Das Geheimnis des Christenlebens
Zusammenfassung:
Epheser 5 fordert uns auf, unser Leben nicht passiv zu führen, sondern es durch Gebet, Prüfung und Planung akribisch am Wort Gottes auszurichten. Weise Christen gehen sorgfältig mit ihrer Zeit um und verschwenden sie nicht, sondern erkennen Gelegenheiten und verstehen den Willen des Herrn. Paulus zeigt einen klaren Gegensatz auf: Statt uns mit Wein zu berauschen, sollen wir mit dem Heiligen Geist erfüllt sein. Wie Alkohol einen Menschen kontrolliert, so soll der Heilige Geist das Denken, Wollen und Handeln des Christen prägen. Deshalb dürfen wir dem Geist nicht widerstehen, ihn nicht auslöschen und ihn nicht betrüben. Stattdessen sollen wir beten, die Bibel lesen und erleben, wie ein geisterfülltes Leben zu Lobpreis, Dankbarkeit und gegenseitiger Unterordnung führt.
Einleitung
Den Predigttext für heute lesen wir aus Epheser 5, die Verse 15–21.
15 Seht nun darauf, wie ihr mit Sorgfalt wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise; 16 und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. 17 Darum seid nicht unverständig, sondern seid verständig, was der Wille des Herrn ist! 18 Und berauscht euch nicht mit Wein, was Ausschweifung ist, sondern werdet voll Geistes; 19 redet zueinander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen; 20 sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank für alles, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus; 21 ordnet euch einander unter in der Furcht Christi!
Sei achtsam – lebe mit Weisheit
Einmal mehr ermahnt uns Paulus hier ein Leben zu führen, das zu der Gnade passt, die wir erfahren durften. “Achte sorgfältig darauf, wie du lebst.” So beginnt Paulus diesen Abschnitt. Im Griechischen verwendet Paulus hier das Wort „akríbos“. Davon leitet sich unser deutsches Wort „akribisch“ ab. Es bedeutet: genau hinschauen, nichts dem Zufall überlassen, gründlich sein. Und genau darum geht es auch in deinem Leben: Lebe nicht einfach so dahin, sondern achte bewusst auf dein Leben!
Wenn wir uns vor Augen führen, welchen Preis unser Herr bezahlt hat, damit wir dieses Leben in ihm überhaupt führen dürfen, dann ist es logisch, dass auch wir mit Sorgfalt auf unser Leben achten sollen.
Wenn ihr bei Wikipedia den Begriff Achtsamkeit eingebt, wisst ihr, was dort in Klammern steht? Geistesgegenwart. Ich habe laut gelacht, als ich das gelesen habe – zum einen, weil es dort eigentlich anders gemeint ist, zum anderen aber, weil es den Kern des christlichen Verständnisses erstaunlich genau trifft. Passender könnte eine solche Beschreibung für diesen Text kaum sein – selbst bei Wikipedia.
Unsere christliche Lebensweise soll kein Zufallsprodukt sein. Wir sollen uns nicht treiben lassen, passiv bleiben und nur auf Umstände reagieren. Wir sind nicht dazu berufen, einfach nur zu „chillen“, wie man heute sagt, sondern Verantwortung zu übernehmen – bewusst, entschieden und als Antwort auf seine Gnade. Natürlich gibt es Zeiten des Ausruhens – auch das ist biblisch. Doch wir sind aufgefordert, unser Leben mit Sorgfalt und Wachsamkeit zu führen.
Gerade junge Menschen müssen das lernen – aber auch wir Älteren sind nicht ausgenommen. Lass dich nicht von allem Möglichen vereinnahmen, was täglich auf dich einströmt. Fang deinen Tag nicht gedankenlos an, sondern frage dich: Wie kann ich heute gottwohlgefällig leben?
„Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist.“ (Epheser 5, 10)
Sorgfältig leben in einer Welt voller Ablenkungen
Wie gut bist du darin, Ablenkungen zu managen? Diese Frage trifft auch mich. Sobald ich beginne, eine Predigt vorzubereiten und mich mit dem Wort Gottes zu beschäftigen, gibt es auf einmal alle möglichen Angebote, mich ablenken zu lassen. Es ist ein Kampf. Aber genau das ist Teil der Sorgfalt, von der Paulus spricht: dass wir lernen, mit Ablenkungen umzugehen und sie zu begrenzen.
Lasst uns also sorgfältig leben – nicht als Unweise, sondern als Weise.
Epheser 5,15:
„Seht nun darauf, wie ihr mit Sorgfalt wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise.“
Was heißt das konkret – weise leben? Weisheit bedeutet: zu wissen, was in einem bestimmten Moment das Richtige ist. Klingt einfach, ist aber in der Praxis oft schwer umzusetzen.
Und wie wirst du weise? Hat das mit dem Alter zu tun? Nicht zwangsläufig. Du kannst mit 15, 16, 17 im Sinne Gottes sehr weise sein – und du kannst auch mit 70 unweise leben. Alter allein ist kein Garant für Weisheit. Aber was macht den Unterschied?
Mehr Weisheit, als du denkst: Leben aus dem Heiligen Geist
Wenn du im Epheserbrief ein oder zwei Seiten zurückblätterst, findest du das Gebet des Paulus in Kapitel 1, 16–17. Dort heißt es:
[…] für euch zu danken und in meinen Gebeten an euch zu gedenken, 17 dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch den Geist der Weisheit und Offenbarung gebe in der Erkenntnis seiner selbst.“
Das ist der Schlüssel: Gott hat uns eine göttliche Person gegeben – den Heiligen Geist –, der den Titel trägt: „Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis Gottes.“
Hast du eine Vorstellung davon, wie viel Weisheit dir durch diesen in dir wohnenden Geist zur Verfügung steht? Ich glaube, wir unterschätzen das gewaltig.
Vielleicht denkst du jetzt: „Ja, mir fehlt oft diese Weisheit. Wie bekomme ich sie?“ Genau das hat Paulus für die Epheser gebetet – und auch du kannst beten. Bitte Gott um diesen Geist der Weisheit. Er gibt ihn dir gern.
Bleibe in dem, was du gelernt hast
Du hast gelernt, dem Wort Gottes zu vertrauen – und das mit gutem Grund. Paulus sagt zu Timotheus:
„Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir zur Gewissheit geworden ist, da du weißt, von wem du es gelernt hast, 15 und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.“
(2. Timotheus 3,14-15)
Diese heiligen Schriften – das ist das Wort Gottes, die Bibel, bestehend aus den 66 Büchern, die du in Händen halten darfst. Sie haben über 2000 Jahre lang Christen weise gemacht. Das ist ein zuverlässiges Werk, auf das du dich verlassen kannst – nicht weil die Menschen, die es geschrieben haben, so weise waren, sondern weil „alle Schrift von Gott eingegeben ist“.
„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, 17 damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“ (2. Timotheus 3,16-17)
Der Geist, das Wort und das Gebet machen dich weise. Doch wie erkennst du, ob du wirklich weise bist? Was tut ein Mensch, der göttliche Weisheit hat? Er kauft die Zeit aus.
„kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse.“ (Epheser 5,16)
Es geht hier nicht um Zeit im Sinne von Minuten oder Stunden, sondern um Gelegenheiten – Chancen, Gutes zu tun – die inmitten dieser bösen Tage verborgen liegen. Der Weise erkennt diese Chancen und nutzt sie. Und du musst wissen: Gelegenheiten gehen vorbei. Wenn du sie nicht nutzt, kommen sie vielleicht nie wieder.
„So lasst uns nun, wo wir Gelegenheit haben, an allen Gutes tun, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens.“ (Galater 6,10)
Wenn du also weise bist und eine Gelegenheit siehst, Gutes zu tun, dann tu es – besonders gegenüber deinen Geschwistern im Glauben. Das klingt edel, oder? Aber es ist nicht optional:
„Wer nun Gutes zu tun weiß und es nicht tut, für den ist es Sünde.“ (Jakobus 4,17)
Das ist keine Empfehlung – das ist eine ernste Aussage. Wer Gelegenheiten zum Guten ignoriert, handelt nicht neutral, sondern sündigt. Als ich Teenie war, habe ich diesen Vers den Spülmaschinenvers genannt. Wenn bei uns die Spülmaschine gelaufen war, ließ meine Mutter sie offenstehen, damit das Geschirr trocknen konnte. Und mit diesem Vers im Ohr konnte ich nicht einfach vorbeigehen.
