Welche Unterschrift hat dein Leben verändert?
Ich möchte diese Predigt mit einer Frage an uns alle beginnen: Welche Unterschrift hat dein Leben bisher am stärksten verändert?
Vielleicht war es deine Unterschrift unter der Heiratsurkunde. Vielleicht unter einem Arbeitsvertrag oder sogar unter einer Kündigung. Vielleicht denkst du an den Kaufvertrag für ein Haus oder an einen Kreditvertrag.
Aber was macht eine Unterschrift eigentlich so bedeutend? Ich glaube, wir könnten sagen: Je größer ihre Auswirkungen und je größer die Verpflichtung ist, die wir damit eingehen, desto gewichtiger ist diese Unterschrift.
In Nehemia 10 begegnen wir tatsächlich lebensverändernde Unterschriften. Ein ganzes Volk verpflichtet sich schriftlich vor seinem Gott.
Zurück im Buch Nehemia
In den letzten Wochen haben wir uns während der Sommerpause sieben Heldengeschichten aus dem Alten Testament, dem ersten Teil der Bibel, angeschaut. Heute gehen wir zurück in das Buch Nehemia.
Das Buch Nehemia führt uns in eine der letzten geschichtlichen Phasen, von denen uns das Alte Testament berichtet. Etwa um 445 vor Christus kehrt Nehemia nach Jerusalem zurück. Unter großen Widerständen wird die zerstörte Stadtmauer wieder aufgebaut.
Aber unserem Gott geht es niemals nur um Steine und Holz, niemals nur um Mauern und Tore. Nein, Gott geht es immer um das Herz – um das Herz der Menschen, um das Herz der Menschen seines Volkes.
Deswegen endet das Buch Nehemia auch nicht mit dem Abschluss und der Fertigstellung der Mauer. Ab Kapitel 8 wird uns vielmehr die Erneuerung der Herzen der Menschen damals beschrieben, die Erneuerung des Gottesvolkes.
Deshalb haben wir unsere Predigtserie mit „Gott erneuert“ überschrieben. In der ersten Hälfte des Buches sehen wir vor allem, wie Gott Jerusalem äußerlich wiederherstellt. Ab Kapitel 8 richtet sich unser Blick immer stärker auf eine andere Baustelle: auf die Herzen seines Volkes.
Wenn Gottes Wort die Herzen erreicht
In Kapitel 8 versammelt sich das Volk „wie ein Mann“. Die Menschen kommen einmütig zusammen – und bemerkenswerterweise bitten sie selbst darum, dass Esra ihnen das Gesetz Gottes vorliest.
Damals konnten sie sich keine eigenen Schriftrollen des Gesetzes leisten. Um das Wort zu hören, musste es deshalb für alle vorgelesen werden. Genau das finden wir in Kapitel 8.
Wir haben dann gesehen, dass dieses Wort Gottes Wirkung auf die Herzen der Zuhörer hatte. Und das wird immer so sein, wenn Gott selbst über sein Wort sagt, dass es wirksam ist.
Darf ich dich deshalb fragen: Mit welcher Erwartung hörst du jetzt auf Gottes Wort?
Wir sind nicht auf Vermutungen darüber angewiesen, wer Gott ist. Gott hat gesprochen. Er hat sich uns in seinem Wort offenbart. Wir dürfen die Bibel öffnen und erfahren, wer Gott ist, wie er ist und was er von uns möchte.
Welche Wirkung hatte das Wort Gottes damals auf die Herzen der Zuhörer? Gottes Wort erreichte die Menschen. Sie wurden überführt. Sie sahen ihre eigene Sünde, die Sünden ihrer Vorfahren und die Sünden ihres Volkes klar. Deshalb bekannten sie diese Übertretungen und Sünden öffentlich vor Gott und taten das, was wir und die Bibel Buße nennen.
Aber sie erkannten nicht nur, wer sie selbst waren. Sie erkannten neu, wer ihr Gott war.
Eine feste Abmachung
Was macht also das Volk, nachdem es in Kapitel 8 das Wort Gottes gehört und in Kapitel 9 darauf reagiert hat? Wie geht es jetzt weiter?
Darüber müssen wir nicht spekulieren. Wir können es lesen. Schlagt mit mir Nehemia 10 auf.
