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Nicht um sich dienen zu lassen von J.H. Horsburgh

oder "Was hat dich ärgerlich gemacht?"

von J. H. Horsburgh, M.A.(n.d.)

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Wirst du übergangen?
Bist du neidisch?
Ignoriert?
Nicht gelobt?
Nicht gefragt?
Sprichst du in der Öffentlichkeit?
Über deine Arbeit...
...und dein Spiel
Christlicher Dienst
Zuhause
Der glückliche Weg
Ein Wort der Vorsicht
Noch ein Wort der Vorsicht
Das Selbst muss sterben
Christus muss leben!


„Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“ Markus 10,45


Nicht um sich dienen zu lassen

Hier wird uns eine erstaunliche Tatsache über den Menschensohn berichtet. Der, der diese Aussage macht, ist unser Herr selbst, der uns hier wie immer ein Beispiel gibt, dem wir nachfolgen sollten.

Es ist eher ein trauriger Umstand, der Ihn veranlasste, diese Worte zu sagen. Zwei Seiner Jünger, Jakobus und Johannes, wollten sich beide dienen lassen, indem sie für sich die ersten Plätze in Christi Herrlichkeit beanspruchten (Markus 10, 35-37). Als die anderen das hörten, waren sie völlig entrüstet, denn sie wollten, dass ihnen gedient würde, und dass sie die besten Plätze bekämen. Aber aus diesem Aufruhr brachte der Herr Gutes hervor. Er ergriff die Gelegenheit, um seine Jünger daran zu erinnern, dass sie nicht von der Welt sind, und dass ihr Kennzeichen Niedrigkeit sein muss und Bereitschaft einander zu dienen.

„Jesus rief sie zu sich“ (Markus 10, 42). Bemerkt ihr hier die Zärtlichkeit und Wärme? Er hat den zwölf Jüngern über sich erzählt – über den furchtbaren Verrat, das grausame Leid und die Erniedrigung, den schmachvollen Tod, der ihn in Jerusalem erwartete (Markus 10, 32-34). Sind sie zutiefst berührt und betroffen? Nein, sie scheinen unfähig zu sein, an Ihn zu denken. Sie fangen an untereinander zu streiten, wer der Größte von ihnen sei. Stellt euch ihre roten Köpfe vor, ihren verärgerten Ton, ihre heftigen Gesten!

Aber Jesus ruft sie zu sich, und behutsam stillt er den Sturm. Weltliche Machthaber, sagt er ihnen, herrschen über andere: „Unter euch aber soll es nicht so sein, sondern wer unter euch groß werden will, der sei euer Diener, und wer von euch der Erste werden will, der sei aller Knecht. Denn auch der Sohn des Menschen ist NICHT GEKOMMEN, UM SICH DIENEN ZU LASSEN, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele (Markus10, 42-45). In anderen Worten: „Denkt daran, dass ihr meine Jünger seid. Der Jünger muss sein wie sein Herr.“

Offensichtlich ist das etwas, was uns alle angeht, sofern wir Jünger Jesu sind. Es sagt uns etwas davon, welchen Geist wir haben sollten und wie unser Leben sein sollte – heute und alle anderen Tage.

Der Abschnitt besagt, dass der Sohn des Menschen gekommen ist, um zu dienen. Dies ist ein großartiges Thema. Es ist nicht so, dass er zufällig einigen oder vielen gedient hat, sondern Er kam, um zu dienen. Das war sein ausdrücklicher Vorsatz.

Aber diese wunderbare Textstelle sagt uns noch etwas anderes über den Sohn des Menschen. Er ist NICHT GEKOMMEN, UM SICH DIENEN ZU LASSEN.

Wir sind es gewohnt, darüber hinweg zu lesen, es zu vergessen oder vielleicht gar keine Notiz davon zu nehmen. Die Jünger Jesu sollten so wie der Menschensohn kommen, um zu dienen. Ja, und die Jünger Jesu sollten so wie der Menschensohn NICHT kommen, UM SICH DIENEN ZU LASSEN.

