In Maleachi 1,1–5 stellt das Volk Israel Gott eine herausfordernde Frage: „Worin hast du uns geliebt?“ Gottes Antwort führt uns zu Jakob und Esau und zeigt, wie seine Liebe, Gnade und souveräne Erwählung zusammenhängen. Die Predigt erklärt den geschichtlichen Hintergrund des Propheten Maleachi und zeigt, warum wir auch in schwierigen Lebensumständen auf Gottes Liebe vertrauen dürfen. Den größten Beweis seiner Liebe finden wir in Jesus Christus.

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Q and A with God

Das Buch Maleachi umfasst drei Kapitel, die wir uns Vers für Vers anschauen wollen.

Diese drei Kapitel sind besonders interessant und einzigartig, weil sie wie eine Art Debatte zwischen dem Volk Israel und Gott aufgebaut sind. Das ganze Buch ist in sechs Abschnitte gegliedert, in sechs Fragerunden, die das Volk mit Gott hat. Passend dazu steht über diesem Buch der Untertitel: „Q and A with God“.

Wenn wir den Propheten lesen, werden wir feststellen, dass diese Fragen auf eine traurige Art und Weise die mürrische, halbherzige Herzenseinstellung des Volkes in dieser Zeit zeigen.

Die erste Frage, mit der wir auch anfangen, lautet: „Worin hast du uns geliebt, Gott?“ (Mal 1,2)

Die zweite Frage lautet: „Womit haben wir deinen Namen verächtlich gemacht?“ (Mal 1,6)

Und die dritte Frage: „Womit haben wir dich verunreinigt?“ (Mal 1,7)

„Womit haben wir dir Mühe gemacht?“, fragen sie. (Mal 2,17)

Oder: „Worin sollen wir umkehren?“ (Mal 3,7)

„Worin haben wir dich beraubt?“ (Mal 3,7)

Oder: „Wo haben wir untereinander gegen dich geredet?“, fragen sie. (Mal 3,13)

Unser Herz als Gemeindeleitung ist es, dass wir nicht nur interessantes Bibelwissen anhäufen, sondern ganz praktische Prinzipien aus Gottes Wort herausnehmen und lernen, sie in unserem Leben anzuwenden. Dass wir Gott Raum geben, in unsere Herzen, in unser Leben hineinzusprechen.

Maleachi im geschichtlichen Zusammenhang

Zeitlich ordnen die meisten Maleachi zwischen 435 und 400 vor Christus ein. Das ist spannend, weil er entweder im Anschluss an Nehemia oder während der Zeit prophezeit hat, in der Nehemia nach Persien zurückgereist war.

Vielleicht erinnert ihr euch: Als Nehemia nach vielleicht mehreren Jahren in Persien wieder zurückkam, sah er ganz viele Missstände im Volk. Und Maleachi greift viele dieser Missstände auf und spricht da hinein.

Ein weiterer interessanter Aspekt an Maleachi ist, dass nach ihm, dem letzten Buch des Alten Testaments, 400 Jahre Stille folgten, in denen Gott sich seinem Volk nicht auf diese Art und Weise offenbart hat, wie wir es in der Schrift finden.

Und deswegen deutet auch Maleachi als letzter Prophet des Alten Testaments, mit diesem Gesamtzeugnis des Alten Testaments, auf einen hin, der kommen muss: einen Messias.

Ganz am Schluss von Maleachi finden wir dieses starke Versprechen und die Hoffnung, dass ein Prophet in der Rolle Elias das Volk auf den Messias vorbereiten soll.

Und was passiert nach diesen 400 Jahren Stille? Wir sehen, dass Johannes der Täufer auftritt und in dieser Rolle den Weg vorbereitet.

