Einleitung: Was bleibt?

Vor 147 Tagen haben wir die Predigtserie durch das Bibelbuch Nehemia begonnen. Und nach insgesamt 14 Predigten bis zum letzten Sonntag, zu den 13 Kapiteln mit insgesamt 406 Versen, haben wir letzten Sonntag das Ende dieses, wie ich finde, hochspannenden Bibelbuches erreicht. Und die Frage, die wir uns heute gemeinsam stellen wollen, ist: 

Was bleibt? 

Was bleibt nach dieser Zeit? Wie sieht unsere Bilanz dieser Zeit im Buch Nehemia aus? Was hat Gott durch sein Wort und die Predigt seines Wortes bei uns erneuert und verändert? Was haben wir denn aufgebaut, neu geordnet und befestigt? Und wo haben wir geeint, gereinigt und geheiligt für Gott? Und haben das Wort Gottes, Buße zu Gott und von Herzen kommendes Gebet mehr Raum in unserem Leben, in unseren Herzen bekommen?

Wenn wir die Predigtserie heute abschließen, will ich diese Frage noch einmal wiederholen: Was bleibt?

Und um das noch einmal aufzufrischen, um uns noch einmal einen positiven Anstoß zu geben, wollen wir uns heute drei Punkte anschauen:

  1. Was ist die Hauptaussage des Buches?
    Wenn dich jemand fragen würde: „Worum geht es im Buch Nehemia?“, dann solltest du nach der Predigt eine relativ klare Antwort darauf geben können. 
  2. Was können, ja, was sollen wir auch daraus lernen und mitnehmen, für uns ganz praktisch? 
  3. Die persönliche Anwendung: Wie beginnt Erneuerung?

1. Was ist die Hauptaussage des Buches Nehemia?

Wir fangen mit dem ersten Punkt an, und zwar mit der Frage: Was ist denn die Hauptaussage des Buches Nehemia? Worum geht es in diesem alttestamentlichen Bibelbuch?

Gott erneuert.

Unter diesen Leitgedanken haben wir die ganze Serie gestellt. Und das habt ihr sehr häufig auf der Startfolie gesehen: Gott erneuert. Und zu den Zeiten Nehemias gab es sichtbare Beweise für diese Erneuerungsarbeit unseres Gottes.

Äußere Erneuerung – aber mit welchem Ziel?

Die einst zerstörte und in Trümmern liegende Stadtmauer war wieder aufgebaut. Aufgebaut und sogar mit Toren gesichert. Die einst verlassene Stadt Jerusalem war nun wieder bewohnt vom Volk Gottes. Und der einst im Stich gelassene Tempel war nun wieder Schauplatz täglicher Gottesdienste. All das waren äußere, materielle Erneuerungen, die Gott durch Nehemia – und wir haben das über die letzten Wochen angeschaut – initiiert und letztlich auch vollendet hat.

Gott erneuert.

Aber wir durften auch sehen, dass es Gott nicht um steinerne Mauern und hölzerne Tore geht. Sondern Gott geht es immer um ihn anbetende Herzen. Die Erneuerung der Mauer und der Tore waren notwendige Voraussetzungen, damit dann Anbetung stattfinden kann, die Gott gefällt. So haben wir gesehen, dass damals unter der Leitung Nehemias Jerusalem wieder zu einer lebendigen Stadt wurde.

Doch noch einmal: Das eigentliche Ziel waren nicht starke Mauern und sichere Tore. Nein, diese dienten dazu, einen Raum, einen sicheren Raum zu schaffen, wo Anbetung stattfinden kann. Ein Raum, in dem der große Gott des Himmels, wie wir ihn oft gesehen haben, angebetet werden kann. Und für wahre Anbetung, so haben wir es auch deutlich gesehen, vor allen Dingen dann in den Kapiteln 8, 9 und 10, braucht es mehr als die Erneuerung der heiligen Stadt.

Es braucht die Erneuerung eines geheiligten Gottesvolkes. Es braucht geheiligte und auch geeinte Herzen, um Gott, so wie er es sich wünscht, in Geist und Wahrheit anzubeten.

Wir haben dann in den Kapiteln 8 bis 10 gesehen, dass durch das gelesene Wort Gottes Buße und Wiederherstellung innerhalb des Volkes stattfinden.