Wenn es mir erlaubt ist, ein Wort des persönlichen Zeugnisses zu geben, so möchte ich dies sagen: Im Auf und Ab und den Zerreißproben des täglichen Lebens gibt es wenige Bibelstellen, die mich so herausfordern wie diese. Sie überführt mich, weist mich zurecht und verurteilt mich. Sie ertappt mich ständig. Aber trotzdem ermutigt sie mich auch, beruhigt mich, stärkt und tröstet mich und hilft mir!

Dieser Wunsch, sich dienen zu lassen, liegt den Streitereien im Kindergarten zugrunde, den Kämpfen in der Schule, den Streitigkeiten zwischen Einzelnen, den Kriegen zwischen Nationen. Und traurigerweise ist dieser Geist nicht nur in der Welt weit verbreitet, sondern auch in der Gemeinde. Als Christen ist uns gar nicht genügend bewusst - vielleicht merken wir es überhaupt nicht - wie viel Sünde und Versagen, wie viel Ärger und Unzufriedenheit, wie viel Verdrießlichkeit und Reizbarkeit, wie viel Uneinigkeit und Unglücklichsein in unserem Leben dem Wunsch entspringt, SICH DIENEN ZU LASSEN, anstatt zu kommen, um SELBST ZU DIENEN.

Sind wir nicht oft genug mürrisch, verärgert, beleidigt, ungehalten oder entrüstet? Manchmal zeigen wir es durch einen törichten Gefühlsausbruch; manchmal können wir uns beherrschen, aber dann plagt uns dieses scheußliche Gefühl! Und warum? Sehr wahrscheinlich deshalb, weil wir wollten, dass uns gedient würde, und nun sind wir enttäuscht.

Tatsache ist, dass uns immer gedient werden soll – durch Menschen, durch Umstände, durch Glück, durch das Wetter oder irgendetwas. Sich dienen zu lassen scheint so natürlich, so nötig, so richtig! Wir sind so erzogen, es zu erwarten. Und wenn uns ein Strich durch die Rechnung gemacht wird, wie es so oft passiert, dann sind wir geneigt verärgert zu sein, gekränkt, übel gelaunt, genervt und letztendlich machen wir vielleicht uns und auch die anderen unglücklich.

Wie anders wäre es, wenn wir wie Jesus immer kommen würden, um zu dienen, NICHT UM UNS DIENEN ZU LASSEN. Sehen wir uns ein paar Beispiele an.

Wirst du übergangen?

Du wirst übergangen, ignoriert, beiseite geschoben. Oder dein Arbeitgeber oder Arbeitnehmer nimmt nicht die angemessene Rücksicht. Oder dein Nachbar behandelt dich nicht mit dem Respekt, der deiner Stellung, deinen Fähigkeiten, deinem Charakter gebührt. Du fühlst das sehr stark; und tatsächlich bist du wütend darüber. Warum? Ist es deshalb, weil du gekommen bist, um zu dienen, und man dir dieses Privileg entzogen hat? Nein, ganz und gar nicht. Es ist deshalb, weil deine Gefühle, deine Rechte, deine Gaben, deine Position, deine Würde, dein Ansehen nicht anerkannt wurden. DIR wurde nicht gedient. Und du bist gekommen, um dir dienen zu lassen. Deshalb der Sturm!

Bist du neidisch?

Oder denke mal über diese abscheuliche Sache nach: den Neid. Was ist das? Jemand wird gelobt oder über dich gesetzt. Jemand macht etwas besser als du. Jemand anderes hat mehr Glück. Die Ehre, der Erfolg, die Popularität oder die Belohnung ist an ihn gegangen. Du wolltest es für dich haben. Du bist gekommen, um dir dienen zu lassen. Und weil ihm gedient wurde und nicht dir bist du neidisch!

Ignoriert?

„Aber es war nicht richtig“, sagst du, „er hatte kein Recht, mich zu ignorieren, mich zu missachten oder mich so zu behandeln, wie er es getan hat. Und es war sehr ungerecht; jene andere Person hätte mir nicht vorgezogen werden dürfen.“ Das mag absolut wahr sein, und wir entschuldigen in keiner Weise falsche Behandlung oder Ungerechtigkeit. Aber du bist ein Jünger Jesu (ich rede nur zu solchen), und ich frage dich, wenn du gekommen wärst, wie unser Meister: NICHT UM DIR DIENEN ZU LASSEN, SONDERN UM ZU DIENEN, wärst du so sauer und wütend und neidisch? Das Problem ist, du bist gekommen, um dir dienen zu lassen.

