Gott analysiert dein Herz

Ich will mit einem ganz kleinen Gedankenexperiment beginnen. Wie würdest du dich fühlen, wenn dein Sitznachbar deine innersten Gedanken jetzt in diesem Moment kennen würde?

Wir haben gesungen: „In all I do, I honor you.“ – In allem, was ich tue, ehre ich dich. Wie würdest du dich fühlen, wenn dein Sitznachbar genau das, was du gesungen und bekannt hast, überprüfen könnte?

Es ist schön, dass du dich mit dem Buch Maleachi beschäftigst. Aber es ist auch mutig. Denn Maleachi hat eine starke Botschaft. Eine tiefgehende, in Teilen schonungslose Botschaft Gottes an sein Volk.

Das Volk lebte damals in einer schwierigen Zeit. Die Euphorie nach der Rückkehr und dem Wiederaufbau von Tempel und Stadt Jerusalem war längst verflogen. Ein beschwerlicher Alltag hatte sich eingestellt.

In diese Situation hinein begegnet Gott seinem Volk in insgesamt sechs Dialogen, in sechs Streitgesprächen. Diese folgen immer einem ähnlichen Muster: Gott stellt sein Volk wegen einer bestimmten Sache zur Rede. Das Volk reagiert mit Unverständnis und Rückfragen. Und Gott antwortet darauf, indem er die Dinge erklärt und ihnen Segen und Fluch vorlegt.

Die Botschaft damals und damit auch für uns heute ist eine schonungslose Analyse Gottes. Eine schonungslose Analyse unserer Herzen. Dazu lesen wir in Hebräer 4,13:

„Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben.“

Ist das ein Wort, das uns eine Leichtigkeit gibt, oder ist das ein Wort, das uns in Teilen erschreckt? Erinnert dich das vielleicht an unser Gedankenexperiment – daran, dass dein Nachbar alles kennen könnte, was du denkst und fühlst?

Aber das hier ist viel schwerwiegender. Der Gott, der Schöpfergott, der Gott des Universums sagt: „Vor meinen Augen ist alles enthüllt und aufgedeckt.“

Wir müssen Rechenschaft vor ihm ablegen. Das ist es, was wir im Buch Maleachi finden. Gott kommt zu seinem Volk, blickt bis ins Innerste, prüft und konfrontiert es.

Die Liebe Gottes als Maßstab

„Ich habe euch geliebt“ (Maleachi 1,2)

hatte Gott seinem Volk im ersten Dialog zugerufen. Wie hatte das Volk reagiert?

Sagten sie: „Herr, wir lieben dich auch“? Nein, sondern sie hatten gesagt: „Wirklich? Womit liebst du uns? Beweise uns doch deine Liebe!“

Stellt euch mal vor, ein Ehepaar würde sich so unterhalten. Der eine sagt zum anderen: „Ich liebe dich.“ Und als Antwort kommt: „Ach ja? Woran soll ich das erkennen? Beweise es mir doch erst einmal!“

Doch genau so begegnete das Volk seinem Gott. Und wenn wir ehrlich sind, ist uns diese Haltung vielleicht gar nicht so fremd.

In der ersten Predigt unserer Maleachi-Serie, „Worin hast du uns geliebt?“ (Maleachi 1,1–5), haben wir gesehen, wie Gott seinem Volk seine Liebe durch seine Treue und Erwählung vor Augen führt. Doch haben wir diese Botschaft auch an unser eigenes Herz herangelassen?

Haben wir unser Herz durch das Wort Gottes und den Geist Gottes prüfen lassen?

Sind in meinem oder deinem Herzen vielleicht Zweifel an der Liebe Gottes vorhanden?

Sprichst du in deinem Herzen vielleicht folgendermaßen?

Wie kann Gott mich lieben, wenn ich schon so lange krank bin, so lange leide?

Wie kann Gott mich lieben, wenn ich immer noch einsam, allein bin?

