Gottes Reden endet nicht mit der letzten Vision
In der Nacht der Visionen offenbarte Gott dem Propheten Sacharja innerhalb weniger Stunden eine Fülle an geistlichen Wahrheiten und Zusagen. Diese eine Nacht, die wir über sechs Predigten hinweg betrachtet haben, ist nun vorüber. Doch mit dem Ende dieser Nacht ist Gottes Reden nicht beendet.
Seine Stimme erklingt weiter, auch zu uns. Mehr noch: Gott begegnet uns durch sein Wort. Die Frage, die sich stellt, lautet: Sind wir bereit, uns von ihm ansprechen zu lassen – in der Erwartung, dass er uns begegnet, uns ermutigt, uns herausfordert, ja sogar überführt?
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Gott ist ein Gott, der zu uns redet. Lasst uns zuhören!
In den acht Nachtvisionen hatte Gott seinem Volk erstaunliche Dinge verheißen. Er versprach, wieder in ihre Mitte zu kommen, sie wiederherzustellen und ihnen Frieden zu schenken. Die Visionen enthielten zentrale Zusagen: der Tempel, den das Volk gerade wieder aufbaute, würde vollendet werden. Gott selbst würde unter ihnen wohnen.
Im Zentrum dieser acht Visionen standen zwei markante Bilder:
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In Sacharja 3 begegnet uns der Hohepriester Jeschua. Dort offenbart sich die Wiederherstellung des Priestertums.
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In Sacharja 4 richtet sich das Wort Gottes an Serubbabel, den damaligen politischen Führer. Hier geht es um die Königsherrschaft, um die königliche Linie.
Diese beiden Bilder – Priester und König – stehen für mehr als nur historische Personen. Sie deuten über Jeschua und Serubbabel hinaus auf eine größere Wirklichkeit. Nein, es ging um jemand Größeren. Es ging um den Messias. Es ging um Jesus Christus. Er allein ist imstande, all diese Verheißungen tatsächlich zu erfüllen. Jesus Christus ist die Hoffnung, nicht nur für das damalige Volk in seiner Schwachheit, sondern auch heute.
Der allmächtige Gott spricht zu sündigen Menschen
Der Übergang von der Nacht der Visionen zu den nächsten Abschnitten im Buch Sacharja macht eines deutlich: Gott will, dass sein Volk die zentrale Botschaft – Jesus, der Messias – nicht vergisst.
Und das Wort des HERRN erging an mich folgendermaßen (Sa. 6,9)
Dieser Satz begegnet uns so häufig in den prophetischen Büchern, dass wir leicht darüber hinweglesen. Doch sollte uns das nicht eigentlich in Staunen versetzen? Ist es nicht überraschend – ja geradezu erstaunlich –, dass der allmächtige Gott zu kleinen, oft unbedeutenden, sündigen Menschen spricht?
Auch im Hebräerbrief wird uns dies in Erinnerung gerufen:
Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn (Hebräer 1,1–2)
Das Reden Gottes hat heute einen ganz konkreten Inhalt: den Sohn – Jesus Christus. Er ist die Botschaft, die wir hören sollen.
Ein Auftrag für eine prophetische Zeichenhandlung
Als das Wort des HERRN an Sacharja erging, erhielt er den Auftrag, vier ganz konkrete Dinge zu tun.
Nimm Gaben von denen, die in der Gefangenschaft gewesen sind, von Heldai, von Tobia und Jedaja, und zwar sollst du am selben Tag kommen und dich in das Haus Josias, des Sohnes Zephanjas, begeben, wohin sie aus Babel gekommen sind; und nimm Silber und Gold und mache eine Krone daraus und setze sie Jeschua, dem Sohn Jozadaks, dem Hohenpriester, aufs Haupt! (Sa. 6,10-11)
Hier handelt sich nicht um ein Traumbild, sondern um reale Handlungen, die er ausführen sollte:
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Silber und Gold von Heldai, Tobia und Jedaja entgegenzunehmen
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Eine Krone aus diesen Gaben anfertigen. Die Übersetzung des Wortes Krone ist nicht ganz einfach, da im Hebräischen der Plural verwendet wird. Das kann bedeuten, dass diese Krone aus zwei Materialien bestand – Silber und Gold – und dadurch besonders prachtvoll war.
