Deine Arbeit zählt

Zusammenfassung:

Paulus erklärt in Epheser 6, dass Knechte ihren Herren gehorchen sollen, ähnlich wie Kinder ihren Eltern gehorchen, weil hinter jeder menschlichen Autorität letztlich Christus steht. Entscheidend ist dabei, dass Christen ihre Arbeit nicht in erster Linie für Menschen tun, sondern „als dem Christus“ dienen. Deshalb sollen sie ihre Aufgaben ehrlich, von Herzen und ohne Augendienerei ausführen, als Dienst für den Herrn. Diese Perspektive verändert den Blick auf den Alltag: Der Arbeitsplatz wird zu einem Ort, an dem man Gott dienen und ihn durch seine Arbeit ehren kann. Gleichzeitig richtet Paulus auch eine klare Aufforderung an die Herren, ihre Macht nicht zu missbrauchen, sondern sich bewusst zu sein, dass auch sie selbst unter der Autorität eines Herrn im Himmel stehen und ihm Rechenschaft geben werden. Erkenne Jesus als den Herrn aller Herren an und mache ihn zum Herrn deines Lebens!

Gelebter Glaube am Arbeitsplatz

In unserer Predigtreihe durch den Epheserbrief sind wir im letzten Kapitel angekommen. Wenn wir auf den bisherigen Weg durch diesen Brief zurückschauen, dann sehen wir etwas Faszinierendes: Das Evangelium verändert alle Bereiche unseres Lebens. Es verändert unseren täglichen Lebenswandel, unsere Ehen und auch die Art und Weise, wie wir unsere Kinder erziehen.

Heute wollen wir uns anschauen, wie das Evangelium auch unsere Beziehung zu dem Ort verändert, an dem viele von uns jede Woche 40 Stunden oder mehr verbringen: unseren Arbeitsplatz. Wir verbringen dort ungefähr 38 Prozent unserer wachen Lebenszeit. Zwei Stunden davon verbringen wir gemeinsam hier am Sonntagmorgen. Den Großteil unserer Zeit jedoch verbringen viele von uns von Montag bis Freitag am Arbeitsplatz. Deshalb ist Arbeit ein wesentlicher Teil unseres Lebens.

Im heutigen Abschnitt im Epheserbrief schreibt Paulus darüber, wie Knechte und ihre Herren miteinander umgehen sollen. Gemeinsam wollen wir darüber nachdenken, was diese Worte für unseren Arbeitsplatz bedeuten – besonders dann, wenn wir bekennen: Jesus, du bist der Herr über jeden Lebensbereich unseres Lebens.

Epheser 6,5-9:

Ihr Knechte, gehorcht euren leiblichen Herren mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, als dem Christus; nicht mit Augendienerei, um Menschen zu gefallen, sondern als Knechte des Christus, die den Willen Gottes von Herzen tun; dient mit gutem Willen dem Herrn und nicht den Menschen, da ihr wisst: Was ein jeder Gutes tun wird, das wird er von dem Herrn empfangen, er sei ein Sklave oder ein Freier. Und ihr Herren, tut dasselbe ihnen gegenüber und lasst das Drohen, da ihr wisst, dass auch euer eigener Herr im Himmel ist und dass es bei ihm kein Ansehen der Person gibt. 

Historischer Hintergrund

Dieser Text ist in zwei Teile unterteilt. Der erste Teil richtet sich an die Knechte in Ephesus, das sind die Verse 5 bis 8. Der zweite Teil richtet sich an die Herren, das ist Vers 9. Bevor wir uns den Text genauer ansehen, wollen wir uns anschauen, in welchem historischen Umfeld Paulus diesen Brief schreibt.

Die Praxis der Sklaverei war in der Antike allgegenwärtig. Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung bestand aus Sklaven. Historiker gehen davon aus, dass im Römischen Reich etwa 60 Millionen Sklaven lebten. Sie stellten einen großen Teil der Arbeitskraft dar. Dazu gehörten nicht nur Hausangestellte und Arbeiter, sondern auch gebildete Menschen wie Ärzte, Lehrer oder Verwaltungsangestellte.

Sklaven konnten vererbt oder gekauft werden. Man konnte auch durch uneinbringbare Schulden oder durch Kriegsgefangenschaft in die Sklaverei geraten. Diese Institution war eine Tatsache des wirtschaftlichen Lebens damals und wurde deshalb allgemein akzeptiert.