Der erste Vers ist eine kurze Einleitung in diesen Propheten. Da heißt es:

Dies ist die Last, das Wort des HERRN an Israel durch die Hand Maleachis. (Maleachi 1,1)

In dieser kurzen Einleitung finden wir vier wichtige Fakten:

  1. Von wem kommt das Buch? Von dem HERRN, von Gott.
  2. Es ist eine Last in Form eines Wortes.
  3. Das Wort ist an das Volk Israel gerichtet.
  4. Durch wen spricht Gott? Durch den Propheten Maleachi.

Wer ist dieser HERR, der hier spricht?

Wer ist dieser HERR, von dem das Buch kommt? Wer ist Gott, der sich im Alten Testament offenbart hat?

Wenn wir ins Alte Testament schauen, sehen wir, dass der HERR sich zuerst als Schöpfer der ganzen Welt offenbart hat. Er hat die Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen und die Welt für den Menschen, für diese Gemeinschaft mit ihm. Aber der Mensch ist in Sünde gefallen, und die Konsequenz der Sünde war die Trennung von Gott.

Gott hat sich offenbart, indem er Noah und seine Familie durch die Flut gerettet und die Nationen beim Turmbau von Babel zerstreut hat. Er hat sich offenbart, indem er Abraham erwählt und ihm versprochen hat, aus ihm eine große Nation zu machen und ihn zum Segen für alle Geschlechter werden zu lassen.

Und diese Bezeichnung, die wir hier finden, „HERR“, in Großbuchstaben geschrieben, repräsentiert diesen persönlichen Namen Gottes: Jahwe. Er ist es, der Mose berufen und seinen Namen erklärt hat, als er sagte:

Ich bin, der ich bin. (2. Mose 3,14)

[…] das ist mein Name ewiglich, ja, das ist der Name, mit dem ihr an mich gedenken sollt von Geschlecht zu Geschlecht. (2. Mose 3,15)

Drei große Charakterzüge sollten wir uns immer wieder bewusst machen, wenn wir anschauen, wer hier durch Maleachi spricht. Wie hat sich Gott im Alten Testament offenbart?

  1. Er ist ein Gott, der sein Volk liebt.
  2. Er ist ein Gott, der sein Volk rettet.
  3. Er ist ein Gott, der zu seinem Volk redet.

Ein Gott, der sein Volk liebt

Und Gottes Liebe bedeutet, dass Gott sich ein Volk erwählt hat, dass er ihm ein Bundesversprechen gegeben hat und treu zu diesem Bund steht und ihn erfüllt.

  1. Mose 7 wird erklärt, warum Gott sich dieses Volk erwählt hat. Diese Stelle ist auch für unseren Text in Maleachi zentral. Da heißt es:

Nicht deshalb, weil ihr zahlreicher wärt als alle Völker, hat der HERR sein Herz euch zugewandt und euch erwählt — denn ihr seid das geringste unter allen Völkern —, sondern weil der HERR euch liebte und weil er den Eid halten wollte, den er euren Vätern geschworen hatte, darum hat der HERR euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Haus der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. (5. Mose 7,7-8)

Nicht weil sie so zahlreich oder so toll waren, hat Gott sie erwählt, sondern weil er darin seine Liebe zeigen wollte. Bedingungslos, ohne dass sie Leistung erbringen mussten, hat er sie erwählt und seine Liebe über sie ausgeschüttet.

Ein Gott, der sein Volk rettet

Gottes Liebe wurde auch darin sichtbar, dass er sein Volk immer wieder rettete – angefangen bei Ägypten und durch die ganze Geschichte Israels hindurch.

Denkt an dieses Gebet in Nehemia 9, wo die Leviten die Geschichte ihres Volkes durchgehen und sehen: Gott, wir sehen deine Treue darin, wie du uns immer wieder gerettet hast, trotz unserer Untreue.

Das müssen wir verstehen: Gott zeigt seine Treue und Liebe darin, dass er rettet.