Wann ist Gottes Erneuerungswerk am Ziel?

Vielleicht ist der eine oder andere hier, der beruflich etwas mit Projektmanagement zu tun hat. Von den Vorgesetzten werden immer Meilensteine gefordert. Ein Meilenstein ist ein definierter Zustand. Da wird beschrieben, was bis zu diesem Moment erreicht sein soll. Da wird geplant, und dann wird immer geschaut: Wie weit ist man? Stimmt man noch mit dem Plan überein? Muss man beschleunigen? Muss man den Meilenstein verschieben? Aber irgendwann ist der Moment, wo man feststellt: Dieser Meilenstein ist erreicht, und es kann ein Haken daran gesetzt werden.

Wann war denn dieser Meilenstein Gottes innerhalb des Buches Nehemia erreicht? Das ist eine Frage an euch. Nach der Hälfte des Buches, in Kapitel 6, finden wir, dass die Mauer vollendet wurde, dass Mauern gebaut und Tore eingesetzt wurden. Das ist aber nur ein Zwischenziel. Das ist nicht sozusagen der finale Meilenstein, der dieses Projekt Gottes beendet hat.

Ich will euch einmal aus Kapitel 12 etwas vorlesen, von dem ich denke, dass es dieser finale Meilenstein des Projektes Gottes sein dürfte:

Und die Priester und Leviten reinigten sich. Sie reinigten auch das Volk und die Tore und die Mauern. (Nehemia 12,30)

Und dann Vers 43:

Und an jenem Tag brachte man große Opfer dar und war fröhlich, denn Gott hatte ihnen eine große Freude bereitet. Und auch die Frauen und Kinder freuten sich und man hörte die Freude Jerusalems weithin. (Nehemia 12,43)

Ein geheiligtes Volk, das Gott mit Freude anbetet

Ich glaube, das ist eine Beschreibung dieses finalen Meilensteins in dem Erneuerungsprojekt Gottes zur Zeit Nehemias. Das bringt alle gegangenen Erneuerungsschritte zusammen und beschreibt, was es mit dem Volk in ihrer Beziehung zu ihrem Gott gemacht hatte.

Wir finden zuerst gereinigte Priester und Leviten, diejenigen, die Mittler zwischen Gott und dem Volk in der damaligen Gottesdienstordnung waren. Dann finden wir ein gereinigtes Volk. Es ist auch wichtig, dass wir das beachten. Gott fordert Anbetung, ja, aber er fordert Anbetung eines geheiligten, eines gereinigten, für ihn abgesonderten Gottesvolkes. Wir finden dann gereinigte Tore und Mauern, Jerusalem als Stadt geheiligt, damit dort damals Anbetung Gottes stattfinden konnte.

Und was geschieht dann? Und das ist so wunderschön, wie das in Vers 43 formuliert ist: 

Und an jenem Tag brachte man große Opfer dar und war fröhlich; denn Gott hatte ihnen eine große Freude bereitet (Nehemia 12,43) 

Man brachte große Opfer, und das führte zu großer Freude. Wir könnten ergänzen: Sie brachten große Opfer einem großen Gott und erlebten große Freude.

Haben wir das nicht zu Beginn auch gemacht, dass wir unseren großen Gott angebetet haben? Und hat das Freude in uns erzeugt? Freude am Herrn, die, wie wir das auch in diesem Buch Nehemia lesen dürfen, unsere Stärke ist. Es war damals eine Freude, die weithin hörbar war, die nicht im Verborgenen blieb. Und es war eine Freude, die in ihrem Ausdruck Gott verehrte. Gott hat sich darüber gefreut. Es hat ihn geehrt, und das war auch Sinn und Zweck all seines Eingreifens in der Erneuerung in der Zeit Nehemias.

Wir können also zusammenfassend Folgendes feststellen für dieses Buch: Wir finden hier einen Bericht einer Erneuerung, die bei den Trümmern begann und mit wahrer Anbetung endete. Wenn dich also morgen jemand fragt: „Worum geht es eigentlich im Buch Nehemia?“, dann hast du jetzt eine Antwort.

Nehemia berichtet uns von der Erneuerung Gottes: von Trümmern zur Anbetung.