Für uns heute ist das kaum vorstellbar. Wir können uns kaum noch vorstellen, was das bedeutet. Aber selbst hier in den westlichen Ländern gab es noch vor etwa 150 Jahren Menschen, die andere Menschen als Eigentum besaßen. Für uns ist es fast unmöglich, sich vorzustellen, dass ein Mensch eher als Sache als als Person betrachtet werden konnte.

Wir schauen wir dankbar auf Männer wie William Wilberforce und andere zurück, die sich aus ihrem Glauben an Jesus Christus heraus unermüdlich dafür eingesetzt haben, die Sklaverei abzuschaffen.

Laut Historikern galt im römischen Recht, dass Sklaven bewegliches Eigentum waren und keine Rechte hatten. Der römische Familienvater war das Oberhaupt des Haushalts und hatte die volle Kontrolle über die Knechte seines Hauses. Er konnte sie mit Peitschenhieben bestrafen, sie in Arbeits- oder Gefängnishäuser bringen und sogar die Todesstrafe an ihnen vollstrecken.

Historische Quellen noch aus der Zeit vor Christus berichten auch von schweren Misshandlungen: Sklaven wurden ausgepeitscht, verstümmelt, in Ketten gelegt, ihnen wurden Zähne ausgeschlagen. Manche wurden wilden Tieren vorgeworfen oder sogar gekreuzigt.

Gleichzeitig gehen Historiker davon aus, dass sich die Situation im ersten Jahrhundert – also in der Zeit, in der der Epheserbrief geschrieben wurde – teilweise verändert hatte. Je nach Region verbesserte sich die Lage der Sklaven etwas. Zwar gab es weiterhin keine gesetzlichen Strafen für Herren, die ihre Sklaven misshandelten, doch manche Herren zeigten offenbar mehr Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihren Knechten.

Dabei gab es Unterschiede. Je nach Zeit, Region, Bildung und Tätigkeit der Knechte wurden sie unterschiedlich behandelt. Oft lag es auch im Eigeninteresse des Herrn, sich um seine Knechte zu kümmern, damit sie gut arbeiten konnten. Vor genau diesem historischen und kulturellen Hintergrund schreibt Paulus diese Verse.

Warum bekämpft Paulus die Sklaverei nicht?

Wie kann es sein, dass Paulus die Institution der Sklaverei nicht direkt angreift? Bestätigt Paulus mit diesen Versen diese Institution? Lasst uns dieser Frage auf den Grund gehen und den Text genau anschauen, was Paulus hier schreibt.

Das Erste, was wir finden, ist bemerkenswert: Paulus wendet sich überhaupt an die Knechte. Allein das zeigt, dass sie anerkannte Mitglieder der Gemeinde waren. Paulus sieht sie als verantwortungsvolle Menschen, die genauso Anweisungen brauchen, was das Evangelium in ihrem Leben und in ihrer Situation bedeutet. Und was sagt er ihnen?

Der wahre Herr über jedem Herrn

Parallel zu dem, was wir letzte Woche in den Versen 1 bis 4 gesehen haben – dass Kinder ihren Eltern gehorchen sollen – schreibt Paulus auch in Vers 5, dass die Knechte ihren leiblichen Herren gehorchen sollen.

„Ihr Knechte, gehorcht euren leiblichen Herren mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, als dem Christus.“ (Epheser 6,5)

Entscheidend ist der letzte Teil: „als dem Christus“.

Warum sollen die Knechte ihren Herren gehorchen? Weil hinter ihnen Christus als die höhere Autorität steht. Weil Christus der Herr über allen Herren ist.

Darauf weist Paulus auch die Herren hin. Am Ende von Vers 9 erinnert er sie daran, dass auch über ihnen ein Herr im Himmel steht. Jesus Christus besitzt eine Autorität, die weit über jede menschliche Autorität hinausgeht.

Deshalb gebührt ihm unser Dienst und unsere Anbetung in erster Linie.

Christus als der Herr aller Herren ist so zentral in diesem Abschnitt. Vielleicht ist euch aufgefallen, dass Paulus in jedem einzelnen Vers einen Bezug zu Christus herstellt.

In Vers 5 heißt es: „als dem Christus“.
In Vers 6: „Knechte des Christus“.
In Vers 7: „dient mit gutem Willen dem Herrn“.
In Vers 8: „wird er von dem Herrn empfangen“.
In Vers 9: „wisst, dass auch euer eigener Herr im Himmel ist”.

