Einführung in die letzten drei Visionen Sacharjas
Als wir vor mit der Predigtreihe zu Sacharja begonnen haben, hat Martin uns eine Einführung gegeben. Er hat uns auf die teils mysteriösen und symbolträchtigen Elemente vorbereitet, die uns begegnen würden – etwa eine fliegende Buchrolle oder eine Frau, die in einem Eimer weggeschafft wird. Genau an diesem Punkt sind wir jetzt angekommen.
Heute betrachten wir Vision Nummer sechs und sieben. In den ersten fünf Visionen, die wir bereits behandelt haben, stand eine ermutigende Botschaft im Vordergrund. Gott wollte sein Volk trösten und stärken. Und um das zu verstehen, ist es wichtig, sich in die damalige Lage des Volkes Israel hineinzuversetzen: Sie hatten 70 Jahre in der babylonischen Gefangenschaft hinter sich. Ein erster Teil war nun zurückgekehrt – aber Jerusalem lag in Ruinen. Das Volk stand vor der schweren Aufgabe des Wiederaufbaus. Das war sicher kein leichtes Unterfangen.
Gottes Heiligkeit und Umgang mit Sünde
In dieser Situation gibt Gott durch den Propheten Sacharja Visionen der Hoffnung. Er spricht vom verheißenen Messias, dem Retter, den er senden wird. Aber damit ist nicht alles gesagt. Es stehen auch noch andere große Fragen im Raum – Fragen nach Gerechtigkeit:
Ist Gott fair und gerecht? Was ist mit den heidnischen Nationen, die Israel so viel Leid zugefügt haben? Wird es einen Tag der Abrechnung geben?
Genau diesen Fragen widmen sich die drei letzten Visionen, die noch vor uns liegen – beginnend mit Kapitel 5. In ihnen zeigt sich eine weitere, oft übersehene Seite Gottes:
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Gott ist heilig. Er hasst Sünde. Und wenn es um Sünde geht, dann geht Gott auf zwei Arten damit um: Er richtet sie oder er vergibt sie – aber er ignoriert sie nie.
Das ist eine wichtige Wahrheit. Wie befreiend ist es, dass wir wissen dürfen: Gott hat seinen Sohn Jesus Christus gesandt, der den Fluch der Sünde auf sich genommen hat – den Fluch, den wir verdient hätten.
Vision 6: Die fliegende Buchrolle: Ein Fluch über die Erde
Die sechste Vision veranschaulicht, was Gott mit der Sünde tut, wenn er sie richtet:
Und ich erhob wiederum meine Augen und schaute, und siehe, eine Buchrolle kam geflogen. Und er fragte mich: Was siehst du? Ich sprach: Ich sehe eine fliegende Buchrolle, 20 Ellen lang und 10 Ellen breit. (Sa. 5,1+2)
Stell dir das einmal vor: Eine riesige Schriftrolle fliegt durch die Luft. Ihre Größe ist gewaltig – 20 Ellen lang und 10 Ellen breit, also etwa neun Meter mal viereinhalb Meter. Ich musste da spontan an die Flugzeuge denken, die manchmal Werbebanner durch die Lüfte ziehen. Aber im Gegensatz zur Werbung, die jemand zieht, heißt es hier nicht, dass irgendetwas oder irgendjemand diese Buchrolle zieht. Sie fliegt von selbst.
Der Fluch gegen Diebe und Falschschwörer
Und er sprach zu mir: Das ist der Fluch, der über die Fläche der ganzen Erde ausgeht; denn jeder Dieb wird weggefegt werden gemäß dem, was auf dieser Seite der Rolle steht, und jeder, der falsch schwört, wird weggefegt werden gemäß dem, was auf jener Seite der Rolle steht. (Sa. 5,3)
Auf dieser Rolle steht etwas geschrieben, und es ist nicht nur ein kurzer Text. Es ist offensichtlich etwas Längeres, Bedeutendes. In der damaligen Zeit waren Schriftrollen das Standardmedium, um Texte festzuhalten – so, wie wir heute Bücher haben. Diese Rolle ist also ein Bild für das geschriebene Wort, für eine Botschaft Gottes – und was für eine: ein Fluch.