Von Trümmern zur Anbetung – auch heute

Und ihr Lieben, das ist auch Gottes Ziel heute. Auch heute ist Gott tätig, persönlich in unserem Leben, an unseren Herzen, aber auch gemeinschaftlich als Gemeinde. Und er hat das Herz, Erneuerung zu bringen. Dort, wo jetzt vielleicht Trümmer liegen. Dass dort an diesen Orten einmal Lobgesang, große Freude hörbar wird.

Resoniert das mit dir? Gibt es da Bereiche in deinem Leben, wo kein Lobpreis, keine Anbetung Gottes hörbar ist, sondern nur Trümmer zu sehen sind? Könnten wir nicht auch auf Stellen innerhalb der Gemeinde zeigen und sagen: Ja, da sind vielleicht mehr Trümmer, aber es kann aufgebaut, es soll aufgebaut werden, dass auch in diesen Bereichen Lobpreis und Anbetung des großen Gottes stattfindet.

Wenn wir eins gelernt haben aus diesem Buch, dann ist es doch, dass Gott fähig ist, Erneuerung zu bringen. Deswegen sollten wir Mut fassen. Nicht weil wir gute Erneuerer sind. Sondern weil unser Gott, weil unser Herr ein vorzüglicher Erneuerer ist

2. Was können wir für uns heute lernen?

Deswegen wollen wir uns jetzt noch zwei Punkte anschauen. Was können wir denn über die Anbetung, die damals das Ziel Gottes bei der Erneuerung war, für uns heute lernen? Und wir beginnen mit einer ganz bekannten Szene aus Johannes Kapitel 4.

Gott sucht Anbeter

Ich habe das überschrieben mit: „Gott sucht Anbeter.“ Gott hat das damals getan, zur Zeit Nehemias. Und er ist zu seinem Ziel gekommen. Wir haben das gelesen in Nehemia 12,43. Und hier in Johannes 4 lesen wir von dieser Begegnung Jesu mit der Frau am Brunnen. Wir lesen Vers 23:

Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht solche Anbeter. (Johannes 4,23)

Seht ihr die Sicherheit in dieser Formulierung? Jesus sagt, es kommt die Stunde, wo wahrhafte Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden. Das ist sicher, weil der Sohn Gottes selbst es sagt. Und das tut etwas. Das versichert uns, dass Gott, so wie er damals tätig und erfolgreich war, Anbetung in der Mitte seines Volkes hervorzubringen, auch heute noch damit beschäftigt ist, in unserer Mitte, in unseren Herzen wahre Anbetung zu erzeugen.

Was ist denn Anbetung?

Was ist denn Anbetung? Eine christliche Vokabel. Das sollten wir mal machen: Zettel rausholen, und jeder schreibt mal auf, was für ihn Anbetung ist. Das wäre eine sehr interessante Übung. Und es gibt viele, viele gute Definitionen von dem, was Anbetung ist. Und ich habe versucht, eine mal zusammenzufassen:

Anbetung ist die angemessene Antwort auf die Offenbarung des heiligen Gottes der Herrlichkeit.

Und das ist wichtig für uns heute. Anbetung passiert nur, wenn Gott aktiv wird, nicht wenn wir selber versuchen, irgendetwas zu produzieren. Nur dann, wenn er sich offenbart, wenn er zeigt, wer er ist, kann Anbetung entstehen.

Haben wir das nicht auch gesehen in dieser Abfolge der Kapitel 8, 9 und 10 in Nehemia? Da haben sie das Wort Gottes, da haben sie ihre eigene Nationalgeschichte gelesen aus dem Gesetz. Und lest zu Hause noch mal Kapitel 9 und markiert euch, mit welchen Aussagen über Gott sie aus diesem Vorlesen des Gesetzes herauskommen. Wunderbar, sie hatten Gott erkannt. Und nur so geht Anbetung.

Gott offenbart sich, und wir zeigen eine angemessene Antwort darauf. Eine Antwort, die voller Ehrfurcht, voller Dankbarkeit und voller Gehorsam sein sollte.

Anbetung fordert den ganzen Menschen

Und deswegen sehen wir auch direkt, dass Anbetung nicht nur die 15 oder 20 Minuten meint, die wir gemeinsam Lieder singen. Das ist Teil der Anbetung, aber das ist nicht die Anbetung. Und wir haben das auch im Volk Israel gesehen. Ihr ganzes Leben war einbezogen in die Abgaben, in die Feste. Ihr Leben richtete sich, orientierte sich an dem Ort der Anbetung und an den von Gott festgesetzten Zeiten der Anbetung am Tempel.