Nicht gelobt?

Du warst nett zu jemandem. Du hast ihm einen Dienst erwiesen. Es hat dich etwas gekostet. Natürlich dachtest du, deine Güte würde anerkannt werden. Sie wurde es nicht oder zumindest nicht in dem Ausmaß, in dem es deiner Meinung nach hätte geschehen sollen. Du hast reichlichen Dank erwartet und viel Aufhebens. Und dein Freund hat es kühl entgegen genommen. Du bist empört. Du wünschtest, du hättest ihm nicht geholfen. Und fast möchtest du voreilig sagen, dass du nie wieder jemand eine Freundlichkeit erweisen wirst! Warum? Du hast jemandem gedient, du hast jemandem geholfen, der es brauchte. Ja, aber dir wurde nicht gedient. Du wolltest, dass man dich für sehr gut und freundlich und großzügig hält. Das bedeutet, du hast erwartet, dass der andere dir dient - mit Dank und Lob und vielleicht einer kleinen Schmeichelei. Ja, wenn wir kommen, um uns dienen zu lassen, dann trifft uns manchmal ein gewaltiger Schock.

Nicht gefragt?

Du bist eine Person mit exzellentem Geschmack, einem guten Urteilsvermögen, gesundem Menschenverstand. Und du merkst, dass dein Rat ignoriert wurde – oder nicht einmal gefragt, und dazu noch in einer Angelegenheit, in der du als Autorität giltst. Du kannst es nicht verstehen. Du fühlst dich verletzt. Du bist innerlich aufgewühlt. Du bist ziemlich aus dem Gleichgewicht gebracht. Was ist das Problem? Ist es deshalb, weil du gekommen bist, um deinem Freund zu dienen und er in traurige Schwierigkeiten geraten ist, weil er deinen Rat nicht befolgt hat? Ganz und gar nicht. So wie es aussieht, hat er es sehr gut ohne deine Hilfe geschafft. Das Problem liegt hier: Du bist nicht anerkannt worden. Deinem Ruf als „Autorität“ in diesem Bereich - was Geschmack oder Beurteilung betrifft - ist nicht gedient worden. Du bist nicht gekommen, um zu dienen, sondern um dir dienen zu lassen. Und du bist enttäuscht worden!

Sprichst du in der Öffentlichkeit?

Es ist angekündigt worden, dass du zu einem besonderen Anlass sprichst. Eine große Zuhörerschaft hat sich versammelt, und dir ist mit einer besonderen Genugtuung aufgefallen, dass Herr X, ein bekannter und einflussreicher Christ, anwesend war. Du hattest ein großartiges Thema und sprachst sehr wortgewandt. Am Schluss warst du sehr mit dir zufrieden und hast natürlich erwartet, dass Herr X sofort nach vorne kommen würde, deine Hand ergreifen würde und dir herzlich danken würde „für solch eine gute, interessante und bewegende Ansprache“. Aber Herr X hat ohne ein Wort zu sagen still den Saal verlassen. Wie enttäuscht du warst! Die Freude, die du gespürt hast, war ausgelöscht – wie eine Kerze! Du hattest die Gelegenheit, einer Anzahl von Menschen zu dienen. Aber das war nicht ganz das, weshalb du gekommen bist. In deinem tiefsten Inneren wolltest du, dass diese Rede dir dient. Es ist wieder die gleiche alte Not. Du bist gekommen, dir dienen zu lassen.

Über deine Arbeit...

Du bist ein Profi oder ein Geschäftsmann. Es geht dir ziemlich gut. Du hast alles, was du brauchst. Aber du sehnst dich nach mehr. Und dein Erfolg entspricht nicht deinen Erwartungen. Das bedrückt dich. Es beunruhigt dich Tag für Tag. Du fühlst dich ständig depressiv. Was ist der eigentliche Grund? Ist es deshalb, weil du gekommen bist, zu dienen und du enttäuscht bist, dass du nicht in dem vollen Maße dienen konntest, wie du es erhofft hattest? Nein, das ist es nicht. Sondern Du willst selbst mehr befriedigt werden; du willst eine größere Show machen; mehr im Rampenlicht stehen; du sehnst dich nach Reichtum. Und dein Verlangen danach wird nicht befriedigt. Dir wird nicht gedient.