Der Engel, der mit Sacharja redet, legt die Vision direkt aus. Die Buchrolle enthält einen Fluch. Zwei Gruppen werden genannt: Diebe und Menschen, die falsch schwören. Zwei konkrete Sünden. Und ich lade dich ein, mit mir darüber nachzudenken, warum gerade diese beiden ausgewählt wurden.
In 2. Mose 32 kommt Mose mit den beiden steinernen Tafeln vom Berg Sinai. Sie sind von beiden Seiten beschrieben – so wie die fliegende Buchrolle. Und genau auf diesen Tafeln stehen die Zehn Gebote. Dort finden wir sowohl das Gebot „Du sollst nicht stehlen“ als auch das Verbot zu lügen.
Konsequenzen des Gesetzbruchs
Das Interessante ist: In den Zehn Geboten steht üblicherweise „Du sollst“ oder „Du sollst nicht“. Doch hier in der Vision ist davon keine Rede. Stattdessen ist es der Fluch, der ausgesprochen wird über den, der das Gesetz bricht. Es geht nicht um die Gebote selbst, sondern um die Konsequenzen, wenn man sie missachtet.
Und dieser Fluch hat eine Wirkung – er ist nicht nur ein Urteilsspruch auf dem Papier. Er handelt. In Vers 4 heißt es:
Ich habe ihn ausgehen lassen, spricht der HERR der Heerscharen, damit er eindringe in das Haus des Diebes und in das Haus dessen, der fälschlich bei meinem Namen schwört, und damit er in seinem Haus bleibe und es samt seinem Holzwerk und seinen Steinen verzehre! (Sa. 5,4)
Das Haus – eigentlich ein Ort des Schutzes, des Rückzugs – wird hier nicht verschont. Der Fluch geht nicht außen vorbei, er dringt mitten hinein. Und er bleibt dort. Er kommt nicht nur kurz vorbei, sondern verweilt so lange, bis das Haus vollständig zerstört ist – Holzwerk und Steine, alles wird verzehrt.
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Keine Mauer ist dick genug, kein Versteck sicher genug, um Gottes Gericht aufzuhalten.
Die Endgültigkeit von Gottes Gericht
Dieses Bild erinnert mich an eine weitere Stelle in der Bibel, die uns genau das vor Augen führt. In 3. Mose 14 geht es um den Umgang mit Aussatz – ein Bild für Sünde. Wenn dieser Aussatz die Steine eines Hauses befällt, dann heißt es in Vers 45:
Dann soll man das Haus abbrechen, seine Steine und sein Holz und allen Mörtel des Hauses, und soll es hinaus an einen unreinen Ort vor die Stadt bringen. (3. Mose 14,45)
Auch hier: Der Aussatz – wie die Sünde – breitet sich aus. Und wenn das geschieht, dann hilft keine Renovierung, keine Ausbesserung. Das ganze Haus muss weg. Es wird komplett abgerissen und an einen unreinen Ort gebracht. Genau das tut der Fluch in Sacharja 5 auch: Er bleibt so lange, bis alles zerstört ist.
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Das Gericht Gottes ist vollständig. Es duldet keinen Kompromiss.
Gottes Heiligkeit und der Weg der Hoffnung
Wenn du jetzt denkst: Das ist hart – dann hast du Recht. Es ist hart. Aber es ist auch gerecht. Denn Gott ist heilig, und er hasst die Sünde. Er kann sie nicht übersehen. Doch hier liegt auch Hoffnung: Denn dieser heilige Gott hat einen Weg geschaffen, dass du nicht unter diesen Fluch gerätst. Durch seinen Sohn Jesus Christus hat er einen Ausweg eröffnet. Aber eines bleibt klar: Gott wird niemals so tun, als wäre Sünde nicht da. Er richtet sie – oder er vergibt sie. Aber sie bleibt nicht ungestraft.
Diese Vision ist ein Weckruf. Sie zeigt uns:
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In Gottes Reich hat Sünde keinen Platz.
Und die Frage an dich ist: Wohin gehst du mit deiner Sünde? Versteckst du sie – oder bringst du sie zu Jesus?