Wie kann Gott mich lieben, wenn in meinem Leben Beziehungen kaputtgehen und Unfriede einzieht?

Wie kann Gott mich lieben, wenn ich immer noch keine Arbeitsstelle gefunden habe, wenn es mir finanziell schlecht geht und ich nicht weiß, wie es weitergehen soll?

Ihr Lieben, das ist eine ernste Frage.

Machen wir diese Nöte, so schwer und so lange wir sie vielleicht schon tragen, zum Maßstab der Liebe Gottes zu uns? Das sollte nicht so sein.

Das Kreuz als Maßstab

Der Blick auf das Kreuz, die Erinnerung an Gottes erwählende Liebe zu uns und die Gewissheit, dass wir jetzt Kinder Gottes sein dürfen, sollten bestimmen, wie wir seine Liebe zu uns beurteilen.

Ich möchte euch zurufen, wie das Johannes in seinem Brief macht, mit voller Begeisterung, wo er sagt:

„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Kinder Gottes heißen sollen!“ (1. Johannes 3,1)

Was Gott in Jesus Christus für uns getan hat, ist der Maßstab seiner Liebe zu uns. Das zu begreifen und daran festzuhalten, ist keine einfache Aufgabe. Aber mit der Gnade Gottes eine machbare.

Ihr seht, wie tief dieser Dialog Gottes mit seinem Volk geht und wie praktisch das für uns werden sollte. Es ist kein Zufall, dass dieses prophetische Buch mit der Frage nach Gottes Liebe beginnt. Denn Zweifel und Skepsis gegenüber der Liebe Gottes sind sozusagen die Mutter aller Probleme, die wir als Christen erleben können.

Denn diese Skepsis trübt und verunreinigt viele weitere Bereiche unseres Lebens. Wie Gift in einer Quelle den ganzen Bachlauf und die angrenzenden Wiesen verderben kann, so wirkt sich der Zweifel an Gottes Liebe auf unser Leben aus.

Selbst unsere Anbetung Gottes wird von diesem Gift des Zweifels an der Liebe Gottes nicht verschont. Und genau um diese Anbetung geht es im zweiten Streitgespräch Gottes mit seinem Volk.

Gott fordert Ehre – doch sein Volk verachtet ihn

Wir lesen zunächst Maleachi 1,6–10:

Ein Sohn soll seinen Vater ehren und ein Knecht seinen Herrn! Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo ist die Furcht vor mir?, spricht der HERR der Heerscharen zu euch Priestern, die ihr meinen Namen verächtlich macht. Aber ihr fragt: »Womit haben wir deinen Namen verächtlich gemacht?« 7 Damit, dass ihr auf meinem Altar verunreinigtes Brot darbringt! Aber ihr fragt: »Womit haben wir dich verunreinigt?« Damit, dass ihr sagt: »Der Tisch des HERRN ist verachtenswert!« 8 Und wenn ihr ein blindes Tier zum Opfer bringt, ist das nichts Böses; und wenn ihr ein lahmes oder krankes darbringt, ist das auch nichts Böses? Bringe es doch deinem Statthalter! Wird er Wohlgefallen an dir haben oder dich freundlich beachten?, spricht der HERR der Heerscharen. 9 Und nun besänftigt doch das Angesicht Gottes, damit er uns gnädig sei! Wird er, weil so etwas von eurer Hand geschehen ist, jemand von euch freundlich beachten? 10 Es soll doch lieber gleich jemand von euch die Türen [des Tempels] schließen, damit ihr nicht vergeblich mein Altarfeuer anzündet! Ich habe kein Wohlgefallen an euch, spricht der HERR der Heerscharen, und die Opfergabe, die von euren Händen kommt, gefällt mir nicht!