Diese Christuszentriertheit ist faszinierend in diesem Abschnitt. Denn sie verändert die Perspektive der Knechte. Ihr Blick richtet sich weg von den leiblichen Herren und hin zu Christus, dem Herrn aller Herren.

Wenn diese Perspektive auf Christus entsteht, verändert sich auch die Qualität des Dienstes. Der Dienst gegenüber den leiblichen Herren wird vorbildlich – und gerade dadurch geben die Knechte ihren Herren ein glaubwürdiges Zeugnis für das Evangelium.

Darum soll ihr Dienst von dem geprägt sein, was Paulus in Vers 5 beschreibt: von Respekt gegenüber ihren Herren, von Furcht und Zittern und von der Einfalt ihres Herzens.

Paulus schreibt an die Kolosser einen ganz ähnlichen Abschnitt. In Kolosser 3,22–25 heißt es:

Ihr Knechte, gehorcht euren leiblichen Herren in allen Dingen; nicht mit Augendienerei, um den Menschen zu gefallen, sondern in Einfalt des Herzens, als solche, die Gott fürchten.  Und alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als für den Herrn und nicht für Menschen,  da ihr wisst, dass ihr von dem Herrn zum Lohn das Erbe empfangen werdet; denn ihr dient Christus, dem Herrn! Wer aber Unrecht tut, der wird empfangen, was er Unrechtes getan hat; und es gilt kein Ansehen der Person. 

Es ist interessant: Als Paulus an die Kolosser schreibt, formuliert er es so. Anstatt „mit Furcht und Zittern in Einfalt des Herzens“ schreibt er: „In Einfalt des Herzens als solche, die Gott fürchten.“ Somit scheint es, dass Paulus dieses „Furcht und Zittern“ darauf ausrichtet, dass sie Gott fürchten.

Diese Ehrfurcht vor Gott soll hinter dem Gehorsam der Knechte gegenüber ihren leiblichen Herren stehen. Es heißt auch „in Einfalt des Herzens“. Was bedeutet das? Es bedeutet kein Hin- und Hergerissensein, kein abgelenktes oder zweifältiges Herz. Nein, ein aufrichtiges Herz, ein ehrliches Herz. Mit einem einfältigen Herzen zu dienen und zu arbeiten.

Dienen ohne Augendienerei

„Nicht mit Augendienerei, um Menschen zu gefallen, sondern als Knechte des Christus, die den Willen Gottes von Herzen tun.“ (Epheser 6,6)

Paulus warnt vor einer Haltung, die wir alle kennen: Man arbeitet nur so lange, wie jemand zuschaut. Solange der Chef oder der Abteilungsleiter im Raum ist, wirkt alles beschäftigt. Doch kaum ist niemand mehr da, wird das Handy hervorgeholt und die eigentliche Arbeit tritt in den Hintergrund. Du kannst dir bestimmt gut vorstellen, was Paulus hier anspricht.

Diese Augendienerei hat nicht das Ziel, die Arbeit zu erledigen, sondern lediglich den Eindruck zu erwecken, man tue sie. Dahinter steht eigentlich ein egoistisches Ziel: von Menschen gesehen zu werden, ihnen zu gefallen und vor ihnen gut dazustehen – ohne echtes Interesse daran, den eigentlichen Arbeitsauftrag sorgfältig auszuführen.

So sollen Christen jedoch nicht dienen. Paulus schreibt stattdessen, sie sollen als Knechte Christi dienen und den Willen Gottes von Herzen tun. Sie sind nämlich in erster Linie Knechte – nicht von ihren leiblichen Herren, sondern Knechte des Christus. Und das soll sich in ihrer Arbeit zeigen. Dass sie aus innerer Motivation heraus ihre Arbeit tun und sie so gut ausführen, wie sie es können. Nicht nur, um ihren leiblichen Herren zu dienen, sondern vor allem, um dem Herrn aller Herren, Jesus Christus, darin zu dienen.

Den Willen von Herzen tun – das bedeutet nicht, lustlos herumzustehen oder widerwillig zu arbeiten. Es bedeutet auch nicht, sich ständig bei der Arbeit zu beklagen, zu jammern oder zu nörgeln. Nein, es bedeutet, eine Aufgabe wirklich von Herzen zu tun – mit innerer Bereitschaft und mit Freude, selbst dann, wenn sie anstrengend oder mühsam ist. Es heißt, sein Bestes zu geben, um ein gutes Ergebnis zu erreichen.