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Die Krone nicht etwa einem König aufzusetzen, sondern – und das war für damalige Ohren äußerst überraschend – dem Hohenpriester Jeschua. Eine Krone auf dem Haupt eines Priesters? Das muss für die Menschen in Jerusalem ein unerhörter Anblick gewesen sein. Krone und Thron gehören doch einem König – aber sicher nicht einem Priester.
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Eine prophetische Botschaft aussprechen. Diese finden wir in Sacharja 6,12–15.
Diese Handlung war öffentlich. Sie geschah nicht im Verborgenen, sondern sichtbar für das Volk in Jerusalem. Die Krönung Jeschuas, des Hohenpriesters, ist ein außergewöhnliches Geschehen – und ihre Bedeutung wird noch deutlicher, wenn man bedenkt, dass die Krone nicht bei ihm bleibt, sondern im Tempel aufbewahrt werden soll (Sacharja 6,14). Im Tempel, nicht in einem Palast.
Damit wird klar: Diese Handlung ist weit mehr als ein symbolischer Akt für den Moment. Sie ist eine Zeichenhandlung, wie sie in den prophetischen Büchern häufiger begegnet. Es geht um mehr als das Sichtbare. Gott lässt durch das Geschehen eine Botschaft übermitteln – an das damalige Volk und zugleich an uns heute.
Von Babylon nach Jerusalem – ein Bild der Hingabe
In dem Geschehen werden zunächst drei Männer genannt: Heldai, Tobija und Jedaja. Diese drei Männer waren Juden, die einst nach Babylon verschleppt worden waren, aber nicht mit Serubbabel und den anderen zurückgekehrt sind. Warum, wissen wir nicht. Doch Gott hatte ihre Herzen bewegt, in Babylon eine Spende zu sammeln – Silber und Gold, um den Tempelbau in Jerusalem zu unterstützen.
Ein weiterer Mann wird erwähnt: Josia, der sie großzügig in seinem Haus aufnahm. Diese kleine Bemerkung scheint auf den ersten Blick für die Handlung unbedeutend, doch vielleicht verweist sie auf etwas Tieferes – den Segen der Gastfreundschaft.
Aus der Spende ließ Sacharja eine Krone anfertigen. Eine Krone aus Silber und Gold. Es ist nicht ganz klar, ob Sacharja sie selbst anfertigte, aber es war ohne Zweifel eine aufwendige Arbeit, die nicht an einem Tag zu erledigen war.
Mit der fertigen Krone ging Sacharja zum Tempel – der noch im Bau war – und fand dort Jeschua, den Hohenpriester. Ihm setzte er die Krone auf das Haupt. Es war eine königliche Krone. Man kann sich vorstellen, wie sich diese Nachricht schnell in der Stadt verbreitete. Die Menschen waren sicher neugierig, sammelten sich, wollten sehen, was geschah.
Eine Krone für einen Priester – ein ungewohntes Zeichen
Es war eine ungewöhnliche Szene: Ein Hohenpriester – bekannt als geistliche Autorität – steht dort öffentlich mit einer Königskrone auf dem Kopf. Das muss in vielen eine Spannung, vielleicht sogar Irritation ausgelöst haben. Denn: Ein Priester trägt keine Krone. Eine solche Handlung war völlig ungewohnt.
Inmitten dieser ungewöhnlichen Szene – ein Hohenpriester, bekannt als geistliche Autorität, steht öffentlich mit einer Königskrone auf dem Kopf – trat Sacharja hervor und sprach die Prophetie aus Sacharja 6,12–15
Die Krönung als prophetisches Bild für den Messias
Siehe, ein Mann, dessen Name »Spross« ist, denn er wird aus seinem Ort hervorsprossen und den Tempel des HERRN bauen. (Sa. 6,12b)
Diese Worte richteten sich nicht auf Jeschua, obwohl er sie äußerlich empfing, sondern sie wiesen auf einen anderen. „Spross“ – das war ein bekannter Titel. Er wurde für den Messias verwendet. Auch in der vierten Nachtvision hatten wir diesen Begriff schon gehört. Der „Spross“ ist derjenige, der aus dem gefällten Baumstumpf des Hauses David hervorgeht – aus einer königlichen Linie, die äußerlich am Ende schien.
Zur Zeit Sacharjas gab es keinen König. Serubbabel war lediglich Statthalter – er war nicht gekrönt, nicht gesalbt, nicht als König eingesetzt. Das prophetische Wort Gottes sagt aus:
Schaut nicht auf Jeschua. Schaut auf den Spross. Schaut auf den, der kommen soll. Setzt eure Hoffnung auf den Messias.