Maleachi 1,12–14:

Ihr aber entheiligt ihn damit, dass ihr sagt: »Der Tisch des Herrn darf verunreinigt werden, und die Speise, die von ihm kommt, ist verachtenswert!« 13 Und ihr sagt: »Siehe, ist es auch der Mühe wert?« Und ihr verachtet ihn, spricht der HERR der Heerscharen, und bringt Geraubtes und Lahmes und Krankes herbei und bringt so etwas als Opfergabe dar. Sollte ich das von eurer Hand wohlgefällig annehmen?, spricht der HERR. 14 Nein, verflucht sei der Betrüger, der in seiner Herde ein männliches Tier hat und ein Gelübde tut und dann doch dem Herrn ein verdorbenes opfert! Denn ich bin ein großer König, spricht der HERR der Heerscharen, und mein Name ist gefürchtet unter den Heidenvölkern.“

Die sichtbaren Opfer und die innere Haltung

Das muss eine schockierende Botschaft für das Volk damals gewesen sein. Nicht nur wegen ihrer Direktheit, sondern auch, weil Gott ihr Innerstes erkannte und es ihnen vor Augen führte.

Überlegt euch einmal, wie die Worte in Vers 10 für das Volk geklungen haben müssen: Es wäre besser, den Tempel zu schließen und verschlossen zu lassen, als weiterhin auf diese Weise Opferdienst zu bringen und Gottesdienste zu feiern.

Die Opfergaben, die ihr mir bringt, daran habe ich kein Wohlgefallen. Was hatten sie denn getan? In ihren Rückfragen an Gott hören wir etwas von ihrem Unverständnis. Gott spricht hier zwei Ebenen an: das äußerlich sichtbare Verhalten und dessen eigentliche Ursache – die innere Haltung gegenüber Gott und seinem Gottesdienst.

Was konnte man von außen beobachten? Sie brachten verunreinigtes Brot und blinde, lahme, kranke oder sogar geraubte Opfertiere. Alles Dinge, die Gott in seinen Anordnungen für die Opfer ausdrücklich verboten hatte. Ihr könnt beispielsweise in 3. Mose nachlesen, dass die Opfertiere ohne Fehler sein mussten.

Sie brachten nicht ihre Erstlinge, nicht ihr Bestes, sondern minderwertige Opfergaben vor einen heiligen Gott. Aber das war nur Ausdruck ihrer inneren Haltung, ihres Herzenszustands.

Am Ende von Vers 7 lesen wir, dass das Volk den Tisch des HERRN – damit ist der Altar gemeint – verachtete. Auch die Opfer waren in ihren Augen verachtenswert, wie wir am Ende von Vers 12 lesen.

Schaut noch einmal in Vers 13. Dort macht Gott ihre Herzen offenbar. Wir lesen am Anfang:

„Ist es auch der Mühe wert?“

Sie kamen mit Stöhnen und Seufzen. Ja, schon wieder opfern, schon wieder all diese Arbeit! Immer das Gleiche, jeden Tag. Frühopfer, Spätopfer, dann diese Feste mit noch mehr Opfern. Immer die gleiche Arbeit. Wir können es nicht mehr sehen.

Das Wort, das hier im Deutschen mit „ihr verachtet ihn“ übersetzt wird, bedeutet im Hebräischen wörtlich „anblasen“. Wie würden wir das heute ausdrücken? Sie kamen mit Stöhnen, mit Seufzen und mit Naserümpfen. So standen sie dem Altar und dem Opferdienst für einen heiligen Gott gegenüber. Verachtung für den Dienst an ihrem Gott.

Und noch einmal: Das Äußere, das an den Opfertieren und ihrer Qualität sichtbar wurde, offenbarte ihren inneren Zustand. Sie konnten nicht sagen: „Ja, wir bringen schlechte Tiere, aber unser Herz ist doch richtig.“

Kennen wir solche Ausreden? Wenn wir die Dinge, die Gott uns sagt, nicht so ganz ernst nehmen und dann meinen: „Ja, aber Gott sieht mein Herz.“

Nein, das, was ich tue, beschreibt, wie es in meinem Herzen aussieht. So rum ist das, und nicht andersrum.