...und dein Spiel

Sogar deine Freizeit ist gestört durch diesen „Gekommen-um-sich-dienen-zu-lassen-Geist“. Du hast an einem Rennen teilgenommen, an einem Wettkampf, einem Spiel. Du hast versagt, du wurdest besiegt. Wie schlecht es dir ging! Bis heute verfolgt dich dieses Gefühl. Ein Cambridge-Student hatte drei Jahre lang hintereinander ein Rennen gewonnen. Wenn er es noch ein viertes Mal gewinnen würde, wäre es ein Rekord gewesen. Und man erwartete, dass er gewinnen würde. Aber er hat verloren! Mir wurde gesagt, dass er wochenlang nicht mehr gelächelt hat. Er wollte, dass dieses Rennen seinem Ruhm dient. Er wollte, dass die Leute auf ihn zeigen und sagen würden: „Er hat getan, was niemand getan hat.“ Und weil ihm nicht gedient worden war, war er am Boden zerstört. „Aber“, antwortest du, „beim Sport und bei Wettkämpfen kommt es darauf an unser Bestes zu geben und zu gewinnen; unsere Absicht ist es, uns dienen zu lassen.“ Ja, natürlich. Aber schließlich ist es doch nur ein Spiel. Und ein Jünger Christi sollte seine Spiele nicht zu ernst nehmen. Sogar auf dem Spielfeld kann er den „Nicht-gekommen-um-sich-dienen-zu-lassen-sondern-um-zu-dienen-Geist“ demonstrieren. Wenn er besiegt wurde, kann er sich über die Befriedigung freuen, die das Wissen schenkt, dass er durch sein Verlieren dem Gewinner dienen konnte.

Christlicher Dienst

Aber um zu etwas Ernsthafterem als Sport zurückzukommen. Du bist in christlicher Arbeit engagiert. Du bist ein Sonntagschullehrer oder machst Hausbesuche oder irgendeinen Dienst in der Gemeinde. Oder vielleicht hilfst du beim Mütterkreis, in der Arbeit unter Bedürftigen oder hältst Kontakt mit den Missionaren. Und jetzt denkst du darüber nach, die Arbeit aufzugeben. Warum? Geht es dir gesundheitlich nicht gut? Hast du gerade jetzt keine Zeit mehr für den Dienst? Gibt es dringliche Verpflichtungen zu Hause? Nein, nichts dergleichen ist der Grund. Bist du dann unerwünscht? Wird dein Dienst nicht mehr gebraucht? Hat man dir die Gelegenheit zum Dienen entzogen? Nein, der Bedarf ist genauso groß wie vorher. Also, warum gibst du auf? Nun, du bist der Arbeit überdrüssig, also hast du vor, sie fallen zu lassen. Du hast erwartet, dass sie interessant ist, dass sie dir Kontakte schenkt, dass sie dir eine Stellung in der Gemeinde geben würde. Du dachtest, du würdest diese Arbeit mögen. Und eine Zeit lang hat sie dir gefallen, aber jetzt hast du keine Lust mehr. Ah! Langsam verstehen wir. Du dachtest, die Arbeit würde dir dienen. Und so lange sie dir gedient hat, warst du motiviert weiterzumachen. Aber jetzt, wo sie dir nicht länger dient, willst du sie aufgeben. Aber „der Sohn des Menschen ist NICHT GEKOMMEN, UM SICH DIENEN ZU LASSEN, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben...“ Und bist du nicht sein Jünger?

Dies sind nur einige Beispiele. Sie mögen nicht auf dich zutreffen. Aber denke mal darüber nach; und wie immer dein Leben aussieht oder deine Beziehung zu anderen, du wirst überrascht sein, herauszufinden, was die Ursache deiner Unruhe und deiner Schwierigkeiten ist: DER WUNSCH SICH DIENEN ZU LASSEN, anstatt zu kommen, um zu dienen.