Aufgrund all dessen treffen wir eine feste Abmachung und schreiben sie nieder und lassen sie durch unsere Fürsten, Leviten und Priester versiegeln. (Nehemia 10,1)
Und in den Versen 29 und 30 lesen wir, wie sich das übrige Volk dieser Verpflichtung anschließt:
Und das übrige Volk, die Priester, die Leviten, die Torhüter, die Sänger, die Tempeldiener und alle, die sich von den Völkern der Länder zum Gesetz Gottes abgesondert hatten, samt ihren Frauen, ihren Söhnen und Töchtern, alle, die es wissen und verstehen konnten, die schlossen sich ihren Brüdern, den Vornehmen unter ihnen an. Sie kamen, um zu schwören und sich eidlich zu verpflichten, im Gesetz Gottes, das durch Mose, den Knecht Gottes, gegeben worden ist, zu wandeln und alle Gebote, Rechte und Satzungen des Herrn, unseres Herrschers, zu halten und zu tun. (Nehemia 10,29-30)
Sündenbekenntnis ist noch nicht das Ende
Wenn wir die Bibel lesen, müssen wir auf die Reihenfolge der Ereignisse achten. In Kapitel 8 hören sie Gottes Wort. In Kapitel 9 erkennen und bekennen sie ihre Sünde. Und in Kapitel 10 bekommt ihre Umkehr konkrete Konsequenzen.
Denn biblische Umkehr bedeutet nicht nur: weg von der Sünde. Sie bedeutet: zurück zu Gott.
Vielleicht kennst du das aus deinem eigenen Leben. Du hast eine Sünde erkannt und dir vorgenommen: Das mache ich nicht mehr. Und dann konzentrierst du dich vor allem darauf, etwas nicht mehr zu tun.
Aber biblische Umkehr hat immer zwei Richtungen: weg von dem, was Gott widerspricht – und hin zu Gott.
Nicht nur: Was soll aus meinem Leben verschwinden? Sondern auch: Wie möchte Gott, dass ich jetzt lebe? Genau diese Bewegung sehen wir hier beim Volk.
Ein Neuanfang, der verbindlich wird
Das Volk meint es ernst. So ernst, dass die führenden Männer diese Verpflichtung schriftlich festhalten und versiegeln. Das ist keine unverbindliche Absichtserklärung.
Interessant ist außerdem: Auf diesem Dokument unterschreiben 84 Menschen. Sie unterschreiben stellvertretend für die Absicht und den tiefen Wunsch nach einem Neuanfang des gesamten Volkes.
Wenn gute Vorsätze wieder verschwinden
Und vielleicht kennen wir solche Momente aus unserem eigenen Leben.
Du hörst Gottes Wort und wirst getroffen. Du erkennst etwas in deinem Leben, das sich ändern muss. Vielleicht geschieht das in einem Gottesdienst, auf einer Konferenz, im Hauskreis oder beim persönlichen Bibellesen. Du bist überzeugt: Hier muss sich etwas ändern. Und du meinst es ernst. Aber kennst du auch die andere Erfahrung?
Einige Wochen später ist von diesem Vorsatz kaum noch etwas übrig. Was einmal so klar war, ist wieder in den Hintergrund gerückt. Deshalb stellt uns Nehemia 10 eine wichtige Frage: Wie sieht echte Umkehr aus, wenn sie konkret wird?
Wie können wir verhindern, dass es nur ein Strohfeuer ist, das sehr schnell hochbrennt, aber genauso schnell wieder kleiner wird, ausbrennt und schließlich erkaltet?
Wer stellt sich unter diese Verpflichtung?
Schauen wir zunächst genauer hin, wer sich hier verpflichtet. In Vers 29 lesen wir von denen,
„die sich von den Völkern der Länder zum Gesetz Gottes abgesondert hatten.“ (Nehemia 10,29)
Das waren Menschen, die es ernst meinten und die sich ihrer Identität als Volk Gottes bewusst waren. Das ist eine ganz wichtige Voraussetzung.
Wir sehen aber auch, dass Alt und Jung eingeschlossen sind: alle, die es, wie es hier heißt, schon verstehen können. Es ist wunderschön, dass damit auch die Kinder eingeschlossen werden, die bereits Verständnis darüber haben können. Wir sehen hier eine wunderschöne Hingabe an Gott und an die Nachfolge des Herrn.
Die Erneuerung des Volkes Gottes soll nicht nur eine Sache seiner Leiter sein. Das Volk stellt sich gemeinsam und bewusst unter das Wort Gottes.