Auf der Arbeit sein Bestes geben

Darum schreibt Paulus weiter:

„dient mit gutem Willen dem Herrn und nicht den Menschen“ (Epheser 6,7)

Hier bringt er auf den Punkt, was geschieht, wenn unser Leben auf Jesus ausgerichtet ist und wir uns seiner Herrschaft anvertrauen. Dann dienen wir nicht nur Menschen. Dann dienen wir mit freiem und gutem Willen dem Herrn selbst.

Und gerade darin liegt eine große Freiheit: Unsere Arbeit – alles, was wir tun – wird zu einem Dienst am Herrn. Zu einem lebendigen, heiligen und Gott wohlgefälligen Opfer.

„Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: Das sei euer vernünftiger Gottesdienst!“ (Römer 12,1)

Diese Perspektive verändert unseren Blick auf den Arbeitsplatz. Wenn wir bekennen, dass Jesus der Herr aller Herren ist, wird unsere Arbeit zu einem Ort des Lobpreises – zum Lobe seiner Herrlichkeit.

Dann dienen wir nicht nur Menschen. In all unseren Tätigkeiten, im Großen wie im Kleinen, werden wir frei, dem Herrn zu dienen. Wir sind frei, unser Bestes zu geben, ihn darin zu verherrlichen und Gott durch unsere Arbeit zu lieben – mit unserer ganzen Kraft und mit unserem ganzen Sein.

Das größte Gebot und der Arbeitsplatz

Jesus selbst hat dieses Prinzip zusammengefasst, als er gefragt wurde, was das größte Gebot sei:

»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken«. Das ist das erste und größte Gebot. Und das zweite ist ihm vergleichbar: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Matthäus 22, 37-39)

Genau dieses Prinzip, das Paulus hier an die Knechte richtet, gilt auch für uns – an unserem Arbeitsplatz, im Homeoffice oder im Haushalt, überall dort, wo wir den größten Teil unseres Alltags verbringen: Auf der Arbeit, die wir von Montag bis Freitag tun.

Darum: Lasst uns unsere Arbeit so tun, als würden wir sie für Jesus tun. Lasst uns ihm in allem, was wir tun, mit gutem Willen von Herzen dienen und unseren Blick dabei auf ihn richten.

Der Theologe John Stott hat es so formuliert:

“Was wir dringend brauchen, ist die Klarheit, Jesus Christus vor uns zu sehen. Dann kann eine Hausfrau eine Mahlzeit zubereiten, als würde Jesus selbst davon essen. Dass sie das Haus gründlich putzt, als wäre Jesus ihr Ehrengast. Lehrer können Kinder unterrichten, Ärzte Patienten behandeln, Krankenschwestern sie pflegen, Rechtsanwälte ihren Mandanten helfen und Verkäufer ihren Kunden dienen – alles in dem Bewusstsein, Christus selbst zu dienen. Auch Buchhalter können Bücher prüfen und Sekretäre Briefe schreiben, als würden sie in allem, was sie tun, Jesus Christus dienen.” 

(John R. W. Stott, God’s new society: the message of Ephesians, The Bible Speaks Today, 1979, S.252.)

Belohnung und Gnade

„da ihr wisst: Was ein jeder Gutes tun wird, das wird er von dem Herrn empfangen, er sei ein Sklave oder ein Freier.“ (Epheser 6,8)

Paulus fordert die Knechte zu diesem Verhalten auf, weil sie wissen, wer am Ende über ihnen richtet, vor wem sie einmal stehen werden und von wem sie ihren Lohn empfangen. Gott sieht unsere Treue und unsere Arbeit – und in Vers 8 steht, dass er sie belohnen wird. Selbst wenn wir in dieser Welt leer ausgehen, haben wir doch eine Hoffnung und eine Zuversicht, dass wir von dem Herrn Gutes empfangen werden. Denn Gott ist gerecht und er sieht es.

Sowohl Sklave als auch Freier stehen vor dem Herrn. Wenn wir vor dem Herrn stehen, zählt es nicht mehr, ob jemand Sklave oder Freier ist. Wir stehen vor ihm als seine zu seinen Ebenbilder geschaffen Geschöpfe.