Wir haben das auch in neutestamentlicher Formulierung in Römer 12, Vers 1:

„Ich ermahne euch nun, ihr Brüder“ 

und das schließt auch die Schwestern mit ein. 

„angesichts der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, gottwohlgefälliges Opfer. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“ (Römer 12,1)

Anbetung fordert den ganzen Menschen, könnten wir sagen. Unser Denken, unser Fühlen, unsere Emotionen, unser Reden, unser Singen, unser Tun. Alles.

Und schaut noch mal in diesen Vers rein. Paulus ist hier so genau. Er hätte das nicht machen müssen. „Ich ermahne euch nun, dass ihr eure Leiber darbringt“, und so weiter. So hätte er es formulieren können. Aber er hat noch einen Einschub: „Ich ermahne euch, angesichts der Barmherzigkeit Gottes.“ Im Anschauen dessen, wer Gott ist, anbetet.

Also: Anbetung ist die angemessene Antwort auf die Offenbarung des heiligen Gottes. Und sie betrifft und fordert unseren ganzen Menschen.

Anbetung ist nicht mehr an einen geografischen Ort gebunden

Wir haben gesehen, dass damals Anbetung geografisch fokussiert in Jerusalem am Tempel stattfinden sollte. Wir haben vor nicht allzu langer Zeit in unserer Serie durch den Epheserbrief gesehen, dass das neutestamentlich anders ist. Nicht mehr geografisch bestimmt. Nicht mehr ein geografischer Ort bestimmt Anbetung.

Es geht neutestamentlich und im Neuen Bund um die geistliche Realität. Und das lesen wir in Epheser 2. Wir lesen dazu die Verse 21 und 22. Da geht es darum, dass wir als Christen aus Juden und Heiden eins sind und dass wir, wie es hier dann in Vers 21 und 22 formuliert wird, „ineinandergefügt sind, dass wir wachsen zu einem heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr mit erbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist.“ (Epheser 2,21–22)

Gott wohnt in der Mitte der Gemeinde. Das ist das, was hier steht. Und deswegen sind diese Zeiten, wo wir besonders, wie jetzt hier an einem Sonntag, zusammenkommen, um Gott anzubeten, besondere, wichtige Zeiten sowohl für uns als auch für unseren Gott.

Anbetung ruft Widerstand hervor

Was haben wir noch über Anbetung gelernt im Buch Nehemia? Wir haben gesehen, dass Anbetung Widerstand hervorruft. Der Feind weiß um die Wertschätzung Gottes für wahre Anbetung und tut deswegen nichts lieber, als genau diese Anbetung zu stören und, wenn er es kann, zu zerstören. Wir durften von Nehemia einiges lernen, wie er mit solchen Widerständen, vor allen Dingen von Tobija und Sanballat, diesen zwei genannten Personen, umging.

Anbetung wünscht Einheit

Ein nächster Punkt, der auch sehr wichtig war: Anbetung wünscht Einheit. Wir haben uns dafür etwas mehr Zeit genommen, als wir Kapitel 8, Vers 1 gelesen haben, wo beschrieben war, dass sich das Volk versammelte „wie ein Mann“. Eine Einheit, organisch verbunden, wie ein Organismus. Das wünscht sich unser Gott.

Und wenn wir einmal vorausdenken, was im Himmel passieren wird, dann genau das. Ohne Trennung, ohne Sünde, ohne Unreinheit werden wir als eins Gott anbeten, und das in Ewigkeit. Und in der Freude darauf sollten wir uns hier bemühen, diese Einheit zu bewahren.

Wie geht das? Indem wir unsere Anbetung, so wie die Juden zur damaligen Zeit, ausrichten an dem, was Gott sagt. So einfach und so herausfordernd. Anbetung muss nach dem Wort Gottes ausgerichtet sein. Und deswegen ist die Schlussfolgerung logisch, dass Anbetung auch Absonderung und Heiligung erfordert.

Wir haben gesehen, dass das ein andauerndes Bemühen, ein andauernder Kampf ist um diese Absonderung und Heiligung zu Gott. Das können wir in den Kapiteln 9 und 10, aber auch dann in Kapitel 13 nachlesen.