Ganz oder gar nicht
Zweitens sehen wir, wie umfassend diese Verpflichtung ist. Am Ende von Vers 30 lesen wir:
„im Gesetz Gottes […] zu wandeln und alle Gebote, Rechte und Satzungen des HERRN, unseres Herrschers, zu halten und zu tun.“
Achtet auf dieses kleine Wort: alle.
Gehorsam gegenüber Gott ist kein Buffet, an dem wir uns nehmen können, was uns schmeckt, und den Rest stehen lassen. Gott fordert unsere ganze Person, unseren ganzen Menschen, unsere Seele und unser ganzes Herz. Gott will unser ganzes Herz.
Jakobus drückt es im Neuen Testament sehr drastisch aus:
Denn wer das ganze Gesetz hält, sich aber in einem verfehlt, der ist in allem schuldig geworden. (Jakobus 2,10)
Ganz oder gar nicht ist die Devise Gottes. Eine allgemeine Aussage wie „Ich möchte Gott gehorsam sein“ bleibt schnell abstrakt. Deshalb wird es im Rest des zehnten Kapitels sehr konkret. Wir können die folgenden Verpflichtungen in drei große Lebensbereiche zusammenfassen. Und die wollen wir uns jetzt nacheinander anschauen.
Die erste Verpflichtung: klare Trennung vom Götzendienst
Die erste Verpflichtung finden wir in Vers 31. Dort lesen wir:
„… dass wir unsere Töchter nicht den Völkern des Landes zur Frau geben, noch ihre Töchter für unsere Söhne zur Frau nehmen wollten.“
Die Juden verpflichten sich hier, die eigenen Kinder nicht mit fremden Völkern zu verheiraten. Das hat nichts mit ethnischer Reinheit zu tun, sondern ausschließlich mit religiöser Absonderung und Heiligung zu Gott.
Diese Verpflichtung war nicht neu. Schon im Gesetz des Mose hatte Gott Israel davor gewarnt solche Ehen einzugehen. Beachtet dabei die Begründung: Gott sagt nicht einfach: „Haltet euch von anderen Völkern fern.“ Vielmehr warnt er davor, dass ihre Herzen anderen Göttern nachlaufen könnten. Der Bibeltext verwendet dafür sogar den deutlich stärkeren Ausdruck „nachhuren“:
… und deinen Söhnen ihre Töchter zu Frauen nimmst und ihre Töchter dann ihren Göttern nachhuren und deine Söhne verführen, dass sie auch ihren Göttern nachhuren. (2. Mose 34,16)
Hier finden wir die Motivation für genau diese praktische Verpflichtung aus Nehemia 10.
Sich etwas vorzunehmen, ist gut. Aber es braucht praktische Schritte. Einer dieser praktischen Schritte besteht darin, dass sie sich nicht vermischen und ihre Kinder nicht mit diesen götzendienerischen Völkern verheiraten. Denn das wird am Ende immer dazu führen, dass die Anbetung des heiligen Gottes verunehrt wird und fremde Götter in das heilige Gottesvolk einziehen.
Gilt dieser Grundsatz auch im Neuen Testament?
Ist das etwas rein Alttestamentliches? Die konkrete Situation Israels können wir nicht einfach eins zu eins auf die Gemeinde übertragen. Aber auch im Neuen Testament beansprucht Gott die ungeteilte Treue seines Volkes. Paulus schreibt:
Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? (2.Korinther 6,14)
Wir sehen hier das gleiche Prinzip. Alle wiedergeborenen Christen stehen aus Gnade in Beziehung mit dem heiligen Gott. Deshalb gibt Paulus diese Anweisung: Christen sollten keine Ungläubigen heiraten. Das ist ein wichtiger Grundsatz, der auch für uns heute sehr wichtig ist. Seine Missachtung kann traurige Folgen haben.
Das ist also die erste Verpflichtung, die das Volk hier schriftlich eingeht. Damit bringen die Menschen zum Ausdruck, dass sie Gott als ihren Gott heilig halten und ihm allein gehören wollen. Deshalb ziehen sie eine klare Grenze zwischen der Verehrung Gottes und dem Götzendienst.