Diese Worte erklingen, während Jeschua mit der Krone auf dem Haupt mitten unter dem Volk steht – als Bild und Hinweis auf den kommenden König-Priester.
In den Versen aus Sacharja 6,12–13 lernen wir drei Dinge über den „Spross“ – drei zentrale Aufgaben, die er übernehmen wird.
Erstens: „er wird aus seinem Ort hervorsprossen“ (Sa. 6,12)
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Jesus wird Mensch sein und aus seiner Stelle aufsprossen.
Ich habe dazu ein Bild mitgebracht – symbolisch: Ein abgestorbener Baumstumpf, aus dessen Mitte neues Leben wächst. Dieses Bild bringt es auf den Punkt.
Der Spross – das ist ein Mensch. Diese Aussage erinnert uns an das Johannes-Evangelium:
„Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ (Johannes 1,14)
Gott macht sich klein. Er kommt nicht in Macht und Glanz, sondern als hilfloses Kind in einer Krippe – als Mensch. In Nazareth wächst er auf, in einer verachteten Stadt. Er ist Zimmermann – ein gewöhnlicher Beruf. Doch das Volk lehnt ihn ab, und schließlich stirbt er einen Verbrechertod am Kreuz.
Doch dieser Spross wächst weiter. Der Tod kann ihn nicht halten.
Er steht auf von den Toten, er fährt auf zum Himmel und sendet seinen Geist – damit durch diesen Geist seine Gemeinde auf der Erde entsteht.
Anfangs ist sie klein, ja, sie versteckt sich. Doch sie wächst – das Evangelium breitet sich aus. Die Gemeinde, der Leib des Herrn, wächst bis heute. Das ist der Beweis: Der Spross lebt, er wächst unaufhaltsam.
Zweitens: „und den Tempel des HERRN bauen“ (Sa. 6,12)
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Jesus wird den Tempel des HERRN bauen
Die Wiederholung in Vers 13 betont: Es geht hier um mehr als ein Gebäude aus Stein, wie es Serubbabel fertigstellen sollte. Dieser Tempel ist nicht materiell, sondern geistlich. Es geht um ein geistliches Haus, das der Messias selbst baut – und niemand sonst kann das tun.
Wir erinnern uns an Jesu Worte:
Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen. (Matthäus 16,18)
Jesus selbst ist es, der diesen geistlichen Tempel errichtet. Und doch – wo ist dieser Tempel heute? Es gibt keinen Ort auf der Erde, wo man hingehen könnte, um ihn zu sehen. Und dennoch: In nahezu jedem Land der Erde gibt es Spuren dieses Tempels – Gemeinden, Versammlungen, Menschen, die an Jesus glauben.
Ein Teil dieses geistlichen Hauses wird sichtbar – überall dort, wo sein Geist lebt. In Epheser beschreibt es Paulus folgendermaßen:
„So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge ohne Bürgerrecht und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, auferbaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selbst der Eckstein ist, in dem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist. (Epheser 2,19–22)
Wir sind dieser Tempel. Wir sind als lebendige Steine auf dem Fundament der Apostel und Propheten gebaut. Und was wir hier in Sacharja sehen, ist Teil dieser prophetischen Grundlage – eine herrliche Offenbarung über den kommenden Messias, der diesen Bau vollendet.
Drittens : Er sitzt auf seinem Thron und wird herrschen
Ja, er ist’s, der den Tempel des HERRN bauen wird, und er wird Herrlichkeit als Schmuck tragen und auf seinem Thron sitzen und herrschen (Sa. 6, 13)
Für die jüdischen Zuhörer damals war es verständlich, dass der verheißene Messias herrschen und König sein würde. Aber dass er zugleich Priester sein sollte, war etwas völlig Neues. Im Alten Testament galt eine klare Trennung: Ein Priester musste aus dem Stamm Levi stammen, ein König hingegen aus dem Stamm Juda.
Kein König durfte priesterliche Aufgaben übernehmen. Diese Gewaltenteilung war von Gott selbst angeordnet – und er nahm sie sehr ernst.