Und dass wir überhaupt Gutes tun können, ist Gnade allein. In Epheser 2,1 haben wir gelesen:

“auch euch, die ihr tot wart durch Übertretungen und Sünden” (Epheser 2,1)

Aus uns selbst heraus können wir nichts tun, das vor dem lebendigen, allmächtigen und sündlosen Gott ausreicht, um unsere Sündhaftigkeit zu rechtfertigen. Doch durch seine Gnade empfangen wir Leben, sodass wir nicht mehr im Tod sind, sondern – wie es in Epheser 2 heißt – in Christus lebendig geworden:

„Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat um seiner großen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren durch die Übertretungen, mit dem Christus lebendig gemacht — aus Gnade seid ihr errettet!“ (Epheser 2, 4–5)

Und genau diese Gnade macht uns zu Dienern Gottes.

Charles Spurgeon hat es einmal so ausgedrückt: “Die Gnade macht uns zu Dienern Gottes, während wir noch Diener der Menschen sind. Sie befähigt uns, die Angelegenheiten des Himmels zu erledigen, während wir uns um die Angelegenheiten der Erde kümmern. Sie heiligt die gewöhnlichen Pflichten des Lebens, indem sie uns zeigt, wie wir sie im Licht des Himmels erfüllen können.”

Anweisungen an Herren

In Vers 9 beginnt der zweite Teil, in dem Paulus sich an die Herren richtet:

„Und ihr Herren, tut dasselbe ihnen gegenüber und lasst das Drohen, da ihr wisst, dass auch euer eigener Herr im Himmel ist und dass es bei ihm kein Ansehen der Person gibt.“ (Epheser 6,9)

Mit nur drei kurzen Aufforderungen richtet Paulus sich an sie. Doch gerade vor dem Hintergrund des ersten Jahrhunderts im Römischen Reich haben diese Worte eine weitreichende Bedeutung für die Beziehung zwischen Sklaven und ihren Herren.

Was ist die erste Aufforderung?

„Tut dasselbe ihnen gegenüber.“

Das bedeutet: Wenn du als Herr Respekt erwartest, sollst du auch selbst Respekt zeigen. Wenn du Dienst empfangen willst, dann diene ihnen. Damit greift Paulus ein Prinzip auf, das Jesus in der Bergpredigt formuliert hat:

„Alles nun, was ihr wollt, dass die Leute euch tun sollen, das tut auch ihr ihnen ebenso; denn dies ist das Gesetz und die Propheten.“ (Matthäus 7, 12)

Dieses Wort gilt auch für den Herrn gegenüber seinen Knechten. Auch er soll diesen Befehl Jesu ernst nehmen und entsprechend handeln.

Die zweite Aufforderung lautet: „Lasst das Drohen.“

So wie Eltern ihre Kinder nicht zum Zorn reizen sollen, sollen auch die Herren ihren Knechten nicht drohen. Das bedeutet: Missbrauche deine Machtposition nicht, indem du versuchst, andere durch Angst und Schrecken anzutreiben.

Drohungen sind oft eine Waffe der Mächtigen gegenüber den Machtlosen. Doch eine Beziehung, die auf Drohungen aufgebaut ist, untergräbt eine Beziehung zwischen zwei gleichwertigen Menschen. Deswegen sagt Paulus: Lasst das Drohen.

Paulus nennt auch den Grund für diese Aufforderung:

„… da ihr wisst, dass auch euer eigener Herr im Himmel ist.“

Die Herren sollen sich bewusst sein, dass auch sie selbst unter Autorität stehen. Sie sind letztlich Knechte des Herrn der Herren. Sie können nicht einfach tun und machen, was sie wollen. Und sie müssen eines Tages vor Jesus Rechenschaft ablegen – auch darüber, wie sie ihre Knechte behandelt haben.

Am Ende von Vers 9 erinnert Paulus noch einmal daran, dass es vor Gott kein Ansehen der Person gibt. Vor ihm stehen wir am Ende als seine Geschöpfe – egal ob reich oder arm, mächtig oder machtlos, Arbeitgeber oder Arbeitnehmer.

Mit diesen drei Anweisungen verändert Paulus den inneren Kern der Beziehung zwischen Sklaven und Herren. Herren sollen ihre Knechte nicht länger als Besitz ohne Rechte betrachten. Stattdessen sollen sie sie so behandeln, wie sie selbst behandelt werden wollen, auf Drohungen verzichten und sich bewusst sein, dass sie gemeinsam vor Gott stehen – vor ihm als ihrem Herrn.