Zuhause

Du wohnst mit einem Freund/einer Freundin zusammen. Deine Freude wird von kleinen Frustrationen gestört. Du bist schnell, dein Freund/deine Freundin ist langsam. Du bist ökonomisch, dein Freund/deine Freundin ist extravagant. Du bist pünktlich, und dein Freund/deine Freundin ist unpünktlich. Du bist eine ordentliche Person und dein Freund/deine Freundin ist unordentlich. Du willst alles auf eine ganz bestimmte Art und Weise gemacht haben, dein Freund/deine Freundin macht es irgendwie. So gibt es dauernd Reibereien. Aber warum? Weil du deinem Freund nicht dienen kannst? Ganz sicher nicht. Es geht darum, dass deiner Liebe zur Ordnung oder was auch immer, deinem Wunsch, dass alles nach dir gehen soll, nicht gedient wurde.

Oder vielleicht bist du die Person, die alles ganz locker sieht, und es ärgert dich, dass deiner leichtfertigen Art zu leben nicht gedient wird.

Stell dir vor, ihr versucht beide den Wunsch zu haben, euch NICHT DIENEN ZU LASSEN, sondern zu dienen und zu geben.

Es ist erstaunlich, wie viele kleine Dinge uns stören. Dein Plan für den Nachmittag ist durcheinander gebracht; du wünschst dir einen regnerischen Tag, es bleibt trocken. Jemand kommt zu Besuch genau in dem Augenblick, in dem du weggehen willst. Du wirst gebeten zu singen, und deine Stimme ist heiser und macht dir keine Ehre. Die Antwort auf deinen Brief ist nicht gekommen. Deiner Bitte wird nicht entsprochen. Du wirst in der Mitte eines interessanten Buchs unterbrochen. Der Stift schreibt nicht. Das Kleid passt nicht. Das Feuer will nicht brennen. Etwas stimmt nicht mit dem Essen. Die Kinder sind so laut!

Manchmal scheint alles verkehrt. Es ist nichts Großes, nichts worauf wir den Finger legen könnten. Aber wir kommen immer in diese Welt mit unseren Vorlieben und Abneigungen, unseren Ticks und Launen, unseren Wünschen und Hobbys, unseren Marotten und Schwächen. Und wenn uns in diesen kleinen Dingen nicht gedient wird, sind wir geneigt, unglücklich zu sein und verärgert über uns selbst und über alle anderen.

Der glückliche Weg

Ich bin überzeugt, dass das Glück unsres Lebens gewaltig davon abhängt, mit welcher Einstellung wir der Welt jeden Tag begegnen. Wenn wir kommen, um uns dienen zu lassen, werden wir schnell frustriert und innerlich verärgert sein. Aber wenn wir kommen NICHT UM UNS DIENEN ZU LASSEN, sondern um zu dienen, wird es ganz anders sein. „Geben ist seliger als nehmen.“ Es ist besser zu dienen, als sich dienen zu lassen. Und es ist bei weitem edler. „Wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht (Matthäus 20,27).

Ein Wort der Vorsicht

Unser Text sagt nicht, dass wir wie Stoiker sein sollen, dass wir nichts fühlen – egal was passiert. Natürlich haben wir Gefühle wie Ärger, Frust, Enttäuschungen – all das, worüber wir gesprochen haben. (Sie brächten uns keinen Nutzen, wenn wir sie nicht fühlen würden.) Aber sie müssen uns nicht unglücklich machen. Jemand hat einmal gesagt: „Du kannst nicht verhindern, dass eine Krähe auf deinem Kopf landet, aber du kannst es verhindern, dass sie in deinen Haaren ein Nest baut.“ Wenn wir wollen, dass uns gedient wird, dann hegen wir die Kränkungen und Verletzungen, wir bauschen sie auf, wir geben uns diesen Gefühlen hin, wir lassen sie „ein Nest bauen“ und ihre bösartigen Eier ausbrüten. Aber wenn wir nicht danach trachten, uns dienen zu lassen, sondern zu dienen, dann hegen wir die Kränkungen und Verletzungen nicht, wir heißen sie nicht willkommen, wir schenken ihnen kaum Beachtung, wir sind zu beschäftigt, um uns um sie zu kümmern. Lasst uns wie Jesus sein. Er war immer zu sehr damit beschäftigt, sich Gedanken um andere zu machen und ihnen zu dienen als darüber nachzudenken, ob ihm gedient wurde oder nicht. Ein souveränes Heilmittel gegen Empfindlichkeit ist es, sich um seinen Nächsten zu kümmern.