Zwei Beispiele zeigen das deutlich:
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König Saul wartete nicht auf den Propheten Samuel, sondern opferte selbst. Gottes Urteil war unmissverständlich:
Der HERR hat heute das Königreich Israel von dir abgerissen und es deinem Nächsten gegeben. (1. Samuel 15,28)
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König Usija war ein guter König, der im Willen Gottes handelte – zunächst. Doch dann erhob er sich in Stolz. Er nahm das Räucherfass und wollte im Tempel räuchern, obwohl das nur dem Hohenpriester zustand. Die Priester wollten ihn abhalten, doch er wurde zornig.
Da traf ihn Gottes Gericht: Aussatz brach aus – direkt auf seiner Stirn. Warum gerade dort? Dort, wo beim Priester die goldene Tafel mit der Aufschrift „Heilig dem HERRN“ zu tragen war. Für Usija wurde nun „unrein“ zum bleibenden Zeichen – sichtbar auf seiner Stirn.
Gott hatte diese Ämter bewusst getrennt, weil ihre Verbindung nur einer einzigen Person vorbehalten war: Jesus Christus, dem Messias. Kein anderer sollte König und Priester zugleich sein.
Der Messias als König und Priester – die Einheit bringt Frieden
Was ist die Konsequenz dieser Verbindung von Königtum und Priestertum im Messias?
Frieden.
Frieden zwischen Priester- und Königsdienst, aber vor allem: Frieden zwischen Gott und Mensch.
Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus (Römer 5,1)
Jesus Christus – der wunderbare Priesterkönig.
Die abgenommene Krone – ein Zeichen für etwas Größeres
Und wie in einem guten Drama kommt zum Schluss noch eine unerwartete Wendung: Jeschua muss die Krone wieder abnehmen.
Noch einmal ein deutlicher Hinweis: Es geht nicht um Jeschua. Die Krone wird nicht bei ihm bleiben, sondern soll, sobald der Tempel vollendet ist, dort als Gedenkzeichen aufbewahrt werden – zum Gedächtnis an die drei großzügigen Spender und an Josia, der sie beherbergte – aber vor allem zum Gedächtnis an das, was Gott verheißen hat.
Alle Zeichenhandlungen und Worte zielten nicht auf Jeschua, sondern auf den Größeren, der noch kommen sollte.
Die Dornenkrone – das Kreuz als Thron
Ich habe mich gefragt: Lag diese Krone 550 Jahre später noch im Tempel? Als Jesus Christus, der Messias, am Palmsonntag nach Jerusalem einzog und vom Volk als König begrüßt wurde?
Damals riefen die Menschen: „Hosanna dem Sohn Davids!“
Sie erfüllten, was in Sacharja 9 geschrieben steht – eine Stelle, die wir in einigen Wochen betrachten werden: „Siehe, dein König kommt zu dir.“
Wäre das nicht der Moment gewesen, diese Krone zu nehmen und sie auf sein Haupt zu setzen? Denn für ihn war sie doch gemacht worden.
Jesus, Gekrönt mit Herrlichkeit und Ehre
Aber stattdessen: Einige Tage später legte man ihm ein Purpurgewand an – zum Spott. Man gab ihm ein Rohr als Zepter, flechtete eine Dornenkrone und setzte sie ihm auf das Haupt – und schlug damit auf ihn.
Seine Erniedrigung, sein Tod am Kreuz, das Tragen der Dornenkrone – all das war vorherbestimmt. Er wurde verraten, misshandelt, gekreuzigt – und starb als Priesterkönig an einem Kreuz.
Doch gerade dieser Moment war der Ursprung: Hier gründete Jesus, der Priesterkönig seine Gemeinde, den Tempel des HERRN. Unsere Sünden setzten ihm die Dornenkrone auf. Unsere Übertretungen führten ihn ans Kreuz. Doch:
Er hat Frieden gemacht durch das Blut seines Kreuzes. (vgl. Kolosser 1,20)
Er bestieg das Kreuz wie einen Thron. Die Inschrift lautete: „Jesus von Nazareth, der König der Juden.“
In Hebräer 2,7 wird diese Spannung festgehalten:
Du hast ihn ein wenig niedriger sein lassen als die Engel; mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt und hast ihn gesetzt über die Werke deiner Hände; alles hast du seinen Füßen unterworfen (Hebräer 2,7+8a)
Und in Vers 9:
wir sehen aber Jesus, der ein wenig niedriger gewesen ist als die Engel wegen des Todesleidens, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt
Sein Leid, sein Tod waren notwendig, damit er wahrhaftig Hohepriester und König zugleich sein konnte. Zuerst trat er als Hohepriester mit seinem eigenen Blut vor Gott, dann wurde er vom Vater angenommen und mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt.