Die zweite Verpflichtung: der Sabbat
Damit kommen wir zur zweiten von insgesamt drei Verpflichtungen. Wir finden sie in Nehemia 10,32:
„… und dass, wenn die Völker des Landes am Sabbattag Waren und allerlei Getreide zum Verkauf brächten, wir sie ihnen am Sabbat und an heiligen Tagen nicht abnähmen und dass wir im siebten Jahr die Felder ruhen lassen und auf alle Schuldforderungen verzichten wollten.“
Die zweite Verpflichtung betrifft das Einhalten der Sabbatgebote: der wöchentliche Sabbat, das Sabbatjahr und das Loslassen von Schuldforderungen..
Für den Sabbattag verpflichteten sie sich dazu, keinen Handel zu treiben. Der Sabbattag war der letzte Tag der Woche. Er war besonders gestellt, um das göttliche Schöpfungsmuster von Arbeit und Ruhe zu heiligen. Dieser Tag war für die gemeinschaftliche Anbetung Gottes sowie für die Ruhe von den Anstrengungen der Woche vorbehalten.
Wir können das Gebot in 2. Mose 20,8–11 lesen:
„Gedenke an den Sabbattag und heilige ihn. Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk tun. Aber am siebten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du kein Werk tun, weder du noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der innerhalb deiner Tore lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darin ist, und er ruhte am siebten Tag. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und geheiligt.“
Das ist das Sabbatgebot, wie es von Gott auf dem Berg Sinai gegeben wurde.
Müssen Christen das Sabbatgebot halten?
Nun können wir die Frage stellen: Müssen Christen das Sabbatgebot halten? Darüber gibt es innerhalb der Christenheit einige Diskussionen.
Ich möchte dazu Paulus aus Römer 14,5–6 zitieren:
„Dieser hält einen Tag höher als den anderen, jener hält alle Tage gleich. Jeder sei seiner Meinung gewiss. Wer auf den Tag achtet, der achtet darauf für den Herrn. Und wer nicht auf den Tag achtet, der achtet nicht darauf für den Herrn.“
Noch einmal Paulus, diesmal aus Kolosser 2,16–17:
„So lasst euch von niemand richten wegen Speise oder Trank oder wegen bestimmter Feiertage oder Neumondfeste oder Sabbathe, die doch nur ein Schatten der Dinge sind, die kommen sollen, wovon aber der Christus das Wesen hat.“
Wir sehen hier, dass das Sabbatgebot nicht auf Christen so angewendet wird, wie wir es in 2. Mose 20 für die Israeliten formuliert gelesen haben. Wir haben darin vielmehr eine Freiheit: den einen Tag zu halten oder ihn nicht zu halten oder sogar alle Tage gleich zu halten. Nur im Herrn sollen wir es tun, mit Glaubensüberzeugung.
Ruhe bei Jesus Christus
Der Sonntag hat also für uns Christen nicht den Samstag als Sabbattag ersetzt. Aber ist es trotzdem vielleicht gut, an diesem Tag auf unnötige Arbeit und Beschäftigung zu verzichten?
Hebräer 4 greift das Thema der Ruhe auf und führt es heilsgeschichtlich weiter. Die Sabbatruhe weist über sich hinaus auf die Ruhe Gottes, in die sein Volk durch Glauben eingeht und die einmal vollkommen sein wird.
Und deshalb passen die Worte Jesu so wunderbar dazu:
„Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben.“ (Matthäus 11,28, ELB)
In diesem Sinne der ewigen, tiefen Ruhe ist Jesus Christus die Erfüllung dieses Sabbatgebotes.
Wenn du ihn nicht kennst, dann wird Unruhe in dir sein. Dann komm zu dem, der gesagt hat: „Komm her zu mir, ich werde dir Ruhe geben.“
Erlebe, was es bedeutet, Vergebung der Sünden zu bekommen, ein neues Herz zu bekommen und eine Beziehung, einen Frieden mit dem ewigen Gott zu haben.
Das Sabbatjahr: Vertrauen und Großzügigkeit
Die Juden verpflichten sich hier außerdem dazu, das Sabbatjahr zu halten. Das ist ein sehr spannendes Gebot.
Im siebten Jahr verzichteten sie darauf, zu ernten und zu säen. Das bedeutet: Was gewachsen war, durfte im siebten Jahr nicht geerntet werden, sondern sollte für die Fremdlinge und sogar für die Tiere sein.
Großzügigkeit ist hier die Überschrift.
Das braucht Gottesvertrauen. Wenn ich in einem Jahr nichts säe, was will ich dann im nächsten Jahr ernten? Aber Gott hat genau im Zusammenhang mit diesem Gebot versprochen:
„Ich werde euch versorgen.“ (vgl. 3. Mose 25,20–21)
Er würde sie bis ins neunte Jahr hinein versorgen – bis die Saat des achten Jahres gewachsen und schließlich erntereif wäre.