Wahre Anbetung beginnt mit Ehrfurcht vor Gottes Größe

Ist euch aufgefallen, wie Gott sich hier nennt? In diesen neun Versen finden wir siebenmal die Worte:

„Spricht der HERR der Heerscharen.“

Dieser Name drückt seine grenzenlose Autorität, seine Ehre, seine Herrlichkeit und seine Macht aus. Was für ein gewaltiger Kontrast zu der Art, wie das Volk mit eben diesem HERRN der Heerscharen umging! Gott zielt von Anfang an auf ihre Herzen, indem er fragt:

„Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre?“ (Maleachi 1,6)

Das ist die entscheidende Frage, die über dieser Predigt steht. Gott prüfte damals die Herzen und Handlungen seines Volkes und musste fragen: „Bin ich euer Vater? Wo ist meine Ehre? Bin ich euer Herr? Wo aber ist meine Ehrfurcht?“

Ihr traut euch nicht, eurem Statthalter solch minderwertige Gaben zu bringen. Aber mir, dem HERRN der Heerscharen, eurem Herrn und Vater, bringt ihr minderwertige Opfer?

Was ist mit euch los?

Aber sollten wir nicht auch Verständnis für das Volk haben? Schließlich ging es ihnen wirtschaftlich sehr schlecht. War es nicht nachvollziehbar, dass sie die guten Tiere für die Fortpflanzung ihrer Herden und damit für ihr tägliches Auskommen behielten und Gott nur das gaben, was sie dafür nicht brauchten?

War das nicht eine verständliche Entscheidung? Vielleicht dachten sie: „Gott sieht doch das Herz an und schaut beim Äußeren nicht so genau hin.“

Doch das Volk hatte versäumt, sich bewusst zu machen, vor welchen Gott es trat und was einem solchen Gott an Ehre gebührt. Sie hatten den Kern von Anbetung und Gottesdienst aus den Augen verloren: im vollen Bewusstsein in die Gegenwart eines heiligen, gerechten, herrlichen, gnädigen und liebenden Gottes zu kommen und ihm das Beste zu geben.

Das Hauptproblem, das Gott hier anspricht, ist der Mangel an Respekt und Ehre gegenüber ihrem himmlischen Vater. Anstatt ihm mit herzlicher Zuneigung und ehrfürchtigem Zittern zu begegnen, bestand ihr Gottesdienst nur noch aus einer leeren, verunreinigten Hülle.

Achtlose Anbetung ist das, was der HERR der Heerscharen in ihrer Mitte vorfand.

Wie sieht unsere Anbetung aus?

Wir merken, wie sehr diese Vorwürfe Gottes auch auf unsere Herzen zielen. Denn auch wir kommen als Gemeinde Jesu Christi zusammen, um Gottesdienst zu feiern und Gott anzubeten.

Welches Urteil müsste Gott über unsere Anbetung fällen, wenn er durch unsere Reihen ginge und in jedes unserer Herzen hineinschauen würde?

Kann man an meiner, kann man an deiner Haltung und Teilnahme am Gottesdienst erkennen, dass du mit herzlicher Zuneigung zu Gott und mit ehrfürchtigem Zittern vor ihm stehst? Zeigst du dadurch, wer dieser Gott für dich ist und was er dir bedeutet?

Ihr Lieben, er ist würdig, er allein, unser Erstes und unser Bestes zu empfangen.

Oder hat sich bei uns, ähnlich wie beim Volk damals, Achtlosigkeit in die Anbetung eingeschlichen? Bringen vielleicht auch wir minderwertige Opfer?

Ist unsere Anbetung halbherzig? Sind wir mit unseren Gedanken schon am Montag, statt am Sonntag bewusst in der verheißenen Gegenwart Gottes zu sein, bei dem, den wir anbeten?

Kommen wir vielleicht mit einem von Sünde befleckten Gewissen, mit Sünden, die wir ihm nicht bekannt haben? Beten wir mit Bitterkeit im Herzen an? Würde Gott Unvergebenheit in unseren Herzen finden, wenn er sie prüfte?