Dann finden wir aber auch, dass Anbetung eben auch Gebete, Bekenntnis und Lobpreis beinhaltet, wenn wir gemeinsam zur Anbetung zusammen sind.

Anbetung kostet

Ein weiterer Punkt, der wichtig ist, den wir vielleicht manchmal vergessen: Anbetung kostet auch. Wir haben in Kapitel 10 gesehen, dass das Volk sich verpflichtete, für die Erhaltung der Anbetung Geld zu geben, Abgaben zu geben, Zeit zu investieren und Mühe zu investieren. Auch diese Gemeinde würde nicht existieren können, wenn wir nicht Geld bekämen, wenn nicht Menschen da wären, die bereit sind, Mühe und Zeit zu investieren.

Vielleicht auch eine Herausforderung, diesen einfachen Satz mitzunehmen: „Anbetung kostet.“

Anbetung ist zerbrechlich

Was wir auch gesehen haben, ist, dass Anbetung zerbrechlich ist im Hier und Jetzt. Wir haben es in Nehemia 13 gesehen. Nehemia war eine gewisse Zeit, vielleicht einige Jahre, weg. Und als er wiederkam, waren genau diese Vereinbarungen, die Anbetung sichern sollten, über Bord geworfen worden.

Und diese Zerbrechlichkeit der Anbetung, die erkennen wir auch, wenn wir in unser eigenes Leben schauen, oder? Da ist der Feind, da ist Sünde, und all das greift wahre Anbetung, nämlich im Geist und in der Wahrheit, an.

Aber genau deshalb ist auch Anbetung, so wie wir das heute tun dürfen, so ein Ausdruck unserer Hoffnung auf die Ewigkeit, oder etwa nicht? Diese Zeit der Zerbrechlichkeit, der Unvollkommenheit, die wird einmal enden. Dann werden wir in alle Ewigkeit Gott in Perfektion anbeten können. Wie wunderschön wird das werden?

Wahre Anbetung braucht Jesus Christus

So haben wir auch gesehen, und das ist auch eine wichtige Sache, die wir aus dem Buch Nehemia mitnehmen sollten, dass menschliche Figuren wie Nehemia niemals Perfektion erzeugen können. Es brauchte damals jemanden, der größer war als Nehemia, um wahre Anbetung zu erzeugen. Und so können auch wir wissen, dass es Jesus Christus, unseren Herrn und Heiland, braucht, um wahre Anbetung in unserer Mitte zu erzeugen und auch abzusichern.

Wir wollen das aus Hebräer Kapitel 9 lesen, welche Funktion, welche Wichtigkeit unser Herr Jesus Christus in Bezug auf unsere Anbetung des ewigen Gottes hat:

Wie viel mehr nämlich als alles alttestamentlich Angeordnete wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist als ein makelloses Opfer Gott dargebracht hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, damit ihr dem lebendigen Gott dienen könnt? (Hebräer 9,14)

Wenn wir Gott dienen wollen, dann können wir das nur durch unseren Herrn und Heiland Jesus Christus tun.

Was machen wir, wenn wir Trümmer sehen?

Was machen wir jetzt? Wenn wir vielleicht Bereiche sehen, wo Trümmer sind, wo Zerbruch ist, wo keine Anbetung Gottes stattfindet. Vielleicht in unseren Herzen, wo wir Bereiche, so wie wir das letzten Sonntag hören durften, für die Sünde lassen und die Sünde Raum gewinnen lassen in uns. Oder in Beziehungen, wo es Probleme gibt, die Anbetung verhindern. In Ehen, in Familien. Aber auch innerhalb der Gemeinde.

Was machen wir, wenn wir solche Bereiche sehen, wo Trümmer sind, wo keine Anbetung aufsteigt und hörbar wird?

3. Wie beginnt denn Erneuerung?

Und damit kommen wir zum letzten Punkt der Predigt und der Frage: Wie beginnt denn Erneuerung?