Indem sie sich verpflichteten, den Sabbat nicht für Handel und damit zum Geldverdienen zu nutzen, und indem sie sich verpflichteten, das Sabbatjahr zu halten – also weder zu säen noch zu ernten und darüber hinaus Schulden zu erlassen –, brachten sie damit zum Ausdruck: „Gott, wir vertrauen dir, dass du für uns sorgst.“
Und genau hier stellt der Text auch uns eine Frage: Vertrauen wir Gott, wenn es um unsere Versorgung geht?
Die dritte Verpflichtung: Gottes Sache an die erste Stelle setzen
Damit kommen wir zur dritten Verpflichtung. Wir finden sie in den letzten Versen des Kapitels.
Eigentlich besteht sie aus mehreren einzelnen Verpflichtungen. Aber der letzte Satz des Kapitels fasst sie alle zusammen:
Und so wollen wir das Haus unseres Gottes nicht im Stich lassen. (Nehemia 10,40)
In der ersten Verpflichtung ging es um die ungeteilte Treue zu Gott statt um Götzendienst – darum, Gott heilig zu halten und sich deshalb von den fremden Völkern und ihrem Götzendienst abzugrenzen.
In der zweiten ging es um Vertrauen auf Gottes Versorgung.
Und diese dritte Verpflichtung bedeutet, Gott zu ehren, indem die Menschen die Sache des Hauses Gottes, des Tempels und damit Gottes Sache an die erste Stelle stellten.
Und diese Verpflichtung kostete sie etwas. Sie kostete Geld. Sie kostete Besitz. Und sie kostete Arbeit.
Und wir legten uns die Verpflichtung auf, jährlich das Drittel eines Schekels für den Dienst im Haus unseres Gottes zu geben (Nehemia 10,33)
In Vers 33 sehen wir, dass sie sich auf eine jährliche Abgabe für den Tempel und den Dienst im Tempel einigten. Das kostete Geld.
Aber auch Mühe war damit verbunden. Per Los legten sie fest, wer den jährlichen Bedarf an Brennholz für den Altar im Tempel anliefern sollte. Das finden wir in Vers 35. Es ist schön, dass erwähnt wird, dass die gesamte Familie dafür zuständig gemacht wurde.
Das war Arbeit. Wenn du schon einmal Holz gemacht hast – sägen, spalten, aufschichten und so weiter –, dann weißt du: Das kostet Zeit und Mühe. Und im Tempel wurde täglich Holz verbrannt.
Die Menschen waren bereit, Geld, aber auch Arbeit und Mühe für die Sache Gottes zu investieren.
Auffällig ist dabei eine Formulierung, die in diesem Abschnitt immer wieder auftaucht:
„das Haus unseres Gottes.“
Das ist wichtig, weil es zeigt, dass die Menschen verstanden hatten, in welcher Beziehung sie zu diesem Gott standen und ihn deshalb „unseren Gott“ nannten. Und deshalb sagen sie: Sein Haus wollen wir nicht vernachlässigen.
Gott das Erste und Beste geben
Dann kommt noch etwas dazu. Das Volk verpflichtet sich, Gott die Erstlinge des Feldes und die Erstgeburt von Herden und Vieh zu bringen.
Wer Gott das Erste und Beste gibt, zeigt damit, welchen Platz Gott in seinem Leben einnimmt. Mit dem Geben der Erstlinge bekannten die Juden: Gott steht bei uns an erster Stelle.
Vielleicht beeindruckt uns das Ausmaß der Hingabe dieser Menschen. Vielleicht sollte es uns auch beschämen.
Wie ernst meinen wir es? Sind wir bereit, Zeit, Geld und Mühe für das Reich Gottes, für das Haus Gottes zu investieren? Sind wir bereit, Gott von den Erstlingen unserer Dinge zu geben?
Oder hat sich vielleicht eine Art Leftover-Mentalität entwickelt? Zuerst kommen meine Pläne. Meine Wünsche. Meine Zeit. Mein Geld. Meine Energie. Und wenn danach noch etwas übrig ist, kann Gott es bekommen.
Wie Gott eine solche Herzenshaltung bewertet, kannst du im Prophetenbuch Maleachi nachlesen, das genau in dieser Zeit geschrieben wurde.