Noch ein Wort der Vorsicht

Wiederum sagt unser Text auch nicht, dass uns nicht gedient werden soll. Er sagt nicht, dass wir immer übergangen und niemals anerkannt werden sollen; dass wir nie Erfolg haben sollen; dass uns weder Preis noch Belohnung zustehen darf; dass wir herumlaufen sollen und Ausschau halten sollen nach Ungerechtigkeit, Beleidigungen und schlechter Behandlung. Nichts dergleichen. Es ist nichts Schlimmes daran, sich dienen zu lassen. Dem Sohn des Menschen wurde oft gedient, und er hat es sehr geschätzt. Uns wird oft gedient werden; vielleicht umso mehr, wenn wir es nicht erwarten. Das Problem liegt darin, dass uns immer gedient werden soll und wir unser Herz darauf ausrichten und enttäuscht, verdrossen, aufgebracht und ärgerlich sind, wenn es nicht passiert.

Wir haben lange damit zugebracht über dieses Versagen zu reden: DEM WUNSCH SICH DIENEN ZU LASSEN. Wir haben deshalb so lange damit zugebracht, weil es so häufig vorkommt, die Folgen davon so traurig sind und weil es so vielen unter uns, die ständig schuldig werden, gar nicht bewusst ist.

Das Selbst muss sterben

Und jetzt ein paar kurze Worte über das Heilmittel. Mit Sicherheit ist die Ursache aller Probleme und in all seinen Auswirkungen das Selbst. Und dieser alte Feind, das Selbst, muss gedemütigt - dem Tod übergeben werden. Wir dürfen dem Selbst keinen Raum geben. Jemand hat mal geschrieben: „Ich sende Dir meine besten Wünsche zum Geburtstag, ich hoffe, Du bist tot.“ Und diese Person hatte Recht. DAS SELBST MUSS STERBEN.

Mit dieser Tatsache im Blick: In welch einem anderen Licht müssen wir es sehen, wenn uns NICHT GEDIENT WIRD. Willkommen Enttäuschung! Willkommen Bedrängnis! Willkommen Kränkung! Willkommen Dornen und Disteln! Diese alle mögen sich in großen Gewinn verwandeln. Nicht das zu bekommen, was wir wollen, kann das Beste für uns sein! Wenn unsere Pläne durchkreuzt werden, kann das gut für uns sein! Dass unsere Wünsche nicht in Erfüllung gehen, kann ein Segen sein! Gedemütigt zu werden, kann großartig sein! Jedes Mal, wenn uns nicht gedient wird, gibt es eine neue Gelegenheit, das Selbst sterben zu lassen! Und die Person, die uns verächtlich behandelt, kann als Freund betrachtet werden, der uns hilft, unserem Erzfeind – dem Selbst – einen kräftigen Schlag auf den Kopf zu versetzen! DAS SELBST MUSS ABGETÖTET WERDEN. Denn nur wenn das Selbst stirbt, können wir ein glückliches und siegreiches Leben leben.

Christus muss leben!

Aber es ist nicht genug, dass das Selbst stirbt. Etwas anderes muss auch geschehen. Christus muss leben. Das Selbst stirbt – Christus lebt. Und in dem Ausmaß, in dem das Selbst in uns stirbt, kann Christus in uns leben. Lasst uns deshalb keine Angst haben vor dem Tod – dem Tod des „Selbst-Lebens“. Nur wenn das Selbst stirbt und Christus in uns lebt, sind wir jeden Tag fähig, neu in die Welt zu kommen NICHT UM UNS DIENEN ZU LASSEN, sondern um zu dienen; und in unserem kleinen Maß unsere Leben zu geben, uns selbst zu opfern, zur Ehre Gottes und zum Guten für die Menschen um uns herum.