Wir haben es bei Nehemia gesehen. Das könnt ihr in Kapitel 1 nachlesen. Er hörte davon, dass Jerusalem, dass die Mauern in Trümmern liegen und dass es dem Volk schlecht geht. Und das hat in seinem Herzen etwas bewegt. So ähnlich, wie das in Jesaja 6 bei Jesaja der Fall war, wo dann die Frage aus dem himmlischen Bereich gestellt wurde:

„Wer wird für uns gehen? Wen sollen wir senden?“

Und Jesajas, aber auch Nehemias Antwort war nicht: „Gott wird schon jemanden finden. Da wird sich schon jemand finden. Da ist bestimmt jemand, der geht.“ Nein, beide sagten: „Hier bin ich, sende mich.“

Und ihr Lieben, überlegt mal: Was wäre gewesen, wenn unser Herr Jesus Christus nicht gesagt hätte: „Hier bin ich, sende mich“?

Bereit sein, die eigenen Mauern zu verlassen

Nehemia ist nicht in seiner Burg geblieben. Er war in einer Burg, er war in Susan. Er war hinter funktionierenden, sicheren, in Teilen bequemen Mauern damals. Und ich hätte es verstanden, wenn er gesagt hätte: „Ich bin so weit weg. Es ist doch die Verantwortung von den Führern, von den Vorstehern, die in Jerusalem, in Juda sind.“

Haben wir nicht manchmal diese Tendenz? Also, ich muss es von mir sagen. Wegzuschauen und zu hoffen: Einer wird sich schon kümmern.

Gott sucht auch heute Menschen, die hinsehen. Die diese Last solcher Trümmer auf sich, auf ihre Herzen laden. Die es vor Gott im Gebet bewegen. Und die bereit sind, ihre eigenen Mauern zu verlassen, um Trümmer aufzubauen und damit Anbetung zu ermöglichen.

Schlagt mit mir den Propheten Hesekiel in Kapitel 22 auf. Wir kommen dann gleich zum Schluss. Und hier spricht wieder unser Herr. Hört einmal diese Frage:

Und ich suchte unter ihnen einen Mann, der die Mauer zumauern und vor mir in den Riss treten könnte für das Land, damit ich es nicht zugrunde richte. Aber ich fand keinen. (Hesekiel 22,30)

Unser Herr ist in den Riss getreten

Ihr Lieben, wir sollten jeden Tag von Herzen dankbar sein, dass unser Herr gesagt hat: „Hier bin ich, sende mich.“ Und dass er tatsächlich diese Mauer zugemauert, dass er tatsächlich in diesen Riss hineingetreten ist, der zwischen uns und Gott war. Sonst wäre keiner von uns heute Morgen hier.

Was wäre gewesen, wenn Jesus in seiner Burg, in der himmlischen Herrlichkeit geblieben wäre? Wenn er nicht bereit gewesen wäre, die himmlische Herrlichkeit zu verlassen, um in unsere menschlichen Trümmer zu kommen? Um dort Anbetung zu erneuern. Durch sein perfektes, sündloses Leben vor Gott. Durch seinen sühnenden Tod am Kreuz für mich, für dich, für uns. Und durch seine triumphale Auferstehung.

Er war bereit. Wie sieht das mit dir, wie sieht das mit mir aus?

Bist du gemeint?

Ein Herr, der mit aussichtslosen Zuständen umzugehen weiß

„Du weißt nicht, wie oft ich schon versucht habe, Dinge aufzubauen. Wie oft ich versucht habe, gegen Sünde anzukämpfen. Wie oft ich und wie viel ich in Beziehungen investiert habe, ohne dass etwas dabei herausgekommen ist.“

Da hast du recht, ich weiß es nicht. Aber es gibt eines, was ich weiß. Das haben wir in Nehemia 13 sehen dürfen.

Nehemia war nicht desillusioniert, unmotiviert, fertig mit dem Ganzen, als er nach Jerusalem zurückkam und sah, dass alles wieder wie vorher war, dass nichts mehr funktioniert hat. Nein, er hatte die Kraft und die Energie, weiterzumachen, wieder für eine Ordnung zu sorgen, die mit Sicherheit auch wieder nicht lange hielt.

Wir können das loben, und Nehemia ist ein nobles Beispiel. Aber er weist darin zuvorderst auf unseren Herrn hin, über den Folgendes gesagt werden konnte. Das lesen wir in Jesaja 42. Schlagt das mal mit mir auf:

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Wahrheitsgetreu wird er das Recht hervorbringen. (Jesaja 42,3)

Das war eine Prophetie auf den Knecht Gottes, auf den kommenden Messias. Und wir finden das im Matthäusevangelium auch wieder aufgegriffen und zitiert, um klarzumachen: Es redet von meinem, von deinem Herrn Jesus Christus.