Mich fasziniert es, dass das Evangelium alle Bereiche unseres Lebens und unsere Beziehungen verändert. Selbst die Beziehung zwischen Sklaven und ihren Herren wird durch das Evangelium grundlegend verändert. Und auch unsere Beziehung zu unserem Arbeitsplatz kann durch das Evangelium verändert werden.

Praktische Anwendung für deinen Arbeitsplatz

Was bedeutet das ganz konkret für dich und für dein Leben? Wie kannst du das in deinem Berufsalltag diese Woche anwenden? Ich habe drei Punkte, die du mitnehmen kannst:

1) Dein Arbeitsplatz ist wichtig für Gott. 

Es ist nicht egal, was du arbeitest und wie du arbeitest. Paulus schreibt:

“nicht mit Augendienerei, um Menschen zu gefallen, sondern als Knechte des Christus, die den Willen Gottes von Herzen tun” (Epheser 6,6)

Richte deshalb deinen Blick auf Jesus – auch am Montagmorgen, wenn du wieder an deinen Arbeitsplatz kommst. Stell ihn dir bewusst vor Augen und erinnere dich daran, dass du deine Arbeit von Herzen als einen hingegebenen Lobpreis für ihn tun kannst, für den Herrn der Herren.

Welche Termine, E-Mails, Telefonate und Arbeitsaufträge stehen bei dir diese Woche an? Und welche davon sind vielleicht besonders herausfordernd für dich? Vielleicht willst du daran jetzt noch gar nicht denken, weil du noch hier am Sonntag sitzt. Aber genau darum geht es.

Gerade in diesen herausfordernden Arbeitsaufträgen, die diese Woche vor dir liegen, richte deinen Blick auf Jesus und tu sie mit gutem Willen ihm zur Ehre. Frag dich: Wie kann das Evangelium an deinem Arbeitsplatz sichtbar werden – durch die Haltung, mit der du deiner Arbeit begegnest?

Fang diese Woche wieder neu an, deinen Arbeitsplatz zu einem Ort des Lobpreises für den Herrn aller Herren zu machen.

2) Deine Personalverantwortung ist Gott wichtig. 

Die Menschen, für die du in deinem Beruf Verantwortung trägst, sind Gott wichtig – und ebenso die Art, wie du mit ihnen umgehst. Behandle deine Mitarbeiter so, wie du selbst behandelt werden möchtest, und lass das Drohen. Erinnere dich daran, dass auch du einen Herrn im Himmel hast.

Wie könnte das in dieser Woche konkret aussehen? Welche Menschen – welche Namen – stehen unter deiner Verantwortung? Vielleicht hilft es dir, sie einmal aufzuschreiben und für sie zu beten. Überlege: Welche Herzenshaltung hast du ihnen gegenüber? Und wie kann die verändernde Kraft des Evangeliums in dieser Verantwortung, die du für sie hast, sichtbar werden?

3) Mach Jesus zu dem Herrn in deinem Leben. 

Bekenne vor Jesus, dass er der Herr aller Herren ist und auch der Herr über deinem Leben. Bekenne vor ihm, dass er der Herr aller Herren ist – auch der Herr über dein Leben. Das bedeutet, jeden Bereich deines Lebens seiner Herrschaft anzuvertrauen. Gib deine eigene Herrschaft ab und übergib sie ihm. Kehr um und lege alles vor ihm hin und bestaune seine Herrlichkeit.

Bestaune den Herrn aller Herren, der bereit war, für dich die Gestalt eines Knechtes anzunehmen:

„der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein;  sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Philipper 2,6-11)

Jesus war bereit, sich selbst hinzugeben – gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. Dort hat er mit dir und mir den Platz getauscht. Er hat deine Sünde bezahlt und beglichen. Den Platz, den du durch deinen Ungehorsam und deine Sünde verdient hast, hat er am Kreuz eingenommen, damit du nun gerechtfertigt vor ihm aus Gnade durch Glauben in Christus stehen kannst.

Wenn du das noch nie in deinem Leben getan hast, dann will ich dich ermutigen: Tu es heute. Mach Jesus zum Herrn über deinem Leben. Sag es ihm in einem ehrlichen Gebet.