Fragst du dich vielleicht: „Was bringt mir denn der Gottesdienst?“, anstatt zu fragen: „Was möchte denn mein Vater im Himmel, dass ich ihm bringe?“

Erwartest du, dass dir im Gottesdienst gedient wird? Oder kommst du mit der Haltung, Gott und deinen Mitgeschwistern zu dienen?

Und wie sieht es bei denen aus, die einen Dienst rund um den Gottesdienst übernehmen? Klagen wir innerlich vielleicht mehr über die Mühe des Dienstes, als darin ein Vorrecht und eine Freude zu sehen, durch die wir Gott Anbetung bringen dürfen?

Kommen wir vielleicht mit leeren Händen vor Gott? Auch das verbietet uns das Wort Gottes. In 5. Mose 16 lesen wir, dass wir nicht mit leeren Händen vor Gott erscheinen sollen. Kommen wir mit leeren Händen und Herzen vor ihn, statt sie mit Dankbarkeit und Anbetung zu füllen?

Ihr Lieben, wir alle haben Grund, dankbar zu sein.

Freuen wir uns auf den Sonntag als Höhepunkt der Woche? Oder nutzen wir jede Gelegenheit, einen Gottesdienst ausfallen zu lassen? Und wie sieht es mit dem Tisch des HERRN aus? Im Neuen Testament wird dieser Ausdruck auch für das Abendmahl verwendet. Ist das verachtenswert in unseren Augen? Oder hat es den Stellenwert, den es für Gott, für unseren Herrn Jesus Christus hat?

Gott wohlgefällige Anbetung

Schauen wir dazu in Hebräer 12,28:

„Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns die Gnade festhalten, durch die wir Gott auf wohlgefällige Weise dienen können, mit Scheu und Furcht.“

Kennen wir etwas von dieser Scheu und Furcht, wenn wir uns Gott nahen?

In Hebräer 13,15 lesen wir:

„Durch ihn nun“ – das ist Christus – „lasst uns nun Gott beständig ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.“

Ist Lob etwas, das wir bereits mitbringen und dann gemeinsam in unseren Liedern zum Ausdruck bringen? Und in Vers 16 heißt es:

„Wohlzutun und mitzuteilen“ – das heißt zu geben – „vergesst nicht. Denn solche Opfer gefallen Gott wohl.“

Wie steht es mit unserem Geben?

Auch hier geht es nicht darum, einfach eine äußere Form abzuhaken. Gott sagt uns in seinem Wort sehr deutlich: „Den fröhlichen Geber liebt Gott.“

Nicht den, der widerwillig gibt, weil er meint, geben zu müssen. Sondern den, der erfüllt ist von dem, was Gott ihm geschenkt hat, und deshalb aus einem dankbaren Herzen fröhlich gibt.

Das ist ein Gott wohlgefälliges Opfer.

„Ich bin euer Vater. Wo aber ist meine Ehre?“

Wollen wir diese Botschaft Gottes nicht annehmen und mitnehmen?

Besondere Verantwortung

Der zweite Disput Gottes mit seinem Volk schließt mit einer besonderen Ermahnung an die verantwortlichen Priester in Maleachi 2,1–9. Wir lesen die Verse 1 und 2 sowie 8 und 9:

„Und nun, ihr Priester, dieses Gebot gilt euch! 2 Wenn ihr nicht hören wollt und ihr es euch nicht zu Herzen nehmt, meinem Namen die Ehre zu geben, spricht der HERR der Heerscharen, so schleudere ich den Fluch gegen euch und verfluche eure Segenssprüche; und ich habe sie auch schon verflucht, denn ihr nehmt es nicht zu Herzen! (Maleachi 2,1-2)