Die Lektion ist klar: Gutes zu erkennen und es nicht zu tun, ist nicht harmlos: Nein – Jakobus drückt es klar aus: Es ist Sünde!
Weise Menschen erkennen und nutzen Gelegenheiten zum Guten. Aber es gibt noch mehr, was weise Menschen auszeichnet:
„Darum seid nicht unverständig, sondern seid verständig, was der Wille des Herrn ist!“ (Epheser 5,17)
Ein weiser Mensch kennt den Willen Gottes. Und ich weiß – das ist ein großes Thema. Wie oft quälst du dich mit der Frage: Was ist Gottes Wille in dieser konkreten Situation meines Lebens? Was soll ich tun? Und dann liest du diesen Vers – als würde Paulus sagen: „Der Weise kennt den Willen Gottes.“ Das klingt fast wie ein Hohn, oder?
Doch bevor wir über den Willen Gottes sprechen, müssen wir eines ganz klar festhalten: Wir müssen glauben – fest darauf stehen –, dass Gott absolut souverän ist. Er handelt in allem nach dem Ratschluss seines Willens:
„… der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens.“ (Epheser 1,11)
In 5. Mose 29,29 lesen wir vom Willen Gottes aus zwei Perspektiven:
„Das Verborgene ist des Herrn, unseres Gottes; aber das Offenbarte ist unser und unserer Kinder ewiglich, damit wir alle Worte dieses Gesetzes tun.“
Wenn wir über den Willen Gottes sprechen, können wir ihn in zwei Bereiche unterscheiden: den verborgenen Willen Gottes und den offenbarten Willen Gottes.
Der verborgene Wille Gottes
Dieser Teil betrifft die Einzelheiten deines Lebens:
Sollst du eine Ausbildung oder ein Studium machen?
Welcher Job ist der richtige für dich?
Wen sollst du heiraten?
Wo sollst du wohnen oder Urlaub machen?
All diese Fragen gehören zum verborgenen Ratschluss Gottes. Sie stehen nicht in der Bibel. Aber – und das ist wichtig – sie sind dennoch unter Gottes Souveränität. Gott ist allmächtig. Aber sie sind nicht unsere Aufgabe zu erkennen.
Du und ich, wir neigen dazu, in diesen verborgenen Willen hineinblicken zu wollen – wir versuchen Zeichen zu deuten, Eindrücke zu interpretieren, Gefühle zu analysieren. Doch dieses Verhalten ähnelt Wahrsagerei, dem Blick in eine Glaskugel. Das ist nicht unser Weg.
„Das Verborgene ist des Herrn.“ (5. Mose 29,29)
Warum ist das so? Weil Gott möchte, dass wir Abhängigkeit lernen. Weil Gott möchte, dass wir ihm vertrauen.
Der offenbarte Wille Gottes
Und jetzt wird es konkret: Wir sind nicht hilflos! Denn Gott hat uns seinen Willen offenbart – in seinem Wort. Die Bibel ist voll von dem, was Gott gefällt und was er verabscheut. Diese Dinge helfen uns.
„Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr euch der Unzucht enthaltet.“ (1. Thessalonicher 4,3)
Wie viel Zeit verbringst du mit diesem Gedanken – deiner Heiligung? Verglichen mit der Zeit, in der du versuchst, den perfekten Job oder Studienplatz zu finden?
Freut euch allezeit! Betet ohne Unterlass! Seid in allem dankbar; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch. (1. Thessalonicher 5,16–18)
Diese Verse sprechen direkt in deine Entscheidungssituation hinein. Wenn du gerade vor einer schwierigen Entscheidung stehst – höre auf diese Worte. Gott spricht hier nicht in Rätseln.