Vision 7: Gesetzlosigkeit im Efa, ein Gefäß
In der siebten Vision wird Sacharja erneut aufgefordert, seine Augen zu erheben:
Und der Engel, der mit mir redete, trat hervor und sprach zu mir: Erhebe doch deine Augen und sieh, was da herauskommt! (Sach 5,5)
Was Sacharja nun sieht, ist seltsam, beinahe märchenhaft – fast wie aus einer orientalischen Geschichte. Ich musste dabei an die Wunderlampe aus Märchen denken, aus der plötzlich ein Flaschengeist hervorkommt. Doch was Sacharja sieht, ist keine Fantasie, sondern eine göttliche Offenbarung, die tiefgründige Bedeutung trägt.
Ich aber fragte: Was ist das? Und er antwortete: Das ist ein Epha, das da hervorkommt. Und er fügte hinzu: Darauf ist ihr Auge gerichtet überall auf der Erde. (Sa. 5,6)
Ein Epha – das ist ein Gefäß, das im Handel als Maßeinheit verwendet wurde, etwa zum Abmessen von Getreide oder anderen Waren. Dieses Bild ist hoch symbolisch: Es steht für Wirtschaft, für Handel – für das System des Gebens und Nehmens.
Die Frau der Gesetzlosigkeit
Dann hebt sich eine schwere Bleiplatte – etwa 50 Kilogramm schwer, das verrät uns das hebräische Wort kikkar – und eine Frau erscheint im Epha.
Und siehe, da erhob sich eine Scheibe von Blei, und eine Frau saß drinnen im Epha. Da sprach er: Das ist die Gesetzlosigkeit! Und er stieß sie wieder in das Epha hinein und warf das Bleigewicht auf dessen Öffnung. (Sa. 5,7–8)
Diese Frau steht nicht für eine schöne oder ehrenvolle Gestalt – sie steht für die Gesetzlosigkeit. Der Engel bezeichnet sie klar so. Es ist ein Sinnbild für moralischen und geistlichen Verfall. Der Engel stößt sie mit Nachdruck zurück in das Gefäß und verschließt es wieder mit der schweren Bleiplatte – als Zeichen dafür, dass diese Gesetzlosigkeit unter Kontrolle gebracht und gebannt wird.
Die Entfernung der Gesetzlosigkeit nach Babylon
Doch damit ist die Szene nicht vorbei. Zwei weitere Frauen treten auf – mit Flügeln wie Störche, und sie tragen das Epha fort:
Und ich erhob meine Augen und schaute; und siehe, da kamen zwei Frauen hervor, und der Wind blies in ihre Flügel — denn sie hatten Flügel wie Störche —, und sie hoben das Epha empor zwischen Himmel und Erde. (Sa. 5,9)
Der Storch – ein großer Zugvogel mit kräftigen Flügeln – steht hier symbolisch für weite und gezielte Bewegung. Diese Frauen bringen das Epha mit der Frau der Gesetzlosigkeit weit weg.
Da fragte ich den Engel, der mit mir redete: Wohin bringen diese das Epha? Er antwortete mir: Es soll ihm ein Haus gebaut werden im Land Sinear, und wenn dieses Haus aufgerichtet ist, so wird das Epha an seinem Ort hingestellt werden. (Sa. 5,10–11)
Das „Land Sinear“ – das steht für Babylon.
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Babylon ist in der Bibel durchweg ein Symbol für Sünde
Für Götzendienst, für menschlichen Hochmut – etwa im Turmbau zu Babel. Genau dort soll dieses Epha mit der Frau – also die Gesetzlosigkeit – hingebracht werden. Und das sagt uns viel: Die Gesetzlosigkeit wird nicht nur entfernt, sondern dorthin verbannt, wo sie hingehört – nach Babylon, fern vom Volk Gottes.
Warum ist das wichtig? Weil das Volk Israel gerade aus Babylon zurückgekehrt war. Viele waren dort geboren, aufgewachsen, geprägt worden. Und es ist nicht verwunderlich, dass sie auch kulturelle und geistliche Elemente aus Babylon mitgebracht hatten.
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Gott macht deutlich: Diese Dinge haben in seiner Mitte keinen Platz.
Was fremd ist, was sündig ist, muss weg. Und Gott sorgt selbst dafür, dass es entfernt wird – zurück an den Ort, von dem es gekommen ist.