Ihr aber seid vom Weg abgewichen; ihr seid schuld, dass viele im Gesetz zu Fall gekommen sind, ihr habt den Bund mit Levi missbraucht!, spricht der HERR der Heerscharen. 9 Darum habe auch ich euch beim ganzen Volk verächtlich und unwert gemacht, weil ihr meine Wege nicht bewahrt, sondern bei Anwendung des Gesetzes die Person anseht. (Maleachi 2,8-9)

Was war die Aufgabe der Priester damals? Natürlich waren sie für die Opferdienste am Tempel verantwortlich. Aber nicht nur das. Sie sollten auch das Gesetz Gottes lehren und anwenden. Ihr Versagen in dieser Aufgabe wurde tragischerweise zum Fall vieler im Volk.

Das ist eine sehr ernste Ermahnung an alle von uns, die wir geistliche Verantwortung innerhalb der Gemeinde tragen.

Lasst uns fleißig sein, das Wort Gottes, das Wort der Wahrheit, zu hören. Aber nicht nur das: Wir müssen es auch zu Herzen nehmen.

Wir müssen Herzen haben, die für die Ehre Gottes brennen.

Das und nichts weniger erwartet Gott von uns.

Wenn wir als Leiter der Gemeinde darin versagen, tragen wir eine ernste Verantwortung. So wie damals die Priester durch ihre Untreue viele zu Fall brachten, können auch wir durch falsche Lehre oder ein schlechtes Vorbild anderen geistlich großen Schaden zufügen.

Das Neue Testament macht deutlich, wie ernst Gott die Verantwortung derer nimmt, die sein Wort lehren. Das gilt auch für unsere Verantwortung, die Wahrheit über Anbetung und Gottesdienst zu lehren und für eine Gott wohlgefällige Anbetung Sorge zu tragen.

Hört noch einmal die Worte aus Vers 2:

„Wenn ihr nicht hören wollt und ihr es euch nicht zu Herzen nehmt, meinem Namen die Ehre zu geben.“

Wir sollen die Ehre des HERRN auf dem Herzen tragen, und das soll erkennbar sein. Wir sollen solche sein, die für die Ehre unseres Gottes brennen.

Erneuerte Anbetung setzt erneuerte Herzen voraus

Ich denke, inzwischen verstehen wir, warum ich gesagt habe, dass es mutig ist, sich dieser Botschaft Gottes zu stellen. Es ist eine gewichtige, in Teilen schonungslose Botschaft.

Mein Gebet ist, dass wir das, was Gott uns vor Augen geführt hat, annehmen und darüber Buße tun. Aber nicht, um uns anschließend nur vorzunehmen, es der äußeren Form nach besser zu machen. Denn erneuerte Anbetung setzt erneuerte Herzen voraus.

Als ich diese Textstelle studiert habe, habe ich mich darüber sehr gefreut: Gott lässt sein Volk nicht einfach mit der Aufforderung stehen: „Jetzt macht es aber mal besser.“

In beiden Teilen dieses Streitgesprächs finden wir Verse, die zunächst merkwürdig erscheinen. Sie passen scheinbar gar nicht zu dem ernsten, anklagenden Ton der übrigen Worte Gottes.

Es sind genau die Verse, die wir bisher bewusst ausgelassen haben. Lesen wir sie jetzt, um daraus Ermutigung, Hoffnung und Freude zu schöpfen und mit Gottes Kraft anzugehen, was er uns gesagt hat.

Zunächst Maleachi 2,5–7. Hier spricht Gott über Levi:

„Mein Bund mit ihm war Leben und Friede, und ich verlieh ihm beides, damit er [mich] fürchtete, und er fürchtete mich auch und hatte Ehrfurcht vor meinem Namen. 6 Das Gesetz der Wahrheit war in seinem Mund, und nichts Verkehrtes wurde auf seinen Lippen gefunden; er wandelte mit mir in Frieden und Aufrichtigkeit, und viele brachte er zur Umkehr von der Missetat. 7 Denn die Lippen des Priesters sollen die Erkenntnis bewahren, und aus seinem Mund soll man das Gesetz erfragen; denn er ist ein Bote des HERRN der Heerscharen..“

Ich empfehle euch, diese Verse noch einmal im Zusammenhang zu lesen. Dann erkennt ihr, was für ein bemerkenswerter Bruch im Ton der Worte Gottes an dieser Stelle entsteht. Gott will seinem Volk Hoffnung machen. Worin liegt diese Hoffnung?