Was bedeutet das? Das geknickte Rohr, was ist das für ein Bild? Aus diesen Rohren hat man Körbe geflochten. Und wenn da einer gebrochen war, dann war es nicht nur nicht mehr brauchbar für den Korb, es war auch leicht gefährlich. Man konnte sich damit in die Hand stechen.

Und was ist das Bild mit dem glimmenden Docht? Wenn man so eine Öllampe hat, wo ein Docht ist, und das Öl brennt aus und nur noch der Docht bleibt übrig, dann raucht und stinkt es bestialisch. Und es gibt Berichte, dass man dann in der Zeit Jesu, auch vorher, so eine Lampe genommen und aus dem Fenster geworfen hat, weil es einen solchen Gestank verursacht hat.

Zu nichts zu gebrauchen, stinkend, störend.

Ihr Lieben, ist das nicht manchmal auch ein Bild unserer Anbetung? Dass es in der Nase Gottes stinkt. Wenn wir diese Zusage hier nicht hätten, dass wir unseren Herrn und Heiland haben, der diesen Docht nicht auslöschen, sondern erneuern wird, mit Öl auffüllen wird, schneiden wird, sodass wieder Licht, sodass wieder Anbetung Gottes hervorgehen kann – was würden wir tun?

Deswegen lasst uns Mut fassen. Dass wir einen Herrn, einen Gott haben, der ein Erneuerer ist. Ein Erneuerer, der mit aussichtslosen Zuständen umzugehen weiß. Aber lasst uns auch herausgefordert sein in der Frage: „Wen sollen wir senden? Wer wird für uns gehen?“

Bist du gemeint?

Steht dein Name im Buch des Lebens?

Eine kleine Beobachtung noch. Wenn wir uns das Buch Nehemia literarisch anschauen, dann ist ein sehr großer Teil gefüllt mit Namenslisten. Es ist immer schwierig, damit umzugehen in einer Predigtserie. Bei einer Gelegenheit wurden Menschen nicht auf einer Liste gefunden und deswegen ausgeschlossen von der Anbetung Gottes.

Und ich will das nutzen, um dich ganz persönlich zu fragen: Stehst du auf einer Liste? Stehst du im Buch des Lebens? Wirst du in der Liste der Priester, die Gott in Geist und Wahrheit anbeten,  gefunden? Steht dein Name dort?

Damals war es eine Frage der Abstammung. Heute nicht. 

Schlagt den letzten Vers mit mir auf für heute. 1. Petrus 2, Vers 9.

„Ihr aber seid …“

und hier spricht Petrus Christen an, Wiedergeborene, durch den Tod unseres Herrn erlöste, erneuerte Menschen.

„Ihr aber seid ein ausgewähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis berufen hat zu einem wunderbaren Licht.“ (1. Petrus 2,9)

Die Tugenden dessen zu verkünden, ist nichts anderes, als Anbeter Gottes zu sein in allen Lebensbereichen.

Stehst du auf einer solchen Liste? Bist du Priester Gottes?

Bist du ein Anbeter?

Wenn nicht, dann komm nachher zu einem von uns. Lasst uns darüber sprechen, wie man Anbeter Gottes wird, wie man neu werden kann, herausgenommen aus der Finsternis, versetzt in das wunderbare Licht.

 

Mehr über das Buch Nehemia

Auf unserer Themenseite Das Buch Nehemia – Zusammenfassung, Auslegung und Predigten findest du einen Überblick über das gesamte Buch und alle Predigten der Serie.

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About the Author: Marc Haunschild

1977 in Marburg geboren, bin ich in der Evangelischen Kirche Gladenbach christlich aufgewachsen. Für mein Studium und die Promotion in Technischer Informatik zog ich nach Siegen, wo mein Glaube in der Calvary Chapel neue Tiefe gewann. Dort lernte ich auch meine Frau Susanna kennen, mit der ich seit 2002 verheiratet bin. Wir haben vier Kinder. Beruflich leite ich ein Team von Softwareprojektleitern im Bereich Medizintechnik. Seit 2008 diene ich als Ältester in der Gemeinde.