Tiefergehende Symbolik der Vision
Diese Vision hat auch eine wirtschaftliche Dimension. Das Epha – als Handelsmaß – steht auch für ein ungerechtes Wirtschaftssystem, für Betrug und Korruption. Auch das gehört nicht in Gottes neues Jerusalem. Jesus selbst sagt: „Das Mammon ist ungerecht“, und „Niemand kann zwei Herren dienen – dem Herrn und dem Geld.“ Die Anbetung des Geldes, des Wohlstands – das alles ist moderne Götzenanbetung. Auch das wird Gott eines Tages abschaffen.
Interessant ist auch die Symbolik der Frau. In prophetischen Texten steht eine Frau häufig für geistliche Verführung, für falsche Anbetung. Beispiele dafür sind etwa in der Offenbarung zu finden. Die Frau im Epha steht somit auch für geistlichen Ehebruch, für das Abweichen vom wahren Gott. Dass ihr ein Haus gebaut wird, weist auf eine kultische Stätte hin – ein Götzentempel.
Gottes Souveränität bei der Entfernung der Sünde
Und dann sind da noch die zwei Frauen mit Flügeln wie Störche. Diese Tiere gelten im mosaischen Gesetz als unrein. Und das ist ein interessanter Punkt: Gott benutzt sogar unreine Mittel, um seine heiligen Ziele zu erreichen. Das zeigt, wie souverän Gott ist – nichts steht ihm im Weg, nicht einmal das Unreine. Er wirkt auch durch Dinge, die wir vielleicht nicht erwarten würden. Sein Ziel ist klar: die vollständige Entfernung der Gesetzlosigkeit aus seiner Mitte.
Gottes Radikalität in der Sündenvergebung
Die Richtung ist eindeutig: weit weg. Das zeigen auch zwei Bibelstellen, die ich mit dir teilen möchte. In Psalm 103,12 lesen wir:
Sofern der Osten ist vom Westen, hat er unsere Übertretungen von uns entfernt.
Und in Micha 7,19 heißt es:
Du wirst all ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.
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So wirkt Gott. Er nimmt das, was uns zerstört, und schafft es weit, weit weg.
Und er wird sicherstellen, dass es nicht zurückkommt.
Diese Vision fordert uns heraus. Sie ruft uns auf, uns von allem zu trennen, was nicht zu Gottes Reich gehört. Sie erinnert uns: Was in unserer Mitte sündig ist, muss weg. Und sie zeigt uns: Gott ist bereit, es zu tun. Er handelt – entschlossen, zielgerichtet, und letztlich befreiend.
Praktische Anwendungen
Die beiden Visionen aus Sacharja 5 vermitteln eine ernste, aber notwendige Wahrheit:
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In Gottes Reich hat Sünde keinen Platz.
Der Fluch, den sie mit sich bringt, ist real und unausweichlich. Die Bilder der Vision zeigen, wie gründlich Gott die Sünde entfernen wird – ob sie sich im Herzen des Einzelnen oder in den Strukturen der Gesellschaft befindet.
Für ein gottgefälliges Leben können wir daraus lernen:
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Heiligkeit als Lebensziel: 1. Petrus 1,15–16 mahnt: „Seid heilig, denn ich bin heilig.“ Der Maßstab für das Leben ist nicht die Welt, sondern Gottes Charakter.
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Bewusste Trennung von ungerechten Systemen: Die Frau im Epha erinnert daran, dass religiöse Verführung, wirtschaftliche Korruption und moralischer Verfall eng zusammenhängen. Christen sind aufgerufen, sich davon abzusondern.
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Hoffnung in Christus: Die Visionen zeigen die Schwere des Gerichts, aber sie verweisen auch auf die einzige Hoffnung: das Kreuz. 2Korinther 5,21 lehrt, dass Christus zur Sünde gemacht wurde, damit der Glaubende Gerechtigkeit Gottes werde.
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Gottes Gericht ist unausweichlich – Umkehr ist notwendig: Die wiederholte Aufforderung zur Buße zieht sich wie ein roter Faden durch Sacharja. Wer sich Gottes Angebot verweigert, wird am Tag des Zorns keinen Bestand haben (vgl. Offenbarung 6,17).
Diese Kapitel mahnen und trösten zugleich. Gott wird die Welt von Sünde reinigen. Doch heute ist die Zeit der Gnade, in der Umkehr möglich ist. Das Evangelium ruft zur Entscheidung: Sünde oder Erlösung – Gericht oder Gnade.