Ein Gott, der zu seinem Volk redet

Gottes Liebe wird auch darin sichtbar, dass er zu seinem Volk redet. Er zeigt ihnen, wer er ist und wie sie leben sollen, damit sie in dieser Gemeinschaft mit ihm leben können:

Denn gleichwie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, bis er die Erde getränkt und befruchtet und zum Grünen gebracht hat und dem Sämann Samen gegeben hat und Brot dem, der isst – genau so soll auch mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht: Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es gesandt habe! (Jesaja 55,10–11)

Gott redet zu seinem Volk, weil er sein Volk liebt. Auch hier in Maleachi ist es Gott, der redet. Darin sehen wir seine Liebe.

Eine Last – das Wort des HERRN

Das Zweite ist ein interessantes Wort:

Dies ist die Last, das Wort des HERRN (Maleachi 1,1)

Der hebräische Begriff „Massa“ bedeutet „Last“ und ist mit dem Tragen von etwas Schwerem verbunden. Er kann aber auch als „Ausspruch“ übersetzt werden. Also eine Last, die man trägt, oder ein Ausspruch, den man für jemand anderen trägt.

Bei den Propheten wird dieser Begriff häufig verwendet, sowohl im Zusammenhang mit prophetischen Worten als auch mit Visionen. Er wurde sowohl als Warnung vor dem Gericht als auch als Botschaft der Barmherzigkeit verwendet.

Und es ist eine Last in Form eines Wortes, das Gott durch Maleachi spricht.

An wen spricht Gott? An Israel

Und das war dieses Volk Israel, die Nachkommen von Abraham, Isaak und Jakob, mit denen er einen Bund geschlossen hat und denen er sich offenbart hat.

Wenn wir uns die Zeit anschauen, in der Maleachi prophezeit, dann waren es diejenigen, die Gott aus dem Exil wieder nach Jerusalem zurückgebracht hatte. Dort sind sie nun. Der Tempel und die Stadtmauer sind wieder aufgebaut.

Doch an den Fragen und dem Zwiegespräch zwischen Gott und seinem Volk sehen wir, dass es noch immer große Missstände unter ihnen gibt – vor allem in ihren Herzen. Dass sie geteilten Herzens sind.

Und Gott hält ihnen jetzt durch Maleachi wieder so einen ehrlichen Spiegel vor, damit sie ihr geteiltes Herz erkennen können. Und damit sie Gott sehen, seine Liebe sehen und ihn mit ungeteiltem Herzen lieben können.

Wer ist Maleachi? Ein Bote Gottes

Das Vierte, was wir in Vers 1 finden: Wer ist Maleachi?

Dies ist die Last, das Wort des HERRN an Israel, durch die Hand Maleachis (Maleachi 1,1)

Wir finden nur wenige Informationen über Maleachi in der Bibel. Sein Name bedeutet „mein Bote“ oder „Bote des HERRN“. Was für ein passender Name für jemanden, der sich genau dafür gebrauchen ließ: Gottes Botschaft an sein Volk zu tragen. So wie Jesaja gesagt hat:

Hier bin ich, sende mich. (Jesaja 6,8)

So war auch Maleachi bereit vom Herrn gesendet zu werden. Das sollten wir uns immer wieder bewusst machen: Gott gebraucht Menschen als Träger seiner Botschaft. Sowohl für eine Botschaft der Zurechtweisung, wie wir hier in Maleachi viel finden, aber auch zur Erbauung seines Volkes.

Lasst uns daher auch als Gemeinde Gott durch diese Worte von Maleachi zu uns sprechen lassen. Denn wir sind davon überzeugt:

Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit (2. Timotheus 3,16)

Und damit sind wir zu jedem guten Werk ausgerüstet!

Maleachi 1,2–4 – „Ich habe euch geliebt“

Kommen wir zu den Versen 2 bis 4.