Praktische Anwendung
Damit kommen wir zum letzten Vers, der eine praktische Anwendung enthält.
Und man wird aus der Ferne kommen und bauen am Tempel des HERRN (Sa. 6,15a)
Das ist eine prophetische Aussage über die Völker, über die Heiden, über uns. Solche, die eigentlich keinen Anteil am Tempelbau hätten haben dürfen, weil es sich um heilige Dinge handelt. Doch sie kommen – und bauen mit. Auch das war überraschend für jüdische Hörer. Aber wir sehen diese Wahrheit im Epheserbrief bestätigt:
Denn Er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und die Scheidewand des Zaunes abgebrochen hat. (Epheser 2,14)
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Und so frage ich: Baust du mit?
Bist du Teil dieses Reiches Gottes? Letztes Jahr haben wir im Propheten Haggai die Botschaft gehört: „Baut mein Haus!“ Das ist aktueller denn je.
Baust du in deinem Einflussbereich – dort, wo Gott dir Verantwortung gegeben hat – an seinem Tempel, an seinem Reich?
Lasst uns Bauleute am Reich Gottes sein. Motiviert durch die Gnade, dass wir, die wir einst fern waren, in Christus nahe gebracht worden sind. Schaut euch um – so viele Nationen allein in diesem Raum. Was für ein wunderbares Zeugnis dafür, dass Gott sein Wort wahr macht.
So werdet ihr erkennen, dass mich der HERR der Heerscharen zu euch gesandt hat. (Sa. 6,15b)
Wenn wir das sehen, was wir hier sehen, dann wissen wir: Sein Wort ist zuverlässig. Er hat es erfüllt – auch hier, im Kleinen.
Doch es gibt auch eine Bedingung am Ende des Verses:
Und das wird geschehen, wenn ihr der Stimme des HERRN, eures Gottes, wirklich gehorchen werdet. (Sa. 6,15c)
Das bedeutet nicht, dass unser Gehorsam den Heilsplan Gottes verhindern könnte. Gott erfüllt seine Verheißung – absolut zuverlässig.
Aber: Ungehorsam kostet uns den Segen. Wir verpassen, was Gott uns eigentlich schenken möchte. Denn was ist der tiefere Sinn des Tempels? Was ist sein Ziel?
Gott will unter seinem Volk wohnen.
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort befolgen, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. (Johannes 14,23)
Unser Gehorsam bestimmt das Maß des Segens, den wir aus der Hand eines barmherzigen, liebenden Gottes empfangen dürfen.
Die Hoffnung für das Volk damals hatte einen Namen: der Spross. Das bedeutete nichts anderes als: der Messias – Jesus Christus, unser Herr.
Und genauso gilt das auch heute: Unsere Hoffnung hat einen Namen – Jesus Christus, unser Priesterkönig.
Wie wunderbar ist es, dass er beides ist: Priester und König.
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Als König ist er stark, er herrscht, er führt und geht voran.
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Als Priester ist er barmherzig, voll Mitleid mit unseren Schwächen.
In Hebräer 2 heißt es, dass er seinem Volk in Zeiten der Versuchung hilft. Wer wäre geeigneter, sein Reich zu bauen, seinen Tempel zu errichten, seine Gemeinde zu gründen, sie wachsen zu lassen und zu befestigen, als dieser Jesus, unser Priesterkönig?
Zum Abschluss der Predigt erinnerte ich an drei Bilder, die wir mitnehmen dürfen:
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Der Spross: Wenn wir etwas Kleines sehen – auch Schwächen in der Gemeinde –, lasst uns daran denken: Jesus war der wahre Spross. Auch er begann klein, unscheinbar. Doch er wird ganz gewiss wachsen, groß werden, aufsprossen.
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Der Bau der Gemeinde: Das zweite Bild zeigte die geistliche Behausung, die nicht aus Stein besteht. Wir sind von fern gekommen – Nationen, Völker, einst ausgeschlossen, nun Teilhaber der Gnade im Messias. Lasst uns bauen!
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Der Priesterkönig: Lasst uns anbeten – den, der Mitleid mit uns hat und für uns herrscht. Jesus Christus – unser wunderbarer Priesterkönig.

