad einen Berg hinauf – und plötzlich hatten wir unglaublich viel Energie.

So ähnlich kann ich es im Dienst für Gott erleben. Da merke ich: Hier geschieht mehr, als ich aus eigener Kraft tun könnte. Gott wirkt. Und daraus entsteht Dankbarkeit und Freude.

Dabei geht es nicht darum, aus Zwang alles Mögliche zu tun, nur weil irgendjemand es tun müsste. Es geht darum, im Heiligen Geist zu leben und das zu tun, wozu Gott uns ruft. Wenn wir erleben, dass Gott durch uns anderen Menschen dient, kann darin große Freude liegen.

Liebe wie Jesus.

Freude in Gottes Gegenwart

Fassen wir die vier Punkte noch einmal zusammen:

Sprich über Jesus – hauptsächlich zu dir selbst.
Schau auf Jesus.
Komm zu Jesus mit allem.
Liebe wie Jesus.

Am Ende bin ich auf Psalm 16 gestoßen. Einige Verse darin haben mich an diese vier Gedanken erinnert:

Ich habe den HERRN allezeit vor Augen; weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. 9 Darum freut sich mein Herz, und meine Seele frohlockt; … 11 Du wirst mir den Weg des Lebens zeigen; vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle (Psalm 16,8-11)

„Ich habe den Herrn allezeit vor Augen“ – schau auf Jesus.

„Weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht“ – daran darf ich auch meine eigene Seele erinnern: Sprich über Jesus, hauptsächlich zu dir selbst.

„Du wirst mir den Weg des Lebens zeigen“ – geh den Weg, den Jesus dir zeigt, und liebe wie Jesus.

Und schließlich: „Vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle.“ Komm zu Jesus.

Das ist keine Methode, mit der wir uns selbst Freude produzieren. Freude ist Frucht des Heiligen Geistes. Wir brauchen ihn. Er richtet unsere Seele auf, hilft uns, Jesus zu sehen, führt uns in die Liebe und lässt seine Freude in unserem Leben wachsen.

Unsere Umstände bleiben nicht immer gut. Manches tut weh. Manches verstehen wir nicht. Manches tragen wir lange.

Aber unsere Umstände sind nicht der tiefste Grund unserer Freude.

Gott ist da. Jesus hat uns gerettet. Wir dürfen mit unseren Lasten zu ihm kommen. Wir dürfen in seiner Liebe leben. Und unsere Geschichte reicht über das hinaus, was wir heute sehen können.

Darum dürfen wir immer wieder auf Jesus schauen und unsere Hoffnung auf Gott setzen.

Vor seinem Angesicht sind Freuden in Fülle.