Ich habe euch geliebt, spricht der HERR. Aber ihr fragt: »Worin hast du uns geliebt?« Ist nicht Esau Jakobs Bruder?, spricht der HERR. Dennoch habe ich Jakob geliebt, Esau aber habe ich gehasst; und sein Gebirge habe ich zu einer Wildnis gemacht und sein Erbteil den Schakalen der Wüste gegeben. Wenn aber Edom sagt: »Wir sind zwar zerstört, wir wollen aber die Trümmer wieder aufbauen!«, so spricht der HERR der Heerscharen: Sie mögen bauen, ich aber werde niederreißen; und man wird sie nennen: »Land der Gesetzlosigkeit« und »das Volk, über das der HERR ewiglich zürnt«. (Maleachi 1,2–4)

Wie beginnt diese Botschaft? Mit einer Aussage Gottes:

Ich habe euch geliebt. (Maleachi 1,2)

Dann kommt die Rückfrage des Volkes:

Worin hast du uns geliebt? (Maleachi 1,2)

Und dann erklärt Gott seine Liebe auf eine für uns völlig unerwartete Weise: durch eine Gegenüberstellung von Jakob und Esau. Was meint Gott hier mit dieser Gegenüberstellung?

Jakob und Esau – Gottes Erwählung

Ein bisschen Hintergrund dazu: Wer waren Jakob und Esau?

Sie waren die Zwillingssöhne Isaaks. Esau war der Erstgeborene, Jakob der Zweitgeborene.

Und vielleicht erinnert ihr euch an ihre Geschichte. Esau hat sein Erstgeburtsrecht für eine Mahlzeit an Jakob verkauft. Und später hat Jakob seinen Vater Isaak getäuscht und sich dadurch den Segen erschlichen, den Isaak eigentlich Esau geben wollte. Und so hat Jakob diesen besonderen Segen des Vaters bekommen, während Esau bei diesem Segen leer ausgegangen ist. Durch Jakob, seine zwölf Söhne und deren Nachkommen erfüllte sich Gottes Versprechen an Abraham.

Und was Gott ihnen hier sagt, ist: Ihr könnt euch meiner Liebe gewiss sein, indem ihr wisst, dass ich euch im Vergleich zu den Nachbarvölkern erwählt habe:

Ist nicht Esau Jakobs Bruder?, spricht der HERR. Dennoch habe ich Jakob geliebt, Esau aber habe ich gehasst  (Maleachi 1,2)

Dieser Ausdruck „Esau aber habe ich gehasst“ ist erst einmal ziemlich stark. „Gehasst“ könnte man auch mit „verworfen“ oder „verschmäht“ ausdrücken. Dieses Verworfensein zeigt sich darin, dass die Landteile Esaus unfruchtbar, zur Wildnis und zur Wüste gemacht wurden.

Auch die Nachkommen Esaus – der übrigens Edom genannt wurde – sagen::

»Wir sind zwar zerstört, wir wollen aber die Trümmer wieder aufbauen!«  (Maleachi 1,4)

Und der HERR spricht:

Sie mögen bauen, ich aber werde niederreißen (Maleachi 1,4)

Und das hätte wohl für das Volk Israel auch in dieser Zeit von Maleachi einen ganz konkreten Zusammenhang gehabt. Denn beide Völker, Israel und die Edomiter, wurden vom babylonischen Reich in die Gefangenschaft geführt. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte Gott bisher nur Israel wiederhergestellt und aus dem Exil herausgeführt, Edom noch nicht.

Auch in Obadja, einem weiteren kleinen Propheten im Alten Testament, finden wir ein starkes Gerichtswort über die Edomiter. Eigentlich spricht der ganze Prophet Obadja nichts anderes als ein Gerichtswort an sie.

Darin finden wir zwei Verse in Obadja 10-11, die erklären, was ihnen vorgeworfen wird: dass sie dabeistanden und selbst Feinde waren, als Israel versklavt und weggeführt wurde.