Was bedeutet das für deine Entscheidungen?
Ein gutes Beispiel ist die Jobwahl. Was sagt die Bibel dazu?
„Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen!“ (2. Thessalonicher 3,10)
Wenn es also nur eine Jobmöglichkeit gibt – auch wenn sie dir unter deinem Niveau erscheint – nimm sie an. Aber: Wenn der Job erfordert, dass du in eine Stadt ohne bibeltreue Gemeinde ziehst – keine Option.
Gottes offenbarter Wille sagt dir: Gemeinschaft ist wichtig. Der regelmäßige Kontakt zu einer gesunden Gemeinde ist keine Nebensache.
Wie triffst du also gute Entscheidungen?
Auf den Knien.
Mit der Nase in der Bibel.
Im Gespräch mit geisterfüllten Geschwistern.
Und dann – hast du Freiheit zu entscheiden!
Nicht aus Angst, falsch zu liegen, sondern in dem Vertrauen, dass Gottes offenbarter Wille dein Maßstab ist.
Das wünsche ich mir für dich – dass du in Freiheit und mit einem gottgefälligen Herzen deine Wege gehst, immer mit Blick auf das, was Gott dir klar gemacht hat.
Wenn du dich nach Klarheit sehnst: Beginne nicht mit der Zukunft. Beginne mit dem, was heute klar ist. Gottes Wort ist hell, verlässlich und ausreichend.
Das Offenbarte ist unser und unserer Kinder in Ewigkeit, damit wir alle Worte dieses Gesetzes tun.
Das doppelte Gebot: Werdet mit Geist erfüllt
Wir kommen nun zum letzten Punkt, der die Verse 18 bis 21 umfasst – ein Höhepunkt des Abschnitts und eine wunderschöne Überleitung zu den kommenden Themen wie Ehe, Familie und Beruf.
In Vers 18 bekommen wir ein doppeltes Gebot: Ein Verbot und ein Gebot in einem:
„Berauscht euch nicht mit Wein – sondern werdet mit dem Geist erfüllt.“ (Vers 18)
Warum dieser seltsame Vergleich zwischen Trunkenheit und Erfülltsein mit dem Geist? In der damaligen Zeit war es im heidnischen Götzendienst üblich, durch Trunkenheit in Ekstase zu geraten, weil man glaubte, so mit den Göttern kommunizieren zu können. Paulus greift diesen Vergleich auf – nicht um Gemeinsamkeiten zu feiern, sondern um einen Kontrast aufzuzeigen.
Denn ja, der Betrunkene steht unter dem Einfluss von Alkohol. Im Strafrecht gibt es sogar den Tatbestand „Fahren unter Alkoholeinfluss“. Ein geisterfüllter Christ steht hingegen unter dem Einfluss und der Kontrolle des Heiligen Geistes. Doch hier enden die Gemeinsamkeiten zwischen Geist und Wein!
Ich möchte klarstellen: Das Erfülltsein mit dem Heiligen Geist ist kein geistlicher Rauschzustand! Es ist kein Kontrollverlust, keine Ekstase. Diese sogenannte „Trunkenheit im Geist“ ist eine Verdrehung der Bibelstelle und dient nur der Befriedigung des Fleisches. Sie verunehrt den heiligen Gott – halte dich fern von solchen Ideen und Praktiken!
Alkohol nimmt dem Menschen etwas: Selbstbeherrschung, Wahrnehmung, die Fähigkeit, vernünftig zu entscheiden und zu handeln. Er führt zur Verschwendung von Zeit, Geld und sogar Würde.
Der Heilige Geist wirkt das genaue Gegenteil. Er ist ein Stimulanz. Er belebt jeden Aspekt deines Wesens zu einem gottwohlgefälligen Leben. Er bewirkt Selbstbeherrschung. Das ist der letzte Teil der Frucht des Geistes in Galater 5, 23. Er schenkt dir Weisheit, Erkenntnis und befähigt dich, in Liebe als Kind des Lichts zu leben. Er heiligt dich und verwandelt dich mehr und mehr in das Bild unseres Herrn Jesus Christus.