Verdient Gott nicht unser Bestes? Fordert er uns heute Morgen nicht heraus, Änderungen vorzunehmen, um genau das zu tun: ihm vom Ersten zu geben und nicht von dem, was übrig bleibt?
Warum verpflichtete sich das Volk?
Aber jetzt müssen wir noch einmal einen Schritt zurückgehen. Warum machen diese Menschen das eigentlich? Warum verpflichten sie sich zu all diesen Dingen? Und hier ist die Reihenfolge der Kapitel entscheidend. Erst kommt Kapitel 9, dann Kapitel 10. Erst Gottes Handeln, dann ihre Antwort. Erst Gottes Treue, dann ihre Verpflichtung. Erst Gnade, dann Gehorsam.
Vor einiger Zeit hatte ich euch eine kleine Hausaufgabe gegeben. Ihr solltet Nehemia 9 lesen und darauf achten, wie Gott dort beschrieben wird.
Schaut noch einmal hin:
„Denn du bist gerecht.“ (Nehemia 9,8)
Gott ist gerecht. Das ist die erste Zuschreibung, die wir dort finden. Vers 17:
„Du aber bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und von großer Güte, und du hast sie nicht verlassen.“ (Nehemia 9,17)
Und später:
„Denn du bist ein gnädiger und barmherziger Gott … der du den Bund und die Gnade bewahrst.“
Siehst du, was das Volk damals dazu gebracht hat, diese Verpflichtungen einzugehen?
Sie hatten wiederholt gesehen und bestätigt gefunden, dass ihr Gott gerecht, gnädig und barmherzig ist. Angesichts dieser Barmherzigkeit Gottes versprachen sie, das Volk zu sein, zu dem ihr Gott sie berufen hatte.
Wie dauerhafte Veränderung entsteht
Damit kommen wir zurück zu einer Frage, die wir am Anfang gestellt haben:
Wie kann Veränderung in unserem Leben dauerhaft sein und nicht nur ein kurzer Moment der Begeisterung?
Es gibt eine göttliche Reihenfolge dafür.
Wenn wir nicht erkennen, dass Gott absolut gerecht, unendlich treu und barmherzig ist, können wir Veränderungsprozesse nicht wirksam starten.
Gotteserkenntnis muss der erste Schritt sein. Der zweite Schritt ist eine durch den Geist und das Wort geführte Überzeugung, ein Überführtsein. Genau das haben wir auch beim Volk gesehen.
Als Drittes kommt der Schritt, den wir in Kapitel 10 betrachtet haben: die Verpflichtung. Sie sollte nicht allgemein bleiben, sondern ganz konkret ausformuliert sein.
Und als letzter Schritt folgt das Umsetzen, das Tun entsprechend dieser Verpflichtung.
Eine Verpflichtung kann das Herz nicht verändern
Ich werde euch heute kein Dokument hinlegen, unter das ihr eure Namen setzen sollt.
Wenn wir versuchen, uns selbst oder andere zu diesem Schritt der Verpflichtung zu drängen oder zu manipulieren und dabei die Erkenntnis Gottes und das Überführtwerden durch den Heiligen Geist überspringen, wird es letztlich immer schiefgehen.
Lasst uns das mit einem letzten Vers aus dem Neuen Testament bestätigen:
Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als lebendiges, heiliges, gottwohlgefälliges Opfer; das sei euer vernünftiger Gottesdienst. (Römer 12,1)
Angesichts der Barmherzigkeit Gottes
Kennst du die Barmherzigkeit dieses Gottes?
Wenn du wissen möchtest, wie barmherzig Gott ist, dann schau auf Jesus Christus.
Lerne unseren Gott kennen. Lass dich durch den Geist überzeugen. Und dann geh diesen Schritt der Selbstverpflichtung.
Einige aus der Gruppe der jungen Erwachsenen haben genau das getan beziehungsweise sind aktuell dabei. Sie haben sich verpflichtet, das Neue Testament in einer relativ kurzen Zeit durchzulesen.
Nicht unsere Verpflichtung ist der Ausgangspunkt, sondern Gottes Barmherzigkeit. Aber wenn wir erkannt haben, wer dieser Gott ist und was er in Jesus Christus für uns getan hat, dann soll unsere Antwort nicht bei guten Gedanken und Gefühlen stehen bleiben. Angesichts der Barmherzigkeit Gottes: Gib ihm nicht nur deine Unterschrift – gib ihm dein Leben.