„An meiner Erwählung seht ihr, dass ich euch liebe“

Und somit ist die Antwort Gottes auf ihre kritische Rückfrage: „Worin hast du uns geliebt?“ einfach die: „An meiner Erwählung seht ihr, dass ich euch liebe.“

Nicht, weil ihr es mehr verdient habt oder weil ihr besser wärt. Nein, gerade nicht, wie wir es davor in 5. Mose 7 gelesen haben. Sondern einfach nur, weil ich euch erwählt habe.

Gottes souveräne Erwählung und unsere Verantwortung

Auch Paulus zitiert Maleachi 1,3 in Römer 9. Wer Römer 9 schon einmal gelesen hat, kennt dieses Geheimnis von Gottes souveräner Erwählung seines Volkes und unserer Verantwortung.

Und ich bin überzeugt: Wenn wir über dieses Geheimnis nachdenken und darüber, dass wir auch als Gemeinde, wie es in Epheser 1,4 heißt

“wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt”

Dann sollte uns das Gewissheit seiner Liebe geben! Das ist eine herrliche Gewissheit: Er hat uns vor Grundlegung der Welt erwählt und erweist uns seine Liebe darin, dass er uns ausgesucht hat. Seine Liebe und seine Erwählung sind nicht in uns begründet, sondern komplett in ihm und in seiner Gnade.

Auch bei Jakob und Esau ist Esau der Erstgeborene. Er hat alles getan, den Braten vom Feld geholt und eigentlich alles geleistet, was man leisten kann. Jakob war der Zweitgeborene und für uns eigentlich nicht die plausible Wahl.

Auch darin sehen wir Gottes Gnade, seine freie Gnade, dass er Jakob erwählt. Nicht aufgrund von Werken und Leistungen, die man sich verdienen kann.

Aber dann haben wir auch eine Verantwortung, ob wir diese Gnade Gottes annehmen oder nicht. Und genau hier liegt die Spannung, die wir in Gottes Wort finden.

Das ist ein großes Thema, eine große Debatte: Wie funktioniert das? Aber wenn wir ehrlich Gottes Wort lesen, dann müssen wir uns dieser Spannung aussetzen und uns auf Gottes Wort stellen.

Und vielleicht unsere menschlich gemachten Systeme manchmal über Bord werfen und sagen: „Ich glaube einfach, was du in deinem Wort sagst.“ Dass du sowohl souverän erwählen kannst und dass wir gleichzeitig eine Verantwortung haben, diese Gnade und diese Erwählung anzunehmen oder nicht.

Gottes unverständliche, großzügige Gnade

Was zeigt es über uns selbst, wenn wir beim Lesen von Vers 3 erst einmal Anstoß nehmen? Warum hat Gott Esau gehasst und nicht erwählt? Ist es nicht so, dass wir auch fragen: „Gott, warum hast du Esau verworfen? Das kann doch nicht sein!“

Eigentlich sollte uns aber viel mehr darüber wundern: Wie kann es sein, dass du Jakob erwählt hast? Wie kann es sein, dass du ihn liebst und dass du ihn angenommen hast und ihn für deinen Heilsplan gebraucht hast?

Diese unverständliche, großzügige Gnade und Gottes Liebe, das sollte uns zum Wundern bringen. Das sollte uns verblüffen.

Auch hier geht es in Maleachi in erster Linie nicht um die Vorherbestimmung des einen Bruders und die Verdammnis des anderen, sondern um eine Gegenüberstellung der Geschichte von zwei Völkern.

Beide Nationen sündigten, beide wurden bestraft. Auch wenn es für uns unverständlich ist, wird Israel aus Gottes freier Barmherzigkeit erwählt. Ihnen wird vergeben, sie werden wiederhergestellt.

Und Edom bleibt in dem Elend, das sich dieses Volk selbst durch seine Gottlosigkeit zugefügt hat. Die Konsequenzen dieser Gottlosigkeit musste er selbst tragen.