In einem vollkommenen levitischen Priestertum, wie es hier beschrieben wird. In einem Hohenpriester, durch den das Volk damals – und auf uns heute übertragen auch wir – Leben von Gott und Frieden mit Gott empfangen können.

Aber wo finden wir einen Priester, der Gott wirklich in allem vollkommen wohlgefällig ist? Wo finden wir einen Priester, der niemals von Gottes Wegen abgewichen ist? Die Antwort finden wir im Neuen Testament. Es ist unser Herr Jesus Christus. Unser vollkommener Hohepriester. Nicht weil Maleachi hier schon unmittelbar von Jesus spricht, sondern weil Jesus das vollkommen erfüllt, woran die Priester des Alten Bundes immer wieder gescheitert sind.

Seht ihr die Hoffnung, die Gott selbst hier im Alten Testament aufleuchten lässt?

Lesen wir dazu Hebräer 9,13–14:

„Denn wenn das Blut von Stieren und Böcken und die Besprengung mit der Asche der jungen Kuh die Verunreinigten heiligt zur Reinheit des Fleisches, wie viel mehr wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist als ein makelloses Opfer Gott dargebracht hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, damit ihr dem lebendigen Gott dienen könnt?“

Wenn uns die Worte Gottes über unsere Anbetung getroffen haben, dann liegt hier und nur hier unsere Hoffnung.

Nicht darin, dass wir uns einfach mehr anstrengen, sondern in Jesus Christus, unserem Hohenpriester, dessen Blut unser Gewissen reinigt, damit wir dem lebendigen Gott dienen können.

Reine Anbetung aller Völker

Und was ist das Ziel?

Auch das finden wir bereits im ersten Teil dieses Streitgesprächs. Wieder ein Vers, der inmitten all der ernsten Vorwürfe zunächst überraschend erscheint:

„Denn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang soll mein Name groß werden unter den Heidenvölkern, und überall sollen meinem Namen Räucherwerk und Gaben, und zwar reine Opfergaben, dargebracht werden; denn groß soll mein Name unter den Heidenvölkern sein!, spricht der HERR der Heerscharen.“ (Maleachi 1,11)

Was ist das Ziel Gottes? Reine Anbetung aller Völker. Wie fassen wir das zusammen?

Gott hatte eine harte Botschaft für sein Volk. Aber diese harte Botschaft entsprang einem Herzen der Liebe. Einem Herzen, das voller Verlangen war, seine Ehre groß zu machen.

Gott greift ein. Er lässt sein Volk nicht in seinem Zustand, weil er es liebt. Und so greift er auch heute ein. So sollten wir diese Botschaft aufnehmen.

Gott möchte uns nicht lassen, wie wir sind. Er liebt uns und möchte unsere Anbetung erneuern und wiederherstellen. Und es wird einmal eine ewige Anbetung geben. Eine Anbetung aller Völker, aller Erlösten vor dem Thron Gottes. Und wisst ihr, was Gott dann nicht mehr sagen wird? Dann wird er nicht mehr fragen: „Wo ist meine Ehre?“

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About the Author: Martin Briel

Geboren 1982 in Biedenkopf-Wallau, bin ich in einer Brüdergemeinde aufgewachsen und von klein auf mit dem christlichen Glauben vertraut. Seit 2010 bin ich mit Kathrin verheiratet, gemeinsam haben wir zwei Kinder. Nach meinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens arbeite ich heute als Qualitätsingenieur. Seit 2020 diene ich zudem als Ältester in der Gemeinde.