Es gibt keinen größeren Kontrast: Alkohol zerstört und entstellt – der Heilige Geist heiligt dich zum Vollmaß nach dem Bild Christi. „Werdet mit dem Geist erfüllt!“ (Vers 18)
Und jetzt ist wichtig: Jeder wiedergeborene Christ hat den Heiligen Geist – er wohnt bereits in dir, du bist mit ihm getauft und versiegelt:
Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid für den Tag der Erlösung! (Epheser 4,30)
Das ist ein einmaliges Geschehen, es braucht keine Wiederholung. Wenn du den Geist Christi nicht hättest, dann wärst du kein Christ:
“wer aber den Geist des Christus nicht hat, der ist nicht sein.” (Römer 8,9)
Wenn wir also in Vers 18 lesen:
werdet mit dem Geist erfüllt.“ (Vers 18)
Dann bedeutet das nicht, dass du den Geist bekommen oder mehr von ihm empfangen sollst – sondern: Der Geist soll mehr von dir bekommen! Es geht darum, dass der in dir wohnende Geist völlige Freiheit hat, dich zu formen und zu heiligen, wie es ihm gefällt.
„Werdet mit dem Geist erfüllt“ – Grammatikalisch ist das Präsens, also etwas, das andauernd passiert. Ich brauche das heute. Ich brauche es heute Nachmittag, heute Abend, morgen, übermorgen – mein ganzes Leben lang.
Und es ist ein passiver Imperativ. Früher mochte ich Grammatik nicht, aber heute liebe ich diese Zeitform. Ein einfaches Beispiel: „Lass dir die Haare schneiden.“ Du schneidest sie nicht selbst, aber du bereitest dich vor – nimmst dir Zeit, bringst Geld mit, gehst zum Friseur. Und dort geschieht es.
Genauso ist es mit dem Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist: Du kannst es nicht aus eigener Kraft bewirken, aber du kannst dich dafür öffnen und bereitmachen, damit der Geist Gottes an dir wirkt. Das ist das Wunderbare an diesem Zusammenspiel zwischen dem Geist Gottes und unserem Willen.
Und noch etwas: Dieses Gebot steht im Plural. Es gilt nicht nur dir persönlich, sondern uns gemeinsam als Gemeinde. Wie großartig wäre es, wenn wir eine Gruppe von Christen wären, von denen man sagen könnte: „Sie sind erfüllt vom Geist.“ Was wäre dann alles möglich – zur Ehre Gottes!
Was uns hindert, vom Geist erfüllt zu werden
Und nun die entscheidende Frage: Was tun wir konkret um vom Geist erfüllt zu werden?
Zuerst gilt: Es gibt etwas, das wir nicht tun dürfen: Wir dürfen dem Heiligen Geist nicht widerstehen:
“Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist” (Apostelgeschichte 7,51)
Das bedeutet ganz konkret: Wir dürfen nicht ungehorsam sein gegenüber dem, was der Geist Gottes durch sein Wort zu uns spricht. Widerstand beginnt dort, wo wir bewusst überhören, was er uns zeigt – und stattdessen unseren eigenen Weg gehen.
„Löscht den Geist nicht aus.“ (1. Thessalonicher 5,19)
Wie kannst du den Geist auslöschen? Indem du Sünde in deinem Leben herrschen lässt, dem Fleisch Raum gibst und ungehorsam bleibst. Dann wirkt es, als sei der Geist gar nicht mehr da. Ein dritter Punkt:
„Betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes.“ (Epheser 4,30)
Wir betrüben den Geist, wenn wir nicht bereit sind, mit Sünde aufzuräumen – wenn wir an Lüge festhalten, statt die Wahrheit zu sagen. Wenn wir Bitterkeit Raum geben, anstatt sie loszulassen. Wenn wir uns weigern zu vergeben, obwohl uns selbst vergeben wurde. Gerade in der Gemeinde betrübt das den Geist, der die Gemeinde als die Braut Christi schön darstellen will. Wenn du also nicht in Wahrheit, Vergebung und Versöhnung lebst, betrübst du den Geist.