„Ich habe euch geliebt“ – die Grundlage des ganzen Buches

Aber lasst uns noch einmal zu Vers 2 zurückgehen, zu der zentralen Frage des Volkes an Gott. Denn die erste Botschaft Gottes in Maleachi ist:

„Ich habe euch geliebt.“ (Maleachi 1,2)

Gottes treue und souveräne, bedingungslose Liebe bildet die Grundlage für dieses Buch, für die drei Kapitel Maleachi. Sie ist der Grund, warum er zu seinem Volk redet und die Missstände anspricht: damit sie zu ihm umkehren.

Und dann fragen sie: „Worin hast du uns geliebt?“

Und das ist so eine grundlegende Frage, wenn wir uns das mal überlegen: „Worin hast du uns geliebt? Woher wissen wir, dass du uns liebst?“ Denn diese Frage ist auch heute für jeden von uns relevant. Vielleicht ringen auch wir oft damit.

„Gott, liebst du mich wirklich?“

Ich kann mir vorstellen, dass das Volk Israel nach außen hin versucht hat, einfach so religiöse Handlungen halbherzig weiterzumachen, in ihrem Trott. Und jetzt äußern sie eine Frage, die vielleicht schon lange in ihrem Herzen geschwelt und gebrannt hat.

„Wir haben so viel gearbeitet, alles wieder aufgebaut. Es ist nicht alles so geworden, wie wir es uns eigentlich gedacht haben. Woran wissen wir überhaupt, dass du uns liebst?“

Und vielleicht ringst auch du gerade mit dieser Frage. Vielleicht gehst du erst deine ersten Schritte in der Nachfolge Jesu, vielleicht bist du aber auch schon lange mit Jesus unterwegs und ringst trotzdem wieder neu damit.

Immer wieder können wir an den Punkt kommen, an dem diese Frage in unserem Herzen aufsteigt.

Vielleicht sind es Umstände um uns herum, die uns an Gottes Liebe zweifeln lassen. Oder vielleicht sind es schmerzhafte Verlusterfahrungen, die du erlebt hast.

Vielleicht Enttäuschungen dadurch, dass deine Pläne sich von heute auf morgen komplett verändert haben und geplatzt sind. Vielleicht auch finanzielle Schwierigkeiten, existenzielle Versagensängste oder Zukunftsängste, die auf dir lasten.

Oder das Gefühl, einfach nur überfordert zu sein von all der Arbeit, all den Aufgaben, die sich um dich herum türmen. Und die Frustration, nicht vorwärtszukommen, kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Und ich glaube, auch dieses Volk Israel war an einem Punkt, an dem sie viel getan hatten und Müdigkeit, Enttäuschung und Resignation spürten, die sie dazu brachten, diese Frage zu stellen.

Und auch das kann uns ernsthaft dazu bringen, diese Frage zu stellen:

„Gott, liebst du mich wirklich?“

Und das ist eine ehrliche Frage, die in uns steckt und für die wir eine Antwort brauchen.

„Meine Liebe steht fest“

Was tut Gott hier mit dem Volk Israel?

Er gibt ihnen eine Antwort. Er lässt sie nicht im Ungewissen, sondern er will, dass sie Gewissheit haben. Seine Antwort ist: „Ich habe euch geliebt.“

Meine Liebe steht fest. Seid euch immer wieder neu dieser Liebe gewiss. Egal, was die Umstände um dich herum sagen, ob du es gerade sehen oder verstehen kannst oder nicht: „Ich habe euch geliebt.“

Ich habe euch als mein Volk erwählt. Ich stehe treu zu diesem Bund, den ich mit euch geschlossen habe.

Der ultimative Beweis seiner Liebe für uns

Aber wisst ihr auch, auf welche Weise Gott nach 400 Jahren Stille, nach Maleachi, seine Liebe an uns bewiesen hat? An uns, an die Menschen aus allen Nationen, die wir einst ferne waren. Wie Edom, Fremdlinge, verloren in unseren selbst gegrabenen Gruben.