Wie wir vom heiligen Geist erfüllt werden
Tu, was Paulus für die Epheser tat:
„Ich höre nicht auf, für euch zu danken und zu beten… dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus euch den Geist der Weisheit und Offenbarung gebe.“ (Epheser 1,16–17)
Bete, dass der Geist in dir Raum hat, dass du vom Geist erfüllt bist! Ein Schlüssel dazu liegt im Kolosserbrief. Dort heißt es:
„Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehrt und ermahnt mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade.“ (Kolosser 3,16)
In Epheser 5 sind diese geistlichen Lieder die Folge des Erfülltseins mit dem Geist. In Kolosser 3 hingegen die Folge des Wohnens des Wortes in dir. Beides hängt zusammen. Der Geist wirkt durch sein Wort. Wenn du erfüllt werden willst mit dem Geist, lies das Wort, lies es wieder, denke darüber nach – lies, lies, lies!
Der Geist ist es, der dieses Wort inspiriert – und er nutzt es, um dich zu erfüllen. Widerstehe ihm nicht. Lösche ihn nicht aus. Betrübe ihn nicht. Bete – und lass das Wort Christi reichlich in dir wohnen.
Was sind die Folgen eines geisterfüllten Lebens?
Du wirst singen, danken, dich unterordnen – das sind alles Folgen, keine Befehle.
„Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern.“ (Epheser 5,19)
Das bedeutet, wir singen nicht nur für Gott, sondern zueinander. Wir verkündigen einander Wahrheiten über unseren heiligen Gott. Musik ist ein Geschenk des Geistes – sie entspringt einem vom Geist erfüllten Verstand, einem vom Geist erfüllten Herzen und wird durch vom Geist geheiligte Lippen gesungen. So wird unser Lob Gott wohlgefällig.
Die zweite Folge:
„sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank für alles, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus.“ (Epheser 5,20)
Das ist herausfordernd. Bist du dankbar? Wenn nicht – geh zurück zu Epheser 1–3. Lies es. Und wenn du danach immer noch nicht dankbar bist, lies es erneut – bis der Geist sein Werk an deinem Herzen tut und dich zu einem Menschen macht, der allezeit für alles dankt.
Glaubst du, dass Gott alles nach dem Ratschluss seines Willens tut? Glaubst du, dass unser Vater im Himmel gut ist – und gut zu dir? Dann kannst du auch das annehmen, was schmerzt. Und trotzdem dankbar sein. Das kannst du nur, wenn du vom Geist erfüllt bist.
Die dritte Folge eines geisterfüllten Lebens ist:
„ordnet euch einander unter in der Furcht Gottes!“ (Epheser 5,21)
Das ist kein Ruf zur sozialen Höflichkeit, sondern zur heiligen Unterordnung – motiviert durch Ehrfurcht vor Christus. Wir sollten zittern bei dem Gedanken, diesem Herrn ungehorsam zu sein, besonders bei diesem Gebot. Der Heilige Geist macht uns dazu fähig, den anderen höher zu achten als uns selbst.
In Galater 6 heißt es:
„Einer trage des anderen Last.“
Das ist Unterordnung. Ich stelle mich freiwillig unter die Last meines Nächsten und trage sie mit. Kennst du das? Bist du bereit dazu? Gott möchte, dass wir nicht dominieren, sondern dienen zum Wohle anderer – so wie Jesus es vorgelebt hat.
Diese Haltung ist die Grundlage für alles, was kommt: Ehe, Familie, Beruf. Das alles kann nur gelingen, wenn du vom Geist erfüllt bist. Ich glaube, Gott tut ein neues Werk an uns – wie es in der Jahreslosung heißt:
„Siehe, ich mache alles neu.“
Dazu wird er Dinge ans Licht bringen – in deinem Herzen, in deinem Leben, in deiner Ehe, in deiner Familie und auch in unserer Gemeinde. Und damit wir diesen Weg gemeinsam gehen können, brauchen wir eines:
Erfüllt zu sein mit Geist Gottes.