Weißt du, was er getan hat, um dir und mir seine grenzenlose, großzügige Liebe zu zeigen? Worin hat Gott seine Liebe bewiesen?

„Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8)

Das ist es! Der ultimative Beweis seiner Liebe für uns. Warum leiden wir dennoch Bedrängnisse, solange wir in dieser gefallenen Welt sind? Lasst uns dazu die vorhergehenden Verse lesen:

Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir im Glauben auch Zugang erlangt haben zu der Gnade, in der wir stehen, und wir rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Aber nicht nur das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, weil wir wissen, dass die Bedrängnis standhaftes Ausharren bewirkt, das standhafte Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung; die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.. (Römer 5,1-5)

Gerade die Bedrängnisse, die uns vielleicht Gottes Liebe infrage stellen lassen, sind es, von denen Paulus sagt, dass wir uns in ihnen rühmen sollen.

Warum? Weil Gott durch diese Bedrängnisse in uns standhaftes Ausharren bewirken kann. Und Gott ist es, der, wie es hier heißt, durch seinen Heiligen Geist seine Liebe in unsere Herzen ausgießt.

Wenn wir also wie das Volk Israel damals an den Punkt kommen und fragen: „Worin sehen wir, dass du uns geliebt hast?“, dann lasst uns beten: „Gott, gieß durch deinen Heiligen Geist deine Liebe neu in unser Herz aus, dass wir es verstehen, immer wieder neu.“

Lasst uns auch als Gemeinde darum beten, dass Gott unter uns seinen Geist ausgießt und wir seine Liebe verstehen dürfen, die in unsere Herzen ausgegossen ist.

Gottes Liebe im Alltag – zwei praktische Schritte

Lasst uns zum Schluss ganz praktisch werden: Wie können wir diese fünf Verse aus Maleachi in unserem Leben anwenden?

Zwei Dinge möchte ich euch für diese Woche mitgeben.

Erstens: Nimm dir diese Woche wirklich Zeit, die Umstände in deinem Leben zu identifizieren, die dich an Gottes Liebe zweifeln lassen.

Frage auch Gott: „Zeig mir, welche Umstände mich an diesen Punkt bringen.“

Und dann schreib diese Umstände vielleicht auf.

Zweitens: Nimm diese Liste und lies Römer 5,8 über diesen Umständen. Mach dir bewusst, dass Gottes Liebe für dich in Jesus Christus bewiesen ist.

Stell dich mit Gewissheit darauf, dass er seine Liebe bewiesen hat, dass er seinen Sohn für dich und mich gegeben hat.

Und schaffe dir über die Woche hinweg Erinnerungen, die dir helfen, dir diese Liebe im Alltag immer wieder bewusst zu machen.

„Gott, gieß durch deinen Heiligen Geist immer wieder deine Liebe in mein Herz aus und lass mich erfüllt sein von dieser Liebe.“

Und so lasst uns als Gemeinschaft auch diese Woche in der Erkenntnis der Liebe Christi wachsen und in seiner Liebe gegründet sein.

Denn er sagt:

„Ich habe euch geliebt, spricht der HERR.“ (Mal 1,2)

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About the Author: Jonas Häberle

1988 in Schwäbisch Hall geboren, bin ich in der dortigen EFG-Baptistengemeinde aufgewachsen und habe bereits als Jugendlicher die rettende und befreiende Gnade des Evangeliums erfahren. Seit 2012 bin ich mit Elsa verheiratet, gemeinsam haben wir drei Kinder. Nach meinem Bauingenieurstudium war ich neun Jahre in der christlichen Entwicklungshilfe und Gemeindegründung in Südasien tätig. Seit 2024 arbeite ich hauptamtlich in der Gemeinde und diene seit 2025 als Ältester.